4.306 Laushalde

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet "Laushalde" vom 9. Juli 2002 (GBl. v. 29.07.2002, S. 296).

Aufgrund von §§ 21, 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385) und § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 1. Juni 1996 (GBI. S. 369) wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Langenau, Gemarkungen Albeck und Hörvelsingen, Alb-Donau-Kreis, werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Laushalde".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von 28,17 ha.

(2) Es umfasst Grundstücke auf den Gemarkungen Hörvelsingen und Albeck im Bereich des in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Trockentals in den Gewannen „Kornberg" und „Laushalde". Im Süden wird das Schutzgebiet im Wesentlichen begrenzt durch den Weg Flst. Nr. 2067, im Westen vom Wirtschaftswald und im Osten abschnittsweise von den Wegen Flst. Nrn. 659 und 680. Im Norden endet das Schutzgebiet im Bereich des von Ost nach Nordwest verlaufenden Abschnitts des Feldwegs Flst. Nr. 680.

(3) Der äußere Grenzverlauf wird nachstehend im Uhrzeigersinn - beginnend im Norden -grob beschrieben. Die aufgeführten Grenzgrundstücke befinden sich innerhalb des Schutzgebietes, es sei denn, sie sind mit „ohne dieses = od" oder „teilweise = tw" gekennzeichnet.

Das Schutzgebiet beginnt mit dem gesamten Flurstück 694, die Grenze verläuft in südöstlicher und später südlicher Richtung entlang des Feldweges Flurstück 680. Im Bereich der Grundstücksgrenze der Flurstücke 680 (od), 685 und 677 (od) biegt die Schutzgebietsgrenze in südwestlicher Richtung ab. Sie führt an der gesamten westlichen Grundstücksgrenze des Flurstücks 677 (od) entlang bis sie das Flurstück 676 (tw) erreicht und dieses in südwestlicher Richtung durchquert. Nachdem die Schutzgebietsgrenze auf den Feldweg Flurstück 670 (tw) trifft, folgt sie in südlicher Richtung dem Flurstück 670 (tw) und der westlichen Grundstücksgrenze des Flurstücks 662 (od). An der südwestlichen Ecke der Grundstücksgrenze der Flurstücke 662 zum Flurstück 663 biegt die Schutzgebietsgrenze in östlicher Richtung ab und folgt den südlichen Grundstücksgrenzen der Flurstücke 662 (od) und 660 (od). Sie kreuzt den Feldweg Flurstück 659 (tw) und folgt diesem im südöstlicher Richtung (wobei sie auch einen kleinen dreieckigen Bereich des Flurstücks 337 (tw) mit umfasst). Sie folgt dann den südlichen Grundstücksgrenzen der Flurstücke 2065 und 2064 (tw) entlang des Feldweges Flurstück 2067 (od). Auf der Höhe der südlich gelegenen Flurstücke 2081 (od) und 2082 (od) biegt die Schutzgebietsgrenze in nördlicher Richtung ab. (Zwischen den Vermessungspunkten 264 und 275 formt die Schutzgebietsgrenze eine dreieckige Ausstülpung, um dann wieder in Richtung Nordwesten geführt zu werden.) Die Schutzgebietsgrenze durchquert das Flurstück 2064 (tw). Im äußersten östlichen Bereich des Flurstücks 2058 (tw) wird die Schutzgebietsgrenze über den Vermessungspunkt 281 in nordöstlicher Richtung bis zum Feldweg 670 (tw) geführt und verläuft dann von der südwestlichen Grundstücksecke des Flurstücks 2056/2 in nordwestlicher und später nordöstlicher Richtung. Sie kreuzt auf halber Länge der nördlichen Grundstücksgrenze des Flurstücks 2056/2 den Weg 2055 (tw) und durchquert in nördlicher Richtung das Flurstück 2053 (tw) bis kurz hinter den Vermessungspunkt 206. Danach folgt die Schutzgebietsgrenze der südöstlichen Grundstücksgrenze des Flurstücks 708 (od) bis zum Ausgangspunkt.

(4) Die Grenzen des Naturschutzgebietes und seine innere Gliederung sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25000, kombiniert mit einer Flurkarte im Maßstab 1:2500 mit durchgezogener roter, grau angeschummerter Linie eingetragen. Die rote Bandierung ist Teil der Schutzgebietsfläche. Die Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim Regierungspräsidium Tübingen, Konrad-Adenauer-Straße 20, und beim Landratsamt Alb-Donau-Kreis in Ulm, Schillerstraße 30, auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung, im Gesetzblatt zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(5) Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

(1) Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist:

- die Erhaltung einer durch morphologische, geologische und klimatische Besonderheiten ausgezeichneten, landschaftsprägenden Wachholderheide mit wertvollen Magerrasen, Felsen, Schotterhalden, Hecken, Feldgehölzen und naturnahem Edellaubwald zur Lebensraumsicherung der gefährdeten Flora und Fauna;

- der Schutz der Wachholderheide, des Grünlands und der Umgebung vor Aufforstung und anderen Nutzungsintensivierungen, besonders vor übermäßigem Freizeitbetrieb;

- der Schutz der Lebensgemeinschaften der landschaftsprägenden Edellaubwaldgesellschaften am und im Trockental vor Umwandlung;

- die Erhaltung des Gebiets als integraler Bestandteil einer Biotopvernetzung;

- der Schutz der landschaftlichen Eigenart, die als Zeugnis der früheren Wirtschaftsweise von hohem landeskulturellem Wert ist.

(2) Schutzziel ist

- die dauerhafte Sicherung der Heide als Weidefläche für Schafe in extensiver Hütehaltung und damit Nutzung und Pflege als Magerrasen, dazu die Vernetzung mit Weideflächen in dieser und benachbarten Gemarkungen sowie

- die Einrichtung von extensivierten Pufferzonen, u.a. als Pferchflächen.

§ 4 Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

(2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen/zu beschädigen oder zu zerstören;

2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

3. Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

4. wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

5. Hunde frei laufen zu lassen.

(3) Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie

1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen; dies gilt auch für Einfriedungen jeder Art sowie für Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen;

2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern;

3. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern können;

4. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten:

1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen, Sprengungen oder Bohrungen;

2. Dauergrünland umzubrechen;

3. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

4. neu aufzuforsten, die Entwicklung von Laubholz- oder Mischbeständen hin zu Nadelholzreinbeständen aktiv zu fördern, Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vorratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nicht-standortheimische Pflanzen oder Pflanzteile einzubringen;

5. Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten:

1. die Wege zu verlassen;

2. das Gebiet außerhalb befestigter Wege, im Wald außerhalb befestigter Wege von mindestens 2 Metern Breite, mit Fahrrädern zu befahren;

3. außerhalb des besonders ausgewiesenen Wegs zu reiten;

4. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

5. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzustellen, Kraftfahrzeuge abzustellen oder Massenveranstaltungen aller Art (wie Volkswandern, Sportveranstaltungen) durchzuführen;

6. Wasserflächen zu nutzen;

7. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luftsportgeräten (z.B. Hängegleiter, Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfallschirme) und Freiballonen sowie das Aufsteigen lassen von Flugmodellen.

(6) Weiter ist es verboten:

1. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2. außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3. ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

§ 5 Zulässige Handlungen

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Gewässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht in ihrer chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

2. durch neue Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht verändert wird;

3. Dauergrünland nicht umgebrochen wird;

4. auf den in der Karte gekennzeichneten Kalkmagerrasenbereichen nicht gedüngt und nicht gepfercht wird;

5. Pflanzenschutzmittel nicht verwendet werden, ausgenommen auf Grünland solche zur Einzelpflanzen- und Nesterbekämpfung bei Ampfer;

6. Feldraine, Wälle, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume, Röhrichtbestände, Tümpel oder sonstige landschaftsprägende Elemente nicht erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden; ein ordnungsgemäßer Rückschnitt außerhalb der Vogelbrutperiode (01. März bis 31. August) ist zulässig.

Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung aufzunehmen, die nach dem Auslaufen vertraglicher Bewirtschaftungsbeschränkungen oder Extensivierungs- oder Stilllegungsprogrammen zugelassen ist, besteht fort, soweit nicht diese Verordnung Beschränkungen auferlegt.

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ordnungsgemäß erfolgt und die Grundsätze und Ziele des Naturschutzgesetzes sowie den Schutzzweck berücksichtigt. Voraussetzung ist insbesondere, dass:

1. die Bewirtschaftung in der Weise erfolgt, dass auf den Edellaubbereichen kein Kahlschlag erfolgt;

2. der Bau von für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlichen Wegen im Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde erfolgt;

3. Entwässerungsmaßnahmen nicht begonnen werden;

4. die Zusammensetzung der Baumarten überwiegend aus standortheimischen Arten der potentiell natürlichen Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird, insbesondere Laubholz- oder Mischbestände nicht zu Nadelholzreinbeständen umgewandelt werden oder eine solche Entwicklung begünstigt wird;

5. Tothölzer, Höhlenbäume oder Horstbäume - unter Beachtung der Verkehrssicherungspflicht - bis zu ihrem natürlichen Verfall erhalten werden.

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass:

1. Hochsitze nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und nur landschaftsgerecht aus naturbelassenen Rundhölzern errichtet werden;

2. keine Wildäcker und keine Futterstellen sowie auf den in der Karte gekennzeichneten Kalkmagerrasenbereichen keine Ablenkungsfütterungen und Kirrungen angelegt werden;

3. für die natürliche Verjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften angepasste Wildbestände hergestellt werden;

4. keine Tiere eingebracht werden;

5. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird; es sei denn, um zur zulässigen Errichtung neuer Jagdeinrichtungen sperriges oder schweres Material zu befördern oder um schweres Schalenwild zu bergen.

(4) Als Sondernutzungen sind gestattet:

1. In der Zeit vom 15. September bis 31. Oktober eines jeden Jahres das Betreten des Kornbergs, Flst. Nr. 563, um dort Spiel- bzw. Lenkdrachen fliegen zu lassen.

2. In der Zeit vom 15. November bis 1. März eines jeden Jahres das Betreten des Kornbergs, Flst. Nr. 563, zum Schlitten fahren.

(5) Unberührt bleibt auch die sonstige bisher rechtmäßigerweise ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie der rechtmäßigerweise bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

§ 6 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, für Waldflächen im Einvernehmen mit dem zuständigen Staatlichen Forstamt. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

Schlussvorschriften

§ 7 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 NatSchG durch die höhere Naturschutzbehörde Befreiung erteilt werden.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene oder nach § 5 in die Verbote einbezogene Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet vorsätzlich oder fährlässig entgegen § 4 oder § 5 die Jagd ausübt.

§ 9 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Die Verordnung des Landratsamts Alb-Donau-Kreis über das Landschaftsschutzgebiet „Laushalde" vom 26.Oktober 1981 tritt für den Geltungsbereich dieser Verordnung gleichzeitig außer Kraft.

Tübingen, den 9.Juli 2002

Hubert Wicker