1.192 Jusi-Auf dem Berg

 

Würdigung

 

 

Zusammenfassung (Auszug)

Die Schutzwürdigkeit des Jusi ergibt sich u.a. aus seiner besonderen geologischen Ausstattung, seinem landschaftsprägenden Gesamtbild sowie seiner kulturhistorischen Bedeutung.

Wesentlich wird die Schutzwürdigkeit des Jusi durch die hohe Wertigkeit als Lebensraum für zahlreiche, zum Teil stark gefährdete, Pflanzen und Tiere und den hohen Strukturreichtum begründet.

 

Gesamttext

Der Jusi bildet den Abschluß eines schmalen Höhenrückens, dem Sommerberg, der sich von der Albhochfläche ausgehend in nordwestlicher Richtung ins Albvorland erstreckt.

Der Höhenrücken trennt das Ermstal im Süden vom Steinachtal im Norden.

Am Fuße des Jusi liegen in nördlicher Richtung die Gemeinde Kohlberg und in südwestlicher Richtung der Ort Kappishäusern, nahe der Grenze zum Regierungsbezirk Tübingen.

Nach der naturräumlichen Gliederung wird er den Neuffener Vorbergen (Naturräumliche Einheit Nr. 101.23) zugeordnet, einer Teileinheit des Mittleren Albvorlandes.

Der Jusi gehört zum Schwäbischen Vulkangebiet von Urach.

In den Erläuterungen zur Geologischen Karte von Baden-Württemberg (Kartenblatt 7321) schreibt Martin Schmidt "... hat das schwäbische Vulkangebiet von Urach, wie es gewöhnlich bezeichnet wird, Weltruf erlangt, als ein in dieser Schönheit und Reichhaltigkeit sonst nirgends erhaltenes Sonderkapitel vulkanischer Erscheinungen".

Das mittlere Albvorland wurde neben den landschaftsformenden Wirkungen der Schichtstufen aus der Jurazeit besonders durch den Vulkanismus landschaftlich geprägt.

Der „Schwäbische Vulkan" im Bereich Kirchheim-Urach kam jedoch nie zur vollen Entfaltung: Gase, entstanden durch Erstarrung des Magmas und Umwandlung von Wasser in Dampf, suchten durch Klüfte einen Weg aus dem Erdinnern.

Dabei wurden ganze Schollen des Deckgebirges losgelöst.

Die Schlote füllten sich wieder mit vulkanischer Asche und den zurückfallenden Trümmern des durchschlagenden Gesteins.

Die Schlotfüllung verklebte zum sogenannten „Basalttuff", der ein hartes Gestein bildet.

Zu dieser Zeit reichte die Alb noch weiter nach Norden vor.

Erst durch die rückschreitende Erosion wurden die Kraterfüllungen angeschnitten und schließlich als Härtlinge aus dem weicheren umgebenden Gestein herauspräpariert.

Diese vulkanische Entwicklungsreihe vom Maar zum Härtling läßt sich im Albvorland gut verfolgen: Das Schopflocher Moor ist als Maar noch in den Albkörper eingebettet.

Der See, entstanden durch die stauende Wirkung des Basalts, ist im Laufe der Zeit verlandet, und ein Moor hat sich gebildet.

Dagegen wurde das Randecker Maar, das ursprünglich auch einen See bildete, bereits von der rückschreitenden Erosion erfaßt und entwässert.

Die Vulkanschlote des Albvorlandes schließlich zeigen einen weiteren Schritt in dieser Entwicklungsreihe.

Die aus dem weicheren Gestein herauspräparierten Härtlinge geben dem Albvorland ihr heutiges Gepräge.

Beeindruckendes Beispiel hierfür ist die Limburg bei Weilheim.

Der Jusi nimmt in seiner Entwicklung eine Zwischenstellung ein, er ist bereits weitgehend aus dem Albkörper herauspräpariert, mit diesem aber noch durch einen schmalen Höhenrücken verbunden.

Er ist der größte aufgeschlossene Tuffschlot des Urach-Kirchheimer Vulkangebietes.

Mit dem Randecker Maar und dem Schopflocher Moor, die bereits als Naturschutzgebiete geschützt sind sowie der Limburg, für die ein entsprechendes Verfahren zur Zeit läuft, ist der Jusi ein bedeutender Zeuge für die geologischen und erdgeschichtlichen Vorgänge, die heute diese Landschaft prägen.

 

Flora

Das Naturschutzgebiet läßt sich im wesentlichen in drei Teile untergliedern: dem landschaftlich dominierenden wadlfreien Jusisporn, der in südöstlicher Richtung ansteigt, der durch das Raupental von diesem abgesetzten Waldkuppe und dem südlichen Jusisporn mit den umgebenden Streuobstwiesen, Wiesen- und Ackerflächen.

Nach Osten schließt sich auf der Südseite des Bergrückens das Naturschutzgebiet „Goldland-Klausenberg", das bereits zum Regierungsbezirk Tübingen gehört, an.

 

Nordwestlicher Jusisporn

Bedingt durch die geologischen Voraussetzungen und die frühe Entwaldung des Jusisporns ist der Oberboden sehr flachgründig, die Wasserhaltefähigkeit des Bodens ist eingeschränkt.

Durch die traditionelle Beweidung mit Schafen hat sich ein Kalkmagerrasen unterschiedlicher Ausprägung entwickelt.

Auf den nordexponierten Hängen ist bei stärkerer Humusauflage eine bessere Wasserversorgung gewährleistet.

Die Pflanzendecke ist dichter und wüchsiger.

Die Vegetation zeigt das Bild einer Kalkmagerweide.

Dominierendes Gras ist hier die Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum).

Hinzu kommen die typischen Weidezeiger wie verschiedene Distelarten (Cirsium vulgare, Carduus nutans), die aufgrund ihrer stacheligen Blätter von den Schafen nicht abgefressen werden sowie verschiedene Kräuter, die für das Vieh unangenehme Stoffe enthalten, wie zum Beispiel verschiedene Enzianarten oder der Thymian.

Da jedoch auch nicht weidefeste Arten wie die Aufrechte Trespe (bromus erectus) vertreten sind, kann davon ausgegangen werden, daß keine allzu intensive Beweidung stattfindet.

Durch die relativ gute Wasserversorgung besteht für diesen Bereich eine verstärkte Gefahr der Verbuschung.

Insbesondere am Hangfuß und im östlichen Teil beginnt die Heide, begünstigt durch den dichten Filz der Fiederzwenke zu verbuschen.

Auf den südexponierten Hangbereichen mit einer geringeren Humusauflage ist die Vegetation weniger wüchsig und lückiger.

Hier sind verstärkt Vertreter der Kalkmagerwiesen zu finden.

Als typisches Gras muß zunächst die Aufrechte Trespe (Bromus erectus) genannt werden.

Weitere typische Vertreter sind die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), der Thymian (Thymus pulegioides) und die Kleine Bibernelle (Pimpinella saxifraga).

Besonders erwähnenswert ist das Vorkommen von Bienenragwurz (Ophrys apifera) und wenigen Exemplaren von Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea).

Bei beiden Orchideenarten scheinen die Bestände rückläufig zu sein, was nicht zuletzt auf den hohen Besucherdruck und die damit verbundene Trittbelastung zurückzuführen sein dürfte.

Einzelne Felsaufschlüsse dokumentieren die geologische Besonderheit des Jusi.

Zu sehen sind Basalttuffe, Teile der Weißjura-Sinkscholle, Bohnertoneinschlüsse sowie Beimischungen des Braunen und Schwarzen Juras und des Grundgebirges.

Die Felsenvegetation unterscheidet sich von der ihrer Umgebung und bereichert mit Arten des Trockenrasens die Artenvielfalt.

Zu nennen sind der Weiße und der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum album und Sedum acre) sowie die Mauerraute (Asplenium rutamuraria).

Mit dem Raupental schließen sich hierauf feuchtere und nährstoffreichere Standorte an die Heideflächen an.

Wolldistel-Fluren mit der Wolligen Kratzdistel (Cirsium eriophorum) und der Kohldistel (Cirsium oleraceum) sowie

Hochstauden-Fluren mit dem Zwergholunder (Sambucus ebulus) sind mit ihren Blüten sehr gute Nahrungsspender für zahlreiche Insekten, insbesondere Schmetterlinge.

 

Südlicher Jusisporn

Der südliche Jusisporn zeichnet sich durch seine hohe Strukturvielfalt aus.

Zu nennen sind bromusreiche Kalkmagerwiesen, Kalkmagerweiden mit zahlreichen Distelarten, Feuchtbereiche, Heckenbereiche mit blütenbunten Säumen, Streuobstwiesen, Ackerflächen und extreme Trockenstandorte an einem ehemaligen Steinbruch als geologischen Aufschluß, der den vulkanischen Ursprung des Gebietes zeigt.

Der Strukturreichtum bedingt eine hohe Artenvielfalt, die die Schutzwürdigkeit dieses Gebietes unterstreicht.

Die Hecken sind größtenteils dem Liguster-Schlehengebüsch zuzuordnen.

Neben diesen beiden charakteristischen Arten kommen vor allem der Hartriegel (Cornus sanguinea), verschiedene Wildrosenarten (Rosa spec.), die beiden Weißdornarten (Crataegus monogyna und oxyacanta) sowie der Wildapfel (Malus domestica) vor.

In den südexponierten Säumen der Hecken bereichern blütenbunte Arten wie der Edelgamander (Teucrium chamaedrys), die Kronwicke (Coronilla varia), Taubenscabiosa (Scabiosa columbaria), Karthäusernelke (Dianthus carthusianorum), um nur einige wenige Arten zu nennen, das Bild.

Für blütensuchende Insekten sind diese Bereiche wichtige Nahrungsquellen, insbesondere dann, wenn die umgebenden bewirtschafteten Wiesen bereits abgemäht sind und nur noch wenige blühende Pflanzen vorhanden sind.

Diese Arten sind auf dem nach Nordwesten gerichteten Jusiberg, der weitaus stärker durch die offene Heide geprägt ist, kaum zu finden.

Nach Osten bilden Streuobstwiesen die Verbindung zum bereits bestehenden Naturschutzgebiet „Goldland-Klausenberg" im Regierungsbezirk Tübingen.

 

Waldbereiche

Besondere Beachtung verdient der die oben beschriebenen Teilbereiche verbindende Wald im Jusi.

Aufgrund unterschiedlicher Bodenverhältnisse und Expositionen kommen hier verschiedene Waldtypen vor, die durch forstwirtschaftliche Nutzung unterschiedlich stark beeinflußt sind, zum Großteil handelt es sich jedoch um naturnahe Waldbilder.

An den schattigen Nordhängen stockt ein Frischer Kalkbuchenwald.

Diesem typischen Hallenbuchenwald sind nur vereinzelt Sträucher eingestreut, die Krautschicht ist durch den geringen Lichteinfall nur schwach ausgeprägt.

Lediglich im Bereich mit größerer Bodenfeuchtigkeit wird die Krautschicht dichter.

Besonders hervorzuheben ist ein Bestand des Gelben Fingerhuts (Digitalis lutea).

Im Bereich der trockeneren Südhänge verliert die Buche an Konkurrenzkraft.

Sie bleibt zwar Hauptbaumart, trockenheitsertragende Arten sind jedoch beigemischt.

Die Kraut- und Strauchschicht ist gut ausgeprägt.

Dieser für die Südlagen der Schwäbischen Alb typische Seggen-Buchenwald ist auch am Jusi vor allem an den Südhängen zu finden.

Es ist der typische Standort zweier Orchideenarten, dem Weißen und Roten Waldvögelein (Cephalanthera damasonium und rubra).

Hinzu kommen die Frühlingsschlüsselblume (Primula veris) und auch die Bergsegge (Carex montana).

Besonders zu erwähnen ist der Bestand eines Eichen-Elsbeerenwaldes

Ausgedehnte Wälder dieser Art findet man in südlichen submediterranen Landschaften.

In unserem Raum sind sie auf wenige extrem heiße und trockene Südhänge beschränkt.

Am Jusi stockt dieser Waldtyp am südwestexponierten Steilhang.

Auf den flachgründigen, mit Kalkschotter durchsetzten Böden können sich nur xerophile Arten behaupten.

Da das Kronendach lückig und lichtdurchlässig ist, bildet sich eine ausgeprägte Kraut- und Strauchschicht.

Zu nennen sind Elsbeere (Sorbus torminalis), Liguster (Ligustrum vulgare), Hartriegel (Cornus sanguinea) und verschiedene Rosenarten.

Die hier vorkommende submediterrane Flaumeiche (Quercus pubescens) ist als postglaziales Relikt von vegetationsgeschichtlicher Bedeutung.

Typische Kräuter sind der Purpurrote Steinsame (Lithospermum purpurocaeruleum), der Schwalbenwurz (Vincetoxivum hirundinaria) und die Ästige Graslilie (Anthericum ramosum).

Diese seltene Pflanzengesellschaft wurde schon 1952 von H. Rupf in dem Artikel „Die Flaumeichenwälder der Gemeinde Dettingen Erms" erwähnt.

Der Eichen-Elsbeerenwald wird als Besonderheit beschrieben, der sich als unterschiedlich breites Band durch den Gemeindewald Dettingen zieht.

Diese Bereiche, von denen die Bestände am Jusi die Fortsetzung bilden, sind Teil des Naturschutzgebietes „Goldland-Klausenberg" im Regierungsbezirk Tübingen.

Auf den Verebnungsflächen des Weißjura Beta kommt in kleinen Bereichen ein Waldlabkraut-Hainbuchenwald unterschiedlicher Feuchtigkeitsstufen vor.

Auf den wechselfeuchten Standorten, die für die Buche keine optimalen Bedingungen bieten, können sich Hainbuche und Traubeneiche stärker durchsetzen.

Für diesen Waldteil ist das Vorkommen des Bleichen Knabenkrautes (Orchis pallens), einer Orchideenart der sonnigen Buchen- und Eichenwälder, und des Roßlauches (Allium oleraceum) besonders hervorzuheben.

Im Bereich der feuchteren Ausbildung des Waldlabkraut-Hainbuchenwaldes sind Bestände von Stattlichem Knabenkraut (Orchis mascula) und der Bergflockenblume (Centaurea montana) zu finden.

Neben den naturnahen Wäldern wurden Teile mit landschaftsuntypischen Gehölzen wie Lärche, Douglasie  und Kiefer aufgeforstet.

Auf ehemaligen Heideflächen am Süd-Südwesthang stocken alte Kiefern und Lärchen.

Aufgrund der guten Lichtverhältnisse konnten sich verschiedene Arten der Magerrasen und wärmeliebenden Saumgesellschaften wie die Kronwicke (Coronilla varia), die Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias) und die Graslilie (Anthericum ramosum) sowie Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra) erhalten und zum Teil schöne Bestände entwickeln.

Diese Pflanzengemeinschaft kommt dem Fiederzwenken-Kiefernforst nach Ellenberg nahe, einer Ersatzgesellschaft des Kalkbuchenwaldes auf flachgründigen Rendizen.

Liste im Schutzgebiet vorkommender Pflanzen

Botanischer Name  Deutscher Name  Gehölze

Acer campestre (Feldahorn), Acer pseudoplatanus (Bergahorn), Carpinus betulus (Hainbuche), Clematis vitalba (Gemeine Waldrebe), Cornus sanguinea (Roter Hartriegel), Corylus avellana (Haselnuß), Crataegus monogyna (Eingriffliger Weißdorn), Daphne mezereum (Seidelbast), Euonymus europaeus (Pfaffenhütchen), Fagus sylvatica (Rotbuche), Fraxinus excelsior (Esche), Juglans regia (Walnuß), Juniperus communis (Wacholder), Larix decidua (Lärche), Ligustrum vulgare (Rainweide), Lonicera xylosteum (Heckenkirsche), Picea abies (Fichte), Pinus sylvestris (Föhre), Prunus avium (Vogelkirsche), Prunus spinosa (Schlehe), Pyrus pyraster (Wildbirne), Quercus petraea (Traubeneiche), Quercus pubescens (Flaumeiche BW 3), Quercus robur (Stieleiche), Robinia pseudoacacia (Falsche Akazie), Rosa spec. (Wildrose), Rubus fruticosus (Brombeere), Rubus idaeus (Himbeere), Salix spec. (Weiden), Sambucus nigra (Schwarzer Holunder), Sambucus racemosa (Traubenholunder), Sorbus aria (Mehlbeere), Sorbus torminalis (Elsbeere BW 5), Tilia cordata (Winterlinde), Tilia platyphyllos (Sommerlinde BW 5), Ulmus glabra (Bergrüster), Viburnum lantana (Wolliger Schneeball) und Viburnum opulus (Gemeiner Schneeball)

Kräuter und Gräser

Achillea millefolium (Schafgarbe), Aconitum vulparia (Gelber Eisenhut §, BW 5), Actaea spicata (Christophskraut), Aegopodium podagraria (Giersch), Agrimonia eupatoria (Odermennig), Agrostis tenuis (Rotes Straußkraut), Ajuga reptans (Günsel), Allium oleraceum (Roßlauch), Allium ursinum (Bärlauch), Alopecurus pratensis (Wiesenfuchsschwanz), Anemone nemorosa (Buschwindröschen), Angelica sylvestris (Waldengelwurz), Anthericum ramosum (Ästige Graslilie BW 5), Anthyllis vulneraria (Wundklee), Arrhenatherum elatius (Glatthafer), Asarum europaeum (Haselwurz), Astragalus glycyphyllos (Süßer Tragant), Asperula cynanchica (Hügelmeister), Brachypodium pinnatum (Fiederzwenke), Brachypodium sylvaticum (Waldzwenke), Briza media (Zittergras), Bromus erectus (Aufrechte Trespe), Calamgrostis epigejos (Waldschilf), Campanula persicifolia (Pfirsichbl. Glockenblume), Campanula rotundifolia (Rundbl. Glockenblume), Campanula trachelium (Nesselbl. Glockenblume), Carex flacca (Blausegge), Carex montana (Bergsegge), Carduus nutans (Nickende Distel), Carlina acaulis (Silberdistel §), Centaurea jacea (Wiesenflockenblume), Centaurea montana (Bergflockenblume §, BW 5), Cephalanthera damasonium (Weißes Waldvögelein §, BW 5), Cephalanthera rubra (Rotes Waldvögelein §, BW 5), Chrysanthemum corymbosum (Straußblütige Wucherblume), Circaea lutetiana (Hexenkraut), Cirsium acaule (Stengellose Kratzdistel), Cirsium arvense (Ackerkratzdistel), Cirsium eriophorum (Wollige Kratzdistel), Cirsium oleraceum (Kohldistel), Cirsium vulgare (Gewöhnliche Kratzdistel), Colchicum autumnale (Herbstzeitlose), Consolida regalis (Ackerrittersporn), Coronilla varia (Bunte Kronwicke), Dactylis glomerata (Wiesenknäuelgras), Daucus carota (Wilde Möhre), Dianthus carthusianorum (Karthäusernelke), Digitalis lutea (Gelber Fingerhut §, BW 5), Elymus europaeus (Waldgerste), Elymus repens (Quecke), Epipactis helleborine (Breitblättrige Stendelwurz §, BW 5), Echium vulgare (Gewöhnlicher Natternkopf), Equisetum arvense (Ackerschachtelhalm), Euphrasia officinalis (Augentrost), Euphorbia cyparissias (Zypressenwolfsmilch), Festuca gigantea (Riesenschwingel), Festuca ovina ssp. (Schafschwingel), Festuca pratensis (Wiesenschwingel), Fragaria viridis (Hügelerdbeere), Galium odoratum (Waldmeister), Galium sylvaticum (Waldlabkraut), Galium verum (Goldlabkraut), Gentiana ciliata (Gefranster Enzian §, BRD 3), Gentiana germanica (Deutscher Enzian §, BRD 3), Geranium robertianum (Rupprechtkraut), Gymnadenia conopsea (Händelwurz), Helianthemum nummularium (Gewöhnliches Sonnenröschen), Hieracium pilosella (Kleines Habichtskraut), Hieracium perforatum (Echtes Johanniskraut), Hippocrepis comosa (Hufeisenklee), Pulicaria dysenterica (Flohkraut), Juncus inflexus (Blaugrüne Binse), Juncus tenuis (Zarte Binse), Knautia arvensis (Witwenblume), Knautia sylvatica (Waldknautie), Lamium galeobdolon (Goldnessel), Lathyrus pratensis (Wiesenplatterbse), Lathyrus vernus (Frühlingsplatterbse), Leotodon autumnalis (Herbstlöwenzahn), Leotodon hispidus (Rauher Löwenzahn), Lilium martagon (Türkenbundlilie §, BW 5), Linaria vulgaris (Gewöhnliches Leinkraut), Lithospermum purpurocaeruleum (Steinsame BW 5), Lolium perenne (Weidelgras), Lotus corniculatus (Gewöhnlicher Hornklee), Medicago falcata (Sichelklee), Medicago lupulina (Hopfenklee), Melica nutans (Nickendes Perlgras), Melica uniflora (Einblütiges Perlgras), Melilotus alba (Weißer Steinklee), Melilotus officinalis (Gewöhnlicher Steinklee), Mentha arvensis (Ackerminze), Mercurialis perennis (Bingelkraut), Molinia caerulea (Blaues Pfeifengras), Mycelis muralis (Mauerlattich), Neottia nidusavis (Vogelnestwurz §, BW 5), Odontites vulgaris (Später Roter Zahntrost), Ononis spinosa (Dorniger Hauhechel), Ophrys apifera (Bienenragwurz §, BRD 2, BW 2), Orchis mascula (Stattliches Knabenkraut §, BRD 3, BW 3), Orchis pallens (Blasses Knabenkraut §, BRD 4, BW 4), Origanum vulgare (Gewöhnlicher Dost), Orobanche spec. (Sommerwurz), Oxalis acetosella (Sauerklee), Papaver Rhoeas (Klatschmohn), Phalaris arundinaria (Rohrglanzgras), Phyteuma spicatum (Teufelskralle), Pimpinella saxifraga (Kleine Bibernelle), Plantago lanceolata (Spitzwegerich), Plantago major (Breitwegerich), Plantago media (Mittlerer Wegerich), Poa nemoralis (Hainrispengras), Poa pratensis (Wiesenrispengras), Polygonatum multiflorum (Vielblütige Weißwurz), Potentilla reptans (Kriechendes Fingerkraut), Potentilla verna (Frühlingsfingerkraut), Prenanthes purpurea (Hasenlattich), Primula veris (Echte Schlüsselblume), Prunella grandiflora (Großblütige Brunelle), Prunella vulgaris (Kleine Brunelle), Pulmonaria officinalis (Lungenkraut), Ranunculus acris (Butterblume), Rumex acetosa (Sauerampfer), Salvia pratensis (Wiesensalbei), Sambucus ebulus (Stinkholunder), Sanicula europaea (Waldsanikel), Sanguisorba minor (Kleiner Wiesenknopf), Sedum acre (Scharfer Mauerpfeffer), Sedum album (Weißer Mauerpfeffer), Scabiosa columbaria (Skabiose), Silene vulgaris (Gewöhnlicher Taubenkropf), Scrophularia nodosa (Knotige Braunwurz), Stachys sylvatica (Waldziest), Stellaria holostea (Sternmiere), Teucrium chamaedrys (Wiesengamander), Thymus pulegioides (Thymian), Trifolium medium (Mittlerer Klee), Trifolium pratense (Wiesenklee), Tussilago farfara (Huflattich), Urtica dioica (Brennessel), Verbascum lychnitis (Mehlige Königskerze), Verbena officinalis (Verbene), Vicia cracca (Vogelwicke), Vicia sepium (Zaunwicke), Vincetoxicum hirundinaria (Schwalbwurz), Viola reichenbachiana (Waldveilchen) und Viola tricolor (Ackerstiefmütterchen)

§: geschützt nach der Bundesartenschutzverordnung

RL BRD 1 - 4: Gefährdungsgrad nach Roter Liste der Bundesrepublik Deutschland

1.: vom Aussterben bedroht

2.: stark gefährdet

3.: gefährdet

4.: potentiell gefährdet

RL BW 1 – 5.: Gefährdungsgrad nach Roter Liste von Baden-Württemberg

1 – 4.: wie oben

5.: nicht gefährdet aber schonungsbedürftig

 

Fauna

Das reich strukturierte Gebiet, das sich in Felsstandorte, offene Heidebereiche verschiedenster Ausprägung, durch Hecken gegliederte Wiesen und Ackerflächen, Streuobstwiesen bis hin zu unterschiedlichen Waldgesellschaften untergliedern läßt, bietet Lebensraum für Tiere verschiedenster Biotopansprüche.

Die Tierwelt am Jusi wurde bis jetzt nicht systematisch erfaßt, doch lassen bereits Einzelbeobachtungen auf das Vorkommen zahlreicher Arten schließen.

Die Strukturvielfalt begünstigt ein reiches Vogelvorkommen.

Der Neuntöter, eine Würgerart, deren Bestände in den letzten Jahren merklich abgenommen haben, ist ein typischer Vertreter von mit einzelnen, dornenreichen Gebüschgruppen durchsetzten Freiflächen.

Dieser kommt am Jusi ebenso vor wie der Schwarzspecht, ein Bewohner alter Waldbestände, der auf alte Buchen angewiesen ist, um darin seine Höhlen zu bauen.

Die Quellbereiche und das Raupental bieten der Erdkröte und dem Grasfrosch Laichmöglichkeiten.

Sommer- und Winterquartier finden diese Amphibien im nahen Wald.

Unter den Insekten sind es die Schmetterlinge, die dem Betrachter besonders ins Auge fallen.

Dabei konnten sowohl ausgesprochene Offenlandarten als auch Arten der lichten Waldbereiche und Waldränder beobachtet werden, von denen der Große Waldportier und der Kleine Eisvogel besonders erwähnt werden soll.

Großschmetterlinge (Macrolepidoptera)

Admiral (Vanessa Atalanta), Aurorafalter (Anthocharis cardamines), Brauner Mönch (Cucuelia verbasci), C-Falter (Polygonia c-album), Hauhechelbläuling (Polyommatus icarus), Goldene Acht (Colios hysale), Großer Waldportier (Hipparchia fagi), Kaisermantel (Argynnis paphia), Kleiner Eisvogel (Imenitis camilla), Kleiner Fuchs (Aglais urticae), Kleiner Heufalter (Coenonympha panphilus), Ochsenauge Manioli jurtina), Ockergelber Braundickkopffalter (Adopaea sylvestris), Postillionm (Colias crocea), Rostfarbener Dickkopffalter (Ochlodes vernatus), Schachbrett (Melanargia galanthea), Schwalbenschwanz (Papilio machaon), Silbergrüner Bläuling (Lysandra coridon Poda), Tagpfauenauge (Inarchis io) und Waldbrettspiel (Laiommata maera)

Widderchen und Schwärmer

Gemeines Blutströpfchen (Hyggaena filipendula), Skabiosenwidderchen (Silvicula scabiosae), Wickenwidderchen (Polymorpha ephialtes), Kleewidderchen (Huebneriana trifolia) und Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum)

Über das Vorkommen von Wildbienen am Jusi liegt von Herrn Dr. Paul Westrich folgende Zusammenstellung vor:

Blattschneiderbiene (Megachile maritima KIRBY, nistet im Basalttuff, besucht Legumiosen, seit 1960 durch Nestzerstörung extrem rückläufig.), Blutbienenart (Sphegodes monilicormis), Furchenbiene (Halictus simplex), Furchenbiene (Halictus tumulorum), Mauerbienenart (Osmia coerulescens), Sägehornbiene (Melitta tricanta, ist auf Zahntrost angewiesen), Sandbienenart (Andrena curvungula, Campanula-Spezialist), Sandbienenart (Andrena haemorrhoa), Sandbienenart (Andrena helvola), Sandbienenart (Andrena minutula, Chelostoma fulginosum, Campanula-Spezialist, Lasioglossum pauxillium, Lasioglossum xanthopum, Nest im Boden, Panurgus baksianus KIRBY, in BW nicht häufig).

 

Gefährdung - Entwicklung

Der hohen ökologischen Wertigkeit des Jusi stehen erhebliche Beeinträchtigungen gegnüber.

Hier muß insbesondere die strake Erholungsnutzung genannt werden.

Durch die nahe Lage des Jusi zum Verdichtungsraum Mittlerer Neckar und Metzingen wird der Berg vor allem an Wochenenden äußerst stark besucht.

Auf dem Parkplatz und in den Nebenstraßen von Kohlberg drängen sich bei schönem Wetter die Autos.

Die große Besucherzahl bedingt eine starke Trittbelastung, die insbesondere am Nordwestsporn zu erheblichen Schäden an der Vegetation geführt hat.

Entlang des Wanderweges vom Nordwestsporn zum Gipfel folgend ist die Vegetation des Magerrasens teilweise auf großer Breite zerstört.

Die schutzwürdigen Arten des Magerrasens mußten wenigen trittunempfindlichen häufigen Arten weichen.

Ein dichtes Netz von Trampelpfaden „überzieht" den ganzen Jusisporn.

Begünstigt durch die geologischen Gegebenheiten treten aufgrund des starken Besucherstroms besonders im Bereich des Hauptwanderweges starke Erosionsschäden auf.

Verschiedene Versuche, durch Verbaumaßnahmen die Erosion zu stoppen, haben keinen Erfolg gezeigt.

Der Jusi ist nicht nur bei Wanderern beliebt, Freizeitangebote wie geologischer Lehrpfad, Grillhütte, Feuerstelle und zahlreiche Sitzbänke locken weitere Erholungssuchende an.

Hinzu kommt, daß der Jusi von Modellsegelfliegern, Drachenfliegern, Para-Gleitern und, als neue Freizeiterscheinung, von Mountain-Bike-Fahrern genutzt wird.

Diese Übernutzung durch Freizeitaktivitäten aller Art stellt ein wesentliches Problem für die Erhaltung des Jusi, insbesondere des Nordwestspornes, als wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere dar.

Es ist unbedingt erforderlich, die Erholungsnutzung, soweit überhaupt möglich, in gelenkte Bahnen zu führen.

Eine Naturschutzgebietsverordnung eröffnet hierzu die besten Möglichkeiten durch besucherlenkende Maßnahmen und, soweit notwendig, auch durch entsprechende Verbote einzugreifen.

Neben diesem zentralen Problem der Erholungsnutzung sind für die Erhaltung und Förderung der Flora und Fauna entsprechende Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen erforderlich.

Insbesondere der feuchte nordexponierte Hang des Spornes zeigt bereits starke Verbuschungstendenzen.

Die Horste der Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum) bilden einen dichten Filz, der andere Gräser und auch Kräuter langsam verdrängt.

Neben der geregelten Beweidung mit Schafen ist in Teilbereichen eine zusätzliche Pflege mit Maschinen notwendig, will man den Magerrasen langfristig erhalten.

Die Bezirksstelle hat am Jusi bereits mehrfach Pflegemaßnahmen durchgeführt.

Für die bewirtschafteten Wiesen sollte eine extensive Nutzung ohne Düngung angestrebt werden.

Die natürlichen Voraussetzungen wären geeignet, diese zu mageren Salbei-Glatthaferwiesen zu entwickeln.

Zur Förderung der Ackerwildkräuter wäre es wünschenswert, die extensive Ackernutzung im Bereich der vorhandenen Äcker zu fördern.

Im Wald ist die Erhaltung und Förderung der naturnahen Waldbilder anzustreben.

Insbesondere im Bereich des Eichen-Elsbeerenwaldes und des Waldlabkraut-Hainbuchenwaldes sollten die forstlichen Eingriffe auf ein Minimum beschränkt werden.

Die landschaftsfremden Nadelholzbestände sollen in naturnahe Laubwälder umgewandelt werden.

Insbesondere im Bereich des lichten Kiefer-Lärchenbestandes mit Steppenheidepflanzen ist dabei auf eine ausreichende Besonnung zu achten.

Bei der Pflege der Bestände sind ausreichend Altholzinseln als wertvolle Brutplätze für Höhlenbrüter zu erhalten sowie einzelne alte, auch abgestorbene Bäume aufgrund ihrer hohen Bedeutung für Hymenopteren und Coleopteren zu belassen.

Die Schutzwürdigkeit des Jusi ergibt sich u.a. aus seiner besonderen geologischen Ausstattung, seinem landschaftsprägenden Gesamtbild sowie seiner kulturhistorischen Bedeutung, die hier nur kurz erwähnt werden soll.

Verschiedene Funde belegen, daß die Besiedlung des Jusi bis auf die Jungsteinzeit zurückgeht.

Wesentlich wird die Schutzwürdigkeit des Jusi durch die hohe Wertigkeit als Lebensraum für zahlreiche, zum Teil stark gefährdete, Pflanzen und Tiere und den hohen Strukturreichtum begründet.

Das Gebiet des Jusi erfüllt nach § 21, NatSchG, aus naturwissenschaftlichen und ökologischen Gründen, zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften und Lebensstätten bestimmter Tier- und Pflanzenarten und wegen der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der naturhaften Ausstattung die Voraussetzungen, zum Naturschutzgebiet erklärt zu werden.