1.062 Edelberg

 

Würdigung

 

 

Antrag auf Ausweisung des Westhanges vom „Edelberg" auf Markung Sachsenflur, Gemeinde Königshofen (Main-Tauber-Kreis) als Naturschutzgebiet

 

Das Taubertal mit seinen kleineren Nebentälern ist in seinem unteren Teil großräumlich zum mainfränkischen Trockengebiet zu rechnen.

Es gehört damit nach Oberdorfer zu einem der hervorragendsten süddeutschen Steppenheidegebiete.

Die Niederschlagsmittelwerte von Werbach mit 638 mm/Jahr und Gerlachsheim mit 628 mm/Jahr deuten auch für die unmittelbare Umgebung des „Edelberges" den Trockencharakter an.

Der Westhang des „Edelberges" liegt im Bereich sehr harter Kalksteine der obersten Schichten (oberer Wellenkalk) des unteren Muschelkalkes.

Aus diesem Material entwickelte sich durch Verwitterung ein nur sehr flachgründiger Boden, dem stellenweise der Humushorizont völlig fehlen kann, mit geringer Wasserkapazität.

Damit wird der Trockencharakter noch verstärkt, und selbst an einem Westhang konnte sich eine trockenheitsliebende Vegetation einstellen.

Nach einer Untersuchung von Dr. R. Tück (Botanisches Institut II der Universität Würzburg) lassen sich an standortstypischen Pflanzengesellschaften Mesobrometen (Halbtrockenrasen) mit Gentaino-Koelenietum (Enzian-Halbtrockenrasen) und das Geranion sanguineum (Blutstorchenschnabel-Saumgesellschaft) feststellen.

Diese Gesellschaften beherbergen eine Reihe besonders schützenswerter und geschützter Pflanzen, von denen am „Edelberg" folgende vorkommen:

Gefranster Enzian (Gantiana ciliata), Kalkaster (Aster amellus), Blutroter Storchenschnabel (Geranium sanguineum), Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), Leinkraut (Thesium bavarum), Schmalblättiger Lein (Linum tenuifolium), Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopea), Berg-Kuckucksblume (Platanthera chlorantha), Fliegen-Ragwurz (Ophys insectifera), Hummel-Ragwurz (Ophys fuciflora) und Helm-Knabenkraut (Orchis militaris).

Nicht nur wegen des wertvollen Pflanzenbestandes ist dieser Teil des „Edelberges" in seinem jetzigen Zustand unbedingt zu erhalten, er ist darüber hinaus mit seinem teilweise lockeren Forchenbestand auch landschaftlich überaus reizvoll und schön.

Eine Nutzung landwirtschaftlicher Art scheidet für das Gebiet vollkommen aus, und die forstliche Nutzung ist schwer möglich sowie unrentabel.

Teilweise wurde zwar versucht, Forchenanpflanzungen vorzunehmen, doch ist wegen der extremen Standortbedingungen die Wuchsleistung der Bäume zu gering.

Trotzdem sollte in den Verordnungstexten ein ausdrückliches Aufforstungsverbot aufgenommen werden.

Die Gefährdung des Standortes und damit die Verdrängung von Pflanzen, die außer am „Edelberg" nur noch an einigen wenigen anderen Stellen im Main-Tauber-Gebiet anzutreffen sind, ist somit kaum durch die Nutzung gegeben.

Vielmehr könnte sie gegeben sein, wenn nicht durch gezielte Pflegemaßnahmen eine Überwachsung verhindert wird.

Das zu schützende Gebiet umfaßt die Flst. 3285, 3286/1, 3287-3308, 3310, 3311, 3314, 3315, 3317-3319, 3320/1, 3322, 3323 und Teile von 3657 und 3658.

 

 

 

Bearb.: Dipl. Biol. Dr. Wagner