1.171 Auweiher

 

Würdigung

 

 

Zusammenfassung (Auszug)

Der Schwerpunkt des Schutzzweckes liegt im Schutz einer Vielzahl von Pflanzenarten.

Besonders wertvoll ist das Vorkommen des Wassernabels (Hydrokotyle vulgaris); die Pflanze galt in Baden-Württemberg als verschollen, derzeit ist nur ein weiterer Standort bekannt.

 

Gesamttext

 

Allgemeine Beschreibung

Im Raum Ellwangen befindet sich eine Vielzahl von kleineren und neuerdings auch größeren Wasserflächen, die unter dem Begriff „Ellwanger Seenplatte" zusammengefaßt werden können.

Gegenüber den in jüngster Zeit erstellten Speicher- und Rückhaltebecken, die wesentlich größer sind und überwiegend wasserwirtschaftlichen Zwecken dienen, haben die für die Teichbewirtschaftung angelegten Weiher in diesem Raum eine sehr alte Tradition.

Besonders viele dieser alten Weiher befinden sich auf dem Gebiet der Gemeinden Stödtlen und Wört.

Wegen ihrem landschaftlichen Reiz wurden diese Weiher in einer Sammelverordnung von 1973 als Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen.

Einige dieser Weiher sind Lebensräume für eine Vielzahl seltener und vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten und dienen deshalb in einem herausragenden Umfang dem Artenschutz.

Zu diesen Weihern, die eines weitergehenden und gezielten Schutzes bedürfen, zählt der Auweiher.

Der Auweiher ist ein oberhalb von Wört gelegener Aufstau der Rotach.

Er ist verbunden mit einer an der Unterseite des Staudammes befindlichen Aumühle, die bis vor kurzem die Wasserkraft noch zum Mahlen genutzt hat.

Früher wurde die Wasserkraft zusätzlich noch für den Betrieb einer Säge genutzt.

Auf dem Staudamm verläuft die Landesstraße L 2220, die Ellwangen mit Dinkelsbühl verbindet.

Naturräumlich gesehen befindet sich der Auweiher im Bereich der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge und deren Untereinheit Dinkelsbühler Hügelland.

Geologisch gesehen handelt es sich um Ablagerungen in der Talaue, die höher gelegenen Teilbereiche des Schutzgebietes liegen auf dem Stubensandstein.

Der Auweiher mit einer Länge von ca. 400 m und einer mittleren Breite von 100 m hat eine Wasserfläche von ca. 5 ha.

Dem eigentlichen Weiher schließt sich ein ausgedehnter Bereich mit Röhrichten und Seggensümpfen mit einer Länge von ca. 800 m an.

Die Wasserfläche und die Flächen mit einer Feuchtgebietsvegetation ertsrecken sich über der gesamten Talaue.

Die im Süden und Nordosten angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie das im Nordwesten angrenzende militärische Gelände sind höhenmäßig deutlich abgegrenzt.

Mit in das Schutzgebiet einbezogen ist der Mündungsbereich des Gerbaches mit zwei extensiv genutzten Weihern.

Hervorzuheben ist die ausgesprochen ruhige Lage des Gebietes.

Mit Ausnahme der auf dem Damm und der an der nordwestlichen Ecke vorbeiführenden Straßen befinden sich im Schutzgebiet keine Wege.

 

Vegetation

Der Auweiher mit seiner anschließenden Talaue fällt dem Betrachter sofort durch die reichliche und üppige Röhrichtvegetation auf.

Bemerkenswert ist die Vielfalt der vorkommenden Röhrichttypen hinsichtlich ihrer Struktur und Artenzusammensetzung.

Alte, dichte Schilfröhrichte, die nicht gemäht werden, also ständig einen „Schilfwald" bilden, befinden sich am NO-Ufer als 5 bis 25 m breiter Streifen auf etwa 150 m Länge sowie außerhalb des Weihers in der westlich bachaufwärts gelegenen Riedzone in sehr großer Ausdehnung.

Allerdings unterscheiden sich die am bzw. im Teich liegenden Schilfröhrichte vom außerhalb gelegenen durch ihre Wasserführung.

Die Teichröhrichte sind ständig überflutet, stehen praktisch im Wasser und haben auf weite Strecken direkten Anschluß an die freie Wasserfläche.

Weiterhin gibt es Rohrkolbenbestände, die in ihrer Struktur den vorigen ähnlich sind, im Sommer fast gleichzusetzen, in der Vegetationsruhe aber zumindest noch teilweise mit aufrechten Stengel- und Blattresten ein Versteck für Vögel bieten.

Großflächige Bestände bilden das Röhricht des Schmalblättrigen Rohrkolbens an der SO-Ecke des Weihers und das Röhricht des Breitblättrigen Rohrkolbens am Westende der Wasserfläche.

Der dritte vorkommende Typ ist das „Sommerröhricht", darunter werden die Röhrichte zusammengefaßt, die ausschließlich während der Vegetationszeit als räumliche Struktur bestehen.

Sie werden von den Pflanzenarten Kalmus, Teichschachtelhalm und Rohrglanzgras gebildet.

Besonders weite Flächen der Verlandungszone sind vom Kalmusröhricht bewachsen.

Am wasserseitigen Rand des Verlandungsgürtels und am Ufer finden sich regelmäßig Großseggenriede, die einen weiteren Strukturtyp darstellen.

Es sind verhältnismäßig niedrige, auch im Winter noch weitgehend aufrecht stehende Riedgrasbestände, am Wasser bultige Rispenseggen-, am Ufer mehr rasenartige Schlankseggenriede.

Fast allen Röhrichten am Weiher ist gemeinsam, daß sie einen schwimmenden Verlandungsgürtel bilden.

Am westlichen Ende des Weihers gibt es dicke Sedimentablagerungen durch die beiden Zuflüsse, die aber sehr weich sind.

Dem Röhricht vorgelagert ist schließlich der - fast die ganze Wasserfläche bedeckende - Schwimmblattgürtel der Gelben Teichrose.

Der fast ausschließlich aus der Gelben Teichrose bestehende Schwimmblattgürtel ist am Rand gelegentlich mit der Teichbinse vermischt.

Am Westende sind zwei Gruppen mit der Weißen Seerose zu finden, in der östlichen Hälfte gibt es insgesamt vier Gruppen der Glänzenden Seerose.

Der Weiher ist entsprechend seiner Vegetation zur Gruppe der eutrophen (nährstoffreichen) Gewässer zu rechnen, ist jedoch nicht überdüngt.

Der Eindruck einer intakten Verlandungszone wird allerdings von Angelstegen durchbrochen.

Der Auweiher birgt eine Vielzahl von floristischen Besonderheiten.

Allen voranzustellen ist ein Vorkommen der Glänzenden Seerose (Nymohaea candida), einer Art, die in Baden-Württemberg als ausgestorben galt (RL 0), jedoch im Raum Ellwangen an einigen wenigen Stellen aufgefunden wurde.

Als stark gefährdet (RL 1) ist der Zungenhahnenfuß (Ranunculus lingua) eingestuft, der im oben erwähnten Kalmus-Röhricht einen großen Bestand aufweisen kann.

Als gefährdete Pflanzenarten (RL 3) sind anzuführen:

Fieberklee (Menyanthes trifoliata), Wasserschierling (Cicuta virosa), der in erfreulich großen Beständen vorkommt, Schmalblättriger Rohrkolben (Typha angustifolia), Nickender Zweizahn (Bidens cernua), Strahlen-Zweizahn (Bidens radiata) und Sumpf-Sternmiere (Stellaria palustris).

Nicht unerwähnt bleiben sollen als schonungsbedürftig aufgeführte Pflanzen wie

Scheinzypergras-Segge (Carex pseudocyperus), Rispengras (Carex paniculata), der optisch auffallende Riesen-Ampfer (Rumex hydrolapathum), Steifsegge (Carex elata), Teich-Schachtelhalm (Equisetum fluviatile), Teichbinse (Schoenoplectus lacustris) und Gelbe Teichrose (Nuphar lutea).

Von den rund 55 Pflanzenarten, aus denen der Bewuchs des Auweihers und seiner Verlandungszone aufgebaut ist, befinden sich 15 Arten in der „Roten Liste" von Baden-Württemberg, das ist mehr als ein Viertel der Arten.

Diese einfache Rechnung zeigt auf, daß der Auweiher in seiner Gesamtheit ein ausgezeichneter Lebensraum für diese Sumpfpflanzenarten ist, denn der Rückgang dieser Arten ist im Wesentlichen auf den Verlust ihres Lebensraums zurüchzuführen.

Die Tatsache, daß manche Arten in bemerkenswert großen Beständen vorkommen, unterstreicht die Bedeutung des Auweihers für den Artenschutz.

 

Vögel

Für den Auweiher liegen langjährige ornithologische Beobachtungen vor.

Leider ist aufgerund der seit ca. 1980 intensivierte Angelbetrieb die Bruttätigkeit der Wasser- und Sumpfvögel stark eingeschränkt.

Trotzdem läßt sich aus den älteren Daten eine Vorstellung über die Bedeutung der Vegetation für die Vogelwelt gewinnen.

Aufgeführt werden hier nur die Stenökenarten, Arten die also in irgendeiner Weise spezialisiert sind, in der Regel bezüglich Biotopstruktur oder Biotopgröße sowie Störungsfälligkeit.

Das Tüpfelsumpfhuhn gilt in Baden-Württemberg als vom Aussterben bedroht (RL 1).

Es bevorzugt als Nistbiotop Naßflächen mit nicht ganz geschlossenen, oft in Bulten wachsender Vegetation und ganz niedrigem Wasserstand.

Die Art reagiert empfindlich auf Wasserstandsschwankungen, Nahrung wird auf freien Schlick- und Schlammflächen gesucht.

Am Auweiher wurde die Art zur Brutzeit im nordöstlichen Schilfstreifen gehört, es besteht also Brutverdacht.

Derzeit wird das Tüpfelsumpfhuhn nur noch als Durchzügler regelmäßig am Weiher festgestellt.

Die Zwergdommel (RL 1) besiedelt größere und kleinere Gewässer mit Schilf und Rohrbeständen, die gern mit Gestrüpp und Gebüsch verzahnt sein dürfen.

Am Auweiher ist diese Art von der Biotopstruktur her im gesamten Schilf- und Röhrichtbereich zu erwarten.

Es besteht noch ein regelmäßiges Brutvorkommen.

Der Drosselrohrsänger (RL 1) bewohnt den wasserseitigen Teil breiter Schilfstreifen und nistet über dem Wasser.

Am Auweiher brütete der Drosselrohrsänger im nördlichen Schilfröhricht, ein Brutvorkommen wurde jedoch in den letzten Jahren nicht mehr festgestellt.

Die Wasserralle (RL 2) ist ein regelmäßiger Brutvogel, wird derzeit aber nur noch im nordwestlichsten Bereich festgestellt.

Die Wasserralle bevorzugt als Brutbiotop mindestens zwei- bis dreihundert Quadratmeter große, dichte Röhrichtvegetationen mit Deckung von oben und Anschluß an die offene Wasserfläche.

Schilfstreifen müssen mindestens vier bis sechs Meter breit sein.

Diese feuchten Röhrichte im Westen und Südosten und teilweise auch der große Schilfwald weiter talaufwärts.

An allen aufgeführten Stellen wurden die Wasserrallen auch nachgewiesen.

Ein weiterer, noch regelmäßiger Brutvogel ist die Tafelente (RL 2).

Nicht mehr als regelmäßige Brutvogelart wird die Krickente (RL 2) nachgewiesen.

Regelmäßige Brutvögel sind jedoch noch Zwergtaucher (RL 3) und Reiherente.

Diese Arten sind zwar weniger anspruchsvoll bezüglich ihres Brutplatzes als die oben besprochenen Arten, haben jedoch eine größere Fluchtdistanz.

Der Brutplatz des Eisvogels (RL 2) wurde durch Ablagerungen leider zerstört, er benützt das Gebiet jedoch als Nahrungsrevier.

Geeignete Maßnahmen zur Wiederansiedlung sollen ergriffen werden.

Die natürliche Voraussetzung in Form von Sandwänden wäre hierfür gegeben.

Das Vorkommen derart vieler besonders bedrohter Wasservogelarten ergibt den Hinweis auf ein spezielles, noch intaktes Brutgebiet.

Die besonders gefährdeten Arten setzen allesamt eine Biotopstruktur voraus, die im Wasser stehende Röhrichtflächen, oder Großseggengesellschaften mit direkt anschließenden Wasserflächen, enthält.

Diese Bedingungen sind im Auweiher besonders gut gegeben und zeichnen ihn deshalb als hervorragendes Vogelbrutgebiet aus.

Andererseits sind diese Vogelarten, insbesondere die vier zuerst genannten Arten, äußerst empfindlich gegenüber Störungen durch den Menschen.

In HÖLZINGER, „Die Vögel Baden-Württembergs", werden als Gefährdungsursachen neben Freizeitbetätigungen wie Bootfahren oder Schwimmen ausdrücklich der Angelsport aufgeführt.

Die meisten Arten der Libellen legen ihre Eier in angefaulte oder weiche Pflanzenteile oder -stengel unter oder über dem Wasser ab.

Dabei haben vor allem Pflanzenarten eine große Bedeutung, die nach dem Sommer schnell zerfallen.

Diese Arten sind im Auweiher noch reichlich vorhanden.

Von WAHRENBURG wurden 1986 insgesamt 16 Arten erfaßt.

Aufzuführen sind hierzu besonders Arten, die in der Roten Liste enthalten sind wie

Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), Blauflügel-Prachtlibelle (C. virgo), Pokal-Azurjungfer (Coenagrion lindeni), Fledermaus-Azurjungfer (C. pulchellum), Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis), Glänzende Smaragdlibelle (Somatochlora metallica) und die sehr seltene Frühe Heidelibelle (Sympetrum fonscolombei).

Besonders viele Schmetterlinge wurden an der südöstlichsten Ecke des Schutzgebiets festgestellt.

Dort wurden insgesamt 14 Tagfalterarten aufgefunden und bestimmt.

Zur Erhaltung der Arten ist es erforderlich, die dort befindliche Magerwiesenfläche wieder regelmäßig zu mähen.

 

Landwirtschaftliche Flächen

Mit in das Schutzgebiet einbezogen sind in den Gewannen Mittelacker, Kohlbusch und Reitle als Fettwiesen und Ackerflächen genutzte landwirtschaftliche Flächen.

Diese Flächen haben insbesondere eine Pufferfunktion (Betretungsverbot).

Es ist vorgesehen, den Landwirten Extensivierungsverträge anzubieten, um somit diese Bereiche und damit auch die anschließenden Feuchtgebiete ökologisch aufzuwerten.

 

Schutzzweck

Das Schutzziel des Naturschutzgebietes ist die Erhaltung und Sicherung vor Beeinträchtigungen einer Wasserfläche mit großflächigen Röhrichtbeständen, Schwimmblattflächen und ausgedehnten Riedflächen.

Besonders schutzwürdig sind die vielfältigen Pflanzengesellschaften mit seltenen und vom Aussterben bedrohten Arten sowie die Wasserfläche mit angrenzenden Röhrichtbeständen als spezieller Lebensraum und Brutbiotop für vom Aussterben bedrohte Vogelarten.

 

Pflegemaßnahmen

Die Feuchtgebiets-Pflanzengesellschaften erfordern keine regelmäßigen Pflegemaßnahmen.

Von der BNL wird dessen ungeachtet für das Schutzgebiet ein Pflegeplan erstellt.

Eine Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung der in das Schutzgebiet einbezogenen Flächen und insbesondere eine Rückführung der Ackerflächen auf dem Flurstück 231/1 in eine Wiese sind anzustreben.

Die Ausübung der Jagd erfordert eine Berücksichtigung der empfindlichen Pflanzengesellschaften und insbesondere der gefährdeten Brutvogelarten.

Besonders ist zu beachten, daß die Tafelente zu den spätbrütenden Arten zählt.

Die Schlüpftermine der Jungen reichen bis Anfang August.

Die Führungszeit der Jungen zieht sich infolge dessen mitunter bis in die zweite Septemberhälfte hinein.

Ein Verbot der Entenjagd im September ist daher zum Schutz der Tafelenten dringend erforderlich; jagdliche Einrichtungen sind zu unterbinden.

Der Angelsport beeinträchtigt in der derzeitigen Form (1989) erheblich die Vogelbrut seltener Arten und empfindliche Pflanzengesellschaften.

Anzuführen ist hier in erster Linie der längere Aufenhalt von Anglern während der Brutzeit auf den in und am Rand der Röhrichtflächen befindlichen Angelstege.

Durch das Abmähen der Schwimmblattgesellschaften wird zusätzlich erheblich die Vegetation beeinträchtigt.

Aus fachlicher Sicht sollte deshalb eine teichwirtschaftliche Nutzung des Auweihers angestrebt werden.

 

 

 

Jörg Mauk

 

 

Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart