4.317 Warmtal

 

Verordnung des Regierungspräsidiums Tübingen über das Naturschutzgebiet und den Schonwald „Warmtal“ vom 9. Juni 2007

 

Aufgrund von §§ 26 und 73 Abs. 3 des Gesetzes zum Schutz der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz NatSchG) vom 13. Dezember 2005 (GBI. S. 745) und von §§ 32 und 36 Abs. 1 des Landeswaldgesetzes (LWaldG) in der Fassung vom 31. August 1995 (GBI. S. 685), zuletzt geändert durch Artikel 3 des Gesetzes vom 13. Dezember 2005 (GBI. S. 745) sowie § 28 Abs. 2 des Landesjagdgesetzes (LJagdG) Ld.F. vom 01. Juni 1996 (GBI. S. 369), zuletzt geändert durch Gesetz vom 14. Dezember 2004 (GBI. S. 895), wird verordnet:

 

Allgemeine Vorschriften

 

§1 Erklärung zum Schutzgebiet

 

(1)      Die in § 2 Abs. 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Langenenslingen im Landkreis Biberach werden zum Naturschutzgebiet erklärt. Die in § 2 Abs. 3 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Langenengen im Landkreis Biberach werden zum Schonwald (Waldschutzgebiet) erklärt. Das Natur- und Waldschutzgebiet führt die Bezeichnung "Warmtal".

 

(2)      Ein Teil des Natur- und Waldschutzgebiets gehört nach der Festlegung der Europäischen Kommission unter der Bezeichnung "Großer Buchwald und Tautschbuch" zum Europäischen ökologischen Netz "Natura 2000", ein weiterer Teil ist der Europäischen Kommission hierfür vorgeschlagen (Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung im Sinne der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen, kurz: FFH-Richtlinie ).

 

§2 Schutzgegenstand

 

(1)       Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 30 ha. Der Schonwald hat eine Größe von rund 200 ha.

 

(2)       Das Naturschutzgebiet umfasst, vollständig oder teilweise,

·         auf der Gemarkung Emerfeld die Gewanne Habsberg, Breitenberg, Alte Burg, Hintereschle, und zwar folgende Flurstücke vollständig oder teilweise: Nrn. 643/1,643/12,643/16,644/2,644/3,645/10,645/11, 645/12, 646/1,646/2, 647,648,649/6,649/24,649/26,649/28,649/29, 663/3, 663/4, 663/8, 664, 664/2, 664/9,

·         auf der Gemarkung Friedingen die Gewanne Vor dem Hau und Warmtal, und zwar folgende Flurstücke vollständig oder teilweise: Nm. 2343, 2344, 2345, 2355.

 

(3)          Der Schonwald umfasst in zwei Teilbereichen Staatswald und Gemeindewald der Gemeinde Langenenslingen.
Folgende Waldteile sind Bestandteil des Schonwaldes:
  Staatswald:         180 ha
Distrikt VI, Abteilungen 1 (teilweise), 2-4, 5 (teilweise.), 6-9, 11-12, 13 (teilweise.). Im einzelnen handelt es sich auf der Gemarkung Emerfeld um folgende Flurstücke ganz oder teilweise:
Nm. 302/1,304/1, 561/1, 563/1, 564, 564/2, 569, 570/1, 570/2, 571, 573/2, 573/3, 575, 575/1, 576, 577/3, 578, 579, 582/1, 583/1,634,635, 636, 639, 642/3, 643, 643/1, 643/2, 643/3, 643/4, 643/5, 643/6, 643/7, 643/8, 643/9, 643/10, 643/11, 643/13, 643/14, 643/15, 643/16, 643/17, 644/2, 644/3, 645, 645/1, 645/12, 649/6, 649/26, ,650/5, 651/1, 653/3, 653/7, 654/1,654/2, 655, 656/1, 656/5, 656/6, 656/7, 656/10, 656/12, 663/7, 663/8, 664, 664/1, 664/2, 664/3, 664/4, 664/5, 664/6, 664/7, 664/8, 664/9, 664/10, 655,665, 699/5, 700/4, 700/6, 701/2, 702, 703, 704/4, 704/5, 709, 710; 711/1,

Gemeindewald Langenenslingen: 20 ha
Distrikt VI, Langenenslingen, Abteilungen 24 (westlicher Teil) und 25
Distrikt IV, Breitenberg, Abteilung 3 (teilweise).
Im einzelnen handelt es sich auf der Gemarkung Emerfeld um folgende Flurstücke ganz oder teilweise:
Nrn.304/1, 634, 635, 636, 637, 638,
auf der Gemarkung Langenenslingen um die Flurstücke Nm. 1115 und 1130.

 

(4)       In einer Flurkarte des Regierungspräsidiums Tübingen vom 22. Februar 2007 im Maßstab 1:5.000, verbunden mit einer Übersichtskarte im Maßstab 1:25.000, sind die Grenzen des Schutzgebietes gekennzeichnet. Die Grenzen des Naturschutzgebietes sind rot, die des Schonwaldes grün angelegt, die Bandierung ist Teil der Schutzgebietsfläche. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Im Falle des Widerspruchs zwischen textlicher Beschreibung und zeichnerischer Darstellung gelten die in der Flurkarte getroffenen Festlegungen. Die Verordnung mit Karten wird beim Regierungspräsidium Tübingen in Tübingen und beim Landratsamt Biberach in Biberach auf die Dauer von zwei Wochen, beginnend am Tag nach Verkündung dieser Verordnung im Gesetzblatt, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten öffentlich ausgelegt.

 

(5)       Die Verordnung mit Karten ist nach Ablauf der Auslegungsfrist bei den in Abs. 4 Satz 5 bezeichneten Stellen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 

§3 Schutzzweck

 

(1)          Wesentlicher Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung, Pflege und Verbesserung einer vielfältig strukturierten Kulturlandschaft von besonderer Schönheit als Lebensraum für vom Aussterben bedrohte, gefährdete und geschützte Tier- und Pflanzenarten.

Besonderer Schutzzweck ist im Einzelnen:

 

·       die Erhaltung des durch klimatische, geologische, morphologische und nutzungsgeschichtliche Voraussetzungen entstandenen Mosaiks landschaftstypischer und kulturhistorisch bedeutsamer Biotope des Trockentals und der bewaldeten Hänge auf den Gemarkungen Emerfeld und Friedingen;

 

·       der Erhalt des Komplexes aus Pflanzengesellschaften der Trockenrasen und Halbtrockenrasen, Saumgesellschaften, Wacholderheiden mit Weid buchen , strukturreichen Waldrandgesellschaften, Kiefern-Fichten-Sukzessionswald und Seggenbuchenwäldern zur Lebensraumsicherung der gefährdeten Flora und Fauna, besonders der Schmetterlinge, Wildbienen, Heuschrecken und Laufkäfer der trockenwarmen Heiden und Waldränder sowie der charakteristischen, in Gebüschen, Hecken und Wäldern brütenden Vogelarten;

 

·       der Erhalt und die Förderung der nach der FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen, insbesondere ,,6110 Lückige Kalk-Pionierrasen", ,,6210 Kalktrockenrasen" und deren bemerkenswertem Reichtum an Orchideen, ,,5130 Wacholderheiden", ,,6510 Magere Flachlandmähwiesen", ,,9130 Waldmeister-Buchenwälder", ,,9150 Orchideen-Kalk-Buchenwälder" sowie der zahlreichen Vorkommen des Frauenschuhs in Fichtenaufforstungen und Kiefernsukzessionswäldern auf ehemaligen Schafweiden;

 

·       die Aufrechterhaltung eines großräumigen Biotopverbundes auf lokaler und regio­naler Ebene in Verbindung mit dem umgebenden Schonwald sowie des Gebietes von gemeinschaftlicher Bedeutung ,,7822-341 Großer Buchwald und Tautschbuch" als Voraussetzung für den Aufbau stabiler Populationen von Flora und Fauna;

 

·       . der Erhalt der Funktion als Erholungsraum mit hohem Erlebniswert.

 

(2)       Wesentlicher Schutzzweck des Schonwaldes ist
der Erhalt landschaftstypischer, kulturhistorisch bedingter Biotope mit bedeutenden Beständen seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, der Erhalt naturnaher, standortsgemäßer Waldgesellschaften und der Erhalt der Burg- und Wallanlagen auf dem Burgberg und dem Schlossberg.

Weiterer Schutzzweck ist der Erhalt und die Förderung der nach der FFH-Richtlinie geschützten Lebensraumtypen, insbesondere ,,9130 Waldmeister-Buchenwald" und ,,9150 Orchideen-Kalk-Buchenwälder " sowie die Vorkommen des Frauenschuhs in Fichtenaufforstungen und Kiefernsukzessionswäldern.

 

§4 Verbote im Naturschutzgebiet/ Schonwald

 

(1)   In dem Naturschutzgebiet und Schonwald sind alle Handlungen verboten, die das Gebiet, seinen Naturhaushalt oder einzelne seiner Bestandteile zerstören, beschädigen, verändern, nachhaltig stören oder die wissenschaftliche Forschung beeinträchtigen können. Insbesondere sind die in den Absätzen 2 bis 6 genannten Handlungen verboten.

 

(2)   Zum Schutz von Tieren und Pflanzen ist es verboten,

 

1. Pflanzen oder Pflanzenteile einzubringen, zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören;

 

2. Standorte besonders geschützter Pflanzen durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen oder ähnliche Handlungen zu beeinträchtigen oder zu zerstören;

 

3. Tiere auszusetzen, anzusiedeln oder einzubringen, wild lebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut-, Wohn- oder Zufluchtstätten dieser Tiere zu entfernen, zu beschädigen oder zu zerstören sowie zum Fang von Tieren geeignete Vorrichtungen zu errichten, zu betreiben oder mit sich zu führen;

 

4. wild lebende Tiere an ihren Nist-, Brut-, Wohn- der Zufluchtstätten durch Aufsuchen, Fotografieren, Filmen o.ä. Handlungen zu stören;

 

5. Hunde frei laufen zu lassen.

 

(3)   Verboten ist es bauliche Maßnahmen durchzuführen und vergleichbare Eingriffe vorzunehmen, wie

 

1. bauliche Anlagen im Sinne der Landesbauordnung zu errichten oder ihnen gleichgestellte Maßnahmen durchzuführen; dies gilt auch für Einfriedigungen jeder Art sowie für Sport-, Spiel- oder Erholungseinrichtungen;

 

2. Straßen, Wege, Plätze, sonstige Verkehrsanlagen oder Beleuchtungsanlagen anzulegen, Leitungen zu verlegen oder Anlagen dieser Art auszubauen;

 

3. fließende oder stehende Gewässer anzulegen, zu beseitigen oder zu verändern sowie Entwässerungs- oder andere Maßnahmen vorzunehmen, die den Wasserhaushalt verändern;

 

4. Plakate, Bild- oder Schrifttafeln aufzustellen oder anzubringen, mit Ausnahme behördlich zugelassener Beschilderungen.

 

(4)   Bei der Nutzung der Grundstücke ist es verboten,

 

1. die Bodengestalt zu verändern, insbesondere durch Abgrabungen und Aufschüttungen, Sprengungen oder Bohrungen;

 

2. Art und Umfang der bisherigen Grundstücksnutzung entgegen dem Schutzzweck zu ändern;

 

3. neu aufzuforsten oder Christbaum- und Schmuckreisigkulturen und Vorratspflanzungen von Sträuchern anzulegen sowie Gehölze aller Art neu zu pflanzen oder auf andere Weise nicht standortheimische Pflanzen oder Pflanzteile einzubringen;

 

4. Dauergrünland oder Dauerbrache umzubrechen;

 

5. Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Chemikalien zu verwenden.

 

(5)   Insbesondere bei Erholung, Freizeit und Sport ist es verboten,

 

1. im Naturschutzgebiet die Wege zu verlassen;

 

2. das Gebiet außerhalb befestigter Wege, im Wald außerhalb befestigter Wege von mind. 2 m Breite, mit Fahrrädern zu befahren;

 

3. außerhalb von Straßen und befestigten Wegen zu reiten; mit bespannten Fahrzeugen darf nur auf dem Weg Flurstück Nr. 664 gefahren werden;

 

4. das Gebiet mit motorisierten Fahrzeugen aller Art zu befahren, ausgenommen mit Krankenfahrstühlen auf Straßen und befestigten Wegen;

 

5. zu zelten, zu lagern, Wohnwagen oder Verkaufsstände aufzustellen, Kraftfahrzeuge abzustellen oder Massenveranstaltungen durchzuführen;

 

6. Luftfahrzeuge, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle, zu starten oder zu landen sowie das Gebiet mit Luftsportgeräten oder Flugmodellen zu überfliegen

 

(6)   Weiter ist es verboten,

 

1. Abfälle oder sonstige Gegenstände zu hinterlassen oder zu lagern;

 

2. außerhalb amtlich gekennzeichneter Feuerstellen Feuer zu machen oder zu unterhalten;

 

3. ohne zwingenden Grund Lärm, Luftverunreinigungen oder Erschütterungen zu verursachen.

 

§5 Zulässige Handlungen im Naturschutzgebiet/ Schonwald

 

(1)   Für die landwirtschaftliche Bodennutzung gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt, dabei den Boden pflegt, Erosion und Humusabbau vermeidet, Grundwasser nicht in seiner chemischen, physikalischen und biologischen Beschaffenheit beeinträchtigt und wild lebenden Tieren und Pflanzen ausreichenden Lebensraum erhält. Voraussetzung ist weiter, dass

 

1. die Bodengestalt nicht verändert wird;

 

2. durch Entwässerungs- oder andere Maßnahmen der Wasserhaushalt nicht nachteilig verändert wird;

 

3. Dauergrünland oder Dauerbrache nicht umgebrochen wird;

 

4. Pflanzenschutzmittel und Düngemittel nicht verwendet werden; abweichend hiervon ist bei Bedarf die Düngung mit Festmist zur Erreichung von artenreichen Glatthaferwiesen und einer artenreichen Ackerwildkrautflora im Einvernehmen mit der höheren Naturschutzbehörde zulässig;

 

5. Feldraine, ungenutztes Gelände, Hecken, Gebüsche, Bäume oder sonstige landschaftsprägende Elemente nicht beeinträchtigt werden.

 

6. keine Beweidung erfolgt.

 

(2)   Für die forstwirtschaftliche Bodennutzung im Naturschutzgebiet gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang ordnungsgemäß erfolgt und die Grundsätze und Ziele des Naturschutzgesetzes sowie den Schutzzweck berücksichtigt. Hierbei sind die Erfordernisse der gefährdeten Pflanzen- und Tierarten, insbesondere der Offenlandarten, zu berücksichtigen.

        Die ordnungsgemäße forstwirtschaftliche Bewirtschaftung im Schonwald bleibt unberührt mit der Maßgabe, dass die Pflegegrundsätze in § 6 Abs. 2 dieser Verordnung beachtet werden.

 

(3)   Für die Ausübung der Jagd gelten die Verbote des § 4 nicht, wenn sie in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang und ordnungsgemäß im Sinne des Naturschutzgesetzes erfolgt. Voraussetzung ist weiter, dass

 

1. Hochsitze aus unbehandelten Hölzern nur außerhalb von trittempfindlichen Bereichen und insbesondere im Naturschutzgebiet nur landschaftsgerecht in Gehölzen errichtet werden; abgängige und nicht mehr genutzte Hochsitze sind zu entfernen;

 

2. im Naturschutzgebiet keine Fütterung von Wild erfolgt und keine Wildäcker angelegt werden;

 

3. Ablenkungsfütterungen und Kirrungen nur außerhalb besonders geschützter Biotope (§ 32 NatSchG und § 30 a LWaldG) und gemäß geltendem Jagdrecht angelegt werden;

 

4. für die natürliche Verjüngung der vorkommenden Waldgesellschaften und der gefährdeten Pflanzenarten angepasste Wildbestände hergestellt oder beibehalten werden;

 

5. keine Tiere eingebracht werden;

           

6. das Schutzgebiet nur im Zusammenhang mit der Ausübung der Jagd und nur auf befestigten Wegen mit Kraftfahrzeugen befahren wird, es sei denn, um zur zulässigen Errichtung neuer Jagdeinrichtungen sperriges oder schweres Material zu befördern oder um schweres Schalenwild zu bergen.

 

(4)   Zulässig ist die Benutzung des in der Schutzgebietskarte dargestellten Pfades auf den Flurstücken Nrn. 649/28 und 649/29 (künftig Nr. 1308).

 

(5)   Unberührt bleibt auch die sonstige, bisher rechtmäßig ausgeübte Nutzung der Grundstücke sowie der rechtmäßig bestehenden Einrichtungen in der bisherigen Art und im bisherigen Umfang sowie deren Unterhaltung und Instandsetzung.

 

§6 Schutz- und Pflegegrundsätze sowie forstliche Maßnahmen

 

(1)   Schutz- und Pflegernaßnahmen im Naturschutzgebiet werden durch die höhere Naturschutzbehörde unter besonderer Berücksichtigung der sich aus den Anforderungen des Europäischen ökologischen Netzes Natura 2000 ergebenden Erhaltungs­und Entwicklungsziele in einem Pflege- und Entwicklungsplan oder durch EinzeIanordnung festgelegt, für Waldflächen im Einvernehmen mit der zuständigen Forstbehörde. § 4 dieser Verordnung ist insoweit nicht anzuwenden.

 

2)    Bei der forstlichen Bewirtschaftung des Schonwaldes sind folgende Pflegegrundsätze zu beachten:

        In Schonwaldteilflächen auf Zementmergelstandorten, die vorwiegend Artenschutz-Zielsetzungen dienen (siehe Waldbiotopkartierung), sollen nachhaltig nadelholzreichere Bestandespartien erhalten bleiben. Die differenzierte Bestandesbehandlung, insbesondere die vorsichtige Steuerung der Lichtverhältnisse durch einen möglichst ungleichaltrigen Nadelholz-Schirm, soll sich an den Biotopansprüchen der gefährdeten Pflanzenarten orientieren. Kleinflächige Maßnahmen zur gezielten Förderung gefährdeter Pflanzenarten sind auf Einzelfälle zu beschränken, in denen nachteilige Konkurrenzvegetation auftritt oder sich das Laubholz stark verjüngt und Nadelholz (noch) nicht in erforderlichem Umfang vorhanden ist.

        Im übrigen Teil des Schonwaldes sollen im Rahmen der forstlichen Nutzung langfristig die Baumarten der natürlichen Waldgesellschaften gefördert werden. Die Bestände sind auf dem Weg der Naturverjüngung in kleinflächigen Strukturen zu verjüngen. Die Anteile stehenden und liegenden Totholzes sind zu erhöhen, sofern es die Verkehrssicherungspflicht, Arbeitssicherheit und Waldhygiene erlauben.

        Zum Zwecke des Artenschutzes sind Maßnahmen zur Besucherlenkung zu ergreifen (Barrieren, geleitete Fußwege).

        Auf den Schutz des Kulturdenkmals von besonderer Bedeutung "Alte Burg" gemäß §§ 12 ff Denkmalschutzgesetz wird hingewiesen.

 

(3)   Die wissenschaftliche Betreuung des Schonwaldes obliegt der Forstlichen Versuchs-und Forschungsanstalt Baden-Württemberg.

 

(4)   Die für die Umsetzung der Schutz- und Pflegegrundsätze im Wald erforderlichen Maßnahmen werden im periodischen Betriebsplan nach § 50 LWaldG festgelegt und kontrolliert.

 

Schlussvorschriften

 

§7 Befreiungen

 

(1)   Von den Vorschriften dieser Verordnung kann im Bereich des Naturschutzgebietes durch die höhere Naturschutzbehörde - im Wald im Einvernehmen mit der höheren Forstbehörde - nach § 79 NatSchG, im Bereich des Schonwaldes durch die höhere Forstbehörde Befreiung erteilt werden.

 

(2)   Für Projekte und Pläne kann eine Prüfung der Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen des vorliegenden Gebiets von gemeinschaftlicher Bedeutung erforderlich werden.

 

§8 Ordnungswidrigkeiten

 

(1)   Ordnungswidrig im Sinne des § 80 Abs. 1 Nr.2 NatSchG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Naturschutzgebiet nach § 4 dieser Verordnung verbotene oder nach § 5 in die Verbote einbezogene Handlungen vornimmt.

 

(2)   Ordnungswidrig im Sinne des § 83 Abs. 3 LWaldG handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig im Schonwald nach § 4 dieser Verordnung verbotene Handlungen vornimmt oder nach § 5 in die Verbote einbezogene Handlungen vornimmt.

 

(3)   Ordnungswidrig im Sinne des § 40 Abs. 2 Nr. 7 LJagdG handelt, wer in dem Naturschutzgebiet oder in dem Schonwald vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 4 und §5 dieser Verordnung die Jagd ausübt.

 

§9 Inkrafttreten

 

(1)   Diese Verordnung tritt am Tage nach Ablauf der Auslegungsfrist in Kraft.

 

(3)       Mit Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung über das Landschaftsschutzgebiet "Riedlinger Alb" vom 25. Februar 1963, geändert durch Verordnung vom 30. Mai 2001, für den Geltungsbereich dieser Verordnung außer Kraft.

 

Tübingen, den 29. Juni 2007

Hermann Srampfer

 

 

Gemäß § 76 NatSchG ist eine etwaige Verletzung der in § 74 NatSchG genannten Verfahrens- und Formvorschriften nur beachtlich, wenn sie innerhalb eines Jahres nach Verkündung der Verordnung gegenüber dem Regierungspräsidium Tübingen schriftlich geltend gemacht worden ist; der Sachverhalt, der die Verletzung begründen soll, ist darzulegen.

 

Regierungspräsidium Tübingen