4.275 Hausener Berg / Büchelesberg

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Hausener Berg / Büchelesberg« vom 22. Oktober 1996 (GBl. v. 27.11.1996, S 719).

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) und von § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Allmendingen und der Stadt Ehingen, beide Alb‑Donau‑Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Hausener Berg / Büchelesberg«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 39,44 ha. Es umfaßt die in der Verordnungskarte umgrenzten Grundstücke auf Gemarkung und Gemeinde Allmendingen und Gemarkung Ehingen, Stadt Ehingen.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 4. September 1996 im Maßstab 1:5000, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

(1) Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung, Förderung und Pflege zweier Restflächen der einst auf der Schwäbischen Alb weit verbreiteten Kalkmagerweiden im Verbund mit Trockenrasen, Hecken, Obstwiesen, Einzelbäumen, Brachen, mageren Wiesen, Ackerrainen und ‑säumen. Der Vernetzungsgrad führt zu einer bemerkenswerten Artenvielfalt sowohl der Pflanzen‑ als auch der Tierwelt im Schmiechtal.

(2) Schutzzweck ist insbesondere:

1.            Schutz und Erhaltung des auf stärker beweideten Flächen noch vorhandenen Enzian-Schillergrasrasens (Gentiano-Koelerietum) und der frühlingsenzianreichen Halbtrockenrasen (Gentiano vernae-Brometum);

2.            Schutz und Erhaltung der Flächen als Habitat der artenreichen und bedrohten Pflanzen‑ und Tiergemeinschaften der Magerrasen bzw. Heideflächen sowie zu extensivierenden Wiesen im Verbund mit Feldrainen, Einzelbäumen, Streuobstwiesen, Hecken, Trockenrasen, Brachen, mageren Wiesen und Ackersäumen. Diese Biotopstruktur ist insbesondere für die als Brutvögel vorkommenden Spezies wie Dorngrasmücke (Sylvia communis) und den stark gefährdeten Neuntöter (Lanius collurio) von großer Bedeutung, ebenso wie für die auf dieser Vegetationsform reichen Vorkommen vom Aussterben bedrohter Insektenarten;

3.            Erhaltung der Altgrasbestände der Ackersäume, ‑raine und Wegsäume für das gefährdete Rebhuhn (Perdix perdix) als Bodenbrüter, ferner der Schutz des Offenlandes und der Heideflächen vor Umbruch, weiterer Aufforstung und anderen Nutzungsintensivierungen;

4.            Erhaltung des Gebiets als Kernflächen für die regionale Biotopvernetzung und Landschaftsentwicklung;

5.            Schutz der landschaftsprägenden Schönheit und Eigenart, die im Schmiechtal eine Besonderheit darstellt und als Relikt der früheren Wirtschaftsweise von hohem landeskulturellem Wert ist;

6.            Erhaltung der Funktion als Erholungsraum mit hohem Erlebniswert;

7.            Schutz und Entwicklung eines regional und überregional bedeutenden Vorkommens des Gelben Leins (Linum flavum);

8.            Schutz und Entwicklung der Äcker und Ackersäume als Standorte für seltene
Ackerwildkräuter.

(3) Schutzziel ist es, die Nutzung so zu steuern, daß der ökologische, landeskundliche und wissenschaftliche Wert des Gebiets erhalten und optimiert werden kann. Die vorhandenen Äcker sollen für seltene Wildkräuter extensiviert und, soweit sinnvoll, wieder als Grünland genutzt werden. Das Grünland soll extensiver bewirtschaftet werden.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seines Naturhaushalts, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Im Naturschutzgebiet ist insbesondere verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            Bodenbestandteile abzubauen, Grabungen, Sprengungen oder Bohrungen vorzunehmen oder die Bodengestalt in sonstiger Weise, insbesondere durch Boden‑ oder Materialablagerungen zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs‑ oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern können;

5.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen, zu lagern oder zu behandeln;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswanderungen, Sportveranstaltungen) durchzuführen; ausgenommen ist das traditionelle, halbtägige, auf einen Sonntag und die entsprechende Vor‑ und Nachbereitungszeit beschränkte Waldfest des Musikvereins, wenn für ein Abstellen von Kraftfahrzeugen außerhalb des Schutzgebiets und für das Einsammeln von Abfällen gesorgt ist und das Waldfest nicht vor dem 15.Juni stattfindet;

8.            ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

9.            außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu entzünden oder zu unterhalten;

10.        Hunde frei laufen zu lassen;

11.        auf der Wegparzelle Nr. 3222/1 und im übrigen außerhalb von Straßen und Wegen zu reiten;

12.        die Wege zu verlassen; Nr. 7 Halbsatz 2 bleibt unberührt;

13.        das Gebiet außerhalb von Straßen oder befestigten Wegen mit Fahrrädern zu befahren;

14.        das Gebiet außerhalb von Straßen und befestigten Wegen mit motorisierten Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühlen, zu befahren, Nr.7 Halbsatz 2 bleibt unberührt, soweit An‑ und Ablieferung nötig ist;

15.        Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen;

16.        Pflanzen oder Pflanzenteile, insbesondere Bäume, Hecken, Gebüsche, Feldgehölze im Ganzen oder Teile davon auszugraben, abzupflücken, abzusägen oder in sonstiger Weise zu beschädigen, zu roden oder zu zerstören;

17.        Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

18.        Neuaufforstungen vorzunehmen, die Entwicklung von Laubholz- oder Mischbeständen hin zu Nadelholzreinbeständen aktiv zu fördern, Schmuckreisig- oder Weihnachtsbaumkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nicht standortheimische Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen;

19.        wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Nist‑, Brut‑, Laich‑, Wohn‑, Rast‑, Nahrungs‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie zum Fang von Tieren geeignete Vorrichtungen zu errichten, zu betreiben oder mit sich zu führen;

20.        Störungen an den Lebens‑, Brut‑ und Wohn‑ oder Zufluchtstätten wildlebender Tiere, insbesondere durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu verursachen;

21.        gebietsfremde Tiere auszusetzen oder anzusiedeln;

22.        Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Ackerland umzubrechen;

23.        Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen können, anzuwenden;

24.        Düngemittel zu verwenden.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

(1) Abweichend von § 4 ist es zulässig:

1.            die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität fortzusetzen, wobei
1.1 die Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen, Wegebau oder die Auffüllung von Bodenvertiefungen oder Senken, nicht zulässig ist;
1.2 keine neuen Entwässerungseinrichtungen angelegt oder vergleichbare Maßnahmen vorgenommen werden dürfen, die den Wasserhaushalt entgegen dem Schutzzweck verändern können. Bestehende Entwässerungseinrichtungen oder ähnliche Anlagen dürfen weder erweitert noch intensiviert werden;
1.3 der Umbruch von Dauergrünland oder Dauerbrache nicht zulässig ist;
1.4 Feldraine, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen.
1.5 die Verwendung von Düngemitteln nur auf Wirtschaftsgrünland, Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist. Bei der Anwendung ist entlang der Naturschutzgebietsgrenze, jedoch nur auf den Grundstücken mit den Parzellennummern 4361, 4362 und 4363/1, senkrecht zur Gebietsgrenze gemessen, ein Biotopschutzabstand von 10 m einzuhalten;
1.6 die Anwendung von Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie von Wirkstoffen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen und Tieren beeinflussen, nur auf Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist. Nr. 1.5 Satz 2 gilt entsprechend;
1.7 landwirtschaftliche Erzeugnisse oder andere Wirtschaftsstoffe sowie Feldmieten, Fahrsilos oder ähnliche Einrichtungen nur auf intensiv genutzten Flächen gelagert oder angelegt werden dürfen.
Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm (z. B. Dauerbrache) zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben worden war, bleibt unberührt;

2.            die im Sinne des Landeswaldgesetzes ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität fortzusetzen, wobei Neuaufforstungen im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde zulässig, Entwässerungsmaßnahmen nicht zulässig und Tothölzer, Höhlenbäurne und Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall zu erhalten sind;

3.            die Jagd dem Jagdrecht entsprechend auszuüben, wobei
3.1 neue Hochsitze nur im unbedingt notwendigen Umfang und nur als einfache Leitern aus naturbelassenen Hölzern landschaftsgerecht in hochwüchsigen Gehölzen errichtet werden dürfen. Abgängige oder nicht mehr genutzte Hochsitze sind zu entfernen;
3.2 innerhalb geschützter Biotope nach § 24a NatSchG keine neuen Wildäcker, Futterstellen und Kirrungen eingerichtet und unterhalten werden dürfen;
3.3 keine Hunde abgerichtet werden dürfen und Jagdgebrauchshunde in der Zeit vom 15. März bis 31.Juli ‑ außer bei der Nachsuche ‑ außerhalb des Waldes angeleint geführt werden müssen;
3.4 kein Federwild eingebracht werden darf;
3.5 Rebhühner (Perdix perdix) nicht bejagt werden dürfen;
3.6 das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei Bedarf und nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf;

4.            die sonstige bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Wassergräben und Wege sowie der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung fortzusetzen, wobei
4.1 keine neuen Entwässerungseinrichtungen angelegt oder vergleichbare Maßnahmen vorgenommen werden dürfen, die den Wasserhaushalt entgegen dem Schutzzweck verändern. Bestehende Entwässerungseinrichtungen oder ähnliche Anlagen dürfen weder erweitert noch intensiviert werden;
4.2 die Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen, Wegebau oder die Auffüllung von Bodenvertiefungen oder Senken, nicht zulässig ist;
4.3 Feldraine, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen und abgängige Obstbäume möglichst durch neue ersetzt werden sollen;
4.4 die Verwendung von Düngemitteln nicht zulässig ist;
4.5 Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewendet werden dürfen;

5.            die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen und Wege, Eisenbahnanlagen, sonstiger Ver‑ und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen fortzusetzen, wobei Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewendet werden dürfen;

6.            Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile zugelassen oder angeordnet werden, insbesondere für die im Pflegeplan vorgesehenen Arbeiten, durchzuführen; für Waldflächen ist das Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt herzustellen;

7.            behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen aufzustellen.

(2) Die zulässigen Handlungen sind so auszuüben, daß sie den Schutzzweck (§ 3) mit größtmöglicher Rücksicht beachten und im Rahmen der Möglichkeiten fördern. Errichtungs‑, Unterhaltungs‑ und Instandsetzungsarbeiten sollen nicht in der Vogelbrutzeit vom 1. März bis 31. Juli ausgeführt werden.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 verbotenen und nicht nach § 5 freigestellten Handlungen vornimmt.

 

§ 8 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Gleichzeitig tritt im Geltungsbereich dieser Verordnung die Verordnung des Landratsamts Alb-Donau-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet »Allmendingen« vom 9. Mai 1989 außer Kraft.

 

TÜBINGEN, den 22. Oktober 1996 

DR. GÖGLER