2.020 Essigberg

 

Würdigung

 

 

Das Naturschutzgebiet Essigberg liegt im Dreieck zwischen Dietlingen im Norden, Birkenfeld im Südosten und Straubenhardt im Südwesten.

Naturräumlich gesehen befindet sich der Essigberg im „Pfinz-Hügelland", in der Übergangszone zwischen den südlich gelegenen „Schwarzwald-Randplatten" und dem sich nach Norden anschließenden Kraichgau.

Der Südwesthang des Essigberges in einer Ausdehnung von etwa 34 ha ist bereits im Frühjahr 1952 zum ersten Mal als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden.

Das neu verordnete Naturschutzgebiet ist rund 120 ha groß und umfaßt neben dem alten Naturschutzgebiet Essigberg auch das durch die neue Verordnung ebenfalls aufgehobene Landschaftsschutzgebiet „Hegnachtal und Kettelbach" und Teile des Landschaftsschutzgebietes „Kelterner Obst- und Rebengäu".

Drei wesentliche Landschaftselemente prägen das Schutzgebiet:

die feuchten Wiesentäler der Hegnach und des Kettelbaches, die den Essigberg von Süden her einrahmen,

zweitens die von den Schichten des Unteren Muschelkalks aufgebauten mäßig trockenen Hänge des Essigberges und des Altenlohs,

und schließlich die von den Böden des Mittleren Muschelkalkes bestimmten, trockenen Kuppen.

Für die Bergkuppe ist der Wald, in seiner Ausprägung unterschiedlich und abwechslungsreich, das bestimmende Vegetationselement.

Durch die traditionell betriebene, extensive Schafbeweidung entstanden weiträumige Halbtrockenrasenflächen, die laut Chronikangaben im 18. Jahrhundert aufgeforstet wurden.

Die weitverbreiteteste Waldgesellschaft ist heute die eines von Kiefern durchmischten Eichen-Hainbuchenwaldes.

In den trockenen, warmen Kalksteinhängen sind orchideenreiche Kalkbuchenwälder mit üppigem Bestand an Sträuchern und Baumjungwuchs zu finden.

Im oberen nordwestlichen Bereich befindet sich ein lichter Kiefernwald mit bis 140 Jahre alten Bäumen und von Wacholdern durchsetzt; dieser Wald dürfte auf einer früheren Schafweide stocken.

Die Täler von Hegnach und Kettelbach sind in ihren Einzugsbereichen von Sickerquellen reich durchsetzt.

Damit wird ein reichlich fließendes und kontinuierliches Wasserregime beider Täler gewährleistet.

Ihre unterschiedliche Bodenausstattung - das Hegnachtal wird von den Sanden des Buntsandsteins maßgebend bestimmt, das Kettelbachtal zeigt großflächige Vermoorungen und Versumpfungen - und die damit zusammenhängende unterschiedliche land- und forstwirtschaftliche Nutzung der Talflächen durch den Menschen prägen das jeweilige landschaftliche Erscheinungsbild.

Im Hegnachtal begleitet den Bach ein breiter Weiden-Ufersaum (Salix alba, S. fragilis, S. caprea).

Der Bestand stellt einen für die Insektenfauna besonders förderlichen Lebensraum dar.

In den Wiesen fällt eine große Anzahl Knöllchen-Steinbrech (Saxifraga granulata) und Wilder Majoran (Origanum vulgare) auf, kleinere Flächen werden von Frühlings-Fingerkraut (Potentilla tabemaemontani), Kleinem Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Kleinem Sauerampfer (Rumex acetosella) und Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) bewachsen.

Im unteren Hegnachtal präsentiert sich ein abwechslungsreiches Mosaik von teils waldähnlichen, teils verbuschten, aber auch offenen Vegetationsflächen.

Das Ufergehölz entlang des Kettelbaches, bestehend aus Erlen (Alnus glutinosa) und vereinzelten älteren Weiden (Salix spec.), ist spärlich, Schilfflächen im unteren und Seggenrieden im oberen Bereich bilden den ökologischen Schwerpunkt dieser Tallandschaft.

Einige Blütenpflanzen wie

Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi), Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Sumpf-Baldrian (Valeriana dioica) sowie Sumpfdotterblumen (Caltha palustris) deuten auf feuchte bis nasse Grünlandgesellschaften hin.

Die abwechslungsreiche Landschaft des Naturschutzgebietes „Essigberg" bietet naturgemäß eine ebenso große Vielfalt im faunistischen Bereich.

Bedeutend sind vor allem die Vorkommen von Großschmetterlingen in den Bachtälern, viele davon werden in der „Roten Liste" Baden-Württembergs als gefährdet aufgeführt.

Ihr Artenreichtum ist vor allem auf die Verzahnung von Feuchtgebieten, Halbtrockenrasen und Waldflächen zurückzuführen.

Unter den Käfern konnten unter anderem der Hirschkäfer (Lucanus cerrus) und zwei ebenfalls geschützte Rosenkäferarten (Cetonia aurata, Protosia aeuginose) nachgewiesen werden.

Auch die Spinnenfauna ist, dank der engen Verflechtung der unterschiedlichsten Lebensräume im Schutzgebiet, bemerkenswert artenreich, wobei auch hier ein Teil zu den seltenen und geschützten Arten zählt:

die Behaarte Krabbenspinne (Thomisus onustus), die vorzugsweise auf Wiesengräsern und -kräutern lebt, wo sie auf honigsuchende Insekten als Beute wartet;

die Ameisen-Springspinne (Synageles venator), die auf sonnigen Erdstellen auf Jagd geht;

die Wespenspinne (Argiope bruennichi), die vor allem auf Hochstaudenfluren und Streuwiesen lebt, wo sie ihre Netzanlagen in Sprunghöhe ihrer Hauptbeute, der Feldheuschrecke, baut.