4.293 Winterhalde

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Winterhalde« vom 8. Mai 1999 GBl. v. 21.06.1999, S. 245).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29.März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1.Juni 1996 (GBl. S. 369) wird verordnet:

 

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Hechingen, Gemarkungen Stein und Bechtoldsweiler, Landkreis Zollernalbkreis und der Gemeinde und Gemarkung Bodelshausen, Landkreis Tübingen werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Winterhalde«.

 

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 54 ha.

(2) Das Schutzgebiet umfasst folgende Gewanne ganz oder teilweise:

·               Gemarkung Bechtoldsweiler: Kohlers Gärten, Halde, Hannesgärtle, Wiesenzeil, Hangenwiesen, Herrenwiesen, Bauernäcker, Untere und Obere Schieferhalde,
Täle

·               Gemarkung Stein: Kohlers Gärten, Schöne Auchtert, Untere und Obere Herrenwiesen, Wolfenwiesen, Riedwiesle, Winterhalde

·               Gemarkung Bodelshausen: Schiefershalde

(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte vom 25. Januar 1999 im Maßstab 1:2500 kombiniert mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000 gekennzeichnet und rot angelegt. Die Karte ist Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Zollernalbkreis in Balingen, beim Landratsamt Tübingen in Tübingen sowie beim Bürgermeisteramt Hechingen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(4) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 3 Satz 3 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§ 3 Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung eines vielfältig strukturierten Talraumes mit seinem durch klimatische, geomorphologische und nutzungsgeschichtliche Voraussetzungen entstandenen Mosaik schutzwürdiger landschaftstypischer und kulturhistorisch bedeutsamer Biotope als

·               Lebens- und Rückzugsraum einer artenreichen und gefährdeten Pflanzen- und Tierwelt

·               Landschaftsteil von besonderer landschaftlicher Schönheit

·               wichtiger Bestandteil im lokalen Biotopverbund des mittleren Starzeltales

·               Beispiel der extensiv genutzten, bäuerlichen Kulturlandschaft des Albvorlandes

Besonderer Schutzzweck ist im einzelnen

·               für das Gesamtgebiet die Erhaltung der wertbestimmenden kleinräumigen Standorts- und Strukturvielfalt und der Schutz vor Beeinträchtigungen

·               für die kleinflächigen wertvollen Sonderstandorte wie Hochstaudenfluren, Seggenrieder, Roßminzen- und Binsenfluren die Erhaltung und der Schutz vor Beeinträchtigungen

·               für die Grünlandflächen unterschiedlicher Feuchtestufen die weitere extensive Nutzung vorrangig als Mähwiesen

·               für die Streuobstwiesen die Erhaltung und allmähliche Verjüngung der Bestände

·               für die offenen Hangbereiche der Schutz vor weiterer Verbuschung und Aufforstung

·               für die Feldgehölze die Erhaltung und allmähliche schonende Verjüngung

·               für den Bach mit seinem Gehölz- und Hochstaudensaum der Schutz vor wasserbaulichen Eingriffen, Verbauungen, Ablagerungen und Ruderalisierung und die Förderung der natürlichen Fließgewässerdynamik.

 

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1.            Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2.            Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3.            Tiere einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4.            wildlebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5.            Hunde frei laufen zu lassen.

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen oder vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1.            bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen, dies gilt auch für Einfriedigungen jeder Art einschließlich Weidezäunen, Koppeln und Pferchen sowie für Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen;

2.            Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3.            fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern können;

4.            Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1.            die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen, Sprengungen oder Bohrungen;

2.            Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern; insbesondere Dauergrünland oder Dauerbrache - auch zur Neuansaat - umzubrechen;

3.            neu aufzuforsten, Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen;

4.            Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden;

5.            Feldraine, Hecken, Feldgehölze und -gebüsche, Hochstaudenfluren und Seggenriede zu beseitigen oder zu beeinträchtigen.

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1.            die Wege zu verlassen;

2.            das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

3.            außerhalb befestigter Wege zu reiten;

4.            das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle. Die Zufahrt zum Sportplatz von Stein bleibt unberührt;

5.            zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Kraftfahrzeuge abzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswandern, Sportveranstaltungen) durchzuführen;

6.            zu fischen; die Teiche auf Flst. 2232, 2233 und 2234 Gemarkung Bechtoldsweiler dürfen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang befischt werden, soweit und solange eine wasserrechtliche Erlaubnis besteht;

7.            Luftfahrzeuge, Luftsportgeräte oder Flugmodelle zu starten oder zu landen.

(6) Weiter ist es verboten:

1.            Abfälle, insbesondere Dung, Ernterückstände, landwirtschaftliche Maschinen und Geräte oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.            außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3.            ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5 Zulässige Handlungen

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Insbesondere kann eine bisher in ordnungsgemäßer Weise ausgeübte landwirtschaftliche Nutzung eines Privatgrundstücks weiterhin ausgeübt werden. Voraussetzung ist weiter, dass:

1.            die Bodengestalt nicht verändert wird;

2.            durch neue Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

3.            Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird, auch nicht zur Neueinsaat;

4.            Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden;

5.            Feldraine, Wälle, Hecken, Gebüsche, Feuchthochstaudenfluren, Seggenriede oder sonstige landschaftsprägende Elemente nicht erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden;

6.            Düngemittel nur auf Wirtschaftsgrünland auf Privatflächen verwendet werden;

7.            Mähwiesen 1-2-mal jährlich gemäht werden und das Mähgut abgeräumt wird;

8.            eine Beweidung nur mit Schafen in Hütehaltung erfolgt und keine Koppeln, Weidezäune und Pferche errichtet werden. Mähwiesen dürfen nur als Nachweide nach dem ersten Schnitt beweidet werden;

9.            Streuobstbäume nur gefällt werden dürfen, wenn ein neuer hochstämmiger Obstbaum gepflanzt wird;

10.        Pressballen nicht gelagert werden;

11.        Grundstücke im Eigentum der öffentlichen Hand im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde bewirtschaftet werden.

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:

1.            die Zusammensetzung der Baumarten überwiegend aus standortheimischen Arten entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird, insbesondere standortwidrige Nadelholzreinbestände in standortheimische Waldgesellschaften umgewandelt werden;

2.            Holzlagerplätze nicht neu angelegt werden;

3.            Tothölzer, Höhlenbäume oder Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden.

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt.

Voraussetzung ist weiter, dass:

1.            Hochsitze landschaftsgerecht aus naturbelassenen Rundhölzern und außerhalb der wertvollen Vegetationsbereiche errichtet werden;

2.            keine Wildäcker und keine Futterstellen angelegt werden;

3.            keine Tiere eingebracht werden;

4.            das Schutzgebiet in Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei unabweisbarem Bedarf (Bergen von Wildbret, Aufstellen von Hochsitzen) mit Kraftfahrzeugen befahren wird.

(4) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung. Bei der Gewässerunterhaltung soll der natürlichen Entwicklung des Gewässers Vorrang eingeräumt werden.

 

§ 6 Schutz-, Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen

(1) Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, im Wald im Einvernehmen mit der Forstverwaltung.

(2) Genehmigungspflichtige Anlagen oder Aufforstungen, die ohne die erforderliche Gestattung errichtet bzw. angepflanzt wurden und den Schutzzweck beeinträchtigen, sind zu beseitigen.

 

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilen.

 

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene oder nach § 5 in die Verbote einbezogene Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 oder § 5 die Jagd ausübt.

 

§ 9 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Die Verordnung des Landratsamts Hechingen über das Landschaftsschutzgebiet »Mittleres Starzeltal« vom 16.Oktober 1963 tritt für den Geltungsbereich dieser Verordnung gleichzeitig außer Kraft.

 

Tübingen, den 8. Mai 1999

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