2.066 Erlachsee

 

Würdigung

 

 

des geplanten Naturschutzgebietes „Erlachsee", Stadtkreis Karlsruhe

 

Das geplante Naturschutzgebiet „Erlachsee" liegt in der Kinzig-Murg-Rinne, einer ehemaligen Flußlandschaft, die durch Verlandung kaum noch offene Wasserflächen aufweist.

Insbesondere aber die Wälder, wie hier der unter Landschaftsschutz stehende und das geplante Naturschutzgebiet umgebende Oberwald, weisen in Teilflächen noch einen auenartigen Charakter auf.

In den Grabenrändern sind vereinzelt noch Reste der typischen Ufervegetation dieser ehemaligen Flußaue zu finden.

In diesem Gebiet war vor dem Krieg durch den Autobahnbau eine Trockenbaggerungsfläche entstanden, die ca. 2 m tiefer wie der umgebende Wald liegt.

Durch den wechselfeuchten Standort ist diese Fläche forstwirtschaftlich nicht mehr nutzbar, so daß selbst robuste Pappelarten sterben.

Hieraus ergab sich auf Anregung des Staatlichen Forstamtes Karlsruhe die Fragestellung, ob nicht im Bereich der abgestorbenen Pappeln durch vorübergehende Kiesnutzung ein differenziert gestaltetes Gewässer angelegt werden könne, an dem sich bedrohte und stark gefährdete Lebensformen von selbst wieder ansiedeln.

Dieses Planungsziel soll durch die Gestaltung der folgenden Biotoptypen erreicht werden:

1.) Durch Gliederung der Uferlinie sind gedeckte Buchten, Inseln und Halbinseln entstanden, die einer Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten verschiedene Nahrungs- und Brutbiotope bieten.

So ist durch flache Ausformung der Uferböschungen die Möglichkeit zur Bildung einer Schilfzone gegeben.

In ihr sollen eine Vielzahl von Vogelarten, Insekten und Amphibien leben u. a. auch die in der Roten Liste Baden-Württemberg als existenzbedroht aufgeführten Vogelarten wie Haubentaucher (bereits Brutvogel 1980), Wasserralle, Rohrsänger u. a. m.

Im Bereich der Baumstumpen und der überhängenden Ufervegetation finden Entenvögel geeignete Brutstätten.

So ist bereits ein Brutversuch der Reiherente erfolgt, die im Stadtkreis noch nicht nachgewiesen wurde.

Leider scheiterte dieser durch Störungen durch Erholungssuchende.

2.) Im künstlich angelegten und durch zusätzliche technische Hilfen stabilisierten Steilufer sollen Brutplätze für höhlenbrütende Vogelarten wie Uferschwalbe und Eisvogel entstehen.

Durch die starke Zunahme des Erholungs- und Angelbetriebes ist die Zahl der Uferschwalbenkolonien in der Rheinebene der Region von ehemals ca. 30 auf ca. 8-10 zurückgegangen.

3.) Durch flache, vegetationsarme kiesbeschichtete Inseln sind Brutplätze für den Flußregenpfeifer geschaffen worden, die bereits 1981 angenommen wurden.

Gerade diese Art wird sonst in nicht geschützten Gebieten durch Erholungssuchende sehr stark gestört, so daß viele Brutversuche erfolglos sind.

4.) Durch die Wasserstandsschwankungen werden mit der Schaffung von unterschiedlich tief gelegenen Flachwasserplateaus abwechselnd Schlickflächen freigelegt, die besonders attraktive Nahrungsflächen für übersommernde Watvögel darstellen.

Somit wird das Schutzgebiet ein wichtiger Trittstein für rastende Zugvögel.

5.) In der Winterzeit ist die offene Wasserfläche Überwinterungsgebiet typischer Tauch- und Schwimmenten, die bereits 1980 die neu entstandene Wasserfläche besiedelten (30 Tafelenten, 15-20 Reiherenten, Stockenten etc.).

6.) Mit der obligatorischen Überbesetzung und einseitigen Artenauswahl von vergleichbaren Gewässern mit Fischen durch Sportangler finden Amphibien, Fische und Wasserinsekten kaum noch eine natürliche ungestörte Entwicklungsmöglichkeit.

Mit dem Schutz dieser Fläche soll sich die gesamte Unterwasserfauna in einem ausgewogenen Verhältnis an Arten und Individuen entwickeln.

Erst nach dieser Entwicklung können in der später freizugebenen Erholungszone im Westteil des Gewässers die Fische „geerntet" werden, die sich von Natur aus selbst entwickelt haben.

7.) Die Formen der stillen Erholung wie Spazierengehen, Wandern und Naturbeobachtungen sollen in den hierfür ausgewiesenen Wegen und Einsichtsplattformen ermöglicht werden.

Die oben genannten Planungsziele können nur erreicht werden, wenn gerade in der Neubesiedlungsphase alle Störungen von dem Gebiet ferngehalten werden.

Der Sicherung dieses Zieles und der Abwehr der Störungen gilt jetzt der absolute Vorrang gegenüber anderen Belangen, so daß die einstweilige Sicherstellung als Naturschutzgebiet unumgänglich geworden ist.

 

 

 

E. Frey

 

 

Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Karlsruhe

 

Karlsruhe, den 28. April 1982