4.298 Neuravensburger Weiher

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet »Neuravensburger Weiher« vom 13. Juli 2000 (GBl. v. 15.09.2000, S 625).

Auf Grund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf der Gemarkung Neuravensburg, Stadt Wangen, Landkreis Ravensburg werden zum Naturschutzgebiet erklärt Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung »Neuravensburger Weiher«.

§ 2

Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 38,5 ha.

 

(2) Es umfasst auf Gemarkung Neuravensburg die Flurstücke 8, 29, 47, 61/1 teilweise (tw), 61/2, 61/3 tw, 74/2 tw, 337/4 tw, 337/7, 346, 355 tw, 730 tw, 734 (Moosbach) tw, 1174/4, 1174/5 tw und 1174/11.

(3) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte vom 16. Mai 2000 im Maßstab 1:25000 sowie in einer Detailkarte im Maßstab 1:2500 rot angelegt. Die rote Bandierung ist Teil(ung) der Schutzgebietsfläche. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim Landratsamt Ravensburg und beim Bürgermeisteramt Wangen auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

§ 3

Schutzzweck

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:

‑ die Erhaltung und Optimierung des Weihers mit seiner Verlandungszone als Brut- und Rastplatz für seltene und bedrohte Vogelarten von zum Teil europäischer Bedeutung,

‑ die Erhaltung und Optimierung der Feucht- und Nasswiesen sowie der Quellbereiche und Reste von Streuwiesen als Standorte seltener oder gefährdeter Pflanzenarten,

‑ die Erhaltung und Optimierung des gesamten Gebietes als Lebensraum und Rückzugsgebiet einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt, als wichtigem Bestandteil im Lebensraumverbund von nicht oder nur extensiv genutzten Feuchtgebieten der Region, als Landschaftsteil von besonderer Schönheit und als kulturhistorisches Zeugnis einer früheren Landnutzung.

§ 4

Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3. gebietsfremde Tiere einzubringen oder anzusiedeln, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4. wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtsstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5. Hunde frei laufen oder schwimmen zu lassen.

 

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie:

1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen; dies gilt auch für Einfriedigungen jeder Art sowie für Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen;

2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern - hierzu zählt auch eine Veränderung des Wasserspiegels des Neuravensburger Weihers - sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt des Gebiets entgegen dem Schutzzweck verändern können;

4. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen, Sprengungen oder Bohrungen;

2. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern, insbesondere Grünland in Ackerland umzubrechen;

3. neu aufzuforsten, die Entwicklung von Laubholz- oder Mischbeständen hin zu Nadelholzreinbeständen aktiv zu fördern, Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nicht standortheimische Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen;

4. Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden;

5. Holz außerhalb der Extensivierungszone zu lagern;

6. den Wasserspiegel in der Zeit der Bespannung des Weihers abzusenken.

 

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1. das Gebiet außerhalb der Wege und der Liegewiese zu betreten;

2. zum Baden den Zugang zum See außerhalb der Liegewiese zu nehmen und in der in der Karte dargestellten Ruhezone zu schwimmen;

3. außerhalb der in der Karte dargestellten Ruhezone Schlittschuh zu laufen;

4. zu surfen oder den Weiher mit Booten zu befahren. Kinder bis 14 Jahren dürfen im Nahbereich des Badeplatzes mit Luftmatratzen, kleinen Schlauchbooten o. ä. spielen;

5. das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

6. im Gebiet außerhalb von Wegen mit mindestens 2 in Breite zu reiten;

7. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

8. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Kraftfahrzeuge abzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswandern, Sportveranstaltungen) durchzuführen;

9. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten.

 

(6) Weiter ist es verboten:

1. Abfälle, auch zur Kompostierung, oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2. außerhalb von eingerichteten und gekennzeichneten Feuerstellen Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3. ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§ 5

Zulässige Handlungen

 

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

2. durch neue Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

3. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;

4. die Verwendung von Düngemitteln nur in der Extensivierungszone zulässig ist, wobei auf den in der Schutzgebietskarte besonders gekennzeichneten Flächen nur Festmistdüngung erlaubt ist;

5. Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden;

6. Feldraine, Wälle, Hecken, Gebüsche, Röhrichtbestände, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente nicht erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden;

7. landwirtschaftliche Erzeugnisse oder andere Wirtschaftsstoffe sowie Feldmieten, Fahrsilos oder ähnliche Einrichtungen nicht gelagert oder angelegt werden dürfen.

Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung aufzunehmen, die nach dem Auslaufen vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder Extensivierungs- oder Stilllegungsprogrammen zugelassen ist, bleibt unberührt.

 

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß und in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. Neuaufforstungen nicht zulässig sind;

2. die Zusammensetzung der Baumarten aus standortheimischen Arten gefördert wird;

3. Höhlenbäume und Horstbäume bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden.

 

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Hölzern in hochwüchsigen Gehölzen errichtet werden;

2. keine Wildäcker, Futterstellen und Kirrungen angelegt und unterhalten werden;

3. die Jagd auf Wasserwild nicht zulässig ist, die Jagd auf sonstiges Federwild nur außerhalb der Brutzeit vom 15. März bis 31. Juli erfolgen darf und eine Treibjagd im Spätherbst und Winter erlaubt ist;

4. keine Tiere eingebracht werden;

5. das Schutzgebiet in Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd nur bei Bedarf und nur auf Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird.

 

(4) Für die Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. Besatzmaßnahmen nur mit standortheimischen Fischarten erfolgen;

2. eine Zu- oder Anfütterung nicht zulässig ist;

3. die Herstellung oder Einrichtung neuer Zugangsmöglichkeiten zum Ufer oder neuer Angelplätze nicht zulässig ist;

4. der Zugang zum Weiher in der in der Karte dargestellten Ruhezone nicht zulässig ist und in diesem Bereich während der Vogelbrutzeit vom 15. März bis 31. Juli auch vom Boot aus nicht geangelt werden darf;

5. mit Booten ein Abstand von Schwimmblatt- und Röhrichtbeständen von mindestens 10 Meter einzuhalten ist;

6. eine Abgabe von Angelkarten grundsätzlich nur an Mitglieder des Pächtervereins erfolgt; ausnahmsweise können Tageskarten für das Angeln vom Damm und vom Badeplatz aus ausgegeben werden;

7. die Zahl der Boote (bisher 4) nicht erhöht wird;

8. das Schutzgebiet in Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei nicht mit Kraftfahrzeugen befahren werden darf;

9. das Ablassen des Weihers in 2-jährigem Turnus zulässig ist. Änderungen des Zeitraums oder weitergehende Maßnahmen bedürfen des Einvernehmens mit dem Regierungspräsidium.

 

(5) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise aktuell ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen und Versorgungsanlagen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§ 6

Schutz- und Pflegemaßnahmen

 

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, für Waldflächen im Einvernehmen mit dem staatlichen Forstamt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

Schlussvorschriften

§ 7

Befreiungen

 

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilen.

 

§ 8

Ordnungswidrigkeiten

 

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene oder nach § 5 in die Verbote einbezogene Handlungen vornimmt.

 

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des Landesjagdgesetzes handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 oder § 5 die Jagd ausübt.

 

§ 9

Inkrafttreten

 

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

Tübingen, den 13. Juli 2000

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