1.019 Hülbe am Märtelesberg

 

Würdigung

 

 

Zusammenfassung (Auszug)

Bedeutungsvoll ist die für die Alb ganz außergewöhnliche Moosflora (mindestens sechs Arten von Sphagnum-Torfmoos) und sehr wahrscheinlich auch die Mikroflora.

Das Interesse des Naturschutzes erstreckt sich lediglich auf das in der Flurkarte als „Weiher" eingetragene Moor.

 

Gesamttext

Weite Teile des Albbuchs und des Härtsfeld besitzen einen von der übrigen Albauffallend abweichenden Charakter.

Eine mächtige Schicht von stark entkalkten Feuersteinlehmen lagert auf den im Untergrund anstehenden Weißjurakalken und hat eine säureliebende Vegetation zur Folge.

Im Gebiet der „Rauhen Wiese" und im Raum Böhmenkirch-Bartholomä überzog einst Calluna-Heide weite Flächen.

Wo der Untergrund von Natur aus feucht ist oder von den Schäfern zur Schaftränke und -wäsche Hülben angelegt wurden, siedelten sich Moorpflanzen an.

Es ist naheliegend, daß diese für die Alb überraschenden und eigenartigen Verhältnisse frühzeitig das Interesse von Botanik, Geologie und auch von Siedlungsgeographie und -geschichte auf sich zogen und zu einer ganzen Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen geführt haben.

Eine besonders eingehende Darstellung haben die vegetationskundlichen Verhältnisse durch Rudolf Hauff erfahren. („Die Rauhe Wiese bei Böhmenkirch-Bartholomä. Ein Beitrag zur Kenntnis der Ostalbflora". Erschienen als 12. Heft der Veröffentlichungen der Württ.Landesstelle für Naturschutz 1936).

Die überaus reich entwickelte Mikroflora ist von Carl Husel untersucht und in einer ebenfalls in den Veröffentlichungen der Württ. Landesstelle für Naturschutz (Heft 13) erschienende Arbeit publiziert worden, die in Fachkreisen international bekannt wurde.

Heute ist die Heide zum ganz überwiegenden Teil aufgeforstet, in Ackerland oder auch in Mähwiesen verwandelt worden.

Ein kleiner Rest Moorheide ist als flächenhaftes Naturdenkmal geschützt.

Auch die Hülben sind teilweise heute verschwunden, die besonders interessante „Neue Hülbe" bei den Heidhöfen ist als Naturdenkmal eingetragen.

Ein besonders bemerkenswertes Beispiel einer verlandeten Hülbe befindet sich an abgelegener Stelle in einem Fichtenwald westlich von Gnannenweiler.

Sie besitzt zwischenmoorartigen Charakter und bildet so für die gesamte Alb ein vegetationskundliches Kleinod, das unbedingt erhalten werden sollte.

Auch landschaftlich ist das etwa 50m im Durchmesser umfassende Gebiet sehr reizvoll.

Unter der Blütenpflanzen sind Fieberklee (Menyanthes trifoliata) und Blutauge(C. palustre) und verschiedene Seggen besonders bemerkenswert.

Bedeutungsvoller ist jedoch noch die für die Alb ganz außergewöhnlich Moosflora (mindestens sechs Arten von Sphagnum-Torfmoos) und sehr wahrscheinlich auch die Mikroflora.

Herr Dr. Hauff, der beste floristische Kenner dieses Raumes empfiehlt den Schutz dieser Hülbe dringend.

Er beabsichtigt, in nächster Zukunft eine kurze Schilderung ihrer Vegetationsverhältnisse zu veröffentlichen.

Auch die Untersuchung der Mikroflora ist vorgesehen und bereits eingeleitet.

Die Bezirksstelle beantragt daher im Einvernehmen mit dem Kreisbeauftragten, Herrn Dr. Trautwein, mit dem vor einiger Zeit eine gemeinsame Ortsbesichtigung durchgeführt wurde, das kleine Moor zum Naturschutzgebiet zu erklären.

Es wird vorgeschlagen, die Schutzbestimmungen in einer Besprechung zwischen der Bezirksstelle und dem Referat I Kultur festzulegen.

Das Interesse des Naturschutzes erstreckt sich lediglich auf das in der Flurkarte als „Weiher" eingetragene Moor.

Da ein kleiner Teil dieses Gebiets der ganz überwiegend von Fichten bestandenen Parzelle 349 angehört, erscheint es zweckmäßig, diese in das Naturschutzgebiet einzubeziehen, da sonst kaum eine karteographisch eindeutige Abgrenzung möglich erscheint.

Die Nutzung des Waldes bleibt dadurch selbstverständlich unberührt.

Um Mißverständnisse von vornherein zu vermeiden, erscheint es zweckmäßig, dies dem Besitzer bei dessen Anhörung gleich mitzuteilen.

Ein Teil des Moores ist vor einiger Zeit ausgegraben worden, anscheinend zu dem Zweck, eine freie Wasserfläche zu erhalten.

Von hier aus bestehen gegen derartige Maßnahmen keine Bedenken, führen sie doch zu einer Bereicherung der Lebensbedingungen und damit der Lebewelt.

Auf Bitten der Bezirksstelle hat Herr Oberforstrat Dürr. Steinheim, mit dem Besitzer bereits Fühlung aufgenommen.

Er scheint grundsätzlich mit einer Unterschutzstellung einverstanden zu sein.