1.197 Krähenhäule

 

Würdigung

 

 

des Naturschutzgebietes „Krähenhäule" Landkreis Esslingen, Stadt Esslingen

 

1. Lage und Geologie

Das Naturschutzgebiet „Krähenhäule" liegt südlich von der Stadt Esslingen, oberhalb der Stadtteile Wiflingshausen und Wäldenbronn.

Das Gebiet wird auf 3 Seiten von Wald und auf einer Seite von einem Segelflugplatz begrenzt.

Es liegt zwischen 480 und 495 m ü. NN.

Die bestehende Schießbahn wurde zum Teil ins Gelände eingegraben zum Teil wurde das Gelände aufgefüllt.

Durch den Einschnitt ins Gelände findet man hier 3 verschiedene geologische Schichten.

Im oberen Teil noch Jura, gefolgt von Rätsandstein bis hin zum Knollenmergel im unteren Bereich.

 

2. Vegetation, Flora und Fauna

Es handelt sich hier um eine sehr kleinstrukturierte Sukzessionsfläche, auf welcher in engem Raum trockene, feuchte und nasse Biotope vorkommen.

a) Trockenbiotope

Vegetationsfreie Biotope

Zu ihnen gehören verschiedene Steinaufhäufungen ebenso wie der Sandfang am Ende der Schießbahn.

Die Steinaufhäufungen dienen verschiedenen Amphibien, Reptilien und auch kleinen Säugern als Unterschlupf.

Der Sandfang stellt, durch seine hohe Individuendichte von Ameisenlöwen mit weit mehr als 100 Individuen, zumindest regional eine Besonderheit dar und ist somit als schutzwürdig zu betrachten.

Für die Wildbienenfauna bilden die reichhaltigen Blühhorizonte im Komplex mit regelmäßigen, offenen Bodenstellen geeignete Lebensräume.

Zudem stellt der Sandfang an verdichteten Stellen Nisthabitate für Sandbienen dar.

Im Kernbereich der Schießbahn findet man an verschiedenen Stellen Magerrasen.

Hier ist besonders bemerkenswert die große Population vom Mattscheckigen Braundickkopffalter (Tymelicus acteon), einer bundesweit gefährdeten, wärmeliebenden Tagfalterart.

Auch die reichblühenden Böschungen sind für die Tagfalterflora wertvoll.

Zum Beispiel findet man an der westlichen äußeren Böschung den Schachbrettfalter (Melanargia galathea), eine anspruchsvolle Offenlandart, die durch Nutzungsintensivierung wie vermehrte Düngung und häufigere Mahd zunehmend seltener wird.

b) Feuchte und nasse Bereiche

Das Gebiet weist verschiedene wechselfeuchte und feuchte Stellen, sowie Gräben und ein Kleingewässer auf.

In den Binsenwiesen kommt das Klee-Widderchen (Zygaena trifolii) vor, eine bundesweit gefährdete Tagfalterart.

Eine zusätzliche Bereicherung bildet das Kleingewässer im Kernbereich der ehemaligen Schießanlage.

Hier kommen verschiedene Libellenarten wie

die Hufeisen Azurjungfer (Coenagrion puella), die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) und die Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum) vor.

Zumindest letztere ist hier bodenständig, da an den Halmen des Rohrkolbens zahlreiche Larvenexuvien gefunden werden konnten.

Eine große Bedeutung hat das Gebiet auch als Amphibienlebensraum und Laichbiotop wie der Nachweis von landesweit stark gefährdeten (RL 2) bzw. potentiell gefährdeten Arten (RL 4) wie Gelbbauchunke, Erdkröte und Grasfrosch bestätigen.

c) Wald

Bei dem am südlichen Teil der ehemaligen Schießbahn gelegenen Waldstück handelt es sich um einen Buchen-Eichenmischbestand.

Das durchschnittliche Alter beträgt ca. 110 Jahre.

Der Ostrand des Waldstückes ist mit einem ca. 70jährigen Fichtensaum eingefasst.

Das gesamte Waldstück wird nicht mehr bewirtschaftet, so daß es mit seinem Unterwuchs und Totholz eine weitere Bereicherung des Naturschutzgebietes „Krähenhäule" darstellt.

Insgesamt stellt das Gebiet mit seiner kleinstrukturierten Vielfalt (Wechsel zahlreicher Struktur- und Standorttypen auf kleinem Raum) und seiner Störungsarmut einen faunistisch sehr wertvollen Lebensraum für viele Tierarten dar.

Darunter auch Reptilien, welche dort sehr hohe Individuenzahlen aufweisen wie z. B. die landesweit potentiell gefährdete (RL 4)

Blindschleiche, die Zauneidechse, die Waldeidechse und eine Schlangenart.

Aufgrund der Biotopstruktur ist das Gebiet auch für anspruchsvollere Vogelarten, welche die Biotopkomplexe aus Gehölzen und insektenreichem Offenlandbereichen besiedeln, als Habitat für

Neuntöter, Dorngrasmücke, Sumpfrohrsänger, Baumpieper u. a. m., geeignet.

Ebenso konnte eine arten- und individuenreiche Heuschreckenfauna an den Säumen und Verbuschungen festgestellt werden.

Dabei handelt es sich um eine nahezu vollständige Zönose dieser Biotopstrukturen.

Besonders hervorzuheben ist das Vorkommen der Gemeinen Sichelschrecke, einer Art, die in Baden-Württemberg in den Weinbaulagen noch verbreitet ist, bundesweit aber als stark gefährdet in der Roten Liste geführt wird.

Ebenso ist aufgrund der Biotopstruktur das Gebiet für arten- und individuenreiche Bestände von Wildbienen, Schmetterlingen und Laufkäfern prädestiniert.

 

3. Pflege

Das Gebiet soll in seinem jetzigen Sukzessionsstadium erhalten werden um damit die Artenvielfalt zu erhalten.

Zu diesem Zweck sind Eingriffe notwenig, welche eine zu dichte Verbuschung oder gar die Rückführung des Gebietes zum Wald verhindern.

Es müssen also Gehölze wie z. B. die Kiefer oder auch Brombeeren von Zeit zu Zeit entfernt werden.

Um die Störungsarmut des Gebietes zu erhalten, sollte dies jedoch nicht in der Hauptvegetationsperiode geschehen.

 

Zusammenfassung

Der besondere Wert des Naturschutzgebietes „Krähenhäule" liegt zum einen in der Größe der Sukzessionsfläche zum anderen in seiner kleinstrukturierten Vielfalt und seiner Störungsarmut, sowie der daraus resultierenden individuenreichen Tierbestände mit vielen seltenen und gefährdeten Tierarten.

Eine Ausweisung nach § 21 Naturschutzgesetz ist durch folgende Merkmale bestimmt:

1. Erhaltung unterschiedlicher Trockenbiotope mit zahlreichen typischen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten

2. Erhaltung der feuchten Bereiche und des Kleingewässers für gefährdete und charakteristische Tierarten

3. Erhaltung einer Sukzessionsfläche mit der hierfür typischen Artenvielfalt

 

 

 

Engelhard

 

 

25.01.1992