4.239 Zeller See

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Zeller See« vom 22. März 1994 (GBl. v. 29.04.1994, S. 221).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz ‑NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Biotopschutzgesetz vom 19. November 1991 (GBl. S. 701) und von § 22 Abs. 2 und § 33 Abs. 2 Nr. 4 Landesjagdgesetz in der Fassung vom 20. Dezember 1978 (GBl. 1979 S. 12) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Kißlegg, Gemarkungen Kißlegg und Sommersried, Landkreis Ravensburg, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Zeller See«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 26 ha. Es umfaßt den Zeller See mit den ihn umgebenden Verlandungszonen und die nördlich vorgelagerte Niederung der Kißlegger Ach bis zur Bahnlinie Kißlegg‑Wangen mit den Flurstücken 76/1, 76/2 teilweise (tw), 78, 79, 80, 83, 161 tw, 163/1, 187 tw, 189/1 tw, 189/3 tw, 197, 198/1 tw, 198/2 tw, 531/1, 537 tw, 538 (Zeller See), 544, 545, den Vicinalweg 4 und die Kißlegger Ach Bach 172, 1/3, 1/4 und 1f5 der Gemarkung Kißlegg sowie die Flurstücke 1304, 1307 tw, 1313/1, 1313/2 tw, 1314/2, 1313/6 tw, 1314/1, 1321/1, 1323 tw und Ortsweg 6 tw der Gemarkung Sommersried.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 30. Dezember 1993 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000. gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Ravensburg in Ravensburg auf die Dauer von drei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck sind die Erhaltung, Förderung und langfristige Verbesserung der ökologischen Wertigkeit des natürlichen Stillgewässers Zeller See, seiner charakteristischen Verlandungszonen und der sich im Norden anschließenden Niederung der Kißlegger Ach mit ihren Streuwiesen als

·               Lebensraum und Rückzugsgebiet einer artenreichen und gefährdeten Tier‑ und Pflanzenwelt,

·               wichtiger Trittstein in dem Lebensraumverbund von Feuchtgebieten entlang der Kißlegger und Wolfegger Ach,

·               siedlungsnaher, weitgehend intakter Naturlandschaftsteil von besonderer landschaftlicher Schönheit.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

7.            neu aufzuforsten oder auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen. zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

8.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

9.            die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland oder Brachflächen in Äcker oder zur Neueinsaat umzubrechen;

10.        zu zelten, zu grillen, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

11.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten oder zu befahren;

12.        im Schutzgebiet zu reiten;

13.        Hunde frei laufen zu lassen;

14.        Loipen oder Skiwanderwege anzulegen;

15.        im Zeller See zu baden;

16.        Wasserfahrzeuge jeglicher Art zu benutzen oder den See damit zu befahren. Ausgenommen sind ein Boot für den Inhaber des Fischereirechts und drei Boote zur Ausübung der Fischerei. Die Boote sind außerhalb der in die Schutzgebietskarte eingetragenen Schutzzonen unterzubringen;

17.        Schwimmblattpflanzen zu entfernen oder zu beschädigen;

18.        Luftfahrzeuge aller Art zu starten oder zu landen;

19.        Feuer zu machen;

20.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

21.        Düngemittel oder Chemikalien einzubringen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd mit der Maßgabe, daß
a) Fütterungen und Kirrungen im Gebiet ausgeschlossen bleiben und
b) die Jagd auf Wasserwild nicht vor dem 1. November ausgeübt wird;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der landwirtschaftlichen Grünlandnutzung in der durch unterschiedliche Markierungen auf der Schutzgebietskarte festgelegten Art und Weise mit der Maßgabe, daß in einem 10 m breiten Gürtel um See und Ach eine Düngung nicht zulässig ist;

3.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei mit der Maßgabe, daß
a) die Fischerei vom Seeufer aus nur an den in der Karte eingetragenen Angelplätzen und mit maximal drei Booten gleichzeitig auf dem See betrieben wird. Im ortsnahen Bereich zwischen dem Einlauf der Ach und dem Schloß ist das Fischen außerhalb der Röhrichtbestände zulässig,
b) in der in der Karte eingetragenen nördlichen Schutzzone vom Boot aus nicht zwischen 1. April und 30. Juni und vom Ufer aus nicht zwischen 1. April und der Streumahd gefischt wird,
c) in der südlichen Schutzzone vom Boot und vom Ufer aus nicht zwischen 1. Mai und 31. Juli gefischt wird und
d) ein Besatz nur mit standortheimischen Fischarten zulässig ist (Regenbogenforelle, Bachsaibling und Aal gehören dazu nicht);

4.            für das Baden durch die ständigen Einwohner von Pfaffenweiler am bestehenden Badeplatz auf Flst. 1307, sowie für den Badeplatz unterhalb des Schlosses, jeweils außerhalb der Schutzzonen und bis auf Widerruf. Der Widerruf ist bei nachgewiesenen Schäden und Beeinträchtigungen des Schutzzwecks möglich;

5.            für die Nutzung der rechtmäßigerweise bestehenden Versorgungs‑ und Verkehrseinrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

6.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle veranlaßt werden, sowie für abgestimmte Maßnahmen im Rahmen des Gewässerentwicklungsplans »Immenrieder und Kißlegger Ach«;

7.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Gestaltungsmaßnahmen

Anlagen im Sinne von § 4 Abs. 2 Nr. 1 dieser Verordnung, die ohne die erforderliche behördliche Genehmigung oder Gestattung errichtet wurden, sind zu beseitigen. Nutzungen, die Eingriffe gemäß §§ 10 bis 12 NatSchG sind und die nicht ausdrücklich genehmigt sind, sind zu unterlassen.

 

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Nr. 2 bis 7 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 33 Abs. 2 Nr. 4 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 1 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 22. März 1994

DR. GÖGLER