2.097 Unterer Neckar: Altneckar Heidelberg-Wieblingen

 

Würdigung

 

 

Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" zwischen Heidelberg und Mannheim

 

1. Größe und naturräumliche Lage

Das geplante Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" erstreckt sich zwischen Neckarwehr Heidelberg-Wieblingen und der Mündung des Neckars in den Rhein in Mannheim.

Es liegt, dem Flußlauf folgend, auf den Gemarkungen der Städte Heidelberg, Ladenburg und Mannheim sowie der Gemeinden Dossenheim, Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim und wird im Wesentlichen begrenzt durch die beidseitigen Neckardämme bzw. Neckarufer.

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" hat eine Größe von rund 753 ha, wovon rund 195 ha auf das Naturschutzgebiet und rund 558 ha auf das Landschaftsschutzgebiet entfallen.

Das Naturschutzgebiet ist in sechs Teilgebiete gegliedert:

Teilgebiet I: Altneckar Heidelberg-Wieblingen

Teilgebiet II: Altneckar Wörth-Weidenstücker

Teilgebiet III: Neckaraue zwischen Botzheimer Wasen und Wörth

Teilgebiet IV: Altneckarschleife-Neckarplatten

Teilgebiet V: Wörthel

Teilgebiet VI: Maulbeerinsel

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" liegt im Unterlauf des Neckars nach Verlassen des Odenwaldes bei Heidelberg und umfaßt drei naturräumliche Einheiten:

-Bergstraße auf den Grabenschultern

-Neckar-Rheinebene mit dem Neckarschwemmfächer und der Neckaraue sowie einem Teil der Kinzig-Murg-Rinne

-Oberrhein-Niederung

Der halbkreisförmige Neckarschwemmfächer zeigt bei einem Radius von 7 bis 14 km mit 0,8 bis 1,2 % eine äußerst geringe Neigung.

Bei seinem Austritt aus dem Odenwald besitzt der Neckar mit 1,5 % noch ein kräftiges Gefälle, das sich unterhalb von Ladenburg auf nur noch 0,1 bis 0,3 % vermindert.

Kennzeichnend für alle drei Naturraumeinheiten im Bereich des Neckars ist ihre starke agrokulturelle und technisch-industrielle Nutzung und Veränderung sowie der anhaltend hohe Siedlungsdruck und der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur.

 

2. Entstehungsgeschichte

Aufgrund der pendelnden Bewegungen des Rheins und der leichten Wölbung seiner Ablagerungen wurde der Neckar in der Eiszeit an den Odenwaldrand abgedrängt und floß als „Bergstraßenneckar" nach Norden.

Erst bei der Trebur (südlich von Mainz) mündete der Neckar in den Rhein.

Eine kürzere, direkte Mündung in den Rhein scheint zudem durch eine junge Senkung der Randrinne verhindert worden zu sein, wodurch der Neckar an das System des „Kinzig-Murg-Flusses" angegliedert wurde.

Erst in der Kiefernzeit (8 000 v. h.) erfolgte, durch die Einschneidung des Rheins bedingt (Tieferlegen der Erosionsbasis), der Durchbruch des Neckars zum Rhein bei Seckenheim (Seckenheimer Schwemmfächer).

Dieser Durchbruch bildet gleichzeitig die größte Unterbrechung des geschlossenen Hochuferrandes.

Danach schnitt sich der Neckar in seinen durch die Klimaverbesserung Ende der letzten Eiszeit (15 000 bis 10 000 v.h.) erhöhten und mit angeschwemmtem Löß überzogenen Schwemmfächer bei Ausbildung eines Hochufers u. a. zwischen Heidelberg und Wieblingen und auf dem Südufer zwischen Neckarhausen und Seckenheim ein.

Bedingt durch das starke Gefälle zwischen Heidelberg und Wieblingen/Edingen erfolgte hier die Einschneidung nach Durchbruch der Granitschwelle am Odenwaldrand in wenig gekrümmtem Lauf.

Erst unterhalb Ladenburg beginnt der Neckar stark zu mäandrieren.

Mit der zunehmenden Tieferlegung des Neckarbettes war die Sedimentation abgeschlossen.

Die quartären Ablagerungen (Altquartär: Tone und Schluffe mit kiesigsandigen Einschaltungen; Jungquartär: Sande und Kiese) nehmen im Untersuchungsgebiet von Westen nach Osten zu.

In ihnen befinden sich die ergiebigsten Grundwasserleiter.

Aufgrund der Durchlässigkeit der darauf auflagernden Deckschichten mit eiszeitlichen Sedimeten (Löß, Lehm, Sand) über unteren Schotterflächen, sind diese Grundwasserleiter durch Schadstoffeintrag stark gefährdet.

 

3. Böden und potentielle natürliche Vegetation

Die Ausbildung der Bodentypen wird bestimmt durch die Vegetation, die Wasserführung, das Relief und das Ausgangsgestein.

Am Unteren Neckar tritt als Vegetationsbodentyp der braune Steppenboden, als Naßbodentyp der junge Aueboden auf.

Aufgrund einer subborealen Trockenzeit herrschte bereits in der Steinzeit auf dem Neckarschwemmfächer Wiesensteppe mit Steppenboden vor.

Die aus jungen Aueböden hervorgegangenen Steppenböden mit lehmigem oder tonig-lehmigen A-Horizont (Humusgehalt bis 2 %) verdanken ihre Bildung dem Seckenheimer Neckardurchbruch, da die daraus folgende Grundwasserabsenkung eine stärkere Bodentrockenheit als in benachbarten Böden bewirkte.

Die jungen Aueböden im Hochwasserbereich des Neckars wurden bis in die jüngste Zeit durch regelmäßige Überschlickung weitergebildet.

Aus den Flußablagerungen (Schlick, Decklehm) und Windablagerungen (Löß, Lößlehm) der jüngeren Eiszeit bildeten sich Braunerden bzw. Parabraunerden, aus den darauf folgenden Flußablagerungen (Lehme, Sande, Gerölle) Braunerden und Gleye.

Dem entsprechend finden sich beiderseits des Neckars unterhalb Ladenburg tiefgründige Auelehme mit einem Grundwasserstand von 1 m unter Flur (!).

Die kalkreichen Aueböden des Neckars auf dem Schwemmfächer bilden tiefgründige Schwarzerden auf Schwemmlöß mit lehmigem, humosem Oberbodenhorizont.

Nach Norden und Süden schließen sich Parabraunerden mit lehmig-sandigen Oberbodenhorizonten an.

In den alten verlandeten Neckarschlingen finden sich auf kiesig-sandigem Untergrund lehmige, stellenweise stark humos bis anmoorige Böden.

Die potentielle natürliche Vegetation der Auen am Unteren Neckar besteht aus Schilfröhrichten und Weidenauen, untermischt mit Ulme und Eiche als Standortstypen der Hartholzaue.

 

4. Biotoptypen und -strukturen

Trotz der teilweise starken technischen Überformung des Naturraumes und des engeren Bereiches des Natur- und Landschaftsschutzgebietes „Unterer Neckar" sind im Gebiet noch Biotope und Biotopstrukturen vorhanden, die die ehemalige Dynamik und Vielgestaltigkeit von Fluß und Auelandschaft erkennen lassen.

So lassen sich für den Bereich des Flusses ausmachen:

-Inseln, Sand- und Kiesbänke, unterschiedliches Sohlenprofil, Uferzonen mit Flach- und Stillwasserbereichen, Prallufer mit Uferabbrüchen, Gleitufer etc.

Im Uferbereich treten an Pfanzengesellschaften immer wieder hervor:

-Schwimmblattgesellschaften, Röhrichtbestände, Weidenau;

Im Dammbereich und Dammvorland wechselt die Vegetation zwischen

-Weidenaue, großflächige Wiesenbereiche feuchter Standorte, Halbtrockenrasen an Dämmen.

Dieses ungewöhnlich breite Spektrum verschiedenster Lebensstätten weist das geplante Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" als ökologische Regenerationszone besonderer Qualität aus, die wegen ihrer Seltenheit in unserer stark technisch strukturierten Landschaft einer nachhaltigen Sicherung und Entwicklung bedarf.

Neben diesem mehr raumstrukturellen Aspekt diverser Biotoptypen ist auch der zeitliche Wechsel in den Biotopen selbst zu erwähnen, der sich in Teilen des Gebietes unter dem Einfluß der ehemals natürlichen Flußdynamik noch heute verfolgen läßt.

Die besondere Bedeutung dieses dynamischen Geschehens ergibt sich aus einem eng benachbarten, reich gegliederten Mosaik sehr verschiedener Kleinleberäume.

Dieses Mosaik wiederum bietet einer Vielzahl stark vernetzter, artenreicher Lebensgemeinschaften Raum und Entwicklungsmöglichkeiten.

Bei den Faktoren, Dynamik und Diversität, muß mit einer angemessenen Schutzkonzeption Rechnung getragen werden.

 

5. Vegetation

Dem bereits dargestellten, reich gegliederten Mosaik an Standorten entspricht ein vielgestaltiges Spektrum von Pflanzengesellschaften und Vegetationseinheiten:

In den Flachwasserzonen und Stillwasserbereichen des Neckars finden sich:

-Laichkrautgesellschaften (Potamogetum) mit verschiedenen Laichkrautarten wie Potamogetum natans, P. pectinatus;

-Seerosengesellschaften (Myriophyllum-Nupharetum) mit der Gelben Seerose (Nuphar luteum), am besten entwickelt im NSG-Teilgebiet II „Altneckar Wörth-Weidenstücker";

-Schilf-Röhrichtgesellschaften (Phragmitetum), am ausgebreitesten entwickelt vor dem Stauwehr Ladenburg.

Auf den Sand- und Schotterinseln im Flußbereich finden sich, sofern sie nicht aufgrund der Flußdynamik vegetationslos sind, Weidendickichte mit üppig entwickelter, krautiger Vegetation.

Die Gehölzbestände der Weidenaue bestehen aus bis zu fünf Weidenarten:

Bruchweide (Salix fragilis), Purpurweide (S. purpurea), Silberweide (S. alba), Korbweide (S. viminalis) und Mandelweide (S. triandra).

Ihre artenmäßige Zusammensetzung ist wechselnd.

Daneben sind zu finden:

-Silberpappel (Populus alba), Schlehe (Prunus spinsa), Weißdorn (Crataegus monogyna), Hundsrose (Rosa canina).

Diese relative Artenarmut an Gehölzen im Wasserbereich ist auf wasserbauliche Pflegemaßnahmen zur Offenhaltung des Neckars als Schiffahrtsstraße zurückzuführen.

Eine mit diesen Zielen übereinstimmende Neuansiedlung von Gehölzen sollte unbedingt angestrebt werden (insbesondere an höheren, von Hochwassern kaum erreichten Stellen).

Außerdem sollten, wo möglich, die Steinufer am nichtschiffbaren Neckar durch Naturverbauung (u. a. Pflanzung von Schwarzerlen) ersetzt werden.

 

6. Fauna

Wie den gutachterlichen Faunen-Artenlisten zu entnehmen ist, wird das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" von einer artenreichen Fauna bewohnt.

Am besten untersucht ist die Avifauna in den verschiedenen NSG-Teilgebieten.

Bisher wurden im Gebiet 151 Vogelarten beobachtet, davon brüten im Gebiet 65 Vogelarten, als Dauergäste benutzten das Gebiet 91 Arten, andere 65 Arten sind Wintergäste und 56 Arten sind Durchzügler.

Den Gefährdungsklassen nach der Roten Liste sind unter anderem der

Klasse A 1.2 = 16 Arten,

Klasse A 3.  =  9 Arten,

Klasse A 4.  =  5 Arten zuzuordnen.

Vom Aussterben bedroht sind unter anderem folgende im „Unteren Neckar" anzutreffenden Vogelarten:

Flußuferläufer (Zugvogel Z, Nahrungsgast G), Blaukehlchen (Z), Zwergdommel (Brutvogel B), Wanderfalke (G), Kampfläufer (G), Bruchwasserläufer (Z).

Als stark gefährdet gelten:

Drosselrohrsänger (Z), Flußseeschwalbe (Z), Gänsesäger (Überwinterer W und Z), Rotschenkel (Z), Brachvogel (Z), Hohltaube (Z), Rebhuhn (B, W).

An gefährdeten Arten sind anzutreffen:

Eisvogel (B), Wasserralle (B), Wespenbussard (Z), Schwarzmilan (G, Z), Wendehals (Z) und andere.

Dies zeigt die Bedeutung des Neckars für die Vogelwelt in mehrfacher Hinsicht:

-als Brutbiotop verschiedener Vogelarten feuchter Standorte sowie der uferbegleitenden Gehölze;

-Nahrungsbiotop aller Vogelarten mit einem reichen Angebot vielfältiger Nischen;

-Ruhebiotop für Zugvögel („Trittstein"-Funktion);

-Überwinterungsbiotop, vor allem für Wasservögel, aber auch für Vögel der meliorierten angrenzenden Feldflur;

-Rückzugsgebiet für gefährdete Vogelarten: insgesamt können 51 der vorkommenden Vogelarten von Gefährdungskategorien erfaßt werden, das sind 33 % aller vorkommenden Vogelarten.

Aus diesen Gründen ist es unerläßlich, Schutz, Pflege und Entwicklungsmaßnahmen im Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" auf die Notwendigkeiten des Artenschutzes abzustimmen (u. a. Betreten, Pflegemaßnahmen, Angeln, Jagd, Bootsport).

Über andere Tiergruppen liegen noch keine derart ausführlichen Erhebungen vor.

Doch läßt sich aus dem bisher Vorliegenden sagen:

-9 Spinnenarten wurden allein im NSG-Teilgebiet I „Altneckar Heidelberg-Wieblingen" gefunden;

-10 Libellenarten, darunter an Bestand gefährdete Arten wie die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) und die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) wurden im NSG-Teilgebiet II „Altneckar Wörth-Weidenstücker" gefunden;

-auch die Schmetterlingsfauna in allen Teilgebieten enthält gefährdete Arten z. B. Großer Fuchs (Nymphalis polychlorus).

Dies ist besonders dem in den NSG-Teilgebieten vorwiegend noch erhaltenen, naturnahen Uferbewuchs mit Weidengürtel und Gehölzstreifen sowie Vorlandwiesen und Dämmen zu verdanken.

Dort bietet sich einer artenreichen Kleintierwelt gute Ernährungs- und Fortpflanzungsmöglichkeiten.

Pflegemaßnahmen müssen hier einen diese Diversität unterstützenden Charakter besitzen.

 

7. Kulturgeschichtliche Entwicklung und Bedeutung

Bereits zum Ende der Eichenmischwaldzeit bestand auf dem Neckarschwemmfächer eine dichte Besiedlung.

Neolithische Funde im Zusammenhang mit der Verbreitung von Steppenböden lassen den Schluß zu, daß bereits vor der Ankunft der ersten Ackerbauern das Gebiet der Braunen Steppenböden weitgehend waldfreie Wiesensteppe war.

Der Übergang zum Ackerbau in der Jungsteinzeit bedeutete gleichzeitig den ersten landschaftsgestaltenden Eingriff des Menschen.

Bis in die Römerzeit dürfte sich der Siedlungsraum auf dem Neckarschwemmfächer nur wenig verändert haben.

Genaue Angaben über Siedlungsvorgänge existieren erst für die alemannisch-fränkische Landnahme.

Insbesondere der Lorscher Codex (8. Jahrhundert) belegt, daß in dieser Zeit bereits alle bedeutenden Orte auf dem Neckarschwemmfächer bestanden.

Nach Abschluß der spätmittelalterlichen Wüstungsperiode (vorwiegend Ortswüstung) zeigt der Neckarschwemmfächer im Wesentlichen das Bild zu beginn des 20. Jahrhunderts.

Die heutige Ackerflur ist aufgrund der historischen Realteilung stark parzelliert und wird ackerbaulich insensiv genutzt (Getreide, Körnermais, Zuckerrüben, Tabak, Feldgemüse, Obstplantagen), in feuchten Auen und Stillwasserabsätzen auch Grünlandnutzung.

Bereits im 2. und 3. Jahrhundert u. Z. betrieben die Römer Schiffahrt auf dem Neckar.

Dennoch mäandrierte der Neckar noch im 17. Jahrhundert zwischen Mannheim und Feudenheim unter Bildung eines großen „S" sehr stark.

Ältere Begradigungsversuche (Durchstiche durch Schlingen) sind aus der Römerzeit überliefert.

Zwischen 1660 und 1690 wurden weitere Durchstiche unternommen.

Unter Kurfürst Karl-Theodor wurde der Lauf des Neckars zwischen Mannheim und Feudenheim begradigt (1790).

Als einzige (!) alte Neckarschlinge ist bis heute der Neckarbogen bei Ilvesheim erhalten geblieben, trotz des zwischen 1920 und 1929 erfolgten Ausbaus des Neckars zur Schiffahrtsstraße.

Als einzigartiges Kulturdenkmal ist die Maulbeerinsel im Stadtgebiet von Mannheim zu erwähnen, die von den immer wieder unternommenen Versuchen der Seidenfabrikation unter verschiedenen Kurfürsten zwischen 1690 und 1850 Zeugnis ablegt.

 

8. Entwicklung des Gebietes

Pflege und Entwicklung des Gebietes stehen in Funktion der naturräumlichen Voraussetzungen einerseits und der Möglichkeiten andererseits, die der stark genutzten Flußaue blieben.

Ein erster Schritt für eine sinnvolle Entwicklung des Natur- und Landschaftsschutzgebietes „Unterer Neckar" ist dessen Gliederung in Teilgebiete mit differenziertem Schutzzweck, Verboten und Geboten sowie Pflege- und Gestaltungsmaßnahmen.

Ein Pflege- und Entwicklungsplan muß versuchen, die oft sich widerstrebenden Interessen im Sinne einer integrativen Entwicklung des Gebietes zusammenfassen.

Notwendig ist auch, klare Rgelungen für die bisher ungelenkten Nutzungen am Fluß zu verwirklichen.

Dies gilt für Verbote und Gebote des Betretens, Befahrens zu Land und Wasser (vor allem Uferzonen und Inseln), Vorschriften für schonende Jagd, Angelsport und andere wassergebundene Freizeitaktivitäten, vor allem in den NSG-Teilgebieten.

Diese Regelungen kommen vor allem dem Artenschutz zu gute und sind so auch an ihm orientiert.

Ebenfalls bedürfen die nach unterschiedlichem Recht durchgeführten Pflegemaßnahmen (u. a. Wasserrecht) einer integrativen Regelung im Sinne eines Pflegeplanes, wobei vor allem anzustreben ist, die Maßnahmen außerhalb der Brutperiode der verschiedenen Vogelarten und auch Amphibien sowie nach Kriterien des naturnahen Gewässerunterhalts durchzuführen.

Auch sollte eine Bündelung vor allem der Bootsliegeplätze im Neckar, wie auch anderer baulicher Einrichtungen derartiger Freizeitaktivitäten (Jagd, Angeln) angestrebt werden.

Die Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sollten den unter Kapitel „Vegetation" und „Fauna" bereits angedeuteten allgemeinen Grundlinien folgen.

Das gesamte Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" bietet gute Voraussetzungen, durch eine entsprechende Entwicklung das Bestehende zu erhalten und ihm weitere Lebensstätten der bedrohten Pflanzen- und Tierwelt zuzufügen.

Eine Beruhigung des Gebietes im Sinne des Artenschutzes wird zweifelsohne auch die Gesamtzahl der Arten und Individuen gefährdeter Pflanzen und Tiere ansteigen lassen.

 

10. Zusammenfassung

Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" folgt weitgehend dem Unterlauf des Neckar zwischen Heidelberg und Mannheim.

Neben Resten naturnaher Flußaue (geschützt als Naturschutzgebiet) weist das Gebiet auch trotz stark technisch-kultureller Überformung noch schützenswerte landschaftliche Aspekte auf (geschützt als Landschaftsschutzgebiet).

Die Diversität der Pflanzengesellschaften wird ergänzt und angereichert durch eine in Teilen noch bestehende Flußdynamik, die zu einer dauernden Umgestaltung dieses reich gegliederten Mosaiks beiträgt.

Neben anderen Tiergruppen ist das NSG/LSG „Unterer Neckar" besonders für die Vogelwelt von enormer Bedeutung als Brut-, Rast-, Flucht- und Überwinterungsbiotop.

Vor allem für Zugvögel stellt es einen  „Trittstein" auf ihren Wanderungen dar.

Die seit der Eichenmischwaldzeit nachgewiesene Besiedlung des Gebietes und seines Naturraumes stellt überdies ein wertvolles, kulturhistorisches Zeugnis dar.

Die angestrebte Konzeption eines kombinierten Natur- und Landschaftsschutzgebietes sollte mit einem integrativen Pflege- und Entwicklungsplan abgesichert werden und würde so zu einer sinnvollen Entwicklung des Gebietes selbst und seiner es bevölkernden Pflanzen- und Tierwelt beitragen.

 

 

 

Robert Dilger

 

 

Karlsruhe, 26. März 1985