2.123 Waldhägenich (3 Teilgebiete)

 

Würdigung

 

 

Das Landschaftsschutzgebiet „Waldhägenich" umfaßt drei Naturschutzgebiete: „Hägenichwald, Breithurster Wäldchen und umgebende Wiesen", „Laufbach" und „Riedwald".

Das kombinierte Schutzgebiet liegt zwischen der Autobahn A 5 und der gedachten Linie zwischen Bühl und Ottersweier.

Die Wiesen der Schutzgebiete sind pflanzensoziologisch vorwiegend als Fuchsschwanz-Glatthaferwiesen anzusprechen.

Dieser, auf mäßig feuchtem bis wechselfeuchten Standorten vorkommendem Wiesentyp war früher in der Oberrheinebene weit verbreitet und besonders artenreich.

Für die landwirtschaftliche Nutzung eignen sich diese Gebiete als mehrschürige Futterwiesen und gelten als bedingt ackerfähig.

Diese Eigenschaft gefährdet die verbliebenen Wiesen durch möglichen Umbruch sehr stark.

Frische- und Feuchtezeiger sind hier häufig vertreten;

Wiesenfuchsschwarz (Alopecurus pratensis), Sumpfschafgarbe (Achillea ptarmica), Großer Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), Kuckuks-Lichtnelke (Lychnis floscuculi) und diverse andere.

Auf weniger stark gedüngten Standorten wachsen

 Hainsimse (Luzula campestris), Ferkelkraut (Hypochoeris radicata), Hornklee (Lotus corniculatus), Zittergras (Briza media) und Kleiner Klappertopf (Rhinanthus minor),

während stark gedüngte Bereiche an Bärenklau (Heracleum sphondyleum) und an Pippau (Crepis biennis) zu erkennen sind.

Besonders feuchte Senken werden u. a. durch Beinwell (Symphytum officinale), Schlanke Segge (Carex gracilis) und Blutweiderich (Lythrum salicaria) charakterisiert.

Wird die regelmäßige Nutzung der Wiesen aufgegeben, treten vermehrt Sauergräser und Binsen auf.

Diese feuchte Wiesenlandschaft spielt eine bedeutende Rolle für eine Reihe von Brutvögeln.

Große Bedeutung haben sie für den früher in Mittelbaden weit verbreiteten, heute vom Aussterben bedrohten Großen Brachvogel (Numenius arquata R1).

Zur Aufzucht seiner Jungtiere benötigt er mindesten 15-20 ha große Wiesenreviere.

Heute brüten hier noch zwei Paare mit Erfolg.

Weitere Brutvogelarten sind

Kiebitz (Vanellus vanellus), Braunkehlchen (Saxicola rubetra R2), Rebhuhn (Perdix perdix R3), Gelbspötter (Hippolais icterina), Grauammer (Emberiza calandra R3) und Feldschwirl (Locustella naevia).

Bis 1972 war auch der Weißstorch hier anzutreffen.

Vielen anderen Vögeln dient das Gebiet als Nahrungsrevier und Überwinterungsgebiet.

Das Teilgebiet „Laufbach" nimmt eine Sonderstellung ein.

Im weiten Umkreis ist es das einzige naturnahe Fließgewässer.

In bachbegleitenden Gehölzen kommen als Bäume Silberweiden (Salix alba), diverse Strauchweiden und die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) vor.

Andere Gehölzbestände sind auf die Nutzung eines größeren Teilgebietes als Hochwasserrückhaltebecken zurückzuführen.

Höhe und Dauer der unregelmäßigen Überflutungen schränken die Artenvielfalt stark ein.

Den natürlichen Standortbestimmungen nach müßte in den Kernzonen des Schutzgebietes eigentlich ein Erlen-Eschen-Auewald stocken.

Stattdessen werden große Flächen von der Balsampappel eingenommen.

Trotz dieser nutzungsbedingten Monotonie rechtfertigt das reiche Vorkommen an Frühjahrsblühern, besonders das massenhafte Auftreten (ca. 10 ha) von Märzenbecher (Leucojum vernum R3), aber auch von Schlüsselblume (Primula veris) und Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis agg.) die Unterschutzstellung.

Das „Breithurster Wäldchen" unterscheidet sich durch seinen naturnahen, mehrstufigen Aufbau und seinen großen Anteil an Altholz.

Es ist deshalb ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Vögel, insbesondere für die Höhlenbrüter

Pirol (Oriolus oriolus R4), Grauspecht (Picus canescens), diverse Meisenarten, Turteltaube (Streptopelia turtur R3) u. a.

Das Teilgebiet „Riedwald" trägt Züge einer alten Mittelwaldbewirtschaftung.

Der Anteil an heimischen, dem Standort entsprechenden Arten ist hier sehr hoch.

Zum Schutz dieses verbliebenen Restes der ehemals ausgedehnten Wiesenlandschaft am Oberrhein ist der Umbruch von Wiesen im Schutzgebiet nicht mehr gestattet.