1.139 Oberrimbacher Erdfälle

 

Würdigung

 

 

Zusammenfassung (Auszug)

Der Wert des Gebietes beruht weniger auf faunistischen und floristischen Besonderheiten, sondern wird bestimmt durch die größten Ansammlungen von Erdfällen (Dolinen) auf relativ kleinem Raum im Regierungsbezirk Stuttgart.

Die Erhaltung des geplanten Naturschutzgebietes ist aus wissenschaftlichen, ökologischen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen und kulturellen Gründen dringend erforderlich.

Neben den geologisch interessanten Erdfällen soll auch die jetzt schon vorhandene Vielfalt und Eigenart des Gebietes erhalten und noch gesteigert werden.

 

Gesamttext

Antrag auf Ausweisung des Naturschutzgebietes „Oberrimbacher Erdfälle" auf den Gemarkungen Oberrimbach, Stadt Creglingen; Gemarkung Wolkersfelden, Stadt Niederstetten; Main-Tauber-Kreis und Gemarkung Spielbach, Stadt Schrozberg, Kreis Schwäbisch Hall.

 

Beschreibung und Würdigung

Das geplante Naturschutzgebiet „Oberrimbacher Erdfälle" liegt in der naturräumlichen Einheit „Südwestliche Rothenburger Landwehr".

Auf dem Hauptmuschelkalk befinden sich flache Lettenkeuperschichten, die in ihrer Ausbildung als Feuersteinton oder Feuersteinlehm die Nutzung der Böden beeinflußt haben.

Im Bereich des geplanten Naturschutzgebietes entstand auf leicht versauerten Böden ein Waldgebiet, das vom Menschen stark beeinflußt ist und nur noch wenig Reste der potentiellen natürlichen Vegetation aufweist.

Die natürliche Waldgesellschaft wäre in diesem Raum der kolline Eichen-Hainbuchenwald.

Dieser Waldtyp ist nur noch in Resten vorhanden, so stellenweise am Ostrand des Gebietes.

Die Beimengung von Birken, Heidekraut (Calluna) und der Heidelbeere (Vaccinium) weist auf örtliche Versauerungen hin.

Das Waldbild wird heute im Wesentlichen durch Fichtenreinkulturen bestimmt.

Der Wert des Gebietes beruht weniger auf faunistischen und floristischen Besonderhieten, sondern wird bestimmt durch die größte Ansammlung von Erdfällen (Dolinen) auf relativ kleinem Raum im Regierungsbezirk Stuttgart.

Überall dort, wo die tonigen, wassersammelnden- und stauenden Lettenkeuperschichten hauchdünn über dem wasserdurchlässigen Hauptmuschelkalk „auskeilen", sind Dolinen in großer Zahl anzutreffen.

Die Verkettung der Dolinen mit Trockentälern ist dabei oft gegeben.

Erdfälle sind also Naturschächte, die durch unterirdische Auswachsungen des Muschelkalks entstehen.

Oft wird der Trichter durch Lehm verstopft, dann können die Erdfälle auch dauernd oder vorübergehend wasserhaltig sein.

Im geplanten Naturschutzgebiet befinden sich ca. 100 Erdfälle, die eine Tiefe bis zu 15 m erreichen.

Als Kartengrundlage wurde deshalb bewußt eine Flurkarte mit Höhenlinien verwandt, die insbesondere das bandförmige Vorkommen der Erdfälle im östlichen Bereich aufzeigt.

Da aber auch im westlichen Bereich noch Erdfälle vorhanden sind, wurde das gesamte Waldgebiet Dornschlag, Birken und Au in das NSG aufgenommen.

Es hat eine Größe von ca. 73 ha.

Neben den Erdfällen weist das Schutzgebiet noch weitere Besonderheiten auf.

Im Norden liegt ein Waldsumpf, der mit seinem Ausmaß von ca. 10x100 Metern in der Vermoorung begriffen ist.

Auf der Waldseite befinden sich große Bestände von Torfmoosen (Sphagnum).

Wenn das Wasser aufgerührt wird, entwickelt sich viel Gas und es entsteht ein deutlicher Geruch nach H 2 S.

Das Gebiet ist bereits als Naturdenkmal geschützt.

Auf der Südseite grenzt an dieses Feuchtgebiet ein saurer Eichenhain-Buchenwald an.

Der relativ hohe Anteil an Birken hat dem Waldteil „Birken" den Namen gegeben.

Auch im südlichsten Bereich des geplanten Schutzgebietes entstand antropogen ein kleines Feuchtgebiet in ausgedehnten Erdfällen.

Die besondere geologische Bedeutung des Gebietes wurde in mehreren Publikationen erkannt. (s.Anhang)

In der Waldfunktionskartierung der Staatsforstverwaltung ist das Waldgebiet als „Wald mit schutzwürdigen Tier- und Pflanzenarten sowie Pflanzengesellschaften" dargestellt.

Der östliche Teil wurde als Bodenschutzwald und Wasserschutzwald kartiert.

Eine Wiederherstellung der potentiellen Waldgesellschaft würde mit Sicherheit bei dem überwiegend wechselfeuchten Boden mit stellenweiser Versauerung zu einem artenreichen und biologisch noch wertvollerem Gebiet führen.

Im Hinblick darauf, daß das geplante Naturschutzgebiet sehr kleinparzelliert ist und sich fast ausschließlich im Privatbesitz befindet, wird von einschneidenden forstlichen Einschränkungen Abstand genommen.

Die Schutzbestimmungen verfolgen vorwiegend das Ziel, die Erdfälle vor einer Auffüllung zu bewahren und sie durch kleinere Einschränkungen der forstlichen Nutzung wieder besser sichtbar zu machen.

Die Erhaltung des geplanten Naturschutzgebietes ist aus wissenschaftlichen, ökologischen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen und kulturellen Gründen dringend erforderlich.

Neben den geologisch interessanten Erdfällen soll auch die jetzt schon vorhandene Vielfalt und Eigenart des Gebietes erhalten und noch gesteigert werden.

 

 

 

Nürk