1.245 Goldshöfer Sande

 

Würdigung

 

 

und Beschreibung des geplanten Naturschutzgebiets „Goldshöfer Sande" und des geplanten Landschaftsschutzgebiets „Hügelland um Hofen"

 

Mit dem geplanten Naturschutzgebiet „Goldshöfer Sande" und dem dienenden Landschaftsschutzgebiet „Hügelland um Hofen" soll ein typischer Ausschnitt der naturräumlichen Einheit „Östliches Albvorland" und speziell der naturräumlichen Untereinheit „Goldshöfer Terrassenplatten" aus wissenschaftlichen, faunistischen, landschaftsökologischen und landschaftsbildgestalterischen Gründen geschützt und erhalten werden.

Dabei beschränkt sich das 46,5 ha große Naturschutzgebiet auf das sicherungsbedürftige Vorkommen von Goldshöfer Sanden auf einem Braunjura-Höhenzug nördlich Aalen-Hofen im Ostalbkreis und die dortigen biotischen und abiotischen Landschaftsfunktionen; das sich nach Süden anschließende Landschaftsschutzgebiet mit einer Größe von 59,7 ha ergänzt das Naturschutzgebiet flächenmäßig, sichert bzw. gewährleistet die vielfältigen Landschaftsfunktionen des Naturschutzgebiets und rundet das Gesamtensemle des Landschaftsausschnitts ab.

Schutzstatus und Zonierung entspricht dabei einem vom Naturschutzgebiet nach außen abnehmenden Wertigkeitsgradienten.

 

1. Schutzwürdigkeit

 

1.1. Wissenschaftliche Bedeutung

Als Goldshöfer Sande werden im Vorland der Schwäbischen Alb auf Höhen des oberen Kocher-Jagst-Gebietes vorkommende, ortsfremde Sande und Schotter bezeichnet, die ihren Namen nach der Typlokalität Bahnhof Goldshöfe als der größten zusammenhängenden Sandanhäufung erhalten haben.

Hinsichtlich ihrer Zeitstellung, ihrer Ablagerungsform und ihrer Geschichte stellen sie ein einzigartiges erd- und landschaftsgeschichtliches Dokument in Baden-Württemberg dar, dessen Erforschung noch nicht als abgeschlossen angesehen werden kann.

Im östlichen Albvorland haben sich u.a. um Aalen-Hofen auf Braunjura-Hügeln (al 1, Opalinuston) Reste von Goldshöfer Sanden (GO) - z.T. mit Weißjura-Kalkschotterauflage (GOW) - erhalten.

Wie bereits überbaute Bereiche von Goldshöfer Sanden mit Kalkschotter-Auflage zeigten, ist unter diesem Hangschutt vom damals nahen Albtrauf eine ausgesprochen gute Fossilerhaltung (Säugetierfauna) gegeben.

Dies und die Tatsache, daß es sich bei den Goldshöfer Sanden um regional bedeutende Belege der jüngeren Landschafts- und vor allem auch Flußgeschichte handelt, rechtfertigt allein schon die Unterschutzstellung eines geeigneten Geotops nach § 21 (1) NatSchG.

Auf die beiliegende und zur Würdigung gehörende, vom Geologischen Landesamt Baden-Württemberg (heute: Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg) erstellte geowissenschaftliche Stellungnahme zur Schutzwürdigkeit zweier Flächen mit Goldshöfer Sanden wird deshalb verwiesen (Anlage).

 

1.1.1. (Ehemalige) Nutzung der Goldshöfer Sande nördlich AA-Hofen

Goldshöfer Sande wurden in den Wasseralfinger Hüttenwerken als Formsande bzw. wurden und werden heute noch - wo die Mächtigkeit einen wirtschaftlichen Abbau erlaubt - als begehrter Baustoff verwendet.

Die Sande nördlich AA-Hofen in den Gewannen Haldenfeld, Sandäcker, Heimatmüllershölzle und Himmelhalde wurden bzw. werden in einigen wenigen, kleinen Sandgruben lediglich für den Eigenbedarf genutzt.

Ein gewerblicher Abbau findet in beiden Schutzgebietsteilen aus Gründen der Unwirtschaftlichkeit (störende Deckschichten nördlich Hofen, Geringmächtigkeit zwischen Hofen und Wasseralfingen) nicht (mehr) statt, auch sind diese Flächen weder in der prognostischen Rohstoffkarte des geologischen Landesamtes noch als schutzwürdiger Bereich für den Abbau oberflächennaher Rohstoffe oder als Bereich zur Sicherung von Rohstoffvorkommen in der Raumnutzungskarte zum Regionalplan 201 0 der Region Ostwürttemberg verzeichnet.

 

1.2. Ökologische Bedeutung, Landschaftsfunktionen

Sandauflagen auf der Höhe und vorwiegend in Opalinuston angelegte Hänge bilden im Naturschutzgebiet die Grundlage für ein vielfältiges, in sich verzahntes Nutzungsmosaik: In ebenen Lagen finden sich auf der Hochfläche nördlich Aalen-Hofen Äcker und Wiesen, die Hänge weisen durchweg Grünland- bzw. nach Norden und Westen zu Waldbedeckung auf.

Laub- und Nadelwälder, lange, vorspringende Waldränder, Quellaustritte, offenes Grünland, zahlreiche Hecken, artenreiche Gehölzbiotope, Feldholzinseln, Streuobstbereiche, Büsche, Einzelbäume sowie häufig auftretende Kleinstrukturen wie ungenutzte Raine, Böschungen, Ödlandstreifen mit überständiger Gras- und Krautschicht u.dgl. tragen darüber hinaus nicht nur zum ökologischen Wert des Naturschutzgebiets, zur Stabilisierung des Naturhaushaltes und zur Sicherung der Landschaftsfunktionen bei (Biotopfunktionen, klimatische Ausgleichsfunktion, Wasserschutz- und Frischluftentstehungsgebiet, Erholungsfunktion), sondern auch wesentlich zu Eigenart und Schönheit des charakteristischen Landschaftsbildes des Albvorlandes.

Folgerichtig dient das Betrachtungsgebiet regionalplanerisch auch als eine das Siedlungsband (Essingen- bzw.) Unterkochen-Aalen-Wasseralfingen-Hüttlingen unterbrechende, gliedernde und eine die Siedlungsgasse beidseits begleitenden Regionalen Grünzüge verbindende Grünzäsur.

 

1.3. Fauna

Die relativ extensive Nutzung der offenen Landschaftsteile mit ihrer reichhaltigen Ausstattung an Landschaftselementen (v.a. Wälder, Wiesen, Weiden, Solitärbäumen, Obstwiesen und Feldgehölzen, aber auch Einzelobjekten und vielfältigen Grenzlinien) und die damit verbundenen Habitatstrukturen gewähren besonders der Vogelwelt Nist-, Brut- und Nahrungsbiotope.

Hervorzuheben sind im Naturschutzgebiet neben zahlreichen schonungsbedürftigen Arten (darunter Sperber und Habicht) vor allem gefährdete Arten der Roten Liste Baden-Württemberg wie

Baumfalke (RL 2) und Wespenbussard (RL 3) als auf Bäume bzw. Wälder angewiesene Arten, sowie Neuntöter (RL 3), Dorngrasmücke (RL 3), Gartenrotschwanz (RL 3), Kleinspecht (RL 3) als Bewohner der Hecken und Obstbäume.

Das im Süden anschließende und das Naturschutzgebiet flächenmäßig gleichsam erweiternde, bis auf hier nicht vorkommende Waldbestandteile ähnlich strukturierte Landschaftsschutzgebiet erfüllt die Funktion eines Biotopergänzungsraums.

Für die o.g. Greifvögel stellt es ein wichtiges Nahrungsgebiet dar und die auf Kleinstrukturen angewiesene Vogelwelt findet hier einen erweiterten Lebensraum.

Bachbegleitende Staudensäume, feuchte, gehölzdurchsetzte Wiesen und Weiden geben zudem einen außergewöhnlichen Braunkehlchenbiotop (RL 2) ab, dem durch ein Grünlandumbruchverbot Rechnung getragen werden sollte.

 

1.4. Bestehende Schutzfunktionen

Innerhalb der geplanten Schutzgebiete sind bereits die Einzugsgebiete der Wasserfassungen Haldenquelle A und B sowie des Tiefbrunnens AA-Hofen fachtechnisch abgegrenzt; die Waldfunktionenkarte weist den Gehölzen im Betrachtungsgebiet Wasserschutzfunktionen zu und der Regionalplan Ostwürttemberg schreibt das Betrachtungsgebiet als Grünzäsur fest sowie als wichtige Grünbrücke zwischen den entwicklungsbandbegleitenden Teilen des Regionalen Grünzugs.

 

2. Schutzbedürftigkeit und Schutzzweck

Neben einem reichen avifaunistischen Arteninventar mit zahlreichen RL-2- und RL-3-Arten (stark gefährdet bzw. gefährdet) sowohl im Natur- wie auch im Landschaftsschutzgebiet - aufgrund einer mit ökologisch wichtigen Elementen noch ungewöhnlich reich ausgestatteten und strukturierten Landschaft sowie durch eine noch weitgehend extensive Landnutzung - zeichnet sich das geplante Naturschutzgebiet vor allem durch die relative Intaktheit des wissenschaftlich bedeutenden Sandvorkommens und als inzwischen einzige freie Untersuchungsmöglichkeit von Goldshöfer Sanden mit Kalkschotterüberdeckung aus.

Alle anderen Vorkommen der Goldshöfer Sande mit Weißjura-Kalkschotterdecke (GOW) sind infolge Überbauung nicht mehr zugänglich.

Der (überdies fossilhäufige) Geotop erhält dadurch eine besondere Bedeutung für die wissenschaftliche Forschung, Lehre und Bildung.

Gleichzeitig werden im sich stark verdichtenden Siedlungsband am Kocher im Großraum Aalen durch das Naturschutzgebiet und das ergänzende Landschaftsschutzgebiet ökologische Ausgleichs- und Freiraumfunktionen sowie ein markantes Landschaftsbild gesichert und erhalten.

Dabei kommt dem im Süden an das Naturschutzgebiet anschließende, dienenden Landschaftsschutzgebiet kleinräumig eine wichtige Pufferfunktion zu zwischen den expandierenden Siedlungsbereichen von AA-Hofen bzw. AA-Wasseralfingen und dem Naturschutzgebiet.

Schutzzweck im Naturschutzgebiet ist daher die Sicherung und der Erhalt eines relativ ungestörten Vorkommens der altpleistozänen Goldshöfer Sande mit Weißjuraschotter-Überdeckung

-als einzigartiges Zeugnis der Erdgeschichte von regionalgeologischer Bedeutung;

-als erd- und landschaftsgeschichtliches Dokument aus geowissenschaftlichen und landeskundlichen Gründen sowie

-wegen der überregionalen Bedeutung für Forschung, Lehre und Bildung;

-wegen des Erhaltungszustandes und der Fossilhäufigkeit als Reservatsfläche für künftige Forschungen;

-als Demonstrations- und Referenzobjekt;

-als bislang einziger Geotop dieser Typlokalität mit Schutzstatus; der durch die Mischung von Äckern, Weiden, Wiesen und Obstwiesen charakterisierten landwirtschaftlichen Nutzfläche mitsamt der Verzahnung des Offenlandes mit vielfältigen Gehölzstrukturen wie Waldrändern, Feldgehölzen, Hecken, Büschen und Einzelbäumen

-als Brut- und Lebensraum sowie Rückzugsgebiet z.T. stark gefährdeter Vogelarten;

-um die Leistungsfähigkeit eines ausgewogenen Naturhaushalts zu gewährleisten;

-um die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter zu erhalten,

-um die Vielfalt, Schönheit und Eigenart von Natur und Landschaft und damit auch ihren Erholungswert zu erhalten und

-um die Landschafts- und Freiraumfunktionen im Siedlungsband (Essingen - bzw.) Unterkochen - Aalen - Wasseralfingen - Hüttlingen zu sichern.

Schutzzweck im die ökologisch wichtigen Flächen vergrößernden bzw. gegen äußere Einflüsse abpuffernden, das Landschaftsbild abrundenden und dem Naturschutzgebiet somit dienenden Landschaftsschutzgebiet ist die Sicherung, der Erhalt und die Entwicklung eines beispielhaften, landschaftstypischen Ausschnitts der Goldshöfer Terrassenplatten, um die auf weitgehend extensiver Nutzung beruhende Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts zu erhalten oder zu verbessern, insbesondere die kleinklimatische Ausgleichsfunktion der landwirtschaftlichen Nutzflächen und die Freiraumfunktion im Siedlungsband Aalen-Wasseralfingen-Hüttlingen;

Nutzungsfähigkeit der Naturgüter zu erhalten oder zu verbessern, insbesondere der extensiv genutzten Wiesen, Weiden und Gehölzstrukturen als Lebensraum einer durch seltene Arten gekennzeichneten Vogelwelt sowie als Wasserschutz- und Frischluftentstehungsgebiet;

Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft zu erhalten und zu steigern, teils aus ökologischen Gründen, teils wegen ihres besonderen Erholungswertes für die Allgemeinheit.

 

3. Pflege und Entwicklung der Schutzgebietsteile

Ziel von Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in den Schutzgebieten wird einerseits der Erhalt und die Förderung der Habitatstrukturen, die Sicherung der ökologischen Ausgleichsfunktionen und der Erhalt des Landschaftsbildes sein, andererseits sind neben dem Erhalt des Geotops - der geowissenschaftlichen Bedeutung entsprechend - Forschung und Lehre zu ermöglichen.

Aus diesem Grund sind an geeigneten Stellen Demonstrations- und Referenzprofile anzulegen und als ständige Aufschlüsse offen und zugänglich zu halten.

Aufgrund der landwirtschaftlichen Nutzung sind in den geplanten Schutzgebieten keine floristischen Besonderheiten zu verzeichnen; durch die in Abständen notwendige Freilegung von Referenz- und Demonstrationsprofilen in Aufschlüssen der Goldshöfer Sande und den damit verbundenen wiederholten Bodenstörungen können der seltenen Sandflora aber immer wieder kleine, bodensaure, nährstoffarm und kalkfreie Standorte bereitgestellt werden.

Durch Bewirtschaftungsverträge (später Mähzeitpunkt, extensive Bewirtschaftung, Erhalt überständiger Grassäume mit Stauden und Kräutern, Erhalt höherer Einzelstrukturen als Warten, Pflanzen von Obstbäumen etc.) sollte die Habitatstruktur im Grünland am Mühlbach (Braunkehlchenbiotop) verbessert werden.

 

Anlage

Geowissenschaftliche Stellungnahme des Geologischen Landesamtes Baden-Württemberg zur Schutzwürdigkeit zweier Flächen mit Goldshöfer Sanden auf TK 25, Blatt 7126 Aalen v. 21.02.1996. (Anlage befindet sich bei den Akten)

 

 

 

Zusammenstellung: Steinmetz

 

 

20.10.98