4.292 Morgenweide

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Morgenweide« vom 21. Januar 1999 (GBl. v. 17.02.1999, S. 81).

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf der Gemarkung Inzigkofen, Gemeinde Inzigkofen, Landkreis Sigmaringen, wird zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Morgenweide«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 38,5 ha. Es umfasst auf Gemarkung Inzigkofen Teile des ehemaligen Abbaugeländes im Gewann Morgenweide und des Stelzenbachtals. Betroffen sind insbesondere die Flurstücke 750/1 teilweise (tw), 828 tw, 832 tw, 900 tw, 913, 918, 922, 927, 937, 946, 949/4, 950/2, 978/1, 990, 996/1 tw, 997/1 tw, 3045/1 tw und 3045/2 tw (Stelzenbach), 3058, 3058/1, 3059 tw, 3061 tw, 3062 und 3063 tw.

(2) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 4. März 1998 im Maßstab 1:2500, kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, gekennzeichnet und rot angelegt. Im Falle des Widerspruchs zwischen der textlichen Beschreibung und der zeichnerischen Darstellung gelten die in der Karte getroffenen Festlegungen. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Sigmaringen in Sigmaringen auf die Dauer von zwei Wochen beginnend am achten Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(3) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 2 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Sicherung und Entwicklung der Kiesgrube Morgenweide als ökologische Vorrangfläche für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, die in der ansonsten intensiv genutzten Landschaft keine Überlebensmöglichkeiten mehr finden.

Neben dem Erhalt der offenen Wasserflächen und deren Ufer und Verlandungszonen als Brut-, Rast- und Nahrungsbiotope zahlreicher Wasservögel sowie Amphibienarten sind auch die angrenzenden aufgelassenen Hangbereiche sowie die reich strukturierten landwirtschaftlich genutzten Bereiche als Lebensraum z. B. vieler Singvogelarten und Insektengruppen, sowie typischer Feucht-, Trocken- oder Ruderalvegetation zu schützen.

Insbesondere bedeutet dies:

·               a) für die Kiesseen und Kleingewässer:
- Beruhigung der offenen Wasserflächen sowie der angrenzenden Uferbereiche
- Erhaltung von Röhrichtbeständen und anderen Verlandungsgesellschaften, offenen vegetationsfreien Kies- und Schlickflächen und Flachwasserzonen
- Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen in Teilbereichen
- Förderung eines ungestörten Sukzessionsablaufs in Teilbereichen

·               b) für die Trocken- und Ruderalstandorte:
- Erhalt besonders der mageren blütenreichen Ruderalgesellschaften
- Förderung eines ungestörten Sukzessionsablaufes
- Offenhalten ausgewählter Teilbereiche durch Entbuschungsmaßnahmen
- Erhalt der Struktur- und Standortvielfalt
- Erhalt und Pflege der aufgelassenen Halbtrockenrasen

·               c) für Feuchtstandorte:
- Erhalt und Förderung von Feuchtbrachen, feuchten Hochstauden sowie feuchten Pioniergesellschaften

·               d) Erhalt und Optimierung von Fließgewässern, extensiv genutzten Fischteichen, Gräben, Sickerquellen sowie deren Vegetation

·               e) für landwirtschaftlich genutzte Bereiche:
- Erhalt des bestehenden Grünlandes
- Förderung einer extensiven Grünlandbewirtschaftung

·               f) Erhalt und sofern erforderlich Pflege von Hecken, Feldgehölzen, markanten Einzelbäumen, Obstbäumen und  Feuchtgebüschen

·               g) für die Fischteiche:
- keine Intensivierung der fischereilichen Nutzung 
- Schutz der Ufer- und Verlandungsvegetation

·               h) Schutzzweck ist außerdem die Entwicklung und Optimierung der Kiesgrube, insbesondere im Bereich der Aufschüttung.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.            wildlebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.            Hunde frei laufen oder schwimmen zu lassen.

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen oder vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen; dies gilt auch für Einfriedigungen jeder Art sowie für Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern können;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen, Sprengungen oder Bohrungen;

2.            Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

3.            Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

4.            neu aufzuforsten, Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nichtstandortheimische Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen;

5.            Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die Wege zu verlassen;

2.            das Gebiet mit Fahrzeugen aller Art zu befahren;

3.            zu reiten;

4.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Kraftfahrzeuge abzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswandern, Sportveranstaltungen) durchzuführen;

5.            Wasserflächen zu nutzen;

6.            Luftfahrzeuge, Luftsportgeräte oder Flugmodelle zu starten oder zu landen;

7.            abweichend von § 5 Nr. 4 die Fischerei auszuüben.

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            Feuer zu machen;

3.            ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

§ 4 gilt nicht:

1.            für die genehmigte betriebliche Nutzung durch die Fa. Baresel bis 31. Dezember 2013
- des Absetzbeckens 1 gem. Entscheidung des Landratsamts Sigmaringen vom 24. März 1995,
- durch Entnahme der noch im Schutzgebiet lagernden Kiesmengen;
- für Auffüllungs- und Rekultivierungsmaßnahmen in dem in der Karte dargestellten Bereich gem. Antrag zur Auffüllung mit Erdaushub im Rahmen der Rekultivierung vom 30. Juni 1997;
- für weitere mit Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde erteilte betriebliche Genehmigungen;

2.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang mit der Maßgabe, dass
- die Jagdausübung in der Vogelbrutzeit vom  15. März - 30. Juni ruht,
- die Jagd auf Wasserwild ganzjährig ruht,
- eine Fütterung von Wildtieren nicht erfolgt,
- keine Jagdhundeausbildung durchgeführt wird und
- jagdliche Einrichtungen und Wildäsungsflächen  nicht errichtet bzw. angelegt werden;

3.            für die ordnungsgemäße landwirtschaftliche Nutzung in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang;

4.            für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei in der bisherigen Art und in bisherigem Umfang im Stelzenbach und in den Weihern am Stelzenbach;

5.            für die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Nutzung auf den Flurstücken 978/1 und 990;

6.            für die Nutzung und Unterhaltung rechtmäßigerweise bestehender öffentlicher Wege oder Versorgungseinrichtungen;

7.            für Pflegemaßnahmen, die von der höheren Naturschutzbehörde oder der von ihr beauftragten Stelle -im Wald im Einvernehmen mit dem zuständigen staatlichen Forstamt - veranlasst werden;

8.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

 

§ 6 Befreiungen

(1) Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG Befreiung erteilt werden.

(2) Dies gilt auch für die Überquerung des Stelzenbachtals im Rahmen einer Trassenführung beim Ausbau der B 313.

 

§ 7 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig eine der nach § 4 und § 5 verbotenen Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und § 5 Nr. 2 die Jagd ausübt.

 

§ 8 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Tübingen, den 21. Januar 1999

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