2.104 Fritschlach

 

Würdigung

 

 

des geplanten Naturschutzgebietes „Fritschlach", Stadtkreis Karlsruhe

 

1. Naturräumliche Lage, Begrenzung und Größe

Das geplante Naturschutzgebiet (NSG) „Fritschlach", Stadtkreis Karlsruhe-Daxlanden, liegt im Naturraum „Nördliche Rheinaue" und umfaßt im Kern die Feuchtgebiete der ehemaligen Rheinschlinge und deren angrenzenden bedeutenden Randbiotope.

Begrenzt wird es im Norden durch die Hermann-Schneider-Allee und den alten Federbach, im Osten durch den Hochgestaderand.

Es bezieht die unterhalb des Gestadeabruches liegenden Feuchtgebiete im Westen mit einer ehemaligen Kiesgrube und den alten Federbach mit ein.

Der Nordteil des Schutzgebietes umfaßt die sogenannten Saumseen als ehemalige Tongruben und die angrenzenden Röhricht- und Weichholzzonen.

Es liegt auf Gemarkung Karlsruhe des Stadteiles Daxlanden und hat eine Größe von ca. 83 ha.

 

2. Entstehungsgeschichte und Funktion des Schutzgegebietes

Aufgrund des geringeren Rheingefälles (ca. 0,4 %) ab der Murgmündung bildete der Rhein ein Gleichgewicht der Schutzzu- und abfuhr, so daß sich die großen Flußmäander ausbildeten.

Noch nach dem Dreißigjährigen Krieg ist zu diesem Zeitpunkt diese Rheinschlinge unterhalb des Hochgestades von Daxlanden als Salmengrund beschrieben, so daß hier der am weitesten östliche Verlauf des Rheines nachvollziehbar ist, durch die klare Ausprägung der Erosionskante des Hochufers als sogenanntes Hochgestade, im Volksmund hier „Hamm" genannt.

Am Sporn dieser und der nächsten Rheinschlinge bildete sich das Fischerdorf Daxlanden, um die Rheinfische, allen voran den sehr geschätzten Salm oder Lachs zu fangen.

Unterhalb des Hochufers vermoorte der Rheinbogen und bildete die Vielgestalt der typischen Altaue mit ihren Verlandungsgesellschaften aus, wie wir sie heute vorfinden.

Im Norden des Schutzgebietes hat sich aufgrund der im Verlandungsprozeß des Altrheines sich anlagernden Sedimente Ton und Lehm gebildet, der schon früh als Baustoff für die Ausfüllung der Fachwerke (sogenannte Loimewickel) gewonnen wurde.

Später nach dem Ende des 70er Krieges bis Ende des 1. Weltkrieges sind die sogenannten Saumseen durch die Entnahme von Lehm und Ton durch drei Ziegeleien entstanden.

Durch diese Eingriffe konnte sich in Verbindung mit den bestehenden Restbiotopen noch die Tier- und Pflanzenwelt erhalten, die heute besonders schutzwürdig ist.

Diese seinerzeit aufgrund einer Ausbeute entstandene Biotopregenerierung muß heute als gezielte Pflegemaßnahme fortgesetzt werden, um die bestehende Biotopvielfalt zu sichern, da sich seit der Tulla´schen Rheinregulierung 1870 folgende Veränderungen vollzogen haben:

Die Strömungsgeschwindigkeit erhöhte sich durch die Verkürzung des Stromverlaufes.

Das früher ca. 2 km breite Flußbett mit Überschwemmungsflächen verringerte sich auf 200 m und der eigentliche Auenbereich, der jährlich durch Hochwasser überflutet ist, verringerte sich von ca. 10 km Breite auf einen ca. 1 km breiten Streifen.

Das geplante Schutzgebiet liegt in vollem Umfang in der heute als Altaue zu bezeichnenden Zone zwischen dem Hochwasserdamm und dem alten Erosionsufer, dem Hochgestade.

Zweifellos fehlen in der Altaue die für die Flußdynamik charakteristischen Biotoptypen wie Kiesinseln, Steilufer etc.

Hierin ist aber auch der Vorteil für die Lebensgemeinschaften zu sehen, daß ihre Standorte noch durch ständige Hochwasser zerstört werden und somit als ideale Regenerationsbereiche für die verbliebenen Auenlebensformen dienen.

 

3. Die Pflanzengesellschaft des Schutzgebietes

Entsprechend der Abhängigkeit vom Grundwasserstand und dessen für die Altaue typischen starken Schwankungen hat sich folgende Zonierung entwickelt:

-submerse, untergetauchte Wasserpflanzen: Laichkrautgesellschaften

-Schwimmblattgesellschaften

-Röhrichtgesellschaften

-Wälder und Gebüsche a. Weichholzzone b. Hartholzzone c. Stileiche-Hainbuchenwald

-Grünland und Saumgesellschaften

In seiner unmittelbaren Stadtnähe kann das Gebiet aufgrund der Vielfalt seiner Pflanzengesellschaften, seines Artenreichtums und der Zahl gefährdeter Arten als einzigartig im engeren Karlsruher Raum, in unmittelbarer Siedlungsnähe, gelten.

Im Einzelnen werden die Pfanzengesellschaften wie folgt bewertet:

Vegetation der Stillgewässer

Im künstlichen Baggersee und den Restgewässern des Altrheins sowie den ehemaligen Tongruben hat sich eine reichhaltige Schwimmblattflora ausgebildet, wo noch neben den größeren Beständen der Gelben Mummel (Nuphar lutea) auch die gefährdete Weiße Seerose (Nymphaea alba) auftritt, als Anzeiger guter Wasserqualität.

Die untergetauchten Wasserpflanzen der Laichkrautgesellschaften treten im südlichen Teil der Saumseen durch die Arten wie das Quirlblütige und Ährige Tausendblatt (Myriophyllum verticillatum, M. spicatum), Tannenwedel (Hippuris vulgaris) und Durchwachsenes und Glänzendes Laichkraut (Potamogeton perfoliatum, P. lucens) aus.

An den Rändern dieser Stillgewässer können stellenweise die seltenen Wasserschlauchgesellschaften mit Vorkommen von Echtem und Verkanntem Wasserschlauch (Utricularia vulgaris, U. neglecta) auftreten.

In den Randzonen dieser Stillgewässer, an den flachen Uferbereichen, im Wasserstandsschwankungsbereich, insbesondere als Bodenverdichtungsanzeiger tritt die seltene Rundblättrige Minze (Mentha suaveolens) auf.

Insbesondere im östlichen Bereich des geplanten Schutzgebietes sind durch Wasserverschmutzung die Schwimmblattgesellschaften stark zurückgegangen.

In den kleinen flachen Tümpeln innerhalb des Schilfröhrichts sind Binsen- und Riedbestände nachgewiesen, so

Sumpfbinse (Eleocharis palustris), Spitzblütrige Binse (Juncus articulatus), Sumpfschachtelhalm (Equisetum palustre) und Gelbe Schwertlilie (Iris pseudacorus) die hier als Charakterarten zu werten sind.

In den tieferen Stellen der Dauergewässer hat der Froschlöffel (Alisma plantagoaquatica) seinen Lebensraum.

Vegetation der Fließgewässer

Eine große Streuung verschiedener Fließgewässertypen vom bewachsenen Entwässerungsgraben bis zum raschfließenden Federbach bereichert die Pflanzenartenvielfalt durch das Vorkommen von Charakterarten wie Wasserkresse (Nasturtium officinale) wo auch Wasserlinsenteppiche und am Uferrand gedeihende Seggenarten zu finden sind.

Im Federbach selbst hat sich, bedingt durch die Wasserverschmutzung, ein dichter Wassersternbewuchs (Callitriche spec.) angesiedelt, wobei weitere Anzeigenarten auf das Einleiten von Schmutzwasser hinweisen.

Röhrichte und Großseggen

Röhrichte und Großseggenbestände stellen den flächenmäßig größten Anteil der Feuchtgebiete dar und sind in trockenerer Ausprägung bis zum wasserunterstandenen Bestand vorhanden.

Innerhalb der Röhrichte sind in offenen Stellen Arten der Feuchtwiesen (Molinion) zu finden, die mitunter auffällige Arten wie die Holmorchidee (Orchis militaris), Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) auf mageren kalkhaltigen Standorten enthalten.

In dem Umgebungsbereich der ausgeprägten Schilfbestände sind Charakterarten von Kleinröhrichten wie

die seltene Scheinzyperngrassegge (Carex pseudocyperus), Wasserschierling (Cicuta virosa) und Wasserfenchel (Oenanthe aquatica) nachgewiesen.

In den großflächigen Schilfbeständen selbst und an den Rändern der Fließgewässer sind vereinzelt Ausbildungen der Großseggenrieder mit ihren Charakterarten unter anderem dem gefährdeten Sumpfhaarstrang (Peucedanum palustre) ausgebildet.

Vereinzelt treten sporadisch auf feuchten, offenen Böden an den Rändern der Tümpel oder auf feuchten Brachen Zwergpflanzenfluren auf.

Weiden- und Schwarzerlenbestände

Die Weidengebüsche sind neben den Röhrichten die verbreitetsten Pflanzengesellschaften in der Fritschlach, als Folgegesellschaft der ehemaligen wechselüberfluteten Silberweidenaue.

Reste dieser landschaftlichen Charakterart sind entlang des Federbaches zu finden.

Durch die fehlende Überschwemmung und Entwässerung breiten sich zunehmend die Buschweiden aus, gefolgt von Ruderalarten, was gelegentlich den Eingriff des Menschen zur Erhaltung der Schilfbestände erforderlich macht.

Westlich des Federbaches stocken auf den feuchten Böden Korbweidengebüsche mit der charakteristischen Krautschicht.

Weiden-Erlen-Mischgesellschaften mit Birke stellen den Übergang zu den Laubwaldgesellschaften her.

Laubwaldgesellschaften

Laubwaldgesellschaften sind unter anderem im Daxlandener Wald als Eichen-Hainbuchen-Wälder feuchter Ausbildung aus der ehemaligen Hartholzaue der Rheinschlinge hervorgegangen.

Weiter östlich herrschen jüngere, aufgeforstete, gleichaltrige Bestände der Edellaubholztypen vor, die stark forstlich beeinflußt sind.

Erwähnenswert sind noch eichen-hainbuchenartige Gesellschaften zwischen Hochgestade und Federbach, die teils durch den Erlenbuchenwald zu dem feuchten, teils durch die Robinie vom trockeneren Standort beeinflußt sind.

Wiesen

Durch die Bewirtschaftungsart und -intensität haben sich verschiedene Wiesengesellschaftstypen von der Feuchtwiese zur zweischnittigen Wirtschaftswiese bis zum trockensten Standort am Hochwasserdamm entwickelt.

Letzterer kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie Standort gefährdeter Pflanzenarten ist wie Vorkommen der Spargelschote (Tetragonolobus maritimus) und Traubenhyazinte (Muscari racemosus).

In dem ehemaligen Auenbereich sind feuchtigkeitsliebende Wiesengesellschaften verbreitet wie Kohldistel-Glatthafer-Wiese.

An vernäßten Standorten sind Übergänge zu Binsenwiesen erkennbar.

Letztlich sind die Pflanzengesellschaften der Äcker und Gärten erwähnenswert, wo sich insbesondere im östlichen und südlichen Gebiet der Fritschlach die charakteristischen Pflanzengesellschaften ausgebildet haben.

Zur Vegetation gilt es zusammenfassend festzustellen, daß aufgrund der hohen Biotopvielfalt von dem naturnahen Vegetationselement an Stillgewässern, Verlandungszonen, bruchartigen Wäldern, Weidenbeständen und Eichen-Hainbuchen-Wäldern bis zu den neu hinzugekommenen, von Menschen geschaffenen Standorten wie z. B. der Hochwasserdamm schon allein aus botanischer Sicht die Fritschlach naturschutzwürdig ist.

 

4. Die Tierwelt des Schutzgebietes

Zweifellos ist in der Erhaltung und Regenerierung des Tierbestandes ein weiterer Schwerpunkt der Schutzbemühungen zu suchen.

Hier zeichnete sich ein leider deutlich nachvollziehbarer Artenrückgang auf, dem mit den Schutzbemühungen entgegengetreten werden soll.

Hier ist ein wesentlicher Schutzzweck für die Bevölkerung und die Tierwelt unserer Rheinaue, als Bestandteil ihres Rechts auf Naturerlebnis im städtischen Ballungsraum erlebbar, zu erhalten.

Dies gelingt jedoch nur, wenn der Tierwelt Rückzugsflächen gesichert werden, um bei der positiven Erfahrung der ungestörten Nachkommensanzucht wieder Vertrauen zum Mensch zu erlangen.

Hierdurch können auch die sensiblen Arten z. B. vom Saumweg beobachtet und erlebt werden, so z. B. den Kleinreiher Zwergdommel - eine Besonderheit, wie sie aus solcher Nähe selbst in den bedeutendsten Naturschutzgebieten kaum sichtbar ist.

Dieser außergewöhnliche Wert als naturkundlicher Anschauungsbereich für die Bevölkerung bedarf dringend einer verstärkten Sicherung durch die Naturschutzverordnung und bedeutet zweifellos Einschränkungen für bisher wahrgenommene Rechte Einzelner.

So sind bedauerlicherweise zwei besondere Brutarten, der Schilfrohrsänger seit 1963 und der Drosselrohrsänger seit 1972, nicht mehr ansässig.

Das vertrauliche Verhalten einzelner Arten, die sich nicht stören lassen, wie Bläßhuhn, Teichhuhn und halbzahme Enten, dürfen nicht über die bereits eingetretene Vitalitätsminderung des Gebietes hinwegtäuschen.

Im Einzelnen ist der Tierbestand entsprechend den Biotopansprüchen auf spezielle, zum Teil eng begrenzte Feuchtbiotopbereiche spezialisiert:

Amphibien

Von 19 in der Bundesrepublik nachgewiesenen Amphibienarten leben 11 im Bereich des geplanten Schutzgebietes.

Gerade diese Tiergruppe kann gezielt durch die Anlage von tümpel- oder grabenartigen fischfreien Kleingewässern gefördert werden.

Dies ist jedoch nur sinnvoll, wenn die die Laichbiotope umgebenden Nahrungsbiotope nicht zusätzlich durch Biozide belastet sind, da hierdurch Amphibien wegen der besonderen Hautempfindlichkeit extrem gefährdet sind.

Vögel

Von den über hundert beobachteten Vogelarten des Gesamtgebietes ist die Palette der typischen Rheinauearten mit ihren verschiedenen Brutbiotopen besonders hervorzuheben, wo je eine Charakterart benannt werden soll:

Geschlossenen, ungestörte Schilfbestände mit angrenzenden Wasserflächen als Nahrungsbiotop: hier hat die Zwergrohrdommel, eine vom Aussterben bedrohte Art Baden-Württembergs ihren Brutplatz.

Wenn sie z. B. einen der Saumseen überfliegt, um zu einem anderen Rohrstreifen zu gelangen, fallen auch dem ungeübten Beobachter besonders beim Männchen die weißlichen Flügeldecken auf, die zu der schwarzen, grün schillernden Oberseite in scharfem Kontrast stehen.

Weitere an Röhricht gebundene Arten: Teichrohrsänger, Rohrammer u. a. m.

Am Übergang von Röhricht zum Wasser, insbesondere an den Laichkraut- und Schwimmblattgesellschaften ist der Lebensraum der Rallen.

Auffällig und vertraut sind die Bläß- und Teichralle, selten zu beobachten und stark gefährdet ist die Wasserralle.

Die in diesem Biotop ebenso früher vorkommenden Taucherarten, der Zwerg- und Haubentaucher ist, wenn überhaupt, so doch nur noch sporadische Brutvögel.

Mit der Verwirklichung des Sanierungskonzeptes kann mit ihrer Wiederbesiedlung gerechnet werden.

Von gleicher Bedeutung ist das geplante Schutzgebiet als Nahrungsbiotop für mindestens 25 Arten die regelmäßig beobachtet wurden.

Hervorzuheben sind hier z. B. die Gruppe der Greifvögel wie

Rohrweihe, Schwarzmilan, Sperber, Habicht, Turmfalke und Mäusebussard.

Auch wenn ihre Brutplätze überwiegend im benachbarten Rheinauewald gelegen sind, ist ihre weitere Existenz von dem Fortbestehen des Nahrungsangebotes der Fritschlach abhängig.

Hier wird die ökologische Verknüpfung der einzelnen Landschaftselemente im Sinne des Biotopverbundsystems deutlich.

Die Feuchtgebiete der Rheinaue und ihre Randbiotope sind wichtige Trittsteine unserer Zugvögel sowie bedeutende Winterquatiere der Teilzieher.

Letztere finden in unserer relativ schneearmen Rheinaue ein hohes Nahrungsangebot.

Diese Gäste aus Skandinavien und den Ostgebieten täuschen uns oft eine hohe Bestandsdichte bei Greifvögeln und Graureihern vor.

Andererseits stellen diese Gäste das Potential einer hoffentlich möglichen Wiederbesiedlung verschwundener Arten dar, wenn deren Brutbiotope wieder hergestellt werden können.

Die Insektenwelt des Schutzgebietes

Auch hier trägt die überdurchschnittliche Biotopvielfalt zu dem besonderen Artenreichtum bei, wobei insbesondere die folgenden Biotoptypen und -strukturen bedeutsam sind.

Im Rahmen der Biotopkartierung 1981 wurden Erfassungen der Insektengruppe, wie Libellen, div. Käferfamilien, Hautflügler, im Bereich der Fritschlach durchgeführt.

Obwohl diese aufgrund der kurzen Untersuchungszeit nur unvollständigen Charakter besitzen können, erwies sich das Untersuchungsgebiet als sehr artenreich.

Bedeutsam sind insbesondere die folgenden Biotope bzw. -strukturen:

Wasserflächen: vorhanden als Teiche oder als wasserführende Gräben.

Entwicklungsraum aller Libellenarten (Crocothemis eryhrea ist Vermehrungsgast, Calopteryx splendens, gefährdet laut Rote Liste BW v. a. an den Gräben).

Schilfbereiche: Schilfhalme sind Nisthabitat von Stechimmen wie z. B. Prosopis pectoralis (Maskenbiene, stark gefährdet) oder Überwinterungshabitat von Laufkäfern.

Schilfwiesen, Naßbrachen: Entwicklungslebensraum vieler feuchtigkeitsliebender Insektenarten wie z. B. der besonders geschützten Carabusarten C. granulatus, C. cancellatus. Nahrungsbiotop für Libellen, Hautflügler etc.

Begleitvegetation der Wassergräben (Schilf, Saumpflanzen): Ebenfalls Lebensraum feuchteliebender Insektenarten, z. B. Stenolophus mixtus (Carabidae, gefährdet), Nahrungsbiotop für viele flugfähige Insekten (Hornisse, gefährdet), viele Wildbienenarten (alle besonders geschützt), auch Käfer (Trichius sexualis = Pinselkäferart, stark gefährdet).

Altholzstrukturen: (alte Pappeln, Obstbäume etc.): Nistgelegenheit für altholzbewohnende Insekten wie z. B. viele Wildbienen (Mauerbienenarten), oder solitäre Wespenarten (Psenulus fuscipennis).

Entwicklungslebensraum vieler bedrohter Käferarten, auch Überwinterungsquatier von Lau

Umliegende Waldbereiche: zu diesen bestehen vielfache Wechselbeziehungen.

Höchste Aktivitätsdichte von Lederlaufkäfer (Carabus coriaceus), Vorkommen von Carabus nemoralis (beide Laufkäferarten sind aufgrund ihrer ökologischen Bedeutung besonders geschützt).

Der vorhandene Artenreichtum, darunter viele standorttypische Arten (Stenolophus mixtus, gefährdet), Große Königslibelle etc. ist bedingt durch das Vorhandensein aller erwähnten Biotop(teil)typen.

Daher sollten auch alle diese erwähnten Bereiche erhalten bzw. erweitert und besonders geschützt werden.

 

5. Gefährdung, Pflege und Ausblick

Durch die Funktion als Naherholungsgebiet ist die Fritschlach wesentlich stärkeren Belastungen ausgesetzt als andere stadtfernere Auengebiete.

Der Saumweg im Norden ist besonders stark belebt, so daß sich negative Einflüsse der Besucher, Spaziergänger und an den Anglerplätzen durch das Auftreten von Trittschäden entlang der Tongrubenufer nachweisen lassen.

An manchen Stellen, die zum Füttern von Wasservögeln geeignet sind, wurde das Schilfröhricht zum Teil völlig verdrängt, es breiten sich Trittpflanzengesellschaften aus oder die Vegetation stirbt ab.

Unter dem Verlangen sich zu vereinzeln, um ungestörte Natur zu genießen, wurden zunehmend auch die dem Saumweg gegenüberliegenden Uferseiten als stille Angelplätze genutzt.

Diese Störung „wider Willen" beeinflußt wesentlich die Bestände empfindlicher Tier- und Pflanzenarten.

Hinzu kommen die Lagerplätze von Sommerfrischlern, die hier sonnenbaden und picknicken.

Letztlich stören ebenso sogenannte „Naturfreunde", die z. B. zum Fotografieren seltener Tierarten rücksichtslos in die Kernzonen der Feuchtgebiete eindringen.

Durch eindeutige Nutzungsregelungen muß die bestehende Belastung verringert werden.

Im Zuge des geplanten Bebauungsplanes und durch Ankauf muß auch versucht werden, die erfolgte Ansiedlung von Gärten unmittelbar im Feuchtgebietsbereich wieder auf geeignetere Standorte zu verlagern.

Als weitere Gefährdung ist die Nährstoffanreicherung des Federbachs und anderer Gewässer zu sehen, so daß sich hierdurch erhebliche Vegetationsveränderungen einstellen.

Letztlich führt die Intensivierung der sportlichen Nutzung mit den darausfolgenden weiteren Erschließungen zu einer noch stärkeren Belastung des Fritschlachgebietes, der mit klaren Besucherlenkungen, aber auch Verboten, wie z. B. das Verbot des Verlassens der Wege, entgegengewirkt werden muß.

Angesichts der ungeheueren Veränderungen in der Fritschlach in den letzten 30 Jahren stellt die Naturschutzgebietsplanung den Versuch dar, die letzten Reste der Ur- und typischen Kulturlandschaft der Altaue von Daxlanden zu erhalten, was durch diese Verordnung gesichert werden soll.

 

 

 

E. Frey

 

 

Karlsruhe, den 28.01.1985