4.313 Flusslandschaft Donauwiesen zwischen Zwiefaltendorf und Munderkingen

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet

„Flusslandschaft Donauwiesen zwischen Zwiefaltendorf und Munderkingen“ vom 14. März 2006

Aufgrund von §§ 26, 34 Abs. 2 Satz 2 ,73 Abs. 3 und 82 Abs. 1 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Land-

schaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft  (Naturschutzgesetz - NatSchG -) vom 13. Dezember

2006 (GBI.S. 745), sowie § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) in der Fassung vom 01. Juni 1996 (GBI.

S. 369). Zuletzt geändert durch Gesetz vom 14. Dezember 2004 (GBI. S. 895), wird verordnet:

Allgemeine Vorschriften

§ 1

Erklärung zum Schutzgebiet

(1) Die in § 2 näher bezeichnete Fläche auf dem Gebiet der Stadt Riedlingen im Landkreis Biberach sowie der Gemeinden

Emeringen, Lauterach, Munderkingen, Obermarchtal, Rechtenstein und Untermarchtal im Alb-Donau-Kreis wird zum

Naturschutzgebiet erklärt. Das Naturschutzgebiet führt die Bezeichnung "Flusslandschaft Donauwiesen „zwischen

Zwiefaltendorf und Munderkingen".

(2) Das Naturschutzgebiet ist fast vollständig Teil des Europäischen ökologischen Netzes "Natura 2000", welches aus den

Gebieten von gemeinschaftlicher Bedeutung im Sinne der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung

der natürlichen Lebens­räume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (ABI. EG Nr. L 206 S. 7 - Flora-Fauna­Habitat-Richtlinie,

kurz: FFH-Richtlinie) und den Europäischen Vogelschutzgebieten im Sinne der Richtlinie 79/409/EWG des Rates vom

2. April 1979 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (ABI. EG Nr. L 103 S. 1, kurz: Vogelschutzrichtlinie) besteht.

§ 2

Schutzgegenstand

(1) Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 582 ha.

(2) Es umfasst, vollständig oder teilweise, auf der Gemarkung Zwiefaltendorf der Stadt Riedlingen die Gewanne Baumgarten,

Obere Breite, Untere  Breite, Hinter der Kirche, Un­tersand, Furtteile und Steinbruch; auf der Gemarkung der Gemeinde

Emeringen die Ge­wanne Reisach, Degerwiesen, Burgwiesen, Buchhalden, Gemeindhalde und Gähe Hal­denberg; auf der

Gemarkung der Gemeinde Lauterach die Gewanne Wengelen, Sankt Christoph 1, Michaelsberg, Täle, Zum Burggraben,

Weidach, Weidachwiesen, Ebene, Österfeld, Haldeneschle, Halden, Mattenwiesen und Tannenbühl; auf der Gemarkung

der Gemeinde Munderkingen die Gewanne Bachwiesen, Kleine Weiden, Wolf, Wolfacker, Kies, Brühl, Tiergarten, Egelsee,

Große Weiden, Mühlstetter Teile, Egelsee Äcker, Vieh­weide, Sandäcker, Nachtweide, Wuhrwiesen, Untere Äcker,

Triebäcker, Unteres Riedle und Denket; auf der Gemarkung der Gemeinde Obermarchtal die Gewanne Kälberberg, Fährlang,

Steige, Tennenäcker, Datthausen, Tennenwiesen, Wengelen, Jergenbergegert, Jergenberg, Hasental, Grabenwiesen,

Altenburg, Kirchholz, Au, Steinburgwiesen, Obere Wiesen, Alfredstal, Steinburg, Schlosshalde, Untere Wiesen, Mittenhausen

und Auwiese; auf der Gemarkung der Gemeinde Rechtenstein die Gewanne Bruckwiesen, Kirchholz, Untere Au und Brühl-

wiesen; ferner auf der Gemarkung der Gemeinde Untermarchtal die Gewanne Kälberberg, Ebene, Bodenlöse, Täler, Österfeld,

Gemeine Wiesenteile, Schwanswiesen, Denket, Kiesgrube und Täler. Im Wesentlichen umfasst es die Über­schwemmungs-

flächen der Donau sowie die angrenzenden Wiesen und Talhänge.

3) Das Schutzgebiet umfasst, vollständig oder teilweise, - auf Gemarkung Zwiefaltendorf der Stadt Riedlingen die

Flurstücke Nr. 1439, 1472, 1476, 1477,1477/1,1520,

- auf Gemarkung der Gemeinde Emeringen die Flurstücke Nr. 1183, 1184, 1185, 1186, 1189,1253/2,1704,1723,1724,

1725,1726,1728,1729, 1730, 1731, 1737, 1739, 1740, 1741,1742,1743,1744,1745,1746,1747, 1750,1751, 1752,

1753, 1754, 1755, 1757, 1758, 1759 (aktueller Stand gemäß Flurbereinigungsverfahren Emeringen),

- auf Gemarkung der Gemeinde Lauterach die Flurstücke Nr. 362, 362/1, 362/2, 362/3, 363, 364, 368, 369, 369/4, 370,

370/1, 370/2, 371, 371/1, 371/2, 371/4, 372, 372/1, 373, 374,375,375/1,376/1,376/2,377,378/2,379/1,379/2, 381/1,

381, 381/3, 382/1, 382/2, 382/3,383,384/2,385,386,388,389,390,392,394/1, 395, , 468, 469/1, 469/2, 470/1, 470/2,470/3,

470/4,471,489/1,489/2,490,491, 467492, 493, 494/3, 495, 496, 497, 499, 501/1,501/2, 505, 636, 636/1, 638/1, 645,

646, 648, 649, 676/1, 676/2, 676/3, 681, 683, 685,686,688,689,691,699,700,713,728,1209,1210, 1212, 1213, 1214,

1215, 1216, 1217,1218,1219,1220,1221,1222,1223,1270, 1271, 1272, 1273, 1274,

- auf Gemarkung der Gemeinde Munderkingen Flurstücke Nr. 2364/4, 2364/3, 2359/2, 2361/2,2364/2, 1899,4166/2, 2340,

2344,2346,2346/1,2350,2351,2352,2354,2355, 2356,2357,2358,2359/1,2360,2361,2361/1, 2362, 2363,2364/1,

2365/1, 2365, 2366, 2414,2415,2416,3604,3605,3606,3607,4009,4011,4012,4015,4016,4017, 4018, 4022, 4023,

4024, 4025,4026,4027,4028,4029,4030,4031,4034,4035, 4037, 4038, 4039,4040,4041,4042,4043,4044, 4045,

4046,4049,4050,4051,4052, 4053, 4054, 4055,4056,4057,4058,4059,4061,4062,4063,4064,4065,4066, 4070,

4071, 4072, 4073,4076,4077,4080,4081,4083,4084,4085,4086,4087,4088, 4089, 4090, 4091, 4092,4093,4094,

4095, 4096,4098,4099,4100,4104,4104/1, 4105,4106,4107, 4108, 4109,4110,4111,4112,4113,4115,4116,4117,

4119, 4120, 4121,4122,4123, 4126, 4127,4128,4129,4130,4131,4132,4133,4134,4135, 4136, 4136/1,4137,

4138,4139, 4142,4143,4144,4145,4146,4147,4148,4149,4150, 4151,4152, 4153, 4154,4155, 4156,4157,4158,4159,

4160, 4161,4166/1,4166, 4167,4168, 4169, 4171,4230,4232/1, 4243,4244,4245,4246,

- auf Gemarkung der Gemeinde Obermarchtal die Flurstücke Nr. 847/2, 847/7, 3160, 3162, 3163,3164, 3164/1,3165,3166,

3167,3168,3169,3170,3172,3173,3174, 3240, 3277, 3292/1,3292/2,3311,3312/1,3312/3, 3312/4, 3312/5, 3312/6,

3312/7, 3312/8, 3312/9, 3312/10,3312/11,3312/13,3314/2,3315,3391,3481,3483, 3484, 3486, 3487, 3488, 3489,

3490,3491, 3494,3524,3525,3527,3528,3529,3531,3532, 3533, 3540, 3541, 4023,4024,4026,4028,4029,4031,

4034,4035,4036,4038,4039, 4040/2, 4145,4147, 4155,4156,4158,4158/1,4159,4160,4161,4162,4162/1, 4163,4164,

4165,4166,4167, 4168,4169,4170,4171,4172,4173,4174,4175,4176, 4179/1,4180,4181,4189,4213, 4214,4215,

4216,4217,4218,4218/1,4219,4219/1, 4220, 4221,4222,4224,4231,4231/1,4232,4233,4234,4235,4236, 4237, 4238,

4239, 4240,4241,4242,4244,4245, 4355,4356,4357,4358,4359,4360,4383,4384,4500, 4501,4502, 4503,4504,4505,

4506,4507,4508,4514,4515,4516,4517,4518, 4519, 4520,4521,4522,4523,4526, 4530,4531,4535,4536,4537,

- auf Gemarkung der Gemeinde Rechtenstein die Flurstücke Nr. 9, 105, 107/1, 107/2, 107/4,110/2,111,112, 112/1,112/2,

113,113/2,142, 143, 143/1, 143/3, 143/4, 143/5, 143/6,143/8,143/9,143/10,723,724,724/1,725, 726, 727, 728, 729,

731, 732,1003, 1003/1,1003/2,1003/6,1003/7,1003/8,1003/9, 1003/15, 1003/16, 1003/17, 1003/18, 1003/19,

1011,1011/1,1018,1019, 1020,1020/1,

auf Gemarkung der Gemeinde Untermarchtal die Flurstücke Nr. 73, 77, 78/1, 87, 89/1, 90/1,91/4,89/3,89/2,90/2,163, 201/1,

282,282/2,285, 286, 288, 289, 290, 291, 292, 292/1, 292/2, 322/1, 322/2, 323,324, 330/1, 331, 333/1, 333/4, 334, 335/1,

335, 336, 337, 339,340,342,348,354,362,374,376,797,848,991,992, 1000, 1005/1, 1005/2, 1005/3, 1007, 1109, 1301,

1324,1443,1444,1445,1446,1496,1497 und 1499.

(4) Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind in einer Flurkarte des Regierungspräsidi­ums Tübingen vom 19. Dezember 2005

im Maßstab 1 :5.000, bestehend aus drei Teilkar­ten und verbunden mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1 :25.000,

gekennzeichnet und rot angelegt. Die rote Bandierung ist Teil der Schutzgebietsfläche. Die Karten sind Bestandteil der

Verordnung.

Im Falle des Widerspruchs zwischen textlicher Beschreibung und zeich­nerischer Darstellung gelten die in der Flurkarte

getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen, beim

Landratsamt Alb-­Donau-Kreis in Ulm und beim Landratsamt Biberach in Biberach auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend

am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kos­tenlosen Einsicht durch jedermann während der

Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

(5) Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Absatz 4 Satz 5 bezeichneten Stellen zur kosten-

losen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

§ 3

Schutzzweck

(1) Schutzzweck ist die Erhaltung und Förderung des weitgehend natürlichen oder natur­nahen Zustandes des Flusslaufes

der Donau mit den Uferbereichen, der Talaue, den Tal­hängen, dem Trockental "des "Ur-Donauverlaufs" sowie die

Erhaltung und Förderung des von der Donau geschaffenen und von ihr und ihren Hochwässern heute noch geprägten

Talraumes mit der vom Menschen beeinflussten Kulturlandschaft als Zeugnis von Erd- und Landschaftsgeschichte. Dabei gilt

es vorrangig, die regionale und überregionale Bedeu­tung als Brut- und Rastplatz sowie als Lebensraum für seltene

und gefährdete Brutvögel und Durchzügler zu bewahren und zu fördern. Das Naturschutzgebiet "Flusslandschaft

Donauwiesen zwischen Zwiefaltendorf und Munderkingen" schließt nahtlos an die bereits geschützte Fläche der Naturschutz-

gebiete "Flusslandschaft Donauwiesen" und "Braunsei" an. Hierdurch wird eine großräumige Biotopvernetzung mit einer

außerordentlich hohen Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt mit landesweiter und europäischer Bedeutung si­chergestellt.

2) Schutzzweck ist insbesondere

-         der Schutz der seltenen Lebensgemeinschaften der strukturreichen Flussauelandschaft und der angrenzenden

         bewaldeten Talhänge der Donau mit den Restbestän­den von Erlen-, Eschen- und Hangmischwäldern;

-         die Erhaltung und Sicherung der offenen Auewiesenlandschaft als Lebensraum für zahlreiche Wiesenbrüter und als

         Nahrungsraum der dort beheimateten Weißstör­che;

-         die Erhaltung und Pflege der in die Talaue eingestreuten Donaualtarme mit deren Unterwasservegetation und

     deren Verlandungsstadien;

-         die Erhaltung und Beruhigung noch naturnaher oder in der Entwicklung befindlicher Fluss- und Uferabschnitte der

         Donau und ihrer Nebengewässer sowie die dazu er­forderliche Steuerung der Freizeitnutzung;

-         die Erhaltung und Pflege besonders wertvoller Waldlebensgemeinschaften wie Steppenheidewald, Seggen-Buchen-

         wald, Ahorn-Eschen-Schluchtwald im Verbund mit den Halbtrockenrasen, Felsfluren und der Flussaue;

-         die Erhaltung und Pflege der außergewöhnlichen Vielfalt an kleinflächig verzahnten und miteinander vernetzten

         Biotopstrukturen, insbesondere für seltene und ge­schützte Pflanzen-, Heuschrecken-, Tagfalter-, Wildbienen-,

         Fisch- und Vogelarten;

-         der Schutz der besonderen Schönheit und Eigenart der Flusslandschaft mit ihrer hochwasserbeeinflussten Talniederung

     und den angrenzenden Talhängen im Ba­den- Württembergischen Donautal als Besonderheit und Relikt der früheren

         bäuerli­chen Wirtschaftsweise mit hohem landeskulturellem Wert;

-         die Erhaltung der Flusslandschaft als Erholungsraum für die Allgemeinheit mit ho­hem

         Erlebniswert;

-         die Erhaltung von Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtline und der Vogel­schutzrichtlinie, wie natürliche

     eutrophe Seen, Fließgewässer mit flutender Wasser­vegetation, Kalk- Pionierrasen (prioritär), Kalk-Magerrasen

     (orchideenreiche Bestän­de - prioritär), feuchte Hochstaudenfluren, magere Flachland-Mähwiesen, Kalk­schutthalden

         (prioritär), Kalkfelsen mit Felsspaltenvegetation, Höhlen, Hainsimsen-­Buchenwaid, Waldmeister-Buchenwald, Orchi-

          deen- Buchenwälder, Schlucht- und Hangmischwälder (prioritär), Auenwälder mit Erle, Esche, Weide sowie

         Gelbbauch­unke, Kammmolch, Bachneunauge, Streber, Mopsfledermaus, Großes Mausohr, Biber, Uhu, Wanderfalke,

         Weißstorch und Berglaubsänger;

-         der Fortbestand und die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der natürlichen Lebensraumtypen

und Habitate der Arten in ihren jeweiligen natürli­chen Lebensräumen bzw. Teillebensräumen (insbesondere Brut-,

Nahrungs-, Mau­ser-, Rast-, Durchzugs- und Überwinterungs gebiete). Hierzu soll sichergestellt wer­den, dass die Arten

auch langfristig lebensfähige Elemente ihrer natürlichen Le­bensräume bzw. Teillebensräume bilden, ihre Verbreitungs-

gebiete auch in absehba­rer Zeit nicht abnehmen und auch langfristig genügend große Lebensräume bzw. Teillebens-

räume erhalten bleiben, um ein Überleben der Populationen zu sichern.

§ 4

Verbote

(1) In dem Naturschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die zu einer Zerstörung, Ver­änderung oder nachhaltigen Störung

im Schutzgebiet oder seines Naturhaushalts oder zu einer Beeinträchtigung der wissenschaftlichen Forschung führen oder

führen können. Ins­besondere sind die in den Absätzen 2 bis 7 genannten Handlungen verboten.

 (2) Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten,

1.   Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zer­stören;

2.   Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beein-

      trächtigen oder zu zerstören;

3.   Tiere auszusetzen, anzusiedeln oder einzubringen, wildlebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie

      zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Laich-, Wohn-, Rast-,

   Nahrungs- oder Zu­fluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie zum Fang von

      Tieren geeignete Vorrichtungen zu errichten, zu betreiben oder mit sich zu führen;

4.   wildlebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche

      Handlungen zu stören;

5.   Hunde frei laufen oder schwimmen zu lassen.

(3)  Verboten ist es, bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vor­zunehmen, wie

1.   bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder ihnen gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen;

      dies gilt auch für Einfriedigungen jeder Art sowie für Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen;

2.   Straßen, Wege, Plätze, sonstige Verkehrsanlagen oder Beleuchtungsanlagen anzule­gen, Leitungen zu verlegen oder

      Anlagen dieser Art auszubauen;

3.   fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere

      Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt nachteilig verändern können;

4.   Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behörd­lich zugelassener Beschilderungen.

(4) Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

1.  die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen, Sprengungen oder Bohrungen;

2.  Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu än­dern;

3.  neu aufzuforsten, die Entwicklung von Laubholz- oder Mischbeständen hin zu Nadel­holzreinbeständen aktiv zu fördern,

 Christbaum- und Schmuckreisigkulturen oder Vor­ratspflanzungen von Sträuchern und Bäumen anzulegen sowie Gehölze

 aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nicht standortheimische Pflanzen oder Pflanzteile ein­zubringen;

4.  Dauergrünland umzubrechen;

5.  Pflanzenschutzmittel, Düngemittel, insbesondere Gülle, oder Chemikalien zu verwen­den.

(5) Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten,

1. die Wege zu verlassen;

2. das Gebiet außerhalb befestigter Wege mit Fahrrädern zu befahren;

3. außerhalb von Straßen und Wegen und auf gekennzeichneten Wanderwegen und Wanderpfaden, Sport- und Lehrpfaden

    zu reiten oder mit bespannten Fahrzeugen zu fahren

4. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen Krankenfahrstühle;

5. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen, sonstige Fahrzeuge oder Verkaufsstände aufzu­stellen, Kraftfahrzeuge abzustellen oder

    Massenveranstaltungen (z.B. Sportveranstal­tungen) durchzuführen; im Rahmen der sonstigen Vorgaben dieser Verord-

    nung erlaubt bleiben    Veranstaltungen wie z.B. Volkswanderungen oder Schulausflüge;

6. Luftfahrzeuge aller Art zu betreiben, insbesondere das Starten und Landen von Luft­sportgeräten (zum Beispiel Hängegleiter,

    Gleitsegel, Ultraleichtflugzeuge, Sprungfall­schirme) und FreibalIonen sowie das Aufsteigenlassen von Flugmodellen;

7. Bootsmodelle aller Art zu betreiben;

8. im Schutzgebiet zu klettern.

(6) Weiter ist es verboten,

1.  Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

2.  außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer zu machen oder zu unterhalten;

3.  ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursa­chen;

4. die Verlandungsbereiche oberirdischer Gewässer oder deren Ufervegetation oder Röh­richtbestände zu beseitigen, zu

    zerstören oder zu beschädigen oder deren Ufer an an­deren als frei zugänglichen Stellen zu betreten.

5. Kiesbänke und deren aquatisches Umfeld zwischen dem 1. April und dem 31. August zu betreten.

    Erlaubt ist das Baden im Bereich folgender herkömmlicher Badeplätze :

-         auf Gemarkung Zwiefaltendorf am linken Donauufer östlich des Abwasserpump­werks im Bereich der von Feldweg

     Nr. 1472 aus zugänglichen Kiesbank sowie am rechten Donauufer im Bereich der Donaubrücke;

-         auf Gemarkung Emeringen im Bereich der von Feldweg Nr. 1736 aus zugänglichen, im östlichen Bereich von

     Flurstück Nr. 1725 gelegenen Kiesbank;

-         auf Gemarkung Obermarchtal im Bereich der Flurstücke Nr. 1003/6 und 4164;

-         auf Gemarkung Rechtenstein im Bereich des Flurstücks Nr. 107/1;

-         auf Gemarkung Untermarchtal östlich der Donaubrücke der B 311 im Bereich von Flurstück Nr. 334;

-         bei Mittenhausen westlich des (nicht im Schutzgebiet liegenden) Weges Flurstück Nr. 4514 auf Gemarkung

          Obermarchtal.

(7) In allen Neben-, Seiten- und Altarmen, Altwassern, blind endenden Gewässern sowie Tümpeln, Teichen oder sonstigen

stehenden oberirdischen Gewässern innerhalb des Na­turschutzgebietes ist die Ausübung des wasserrechtlichen Gemein-

gebrauchs ausge­schlossen. Verboten ist dort insbesondere das Bootfahren.

(8) Für die Hauptgewasserstrecke der Donau wird für einen Zeitraum von zwei Jahren ab Inkrafttreten dieser Verordnung

auf eine Regelung des wasserrechtlichen Gemein­gebrauchs verzichtet. Die Hauptgewässerstrecke der Donau darf mit

kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft frei befahren werden, bis eine anderweitige wasserrechtliche Rege­lung in Kraft tritt.

Tritt innerhalb von zwei Jahren ab Inkrafttreten dieser Verordnung keine wasserrechtliche Regelung des Bootfahrens in

Kraft, gilt folgende Regelung:

Unbeschadet der vorstehenden Absätze wird die Ausübung des wasserrechtlichen Ge­meingebrauchs dahingehend beschränkt,

dass die Hauptgewässerstrecke der Donau vom 1. April bis einschließlich 31. August an den Samstagen und Sonntagen

sowie den gesetzlichen Feiertagen für das Befahren mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Trieb­kraft gesperrt ist. Die Fluss-

strecke ist zügig zu durchfahren. Im Notfall darf ausnahms­weise angelandet oder angelegt werden.

§ 5

Zulässige Handlungen

(1) Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im

bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Natur­schutzgesetzes erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion

und Humusabbau vermeidet, Ge­wässerrandstreifen und Ufer, oberirdische Gewässer und Grundwasser nicht

in ihrer che­mischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wildlebenden Tieren und Pflanzen

ausreichenden Lebensraum erhält.

Voraussetzung ist weiter, dass

1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

2. durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht nachteilig verändert wird;

3. Maßnahmen zur Unterhaltung und Instandsetzung von Wassergräben naturschonend und nur in der Zeit vom 1. September

    bis zum 31. Oktober durchgeführt werden. § 43 Abs. 1 Nr. 5 NatSchG bleibt unberührt;

4. Dauergrünland nicht umgebrochen wird;

5. Pflanzenschutzmittel auf Grünland nicht verwendet werden, ausgenommen solche zur Einzelpflanzen- und Nesterbe-

    kämpfung bei Ampfer;

6. bei der Verwendung von Düngemitteln, einschließlich Gülle, ein Abstand von mindes­tens 10 Metern landseits der Uferlinie

    (§ 7 Wassergesetz) der Donau eingehalten wird;

7. Feldraine, Wälle, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume, Röhrichtbestände, Tümpel oder sonstige landschafts-

prägende Elemente nicht erheblich oder nachhaltig beeinträchtigt werden; ein ordnungsgemäßer Rückschnitt außerhalb

 der Vogelbrutperio­de (01. März bis 30. September) ist zulässig.

8. zum Schutz der bodenbrütenden Vögel auf Grünland Pflege-, Unterhaltungs- und In­standsetzungsarbeiten einschließlich

    Schleppen und Walzen nicht in der Zeit vom 1. Ap­ril bis 15. Juli durchgeführt werden;

9. auf Kalkmagerrasenflächen nicht gepfercht wird;

10. bei Weidenutzung nur Anlagen errichtet werden, die unmittelbar dem zeitweiligen Wei­debetrieb dienen (z.B. Unterstände,

      Futterkrippen, mobile Weidezäune);

11. Fahrsilos in Überschwemmungsgebieten nicht errichtet werden. Für Fahrsilos, die au­ßerhalb von Überschwemmungs-

gebieten errichtet werden sollen, kann die höhere Na­turschutzbehörde nach § 79 NatSchG Befreiung erteilen.

Das Recht, die landwirtschaftliche Nutzung aufzunehmen, die nach dem Auslaufen vertrag­licher Bewirtschaftungsbe-

schränkungen oder Extensivierungs- oder Stilllegungsprogram­men zugelassen ist, besteht fort. §§ 20 Abs. 3 und 32

Abs. 3 Nr. 3 NatSchG bleiben unbe­rührt.

(2) Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und

im bisherigen Umfang ordnungsgemäß erfolgt und die Grundsät­ze und Ziele des Naturschutzgesetzes sowie den Schutz-

zweck berücksichtigt. Voraussetzung ist insbesondere, dass

1.  die Bewirtschaftung mit der Maßgabe erfolgt, dass kein neuer Wald aufgeforstet wird;

2.  der Bau von für die Bewirtschaftung des Waldes erforderlichen Wegen im Einverneh­men mit der höheren

     Naturschutzbehörde erfolgt;

3.  durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht nachteilig verändert wird;

4.  die Zusammensetzung der Baumarten überwiegend aus standortheimischen Arten der potentiell natürlichen

Vegetation entsprechend den Standortverhältnissen gefördert wird, insbesondere Laubholz- oder Mischbestände

nicht zu Nadelholzreinbeständen umge­wandelt werden oder eine solche Entwicklung begünstigt wird;

5. Tothölzer, Höhlenbäume oder Horstbäume - unter Beachtung der Verkehrssicherungspflicht - bis zu ihrem natürlichen

    Verfall erhalten werden.

(3) Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie ordnungsge­mäß im Sinne des Natur-

 schutzgesetzes erfolgt.

 Voraussetzung ist weiter, dass

1. die Jagd auf Wasserwild erst ab 1. November erfolgt;

2. keine Fütterung von Wild erfolgt und keine Wildäcker angelegt werden;

3. Ablenkungsfütterungen und Kirrungen nur außerhalb besonders geschützter Biotope (§ 32 NatSchG) und gemäß

    geltendem Jagdrecht angelegt werden;

4. für die natürliche Verjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften angepasste Wild­ bestände hergestellt werden;

5. keine Tiere eingebracht werden;

6  das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befes­tigten Wegen mit Kraftfahrzeugen

  befahren wird, es sei denn, um zur zulässigen Errich­tung neuer Jagdeinrichtungen sperriges oder schweres Material

  zu befördern oder um schweres Schalenwild zu bergen;

7. neue dauerhafte Hochsitze nur im unbedingt notwendigen Umfang landschaftsgerecht in hochwüchsigen Gehölzen

    aus naturbelassen Materialien (Rund- Öder Schnittholz, Rin­de, Moos u.a.) errichtet werden. Abgängige oder nicht

    mehr genutzte Hochsitze sind zu entfernen. Mobile Ansitzleitern sind zulässig.

 (4) Für die ordnungsgemäße Ausübung der Fischerei gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art

 und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

1.  die Fischerei nur an den Hauptgewässerstrecken der Donau und der Großen Lauter so­ wie im Bereich des Donaualtarms

     nördlich von Datthausen ausgeübt wird;

2.  Besatzmaßnahmen nur mit standortgerechten Fischarten und im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidium erfolgen;

3.  Kiesbänke und deren aquatisches Umfeld vom 1. April bis zum 31. August nicht betreten werden;

4.  in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September die Verlandungsbereiche der Gewässer oder deren Ufervegetation und

     ihre Röhrichtbestände nicht beseitigt, zerstört oder be­schädigt werden, und die Ufer nur an frei zugänglichen Stellen

     betreten werden;

5.  keine neuen Angelstege errichtet werden;

6. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahr-

    zeugen befahren wird. Soweit das Verlassen der Wege für Bewirtschaftungs- und Hegemaßnahmen erforderlich)

    ist, muss dies zuvor dem Re­gierungspräsidium angezeigt werden.

 (5) Unberührt bleibt auch die sonstige, bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Grundstücke und Gewässer sowie

 der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bis­herigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung

 und Instandsetzung.

 (6) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die wasserbaulichen Maßnahmen zur ökologischen und wasserwirtschaftlichen

 Verbesserung der Flusslandschaft (Integriertes Donaupro­gramm - IDP), die im Einvernehmen mit der höheren Natur-

 schutzbehörde festgelegt wer­den.

 (7) Die Verbote des § 4 gelten nicht für die Bekämpfung des Bisams, soweit dies aus was­serwirtschaftlicher Sicht

 erforderlich ist.

§ 6

Schutz- und Pflegermaßnahmen

(1) Schutz- und Pflegemaßnahmen werden durch die höhere Naturschutzbehörde unter besonderer Berücksichtigung der sich

aus den Anforderungen der FFH- und Vogelschutz­richtlinie ergebenden Erhaltungs- und Entwicklungsziele in einem Pflege-

und Entwick­lungsplan oder durch Einzelanordnung festgelegt, für Waldflächen im Einvernehmen mit der zuständigen Forst-

behörde. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden. Die Schutz- und Pflegemaßnahmen sollen die in § 3

festgelegten Schutzzwecke berücksichti­gen.

(2) Auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen sind extensive Nutzungsformen anzustre­ben. Insbesondere ist die Rück-

führung von Ackerland in Grünland anzustreben sowie der Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln.

Zur Erreichung dieser Ziele sollen im Rahmen der haushaltsrechtlichen Ermächtigungen mit den Nutzungsbe­rechtigten Verein-

barungen über Nutzungsbeschränkungen abgeschlossen werden.

Schlussvorschriften

§ 7

Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann die höhere Naturschutzbehörde nach § 79 NatSchG Befreiung erteilen.

Für Projekte und Pläne kann eine Prüfung der Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen des vorliegenden Gebiets von

gemeinschaftlicher Bedeutung und Europäischen Vogelschutz­gebiets erforderlich werden.

§ 8

Ordnungswidrigkeiten

(1) Ordnungswidrig im Sinne des § 80 Abs.1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach

§ 4 dieser Verordnung verbotene oder nach § 5 in die Verbote einbezogene Handlungen vornimmt.

(2) Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 des LJagdG handelt, wer in dem Natur­schutzgebiet vorsätzlich oder fährlässig entgegen § 4 und § 5 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

§ 9

Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

(2) Mit Inkrafttreten dieser Verordnung treten die Verordnung zum Schutz von Landschafts­teilen und Landschaftsausschnitten

gegen Verunstaltung vom 09. September 1938, geändert durch Naturdenkmalverordnung vom 9. August 1999 und

Naturdenkmalverordnung vom 23. August 1999, und die Verordnung zum Schutze der Sommerschafweiden als Landschafts-

teile im Kreis Ehingen (Donau) vom 31. Oktober 1938 für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

Tübingen, den 14. März 2006

 

Verkündungshinweis:

Gemäß § 76 NatSchG ist eine etwaige Verletzung der in § 74 NatSchG genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur

beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Verkündung der Verordnung gegenüber dem Regierungspräsidium

Tübingen schriftlich geltend gemacht worden ist; der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.

Regierungspräsidium Tübingen