4.285 Heusteige

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Heusteige« vom 27. Februar 1998 (GBl. v. 30.03.1998, S. 201).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Gemeinde Langenenslingen, Kreis Biberach, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Heusteige«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von ca. 16 ha.

(2) Es umfaßt auf Gemarkung Emerfeld Grundstücke der Gewanne »Langer Zaun«, »Wiesenstock«, »Waldberg«, »Unter dem Reutackerhau« und »Bienenbuch«.

(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 28. August 1997 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, Konrad‑Adenauer‑Str. 20, und beim Landratsamt Biberach in Biberach, Rollinstr. 9, auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(4) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

(1) Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung des durch klimatische, geologische, morphologische und nutzungsgeschichtliche Voraussetzungen entstandenen Mosaiks schutzwürdiger, landschaftstypischer und kulturhistorisch bedeutsamer Biotope auf der Hochfläche der Gemarkung Emerfeld.

Der Schutzzweck ist insbesondere:

1.            Schutz und Erhaltung der Flächen als Habitat der artenreichen und bedrohten Pflanzen‑ und Tiergemeinschaften der Trocken‑ und Halbtrockenrasen ehemaliger Wacholderheiden und heute noch genutzter Magerwiesen und der Feldhecken und Feldgehölze mit ihren Saumgesellschaften;

2.            Erhaltung des engen räumlichen Verbundes der Teilflächen zur Sicherstellung geeigneter Teilhabitate der wertvollen, gefährdeten Flora und Fauna; Erhaltung und Schutz der Flächen als Zufluchtsort für zahlreiche licht‑ sowie wärmeliebende Pflanzen und Tierarten, die in unserer heutigen Landschaft kaum noch Lebensraum finden;

3.            Schutz vor Umbruch, Eutrophierung und Nutzungsintensivierungen;

4.            Schutz der landschaftsprägenden Schönheit und Eigenart, die im Naturraum eine Besonderheit darstellt und als Relikt der früheren Schafbeweidung von hohem landeskulturellem Wert ist;

5.            Erhaltung der Funktion als Erholungsraum mit hohem Erlebniswert;

6.            Aufrechterhaltung eines großräumigen Biotopverbundes auf lokaler und regionaler Ebene als Voraussetzung für den Aufbau stabiler Populationen.

(2) Schutzziel ist die dauerhafte Sicherung der Heide durch Nutzung oder zumindest Pflege als Magerwiese, möglichst aber wieder als Schafweide, deren Erweiterung und die Abwendung von Gefährdungen.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile, zu einer nachhaltigen Störung oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen können.

(2) Im Naturschutzgebiet ist insbesondere verboten:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, Sport‑, Spiel‑ oder Erholungseinrichtungen zu schaffen sowie Einfriedigungen jeder Art zu errichten;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern; ausgenommen sind Leitungen öffentlicher Versorgungsträger und öffentliche Verkehrsanlagen (einschließlich Feldwegen), wenn bei ihrer Planung Einvernehmen mit der für Befreiungen zuständigen Naturschutzbehörde hergestellt wird;

3.            die Bodengestalt (auch kleinflächig) durch Abbauvorhaben, Grabungen oder Materialablagerungen zu verändern;

4.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets verändern können;

5.            Abfälle, insbesondere Dung, Ernterückstände o. ä. oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

6.            Plakate, Bild‑ oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen;

7.            zu zelten, zu lagern oder Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswanderungen, Sportveranstaltungen) durchzuführen;

8.            ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen;

9.            außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu entzünden oder zu unterhalten;

10.        Hunde frei laufen zu lassen;

11.        außerhalb von Straßen und befestigten Wegen zu reiten;

12.        die Wege zu verlassen;

13.        das Gebiet außerhalb von Straßen oder befestigten Wegen mit Fahrrädern zu befahren;

14.        das Gebiet außerhalb von Straßen und befestigten Wegen mit motorisierten Fahrzeugen aller Art, ausgenommen Krankenfahrstühlen, zu befahren;

15.        Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen;

16.        Pflanzen oder Pflanzenteile, insbesondere Bäume, Hecken, Gebüsche, Feldgehölze im Ganzen oder Teile davon auszugraben, abzupflücken, abzusägen oder in sonstiger Weise zu beschädigen, zu roden oder zu zerstören; ein schonender Rückschnitt von Hecken und Gebüschen ist außerhalb der Vogelbrutperiode (vom 1. März bis 30. September) zulässig;

17.        Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

18.        Neuaufforstungen vorzunehmen, die Entwicklung von Laubholz- oder Mischbeständen hin zu Nadelholzreinbeständen aktiv zu fördern, Schmuckreisig- oder Weihnachtsbaumkulturen oder Vorratspflanzungen von Bäumen oder Sträuchern anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nicht standortheimische Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen;

19.        wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Nist‑, Brut‑, Laich‑, Wohn‑, Rast‑, Nahrungs‑ oder Zufluchtstätten dieser Tiere freizulegen, zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie zum Fang von Tieren geeignete Vorrichtungen zu errichten, zu betreiben oder mit sich zu führen;

20.        Störungen an den Lebens‑, Brut‑ und Wohn‑ oder Zufluchtstätten wildlebender Tiere, insbesondere durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen, zu verursachen;

21.        gebietsfremde Tiere auszusetzen oder anzusiedeln;

22.        Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Ackerland umzubrechen;

23.        Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen können, anzuwenden;

24.        Düngemittel zu verwenden.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

(1) Abweichend von § 4 ist es zulässig:

1.            die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Bodennutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität fortzusetzen, wobei‘
1.1 die (auch kleinflächige) Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen, Wegebau oder die Auffüllung von Bodenvertiefungen oder Senken, nicht zulässig ist;
1.2 keine neuen Entwässerungseinrichtungen angelegt oder vergleichbare Maßnahmen vorgenommen werden dürfen, die den Wasserhaushalt entgegen dem Schutzzweck verändern können. Bestehende Entwässerungseinrichtungen oder ähnliche Anlagen dürfen weder erweitert noch intensiviert werden;
1.3 der Umbruch von Dauergrünland oder Dauerbrache nicht zulässig ist;
1.4 Feldraine, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägenden Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen; ein schonender Rückschnitt von Hecken und Gebüschen ist außerhalb der Vogelbrutperiode (vom 1. März bis 30. September) zulässig;
1.5 Die Verwendung von Düngemitteln nur auf Wirtschaftsgrünland, Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist, Magerwiesen (in der Karte gekennzeichnet) nicht gedüngt werden dürfen und die erste Mahd erst nach dem 15. Juni erfolgen darf;
1.6 die Anwendung von Mitteln zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie von Wirkstoffen, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen und Tieren beeinflussen, nur auf Ackerflächen und in Sonderkulturen zulässig ist;
1.7 landwirtschaftliche Erzeugnisse oder andere Wirtschaftsstoffe sowie Feldmieten, Fahrsilos oder ähnliche Einrichtungen nur auf intensiv genutzten Flächen gelagert oder angelegt werden dürfen.
Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung aufzunehmen, die auf Grund vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder der Teilnahme an einem Extensivierungs- oder Stillegungsprogramm zeitweise eingeschränkt oder aufgegeben worden war, bleibt unberührt, soweit nicht diese Verordnung Beschränkungen auferlegt;

2.            die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art, im bisherigen Umfang und in bisheriger Intensität fortzusetzen, wobei
2.1 die Bewirtschaftung sich an den Ansprüchen der schutzwürdigen Flora und Fauna ausrichten soll;
2.2 Neuaufforstungen nicht zulässig sind;
2.3 Holzlagerplätze nicht auf wertvollen Flächen angelegt werden dürfen;
2.4 Tothölzer, Höhlenbäume und Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall zu erhalten sind; Instandsetzung der öffentlichen Straßen und Wege;

3.            die Jagd entsprechend dem Landesjagdgesetz ordnungsgemäß auszuüben, wobei
3.1 zusätzliche Hochsitze nicht errichtet werden dürfen. Abgängige oder nicht mehr genutzte Ansitze sind zu entfernen oder durch einfache Leitern aus naturbelassenen Hölzern in unmittelbarem Anschluß an Gehölze zu ersetzen;
3.2 keine neuen Wildäcker und Futterstellen und, innerhalb geschützter Biotope des § 24 a NatSchG, keine neuen Kirrungen eingerichtet und unterhalten werden dürfen;
3.3 für die natürliche Wiederverjüngung des Waldes tragbare Wildbestände hergestellt werden sollen;
3.4 das Schutzgebiet im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei Bedarf und nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf, es sei denn, um zur Unterhaltung bestehender oder zur zulässigen Errichtung neuer Jagdeinrichtungen sperriges oder schweres Material zu befördern oder erlegte Tiere größeren Gewichts zu bergen;

4.            die sonstige bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Grundstücke, Gewässer, Wassergräben und Wege sowie der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung fortzusetzen, wobei
4.1 keine neuen Entwässerungseinrichtungen angelegt oder vergleichbare Maßnahmen vorgenommen werden dürfen, die den Wasserhaushalt entgegen dem Schutzzweck verändern. Bestehende Entwässerungseinrichtungen oder ähnliche Anlagen dürfen weder erweitert noch intensiviert werden;
4.2 die (auch kleinflächige) Veränderung der Bodengestalt, insbesondere durch Abgrabungen, Aufschüttungen, Wegebau oder die Auffüllung von Bodenvertiefungen oder Senken, nicht zulässig ist;
4.3 Feldraine, Hecken, Gebüsche, Wälle, Tümpel oder sonstige landschaftsprägenden Elemente weder gerodet, abgesägt noch in sonstiger Weise beseitigt, zerstört oder beschädigt werden dürfen;
4.4 die Verwendung von Düngemitteln nicht zulässig ist;
4.5 Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewendet werden dürfen;
4.6 bei Wegebaumaßnahmen nur der bestehende Zustand aufrechterhalten werden darf, nur geeignete, regional anstehende Materialien (Schotter, Splitt) verwendet werden dürfen und wertvolle Pflanzenstandorte geschont werden müssen;

5.            die bestimmungsgemäße Nutzung, Unterhaltung und Instandsetzung der öffentlichen Straßen und Wege, Eisenbahnanlagen, sonstiger Ver- und Entsorgungsanlagen sowie Fernmeldeanlagen fortzusetzen, wobei Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen, Wildkräutern und Pflanzenkrankheiten sowie Wirkstoffe, die den Entwicklungsablauf von Pflanzen oder Tieren beeinflussen, nicht angewendet werden dürfen;

6.            Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung des Schutzgebietes oder seiner Bestandteile zugelassen oder angeordnet werden, insbesondere für die im Pflegeplan vorgesehenen Arbeiten, durchzuführen; auf Waldflächen ist das Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt, bei Gewässern mit der zuständigen Wasserwirtschaftsverwaltung herzustellen;

7.            behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen aufzustellen.

(2) Die zulässigen Handlungen sind so auszuüben, daß sie den Schutzzweck (§ 3) mit größtmöglicher Rücksicht beachten und im Rahmen der Möglichkeiten fördern. Errichtungs-, Unterhaltungs- und Instandsetzungsarbeiten sollen nicht in der Vogelbrutzeit vom 1. März bis 3 1. Juli ausgeführt werden.

 

§ 6 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 1, 2, 4, 5 und 8 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Abs. 1 Nr. 3 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Aufhebung von Vorschriften

Die Verordnung des Landratsamts Biberach über das Landschaftsschutzgebiet »Riedlinger Alb« vom 25. Februar 1963 tritt für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

TÜBINGEN, den 27. Februar 1998

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