4.231 Wonhalde-Spielberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Wonhalde‑Spielberg« vom 2. November 1993 (GBl. v. 21.12.1993, S. 755).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701), und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12), wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Lichtenstein, Landkreis Reutlingen, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Es besteht aus zwei Teilen und führt die Bezeichnung »Wonhalde‑Spielberg«.

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 118,07 ha. Es umfaßt auf Gemarkung Unterhausen die Flurstücke 3432 teilweise, 3433 teilweise, 3434, 3435 teilweise, 12258, 12261, 12265 /2, 12266 teilweise und 12267.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 1. Februar 1993 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Reutlingen in Reutlingen auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

(1) Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Verbesserung eines Biotopmosaiks aus Wacholderheide, Halbtrockenrasen, Wiesen, Saumgesellschaften, Hecken und Waldpartien als Lebensraum zahlreicher seltener und gefährdeter, vor allem wärme- und trockenheitsliebender Pflanzen‑ und Tierarten;

Insbesondere schützenswert sind:

·               der Trespen‑Trockenrasen am schmalen Saum des Spielberges mit den typischen Pflanzen wie z. B. Küchenschelle, Kugelblume, Aufrechter Trespe u. a.;

·               der Trespen‑Halbtrockenrasen mit Vorkommen der Silberdistel und verschiedener Enzian‑ und Orchideenarten;

·               die in die Magerrasen eingestreuten wärmeliebenden Gebüsch‑ und Baumgruppen, bestehend aus Wacholder, Feldahorn, Stieleiche, Schlehe, verschiedenen Rosenarten u. a.;

·               die mit Gebüsch bewachsenen alten Steinriegel, die den Trockenrasen am Spielberg durchziehen;

·               die wärmeliebenden Saumgesellschaften mit Vertretern des Blutroten Storchschnabel, Schwalbenwurz und weiteren typischen Pflanzen thermophiler Standorte;

·               die Berg‑Goldhafer‑Wiesen auf der Hochfläche des Spielberges;

·               die naturnahen Waldbestände mit dem Weißjura-Hangbuchenwald an den Osthängen des Won und des Lippentaler Hochberges, dem wärmebedürftigen Buchen‑Steppenheide‑Wald an der Südseite des Lippentaler Hochberges sowie dem Haargersten‑Buchenwald auf der Hochfläche des Lippentaler Hochberges;

·               das artenreiche Pflanzenmosaik bedingt eine reichhaltige Insektenwelt mit zahlreichen an diese Standorte angepaßten Vertretern, z. B. Schmetterlingen (Tag- und Nachtfalter), Heuschrecken und verschiedenen Zweiflüglern;

·               die Strukturvielfalt im Gebiet und die reichhaltige Insektenfauna bilden die Grundlage für das Vorkommen zahlreicher Vogelarten, es wurden 46 Brutvogelarten und verschiedene Durchzügler beobachtet; viele der Insekten‑ und Vogelarten sind gefährdet und zum Teil vom Aussterben bedroht.

(2) Schutzzweck ist zudem die Erhaltung und Pflege des reizvollen, für Hangbereiche am Albtrauf und Wiesenflächen der Albhochfläche charakteristisch ausgebildeten Landschaftsbildes sowie die Erhaltung, Pflege und  Verbesserung des Biotopverbundes zwischen den Heideflächen im Reißenbachtal und den Heideflächen im nordöstlich gelegenen Zeller Tal.

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder einzubringen;

7.            neu aufzuforsten;

8.            auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

11.        zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

12.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu befahren; straßenverkehrsrechtliche Fahrverbote bleiben unberührt;

13.        in dem Schutzgebiet Starts oder Landungen mit Luftfahrzeugen oder Modellflugzeugen durchzuführen oder Sommerski zu fahren;

14.        Feuer zu machen;

15.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

16.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß weitere jagdliche Einrichtungen nur in einfacher Form aus naturbelassenen Hölzern und nur dort errichtet werden, wo sie weder das Landschaftsbild noch wertvolle Pflanzenstandorte beeinträchtigen;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art mit der Maßgabe,
a) daß die erste Mahd nach dem 15. Juli erfolgt,
b) daß nur mit Schafen beweidet wird. Die Beweidung erfolgt nach einem mit der Gemeinde abgestimmten Beweidungsplan;

3.            für die ordnungsgemäße Forstwirtschaft in bisheriger Art und bisherigem Umfang mit der Maßgabe, langfristig nicht standortgerechte Bestände möglichst in einen standortgemäßen, naturnahen Mischwald zu überführen;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie - deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle - im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt - veranlaßt werden;

6.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

§ 7 Belange des Bundesfernstraßenbaus

Durch diese Verordnung bleibt die gemäß § 16 Bundesfernstraßengesetz zu treffende Linienführung und der Bau der in der Planung befindlichen B 312 (Albaufstieg) unberührt.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 4 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

§ 9 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt die Verordnung des Landratsamtes Reutlingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutz von Naturdenkmalen im Landkreis Reutlingen vom 19. Dezember 1979 (Reutlinger Generalanzeiger, Reutlinger Amtsblatt ‑ Amtsblatt der Stadt Reutlingen und des Landkreises Reutlingen, Reutlinger Nachrichten ‑Kreisausgabe vom 21. Dezember 1979) insoweit außer Kraft, als sie sich auf die Naturdenkmale 415.363 »Halde« und 415.375 »Wonhalde« bezieht.

TÜBINGEN, den 2. November 1993

DR. GÖGLER

Änderung:

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen zur Änderung der Verordnung über das Naturschutzgebiet „Wonhalde-Spielberg" vom 21.Okt.2002 (GBl. v. 11.11.2002, S. 414).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.03.1995 (GBI. S. 385), zuletzt geändert durch Art. 1 Naturschutzverwaltung-Neuorganisationsgesetz vom 14.03.2001 (GBI. S. 189) wird verordnet:

Artikel 1

Die Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet „Wonhalde-Spielberg" vom 2. November 1993 (GBI. S. 755) wird wie folgt geändert:

1. In § 2 Abs. 1 Satz 1 wird die Größenangabe „118,07 ha" durch die Größenangabe „117,46 ha" ersetzt.

2. Vor § 2 Abs. 2 Satz 1 wird eingefügt:

"Die Grenze des Naturschutzgebietes wird beim bestehenden Friedhof der Gemeinde Lichtenstein, Ortsteil Unterhausen, in nordöstliche Richtung verlegt. Das Naturschutzgebiet wird um die Fläche eines neuen Flurstücks 3435/1 verkleinert."

3. § 2 Abs. 2 Satz 1 wird Satz 2 und wie folgt neu gefasst:

Die Grenzen des Naturschutzgebietes und seine innere Gliederung sind in folgenden Karten des Regierungspräsidiums Tübingen mit durchgezogener roter Linie eingetragen: einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 verbunden mit einer Flurkarte vom 1. Februar 1993 im Maßstab 1:2500 sowie in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 verbunden mit einer Teilausschnittskarte vom 5. Juli 2002 im Maßstab 1:2500.

4. § 2 Abs. 2 Satz 2 wird Satz 3.

5. § 2 Abs. 2 Satz 3 wird Satz 4.

6. §2 Abs. 2 Satz 4 wird Satz 5.

Artikel 2

1. Diese Verordnung mit Teilausschnittskarte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, Konrad-Adenauer-Straße 20, und beim Landratsamt Reutlingen, Umweltschutzamt, Karlstraße 27 in ReutIingen, auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach der Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

2. Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

3. Für das ausgegrenzte Flurstück 3435/1 Gewann Halde, Gemarkung Unterhausen, Gemeinde Lichtenstein, Landkreis Reutlingen tritt die Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet „Wonhalde-Spielberg" vom 2. November 1993 gleichzeitig außer Kraft.

Tübingen, den 21.Oktober 2002

Hubert Wicker