4.312 Schwarzes Moos

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das

Naturschutzgebiet "Schwarzes Moos" vom 07. Dez. 2005

 

Auf Grund von §§ 21 und 58 Abs. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der

Fassung vom 29. März 1995 (GBI. S. 385), zuletzt geändert durch das Gesetz zur

Neuregelung des kommunalen Abgabenrechts und zur Änderung des Naturschutz-

gesetzes vom 17. März 2005 (GBI. S. 206), wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Ostrach,

Gemarkung Habsthal, Landkreis Sigmaringen, werden zum Naturschutzgebiet

erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung

» Schwarzes Moos «.

§ 2

Schutzgegenstand

(1)     Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rd. 11 ha.

(2)     Es umfasst auf der Gemarkung Habsthal, Gewann Schwarzes Moos, die

        Flurstücke: Nr. 58/1, 59 bis 84, 86 bis 109' 110/1' 112/1 und 420/1 (Weg).

(3)     Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungs-

         präsidiums Tübingen vom 21. April 2005, im Maßstab 1 :2.500, kombiniert

         mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1 :50,000, mit durchgezogener roter

         Linie eingetragen. Die rote Bandierung ist Teil der Schutzgebietsfläche. Die

         Karte ist Bestandteil dieser Verordnung. Die Verordnung mit Karte wird beim

         Regierungspräsidium Tübingen und beim Landratsamt Sigmaringen auf die

         Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verord-

         nung im Gesetzblatt, zur Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten

         öffentlich ausgelegt.

(4)     Die Verordnung mit Karte ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in

         Absatz 3 Satz 4 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jeder-

         mann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3

Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung, Pflege und Weiterentwicklung der

schutzwürdigen, landschaftstypischen und kulturhistorisch bedeutenden Wiesen-

biotopen, die als lebens- und Rückzugsbereich einer artenreichen und gefährdeten

Pflanzen- und Tierwelt dienen und ein Relikt des letzten historischen Kompromiss-

platzes im Waldgebiet "Weithart" sind.

Besonderer Schutzzweck ist:

-  Die Erhaltung der Wiesenbiotope unterschiedlicher Ausprägung und Feuchtestufen

   (Nasswiesen und Glatthaferwiesen) durch extensive Mähwiesennutzung oder

   durch Pflegemaßnahmen.

-  Die Erhaltung des Gebiets als lebens- und Rückzugsraum für an Feuchtgebiete

   gebundene Pflanzen-, Amphibien- und Insektenarten. Darunter bedrohte und

   geschützte Arten wie Sumpfblutauge, Schild-Ehrenpreis und Sumpfquendel sowie

   Sumpfschrecke, Sumpfgrashüpfer, Brauner Feuerfalter und Rotklee-Bläuling.

-  Schutz der Wiesen- und Feuchtbiotope vor Eutrophierung, Entwässerung,

   Meliorierung, Nutzungsintensivierung, Nutzungsaufgabe oder Aufforstung.

-  Die Erhaltung und Verbesserung des ökologischen Potenzials der Entwässerungs-

   gräben.

§ 4

Verbote

(1)     In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer

         Zerstörung, Veränderung oder nachhaltigen Störung im Schutzgebiet oder

         seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen

         Forschung führen oder führen können. Insbesondere sind die in den Absätzen

         2 bis 4 genannten Handlungen verboten.

(2)     Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten:

         1.  Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschä-

              digen oder zu zerstören;    

          2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Foto

              grafieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder

               zu zerstören;

         3.  Tiere einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu

              beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen,

              Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten

              dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören;

         4.  wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch

              Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu stören;

         5.  Hunde frei laufen zu lassen;

         6.  Flugmodelle aufsteigen und landen zu lassen.

(3)     Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare

          Eingriffe vorzunehmen, wie

         1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder der

             Errichtung gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;    

         2. Straßen, Wege, Plätze oder sonstige Verkehrsanlagen anzulegen, Leitungen

             zu verlegen oder Anlagen dieser Art zu verändern. Die Unterhaltung

             des Grasweges (Flst Nr. 420/1) bleibt hiervon unberührt;

3. Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den

    Wasserhaushalt entgegen dem Schutzzweck nachteilig verändern können.

 Unberührt bleibt die Unterhaltung von Entwässerungsgräben zur Sicher-

 stellung der Bewirtschaftung der Wiesengrundstücke, sofern sie von Hand

 oder mit dem Mähkorb und nur abschnittsweise durchgeführt wird. Eine

 Vertiefung der Grabensohle ist nicht zulässig;

         4.  Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen mit Aus-

              nahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

(4)     Bei der Nutzung der Grundstücke ist  es verboten:

         1.  die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Umbrechen,

              Abgrabungen und Aufschüttungen, sowie Meliorierungsmaßnahmen

              durchzuführen;

         2.  die standortgemäße, sehr extensive landwirtschaftliche Mähwiesen-

              nutzung zu intensivieren oder entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

         3.  Pflanzenschutzmittel auszubringen;

         4.  Staudenfluren, Seggenrieder und Röhrichtbestände zu beseitigen oder

              zu beeinträchtigen.

§ 5

Zulässige Handlungen

(1)     Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie

         ordnungsgemäß erfolgt und die Grundsätze und Ziele des Naturschutzge-

         setzes sowie den Schutzzweck berücksichtigt.

         Voraussetzung ist insbesondere, dass

1.  nur Hochsitze und offene Kanzeln aufgestellt werden. Sie müssen

     aus naturbelassenen Hölzern hergestellt sein und dürfen nur außerhalb

     der wertvollen Vegetationsbereiche und möglichst in Waldrandnähe

     errichtet werden;

2.  keine Fütterungen, Kirrplätze, Wildäcker und Wildwiesen angelegt werden;

3.  keine Tiere eingebracht werden.

(2)     Die Verbote des § 4 gelten nicht für Bewirtschaftungs-, Pflege- und

         Entwicklungsmaßnahmen, die von derhöheren Naturschutzbehörde

         festgelegt wurden oder mit deren Zustimmung durchgeführt werden.

         Entsprechendes gilt für wissenschaftliche Untersuchungen. Unberührt bleiben

         auch forstliche Maßnahmen zur Pflege der auf einzelnen Grundstücken

         randlich vorhandenen Waldsäume.

§ 6

Schutz-, Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen

(1)     Schutz-, Bewirtschaftungs- und Pflegemaßnahmen werden für die landes-

          eigenen Flächen von der höheren Naturschutzbehörde festgelegt. Die

         Pflege der Waldsäume erfolgt in Abstimmung mit der Forstbehörde.

(2)     Die Bewirtschaftung der sich im östlichen - weniger nassen -Teil des

         Schutzgebiets entwickelnden Salbei-Glatthaferwiese soll durch zweimalige

         Mahd pro Jahr erfolgen; die im übrigen Bereich dominierenden kleinseggen-

         reichen Nasswiesen müssen ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden. Eine

         Düngung des Grünlands ist nur zum Zwecke der Erhaltung oder Förderung

         der floristischen Artenvielfalt und -spezifika zulässig. Sie bedarf der Zustim-

         mung der höheren Naturschutzbehörde und erfordert eine Bodenuntersuchung

         auf Grundnährstoffe nach der Düngeverordnung.

Schlussvorschriften

§ 7

Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 63

NatSchG Befreiung erteilen.

§ 8

Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder

fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene oder nach §§ 5

und 6 Abs. 2 in die Verbote einbezogene Handlungen vornimmt.

§ 9

In-Kraft- Treten

Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

Tübingen, den O 7. Dez. 2005

Hubert Wicker

 

Verkündungshinweis:

Gemäß § 60 a NatSchG ist eine etwaige Verletzung der In § 59 NatSchG

genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb

eines Jahres nach dem Erlass der Verordnung gegenüber dem Regierungspräsidium

Tübingen schriftlich geltend gemacht worden ist; der Sachverhalt, der die Verletzung

begründen soll, ist darzulegen.

Regierungspräsidium Tübingen