4.255 Eichberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Eichberg« vom 3. Februar 1995 (GBl. v. 31.03.1995, S. 298).

Auf Grund von § § 21, 58 Abs. 2 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 7. Februar 1994 (GBl. S. 73), wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Geislingen, Gemarkung Erlaheim, Zollernalbkreis, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Eichberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 17,83 ha.

(2) Es umfaßt auf Gemarkung Erlaheim

·               die Flurstücke Nr. 525, 526, 527, 528, 529, 530, 531, 532, 533, 534, 535, 535/1 teilweise (Weg), 584/1 teilweise (Weg), 587/1 teilweise (Weg), 591 teilweise, 592, 592/1, 593 teilweise, 594, 599, 600, 601, 602, 603, 604, 606, 608 (Weg), 609, 610, 611, 728, 729, 730, 731, 732/1, 732/2, 733 teilweise (Weg), 734, 743 teilweise (Weg), 743/1, 743/2, 744/1, 744/2, 744/4, 745/1, 745/2, 746/1, 746/2, 746/3, 747/ , 747/2, 748/1, 793, 794, 795, 796, 797 (Weg), 800, 801, 802, 803, 804/1, 804/2, 805, 805/1 (Weg), 806/1, 806/2, 806/3, 807, 808, 809/1, 809/2, 810, 810/1 (Weg), 811, 812, 813, 814, 820 teilweise (Weg), 820/1, 820/2, 821, 822, 823, 824, 825, 826 (Weg), 826/2, 827 teilweise, 829, 830, 831/1, 831/2, 832, 833, 834, 835, 836, 837, 838/1, 838/2, 839/1, 839/2, 840, 841, 842, 843, 844/1, 844/2, 845, 846, 847, 848, 850, 851/1, 851/2, 851/3, 851/4, 852, 853, 855, 857, 858, 859, 860, 862, 863, 865, 867, 868, 872, 875, 877, 878/1, 878/2, 879, 882, 883, 886, 887, 888, 889, 890, 891, 892 und 893.

(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen, Stand 24.Janaur 1995, im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(4) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Verbesserung eines vielfältig strukturierten Landschaftsteiles mit der daran gebundenen extensiven land- und forstwirtschaftlichen Nutzung als Lebensraum für gefährdete und geschützte Pflanzen- und Tierarten sowie als kulturhistorisches Relikt.

Von besonderer ökologischer Bedeutung sind hierbei:

·               die trespenreichen Halbtrockenrasen,

·               die artenreichen Glatthaferwiesen trockener und feuchter Ausprägung,

·               die Feuchtflächen,

·               die Streuobstbestände,

·               die Einzelbäume und Baumgruppen,

·               die Heckenbestände,

·               die Saumgesellschaflten,

·               der artenreiche Waldbestand.

Die reich strukturierte Landschaft mit ihren unterschiedlichen Pflanzenformationen bietet Lebensraum für zahlreiche Insektenarten (z. B. Tag- und Nachtfalter, Heuschrecken) sowie für viele gefährdete Vogelarten (z. B. Neuntöter, Raubwürger, Wendehals).

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Insbesondere ist verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            die Bodengestalt zu verändern;

4.            Boden‑ und Gesteinsteile zu entnehmen;

5.            Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebietes entgegen dem Schutzzweck verändern;

6.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu lagern;

7.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen;

8.            neu aufzuforsten;

9.            auf andere Weise Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

10.        Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut‑, Wohn‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

11.        die Art der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

12.        zu zelten, zu lagern, zu grillen, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen;

13.        Feuer zu machen;

14.        ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

15.        das Schutzgebiet außerhalb der Wege zu betreten;

16.        durch Beschilderung oder Hindernisse, wie z. B. Abschrankungen, gegebenenfalls gekennzeichnete oder gesperrte Pfade und Wege zu betreten;

17.        zu reiten;

18.        das Befahren des Schutzgebietes mit Fahrzeugen aller Art, einschließlich Fahrrädern und Mountainbikes;

19.        die Ausübung von Wintersport, insbesondere organisierte Veranstaltungen unter Verwendung von Motorschlitten und Skiern; Rodeln durch Kinder ist gestattet;

20.        Düngemittel, Chemikalien oder Pestizide auf den gemeindeeigenen und landeseigenen Grundstücken einzubringen;

21.        mit Luftfahrzeugen aller Art, einschließlich Modellflugzeugen, zu starten oder zu landen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität unter Beachtung des Schutzzweckes und mit der Maßgabe, daß
1.1 keine Ansitzmöglichkeiten aufgestellt werden;
1.2 keine Wildfütterungen (Futterstellen, Kirrungen und Wildäcker) eingerichtet werden;

2.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität, ausgenommen § 4 Abs. 2 Nr. 3 bis 6, 8 und 20 und mit der Maßgabe, daß
2.1 die Beweidung nur mit Schafen und in Hütehaltung zwischen dem 1. Oktober und dem 31. Dezember erfolgt;
2.2 der vorhandene Obstbaumbestand erhalten bleibt und abgängige oder abgestorbene Obstbäume durch neue hochstämmige Obstbäume ersetzt werden; § 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz‑Anwendungsverordnung) in der jeweils gültigen Fassung bleibt unberührt;

3.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in der bisherigen Intensität mit der Maßgabe, daß der Kiefernbestand erhalten bleibt; § 4 der Verordnung über Anwendungsverbote für Pflanzenschutzmittel (Pflanzenschutz‑Anwendungsverordnung) in der jeweils gültigen Fassung bleibt unberührt;

4.            für die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Straßen und Wege sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung;

5.            für die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen, Gewässer und Wege, sonstiger Ver‑ und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen;

6.            für kirchliche Veranstaltungen im Umgebungsbereich der Kapelle;

7.            für die Erstellung eines Kreuzweges zur Kapelle;

8.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle
-im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt- veranlaßt werden;

9.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 dieser Verordnung verbotenen Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 3. Februar 1995

DR. GÖGLER