2.016 Altrhein-Königsee

 

Würdigung

 

 

Die östlich des Hochwasserdammes gelegene Altrheinschlinge „Königsee" zieht sich als langer Schlauch in schwach s-förmiger Krümmung von Südosten nach Nordwesten.

Seine Tiefe beträgt im nörlichen Teil rund 5 Meter; nach Süden zu wird das Gewässer allmählich flacher.

Der im nördlichen Teil nur schmale Schilfgürtel verbreitet sich nach dieser Richtung mehr und mehr.

Ein langgestrecktes geschlossenes Röhricht schließt das Wasserbecken im Süden ab.

Dieser Teil ist ein ideales Gebiet für Sumpf- und Wasservögel.

Enten, Taucher, Bleß-, Teich- und Sumpfhühner brüten hier, ebenso die Zwergrohrdrommel und die in unserem Gebiet sehr seltene große Rohrdommel (Butaurus stallatus).

Eisvögel sind häufig.

Regelmässig stellen sich auch Fischreiher ein.

Die in der Rheinniederung lebenden Amphibien und Reptilien sind reichlich vertreten.

Bemerkenswert ist die bisweilige stattliche Größe der Ringelnatter in diesem stillen Winkel.

Das Gewässer wird fischereilich genutzt; von den Fischen, die hier gefangen werden, sind zu nennen:

Hecht, Barsch, Schleie, Aal, Karpfen, Brachsen, Karausche und andere Cyprionoiden.

Das Gewässer ist mit seinem üppigen Pflanzenwuchs ein ausgezeichnetes Laichgebiet.

Das Kleintierleben ist im ganzen Altwassergebiet reich und entwickelt.

Libellen, Eintags- und Köcherfliegen schwirren und flattern über dem Wasserspiegel.

Im Röhrricht und den angrenzenden Wiesen scheucht zu gegebener Zeit fast jeder Schritt Kleinschmetterlinge auf.

Die üppig entwickelte, sumerse Vegetation bietet mit ihrem Aufwuchs an Kiesel-Zier- und anderen Algen den hier hausenden niederen Tieren (Würmern, Schnecken, Krustern, Insektenlarven) günstige Lebensbedingungen.

Die Mikrofauna ist ungewöhnlich reich.

Nach den Erfahrungen einer nur flüchtigen Untersuchung auf Rädertiere scheint hier eine bemerkenswerte mikroskopische Welt zu leben.

So ist der Königsee der bis jetzt einzige Fundort des Rädertieres Trichotria similis (Stenroos) in Deutschland, des Weiteren die bis jetzt einzige Fundstelle der hier entdeckten Lepadella voigti (Zool. Anzeiger Bd. 94, 1931, S. 182).

Bei der gründlichen Durchforschung des Gewässers auf Mikroben sind weitere wissenschaftlich wertvolle Funde zu erwarten, sofern der derzeitige Zustand des Altwassers erhalten bleibt.

Eine empfindliche Störung des biologischen Gleichgewichts droht durch die Geflügelfarm am Ostufer.

Das Wassergeflügel hat freien Zutritt zum See, was mit der Zeit zu einer Überdüngung und damit zur Vernichtung der interessantesten Vertreter der Kleinwelt führen muß.

Die Verlegung der Farm, deren Wirtschaftlichkeit in dem unübersichtlichen, an Raubzeug reichen Gelände nur sehr gering sein dürfte, ist deshalb unbedingt notwendig.

Sie ist auch mit Rücksicht auf das Landschaftsbild erwünscht.

Ein anderer geeigneterer Ort ist in der an Gewässern reichen Gemarkung sicher nicht schwer zu finden.

Die Ostseite des Altwassers wird von Auwald begrenzt.

Die Avifauna des Rheinwaldes ist hier reich vertreten.

Im Interesse dieser und auch des Landschaftsbildes sollte ein Stück des Waldes unter Landschaftsschutz gestellt werden.

Eine Sperrung des Waldes außerhalb der Wege während der Brutzeit der Vögel erscheint geboten, um die beobachtete Störung der Vögel durch Jugendliche zu unterbinden.

Der Altrhein „Königsee" ist im Hinblick auf seinen landschaftlichen Reiz und seine interessante Lebewelt ein einzigartiges Gebiet, das durch Stellung unter Naturschutz der Nachwelt erhalten bleiben sollte.