1.169 Tal der Blinden Rot
Würdigung
Naturschutzgebiet „Tal der Blinden Rot"
Die Blinde Rot mündet unterhalb
von Abtsgmünd in den Kocher.
Das Gewässer ist, wie auch der
Kocher, sehr tief in das Keuper-Bergland eingeschnitten.
Nahezu auf seiner gesamten Länge
verläuft das Tal von Norden nach Süden, bis es kurz vor seiner Mündung nach
Westen abschwenkt.
Das Naturschutzgebiet erstreckt
sich über die Talaue auf einer Länge von 5 km und beginnt ca. 500 m unterhalb
der Mündung.
Naturräumlich gesehen liegt die
Blinde Rot in den Schwäbisch Fränkischen Waldbergen, genauer in der
Untereinheit, den „Ellwangener Bergen".
Geologisch gesehen wird das
Schutzgebiet von den Ablagerungen in der Talaue geprägt.
An den anschließenden Hangflächen
stehen im unteren Hangbereich Bunte Mergel an.
Die oberen Hangflächen und der
Einzugsbereich des Gewässers sind vom Stubensandstein geprägt.
Charakteristisch für das Tal ist
die schmale, ca. 100 bis 150 m breite Talaue, innerhalb der die Blinde Rot noch
natürlich mäandrieren kann.
Der ungehemmte Gewässerlauf
demonstriert die Vielfalt und die Schönheit derartiger Gewässerläufe.
Flach- und Steilufer, kleinere und
größere Sandbänke und Auskolkungen wechseln sich ab.
Durch die Änderungen des
Gewässerlaufes bestehen an vielen Stellen Altarme und Altarmgumpen.
Wegen des starken Mäandrierens des
Gewässers entstand ein vielfältiges Mosaik der verschiedenen Nutzungen und
Vegetationstypen.
Entlang der Blinden Rot findet man
durchweg eine typische, ausgeprägte Ufervegetation vor, überwiegend aus
Schwarzerlen und verschiedenen Weidenarten bestehend.
Kleinräumig wechseln
Wirtschaftswiesen, Weiden, extensiv bewirtschaftete Naßwiesen, Feuchtgebiete,
Erlenbruchwälder, Laubmischwälder und Fichtenforste.
Besonders erfreulich sind die
Vorkommen von Erlenbruchwäldern in einer sehr ausgeprägten Form.
Dieser Waldtyp, der durch
staunasse Böden und stehendes Wasser geprägt wird, ist nur noch selten in
unserer Landschaft vorzufinden.
Neben verschiedenen Seggenarten
ist in der Krautschicht besonders das reiche Vorkommen der Sumpf-Dotterblume
hervorzuheben, die im Frühjahr mit Ihrem leuchtenden Gelb einen farbigen Aspekt
in diese lichten Wälder bringt.
Neben den Erlenbruchwäldern
befinden sich in den weniger nassen Bereichen abwechslungsreiche, bodenständige
Laubwälder.
Hervorzuheben sind ein Vorkommen
der entsprechend der Landesartenschutzverordnung besonders geschützten Arten
Gelber Eisenhut (Aconicum vulparia) und Gewöhnliche Akelei (Aquilegia
vulgaris).
Unschön und ökologisch nachteilig
sind die auf größeren Flächen vorkommenden Fichtenforste.
Nach heutigen Erkenntnissen ist
auch aus forstlicher Sicht die Fichte auf diesen nassen Standorten ungeeignet.
Auf diesen Flächen sollten
zumindest längerfristig gesehen naturnahe Laubmischwälder angestrebt werden.
Den Charakter des Tales prägen
jedoch die Talwiesen.
Neben den intensiver
bewirtschafteten Glatthaferwiesen und Rinderweiden werden insbesondere im nördlichen
Teil des Schutzgebietes auch noch großflächige, extensiver bewirtschaftete
Feuchtwiesen angetroffen.
Die zuletzt genannten Wiesen sind
botanisch interessanter und Standorte von seltenen Pflanzen, die in der Liste
der in Baden-Württemberg gefährdeten Arten aufgeführt sind.
Eine Charakterpflanze dieser
Wiesen ist die Trollblume (Trollius europaeus), die durch die Intensivierung
der landwirtschaftlichen Nutzung sehr stark zurückgedrängt wurde.
Als weitere besonders geschützte
Arten sind
Breitblättriges Knabenkraut
(Dactylorhiza majalis), Fleischrotes Knabenkraut (Dactylorhiza incarneta) und
das seltenere Kleine Knabenkraut (Orchls moria), drei einheimische
Orchideenarten, aufzuführen.
Nicht zuletzt sind jedoch die
große Zahl der verschiedensten Feuchtgebiete wie Altarme, Altarmgumpen, Gräben,
Großseggenriede, Hochstaudenfluren und Pestwurzgesellschaften hervorzuheben.
Diese Feuchtgebiete bieten einen
vielfältigen Lebensraum für eine große Anzahl von Tier- und Pflanzenarten.
Unter anderem sind hier die Flache
Quellbinse (Blysmus compressus), eine stark vom Aussterben bedrohte Art, und
verschiedene Seggenarten wie
Filz Segge
(Carex tomentosa), Braune Segge (Carex paniculata), Fuchs Segge (Carex vulpina)
und Gelbe Segge (Carex flava) besonders hervorzuheben.
Neben einer großen Zahl weiterer
typischer Pflanzen für derartige Gebiete, sind auch größere Bestände der
Wasser-Schwertlilie (Iris pseudacarus) anzufinden.
Sehr beeindruckend sind die großen
Flächen mit der gewöhnlichen Pestwurz (Petasites hybridus), die mit ihren
großen Blättern bis zu fast mannshohe Bestände bilden.
Der Artenreichtum der Feuchtwiesen
und die aufgeführten Arten sind durch eine Intensivierung der Nutzung,
besonders durch Düngung und einen zu frühen Schnitt gefährdet.
Durch das Einbringen von flüssigen
organischen Düngern (Schwemmist) wird aber auch der Artenreichtum der
Wirtschaftswiesen und der angrenzenden Feuchtgebiete sowie die Wasserflächen
und Fließgewässer beeinträchtigt.
Um diese Beeinträchtigungen zu
vermeiden und bereits vorhandene Veränderungen wieder rückgängig zu machen bzw.
wertvolle Pflanzengesellschaften zu fördern, sind Regelungen der
landwirtschaftlichen Nutzung erforderlich.
Interessant sind auch die
Pflanzenbestände im Bereich einer trockenen Ödlandfläche und an den Wegrändern,
wo unter anderem
Prachtnelke (Dianthus superbus),
Echtes Tausendguldenkraut (Centaurium minus), Berg-Klee (Trifolium montanum)
und Blaßgelber Klee (Trifollum ochraleucon) aufzufinden sind, allesamt
entsprechend der Roten Liste bedrohte oder schonungsbedürftige Arten.
Die Vielzahl der Feuchtgebiete und
Vegetationstypen dienen als Lebensräume für eine mannigfaltige Fauna.
Von den bislang erfassten 28
verschiedenen Brutvogelarten sind besonders der Eisvogel und die Wasseramsel
hervorzuheben beides Arten, die ein intaktes Fließgewässer benötigen und daher
als stark gefährdet bzw. als gefährdet eingestuft wurden.
Anzutreffen ist des Weiteren die
seltene Waldschnepfe.
Ein typischer Vertreter der
Feuchtgebiete ist der Sumpfrohrsänger.
Bislang wurden 7 verschiedene
Amphibienarten aufgefunden darunter die entsprechend der
Landesartenschutzverordnung besonders geschützten Arten Feuersalamander und
Gelbbauchunke.
Als Vertreter der Kriechtiere sind
die Waldeidechse und die Blindschleiche anzuführen.
Einen natürlichen Lebensraum
finden in der Blinden Rot die als stark gefährdeten Fischarten eingestuften
Bachforelle und Bachneunauge vor.
Noch keine Untersuchungen liegen
über die Insekten vor.
Auffallend sind die vielen
Schmetterlinge und Libellen.
Weitere Untersuchungen zur Fauna
des Gebietes sind noch erforderlich.
Zusammenfassend kann daher
festgehalten werden, der Schutzzweck dient
-der Erhaltung einer Talaue mit
einem natürlich mäandrierenden Bach als Beispiel für einen ungestörten Gewässerlauf,
-der Erhaltung eines Mosaiks von
verschiedenen Vegetationstypen,
-der Erhaltung der Lebensräume
einer vielfältigen, zum Teil seltener und vom Aussterben bedrohter Tier- und
Pflanzenwelt und
-der Erhaltung des Landschaftsbildes
einer reizvollen Tallandschaft.
Jörg Mauk
Bezirksstelle für Naturschutz und
Landschaftspflege Stuttgart