2.134 Auer Köpfle-Illinger Altrhein-Motherner Wörth

 

Würdigung

 

 

Geplantes Naturschutzgebietes „Auer Köpfle-Illinger Altrhein-Motherner Wörth"

 

Das geplante Naturschutzgebiet „Auer Köpfle-Illinger Altrhein-Motherner Wörth" umfaßt das rechtsrheinische Vorland zwischen Elchesheim-Illingen und Au am Rhein, etwa 10 bis 15 km südlich von Karlsruhe in der Region Mittlerer Oberrhein.

Der zwischen Rhein und Hochwasserdamm gelegene ca. 250 ha große Auenbereich um den Illinger Altrhein findet seine Abgrenzung im Süden durch den „Goldkanal" und die Verbindungsstraße zum Kieswerk „Illingen GmbH".

Im Norden wird das geplante Schutzgebiet durch das Gewässer „Altewaldkehle" und die Kreisstraße 3724 begrenzt.

Das geplante Naturschutzgebiet liegt somit in dem noch weitgehend geschlossenen Auenwaldgebiet zwischen Iffezheim und Karlsruhe, es schließt sich unmittelbar an die durch Kiesabbau und Freizeitbetrieb intensiv genutzten Auenbereiche nördlich der Murg an und vermittelt nach Norden zu dem ebenfalls schutzwürdigen Altrheingebiet um den „Bremengrund" Au am Rhein.

 

Zur Standortsgeschichte und zum Wasserhaushalt der Aue

Der Illinger Altrhein ist mit einer Breite von rund 200 m und einer Länge von knapp 3 km der flächenmäßig größte und ausgedehnteste Altarm des Rheins südlich von Karlsruhe.

Aufgrund des abnehmenden Gefälles erfolgten, etwa ab der Murgmündung, der Abfluß des Wildstromes nicht mehr gradlinig in viele Flußarme aufgeteilt (Furkationen), sondern der Rhein beschrieb zunehmend große Bögen (Mäander), wobei der Abfluß mehr und mehr in einem zusammengefaßten Hauptstrom erfolgte.

Der Illinger Altrhein, im Übergangsgebiet von der Furkationszone zur Mäanderzone gelegen, beinhaltet beide Ausprägungen.

In einem Hauptarm zusammengefaßt floß der Rhein im letzten Jahrhundert in einem großen Bogen an Seltz und Münchhausen vorbei, erreicht im Gewann „Kindelsgrund" die Illinger Gemarkung, wo er sich in sechs kleine Flußarme und mehrere nicht regelmäßig durchströmte Rinnen und Schluten auflöste.

Dieses bizarre Gewässersystem durchzog den Besitz der elsässischen Gemeinde Mothern und schloß sich sodann wieder auf Illinger und Auer Gemarkung zu einem Hauptstrom, dem heutigen Illinger Altrhein zusammen.

Das bewegte Relief im heutigen Gemeindewald „Kindelsgrund" und das Labyrinth von Schluten und Senken im Motherner Wörth zeugen heute noch davon, daß hier die Dynamik des Flusses das Bild der Landschaft entscheidend geprägt hat.

Der Fluß sorgte einerseits für die Neuentstehung waldfähigen Bodens, durch An- oder Auflandungen, der Rhein trug andererseits aber auch bewaldetes Gelände ab und verwandelte Wälder in Gewässer und Kiesinseln.

Erst die Rheinkorrektion durch TULLA und seine Nachfolger sorgte für eine langfristige Sicherung der Standorte, deren zeitlicher Bestand in der wilden Aue ungewiß war.

Die neu entstandene sogenannte TULLA-Aue war um die dynamischen Glieder (Kieselinseln) der ehemals wilden Stromaue ärmer geworden.

Die Auenvegetation und ihre Tiergemeinschaften blieben aber dennoch weitgehend erhalten.

Unter den ökologischen Faktoren ist der Wechsel der Wasserstände in der Aue der bedeutendste.

Periodischer Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser, Überflutung und Trockenfallen mit Ablagerung von Auenlehm (Flußtrübe) sorgen dafür, daß die wesentlichen Standortsfaktoren für eine Auenvegetation, insbesondere für die Auenwälder, gegeben sind.

 

Der Altrhein und seine Lebewelt

Gewässervegetation, Wasserkressengesellschaften und Röhrichte

Im flachen, sommerwarmen Altwasser entwickeln sich im Jahresverlauf üppige Wasserpflanzengesellschaften.

Als Charakterarten sind

Gelbe Teichrose (Nuphar lutea), Glänzendes Laichkraut (Potamogeton lucens) und Schwimmendes Laichkraut (Potamogeton natans) zu nennen.

Große Bestände und somit optimale Laichplätze für Fische entwickeln sich regelmäßig im Nordteil des Altrheins auf Gemarkung Au am Rhein.

Zu den Wasserpflanzengesellschaften der nährstoffreichen und sommerwarmen Altrheine zählen auch das Große und KLeine Nixenkraut (Najas marina und Najas minor), sowie ein kleines Vorkommen der Seekanne (Nymphoiedes peltata).

Die trockengefallenen Schlammflächen und seichte Uferbereiche werden von Wasserkresse, Brunnenkresse und Sumpfvergißmeinnicht (Oenantho-Rorippetum) besiedelt.

Auch seltenere Pflanzenarten, wie

das Schlammkraut (Limosella aquatica), die Sumpf-Platterbse (Lathyrus palustris) und der Grasblättrige Froschlöffel (Alisma gramineum) sind hier zu finden.

An den Gleitufern des Altrheines im Westen wachsen ausgedehnte Dickichte von Schilf (Phragmites communis), an Stellen mit stärkerem Durchfluß bei Hochwasser auch Steifseggenriede mit der Steifen Segge (Carex elata) als Charakterart.

Gerade die Schilfbereiche und die daran anschließenden Strauchweiden- und Silberweidenwälder sind bedeutsame Lebensräume der Tierwelt, insbesondere der Vogelwelt.

Libellenfauna und Vogelwelt

Die hohe biologische Produktion des Altrheines sorgt, verbunden mit einer vielfältigen Vegetation, die, neben ihrer Funktion als Nahrungsquelle, der Tierwelt als Brutstätte, Unterschlupf und Regenerationsraum dient, für eine außerordentliche Vielfalt an tierischem Leben.

Als direkte Verwerter der pflanzlichen Produktion sind Zooplankter, kleine Krebse, Muscheln, Schnecken, alle Friedfische und eine Vielzahl von Insekten zu nennen.

Auch einige Wasservögel (Stockente, Bläßralle) zählen hierzu.

Die bekanntesten und auffälligsten Tierarten des Gebietes zählen aber weitgehend zu den Verwertern tierischer Produktion.

Unter den Insekten sind hier die Libellen zu nennen, deren Larven sich, wie die Imagines selbst, räuberisch ernähren.

Charakteristisch für das Gebiet sind

Plattbauch (Libellula depressa), Große Königslibelle (Anax imperator) und der Große Blaupfeil (Orthetrum cancellatum).

Je nach den Ansprüchen der einzelnen Libellenarten werden die Eier in Wasserpflanzengesellschaften, Pionierkrautfluren mit Wasserkresse oder in Seggenriede und Schilfröhrichte abgelegt.

Da die Libellen einerseits bedeutende Vertilger von Kleininsekten und Schnaken sind, andererseits auch der Vogelwelt als Nahrung dienen, sollten Libellenbrutgebiete wie der Illinger Altrhein erhalten bleiben und geschützt werden.

Innerhalb des Landkreises Rastatt zählt der Illinger Altrhein zu den bedeutendsten Brutgebieten und Überwinterungsplätzen für Wasservögel.

Zu den häufigsten Arten zählen Stockente (Anas platyrhynchos) (1978: 26 Brutpaare, Januar 1972: 910 Überwinterer) und Bläßralle (Fulica atra) (1978: 25 Brutpaare, Dezember 1968: 2150 Überwinterer).

Als Charaktervogel der großen Altrheine siedelt der Haubentaucher (Podiceps cristatus) in hohen Dichten (1980: 14 Brutpaare).

Sein Nest aus Pflanzenteilen von Laichkräutern und Schilf wird in den ausgedehnten Silberweidenwäldern angelegt, die bei Hochwasser einen optimalen Brutplatz darstellen.

Zu den avifaunistischen Kostbarkeiten zählen Brutvogelarten wie Zwergdommel (Ixobrychus minutus) und Eisvogel (Alcedo atthis).

Wichtige Nahrungsplätze und Überwinterungsgebiete bietet der Altrhein auch für die nachfolgenden Vogelarten:

Graureiher (Ardea cinerea) (Sept. 1979: 59 Exemplare) Tafelente (Aythya ferina) (Jan. 1979: 213   ") Zwergtaucher (Podiceps ruficollis) (Nov. 1978: 54 „)

Ein alljährlicher Durchzügler, der sich zeitweise im Gebiet aufhält, ist der Fischadler (Pandion haliaetus).

Das Motherner Wörth

Das Motherner Wörth bei Illingen-Au stellt eine noch recht urtümlich anmutende Auenlandschaft dar, die von zahlreichen Altarmen, Schluten, Rinnen und Senken durchsetzt ist.

In dieser, vor der Tulla´schen Rheinkorrektion, stark durchströmten Weideaue setzte nach der Korrektion eine erhebliche Auflandung ein, die eine natürliche Bewaldung mit Weich- und Harthölzern möglich machte.

Der Natürlichkeitsgrad der Wälder wurde durch die, im Vergleich zur deutschen Waldbewirtschaftung, eher extensive und sporadische Nutzung der Waldungen durch die Gemeinde Mothern stark gefördert.

Weidendickichte und Silberweidenwälder

An Kolken und Waldrändern finden sich Weidendickichte aus Buschweiden; hier ist neben der Purpurweide (Salix purpurea) auch die Korbweide (Salix viminalis) zu finden.

Floristische Besonderheit ist die Reifweide (Salix daphnoides).

Es dürfte sich hierbei um die nördlichste Fundstelle der Pflanze im Oberrheingebiet handeln.

Diese Holzart ist im ganzen Oberrheingebiet in den letzten Jahren sehr selten geworden.

Eichen-Ulmenauenwald

Die Eichen-Ulmenwälder schließen sich standörtlich an die Silberweidenwälder an und stocken auf den höher gelegenen Standorten der Aue.

Die Dauer der Überflutungen sinkt dadurch von durchschnittlich 200 Tagen im Bereich der Weidenaue auf ca. 10 bis 50 Tage ab, die Entwicklung der Böden ist im Vergleich zu jungen Standorten schon weiter vorangeschritten.

Die tiefgelegenen Standorte der Hartholzaue werden heute fast ausschließlich von Wirtschaftspappelwäldern eingenommen.

Im Bereich des Gemeindewaldes von Mothern wurden aufgrund der extensiven Wirtschaft nur wenige Pappelhybriden gepflanzt, so daß weite Teile noch von der ursprünglichen Vegetation eingenommen werden.

Feldulme (Ulmus minor), Flatterulme (Ulmus laevis), Stieleiche (Quercus robur) und Esche (Fraxinus excelsior) bilden zusammen mit den Weichholzarten Silberpappel (Populus alba), Schwarzpappel (Populus nigra) und Grauerle (Alnus incana) einen dichten Auewaldbestand.

Die Krautschicht beinhaltet Bärlauch (Allium ursinum), Aronstab (Arum maculatum) und weite Flächen mit Winterschachtelhalm (Equisetum hyemale).

Als botanische Besonderheit ist der dort vorkommende Milchstern (Ornitogalum umbellatum), eine Lilienart, zu bezeichnen.

Zur Vogelwelt des Motherner Wörth

Die urtümlich anmutenden Auenwälder verfügen über eine überdurchschnittlich hohe Artenvielfalt und Brutdichte an Vögeln.

Über 40 Brutvogelarten mit einer Dichte von 150 Paaren pro 10 ha Waldfläche verdeutlichen den Arten- und Strukturreichtum dieses Waldes.

Typische und seltene Arten sind insbesonders die nachstehenden Brutvögel des Motherner Wörths:

Habicht( Accipiter gentilis) Schwarzmilan (Milvus migrans), Wespenbussard (Pernis apivorus), Turteltaube (Streptopelia turtur), Kuckuck (Cuculus canorus), Kleinspecht (Dendrocopos minor), Nachtigall (Luscinia megarhynchos), Weidemeise (Parus montanus), Kernbeißer (Coccothraustes coccothraustes), Pirol (Oriolus oriolus)

Auenwälder auf den Gemarkungen Illingen und Au/Rhein-Weichholzauenwälder westlich des Altrheines im Gewann „Kohlkopf"

Die Gemeindewälder von Elchesheim-Illingen und Au am Rhein, zwischen Rhein und Altrhein gelegen, sind mit Wirtschaftspappeln bestockt, die am Westufer des Illinger Altrheins von breiten Silberweidenwäldern umsämt sind.

Diese Silberweidenmäntel entlang der Gewässer sind wichtige Brutplätze für Wasservögel (Haubentaucher, Stockente) und Höhlenbrüter (Weidenmeise, Kleinspecht, Bachstelze).

Die noch vorhandenen hiebsreifen Pappelaltbestände weisen ebenfalls einen hohen Besatz an Brutvogelarten auf, vor allem an Höhlenbrütern und Spechten.

Weich- und Hartholzauenwälder östlich des Altrheines in den Gewannen „Oberwald" und „Alte Wald"

Auf dem mächtigen Wall (Prallhang) des östlichen Altrheinufers stocken Wirtschaftspappelwälder mit unterständigen Harthölzern, die zu beträchtlichen Dimensionen herangewachsen sind.

Unter diesen „Altpappeln von Au" finden sich Blaustern (Scilla bifolia) und Schuppenwurz (Lathraea squamaria).

Gerade die Vorkommen des Blausternes, der in der Rheinniederung weitgehend fehlt, sind bemerkenswert und schutzwürdig.

Auf den am höchsten gelegenen Teilen des Auer Gemeindewaldes, im Bereich des Hochwasserdammes, werden die Standorte nur noch bei extremen Hochwassern überflutet.

Hier stocken Hartholzauewälder, die neben den bekannten Holzarten, Stieleiche, Esche, Feld- und Flatterulme, noch durch das Vorkommen von Hainbuche (Carpinus betulus) und Feldahorn (Acer campestre) charakterisiert sind.

Wiesen und Streuobstbestände

Im Gewann „Bietigheimer Hecken" stellen die von Schluten durchzogenen Wiesenflächen ebenfalls wichtige Lebensräume dar.

Die Schluten und frischen Senken enthalten mehrere floristische Besonderheiten.

So findet sich dort

die Echte Sumpfwurz (Epipactis palustris), der Kantige Lauch (Allium angulosum) und der Echte Haarstrang (Peucedanum officinale), drei bundesweit gefährdete Pflanzenarten.

Eng benachbart zu diesen frischen Senken liegen trockene Kiesrücken, die sich ebenfalls durch das Vorkommen einer bemerkenswerten Vegetation auszeichnen.

Hier wachsen trockenheitsliebende Pflanzen, wie zum Beispiel das Helmknabenkraut (Ochis militaris) und die Hundbraunwurz (Scrophularia canina).

Auch für viele blütenbestäubende Insekten stellen diese blumenreichen Grünlandgesellschaften bevorzugte Lebensräume dar.

Der Schachbrettfalter (Melanargia galathea) steht stellvertretend für zahllose Schmetterlinge, die in unserem Kulturland nicht mehr überleben können und somit auf die verbliebenen „Inseln" der blumenreichen Wiesengebiete angewiesen sind.

Auch in der Vogelwelt gibt es mehrere Spezialisten, die für die oben beschriebenen Grünlandbestände charakteristisch sind.

So zählen Grauammer (Emberiza calandra) und Braunkehlchen (Saxicola rubetra) zu den seltenen Arten, die dort noch vorkommen.

Die vorhandenen Obstbäume bilden einen der letzten Brutplätze des Raubwürgers (Lanius excubitor), der seit 10 Jahren im Kreisgebiet einen katastrophalen Rückgang erlebt.

 

Die Rheininsel am Auer Köpfle

Vegetation

Durch fortwährende Kiesablagerungen am Gleitufer des Rheinbogens am Auer Köpfle entstand dort auf natürliche Weise eine Rheininsel.

Die am höchsten gelegenen Teile der Insel sind mit Weiden, Pappeln und Röhricht bewachsen.

Neben dem Rohrglanzgras (Phalaris arundinaceae) dominieren hier rasch wüchsige, buschige Weidenarten, die selbst hohen Strömungsgeschwindigkeiten widerstehen.

Die Purpurweide, die Korbweide und die Mandelweide (Salix triandra) bilden den „Weidenbusch", in dessen Strömungsschutz Silberweide und Schwarzpappel heranwächst.

Fauna

Die ausgedehnten Kiesflächen des Wildstromes waren einst Lebensraum und Brutplatz charakteristischer Vogelarten.

Die Rheininsel bildet somit einen der letzten natürlichen Brutplätze des Flußregenpfeifers (Charadrius dubius) und des vom Aussterben bedrohten Flußuferläufers (Tringa hypoleucos).

Eine wesentliche Bedeutung besitzt die Rheininsel auch als Rast- und Schlafplatz für viele Zugvögel.

Watvögel, Enten und Reiher bevorzugen gemäß ihrem Sicherheitsbedürfnis die Insel als Rastplatz.

So lassen sich dort zur Zugzeit regelmäßig

Kampfläufer (Philomachus pugnax), Rotschenkel (Tringa totanus) und Bruchwasserläufer (Tringa glareola) beobachten.

Der Illinger Baggersee

Der zwischen Goldkanal und Altrhein gelegene Illinger Baggersee ist aufgrund seiner ruhigen Lage und fehlenden Freizeitnutzung ebenfalls Brut- und Rastplatz für die heimische Vogelwelt.

Die während des Kiesabbaues entstandenen Steilufer und Erdaufschüttungen dienen der Uferschwalbe (Riparia riparia) und dem Eisvogel zur Anlage der Brutröhren.

Beide Arten sind in ihrem Bestand bedroht.

Mit rund 50 Brutpaaren ist die Uferschwalbenkolonie am Illinger Baggersee die derzeit größte Brutkolonie dieser Art im Landkreis Rastatt.

Als eine vogelkundliche Kostbarkeit ist unter den Brutvögeln die Flußseeschwalbe (Sterna hirundo) zu nennen, die am Oberrhein nur sporadisch brütet.

Im Kreisgebiet wurde letztmals 1955 am Goldkanal eine Brut beobachtet.

1982 haben 2 Brutpaare im Bereich des Illinger Baggersees gebrütet.

Als Liegeplatz für Wasservögel im Winter hat der Baggersee eine weitere bemerkenswerte avifanistische Bedeutung.

Von Haubentaucher, Stockente, Tafelente und Reiherente sind während der Wintermonate bis zu 500 Exemplare anzutreffen.

 

Konzeption und Inhalte

Naturschutzgebiete sind Flächen, die langfristig in ihrer charakteristischen Ausprägung von Landschaft, Flora und Fauna erhalten und gegebenenfalls weiterentwickelt werden sollen.

Sie sind die Bausteine des beschriebenen Netzwerkes, die Inseln in der modernen Kulturlandschaft, die unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt nachhaltig ausreichende Lebensräume bieten sollen.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird für das betroffene Gebiet eine Rechtsverordnung erlassen, die in Abstimmung mit den Trägern öffentlicher Belange (also Forst- und Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Gemeinden, Verbände u. a.) diskutiert und schließlich durch das Regierungspräsidium Karlsruhe verordnet wird.

Der konkrete Schutz vollzieht sich in zwei Ebenen,

einmal auf der Ebene der Flächensicherung, d. h. der Sicherung vor einer Bebauung, Auskiesung oder sonstigen Umgestaltung der Erdoberfläche,

zum anderen wird auch eine spezifische Bewirtschaftungsregelung getroffen, d. h. entweder werden die vorhandenen Nutzungen festgeschrieben oder es wird nach alternativen Bewirtschaftungsmethoden gesucht, um das gesteckte Ziel der langfristigen Erhaltung des betroffenen Naturraumes mit seiner Lebewelt zu erreichen (z. B. Wiesennutzung statt Acker).

Im Folgenden werden die Zielvorstellungen einer Naturschutzverordnung für das Rheinauengebiet „Auer Köpfle-Illinger Altrhein-Motherner Wörth" kurz dargestellt.

Vorschläge zum Schutz des Altrheingebietes „Auer Köpfle-Illinger Altrhein-Motherner Wörth"

 

Zur Abgrenzung des Gebietes

Neben den eigentlichen Kernbereichen, Altrhein und Motherner Wörth, erweisen sich die östlich des Altrheines gelegenen Waldungen mit dem Feldgelände als schutzwürdige Biotope im Sinne des Naturschutzes.

Der Erholungsbereich des Auer Baggersees soll im bestehenden Landschaftsschutzgebiet verblieben.

Der Illinger Baggersee stellt derzeit ein bedeutendes Brut- und Überwinterungsgebiet für unsere einheimischen Vögel dar, gleichzeitig grenzt dieser See unmittelbar an die wertvollsten Bereiche des Motherner Wörths.

Unter Berücksichtigung der Aussagen des genehmigten Flächennutzungsplanes vom 18.11.1982 würde eine Einbeziehung des Baggersees in das Naturschutzgebiet die formulierten Ziele nach Bewahrung des derzeitigen Zustandes (kein Freizeitbetrieb, keine Vereinsheime) und Beruhigung des Gewässers, unterstützen.

Die Rheininsel bei Au ist ein seit Jahren bekanntes äußerst schutzwürdiges Biotop und ein nunmehr einzigartiges Landschaftselement des Tulla’schen Rheinstromes, die es, wenn möglich, zu erhalten gilt.

Zur Forstwirtschaft im Naturschutzgebiet

Der Wald bildet mit einen der wesentlichsten Lebensräume des Gebietes.

Zahllose Tiere und Pflanzen sind auf möglichst struktur- und artenreiche Waldbestände angewiesen.

Vögel und Schmetterlinge brauchen möglichst viel Unterholz, auentypische Holzarten wie Silberweide, Silberpappel, Schwarzpappel, Stieleiche, Feld- und Flatterulme, die als Nahrungsgrundlage und Substrat dienen.

Die ordnungsgemäße Forstwirtschaft sollte daher wenn möglich noch stärker als bisher an den Zielen des Biotop- und Artenschutzes orientiert werden.

Hierzu einige Vorschläge:

Berücksichtigung einiger selten gewordener Bäume und Sträucher der Aue wie Mandel-, Schwarz-, Korb- und Silberweide, Silber-, Grau- und Schwarzpappel, Flatterulme, Feldahorn, Stieleiche und Wildobstarten.

Dies könnte durch das Belassen einiger Einzelexemlare als Überhälter, entlang von Wegen und Altwassern, sowie durch Pflanzung und Förderung im Unterstand usw. geschehen.

Wesentlich erscheint auch eine Pflege der Gewässerränder und Schluten, durch Weidenstecken (Baum- und Strauchweiden).

Die Gewässerränder sind die Brut- und Nahrungsplätze vieler Vogelarten, die auf Weidendickichte entlang der Gewässerränder und Schluten angewiesen sind.

Erhaltung und Förderung der Hartholzauenwälder durch Umtriebszeitverlängerung bei ertragsschwachen Altbeständen, Neubegründung von Stieleichen- und Eschenmischwäldern.

Erhaltung einiger ausgesuchter Baumgruppen bis zur physiologischen Altersgrenze (aus finanziellen Gründen schlechte Schaftqualitäten auswählen).

Die aufgeführten Maßnahmen richten sich selbstverständlich in Art und Umfang nach waldbautechnischen wie auch ökonomischen Möglichkeiten der Forstverwaltung und des Waldbesitzers.

Als Instrument zur Festlegung und Planung oben vorgeschlagener Bewirtschaftungsregelungen bietet sich für ausgewählte Bereiche eine Schonwalderklärung an.

Diese gemeinsame Erklärung des Waldbesitzers und der Körperschaftsforstdirektion beinhaltet die zur Erreichung des Schutzzweckes bei der Bewirtschaftung der Waldbestände zu beachtenden Richtlinien.

Im geplanten Naturschutzgebiet „Auer Köpfle-Illinger Altrhein-Motherner Wörth" wird die Einrichtung der nachfolgend aufgeführten Schonwaldgebiete vorgeschlagen.

Schonwaldgebiet „Rheinauewald Au am Rhein" Teilgebiet "Fahrkopf" (ca. 10 ha)

In diesem Waldgebiet hat die Gemeinde Au/Rhein ein ca. 2,5 ha großes Pappelaltholz über die normale Umtriebszeit hinaus erhalten.

Neben diesen ästhetisch wie auch ökologisch wertvollen „Altpappeln von Au" sind in diesem Waldbereich noch Harthölzer mit Stieleiche, Flatterulme, Silberpappel und Esche zu finden, die so lange als möglich erhalten und dann verjüngt werden sollten.

In Übereinstimmung mit den Aussagen des Flächennutzungsplanes des Gemeindeverwaltungsverbandes Durmersheim (4.5.4. Landschaftspflegemaßnahmen) wären in einem Schonwaldgebiet „Fahrkopf" folgende Bewirtschaftungsrichtlinien zu beachten:

Betriebszieltyp

Pappel (Altsorten)mit einem Hartholzunterstand gebildet aus Stieleiche, Esche und Flatterulme

Umtriebszeit: ca. 70 Jahre

Verjüngungstechnik: Kahlschlag von 0,5 bis 1 ha

Größe: gezieltes Belassen ausgesuchter Stieleichen und einiger Spechtbäume als Überhälter;

Pflanzung von Pappeln im Weitverband mit Esche, Flatterulme und Linde als Begleitholzarten

Durchforstungen: Vereinzelt auftretende Silberpappeln und Silberweiden begünstigen, insbesondere am Gewässerrand.

Teilgebiet „Alter Wald" (ca. 5 ha)

In diesem Waldgebiet wird in Übereinkunft mit den Vorschlägen des Flächennutzungsplanes eine Umtriebszeitverlängerung zur Erhaltung eines landschaftlich, wie auch ökologisch wertvollen ehemaligen Mittelwaldes angestrebt.

Auf dem episodisch überfluteten Kiesrücken stocken breitkronige Eichen und Feldahorn und Hainbuche im Unterstand.

Unter der ebenfalls reichhaltigen Strauchschicht mit Hartriegel, Pfaffenhütchen und Schneeball wachsen Frühjahrsblüher mit Blaustern, Buschwindröschen und Schlüsselblume.

Aus der Sicht des Naturschutzes werden folgende Bewirtschaftungsrichtlinien vorgeschlagen:

Betriebszieltyp

Stieleiche mit Feldahorn und Hainbuche, sowie Linde und Wildobst als Begleitholzarten, in feuchten Senken mit Flatterulme.

Umtriebszeit: ca. 140 Jahre (so lange wie physiologisch vertretbar)

Verjüngungstechnik: Schirmschlag oder Kleinkahlschläge bis 0,5 ha;

Pflanzung Übernahme von Naturverjüngung.

Schonwaldgebiet „Motherner Wörth" (ca. 70 ha)

Das standörtlich stark differenzierte Waldgebiet der Gemeinde Mothern muß in verschiedene Behandlungseinheiten eingeteilt werden, um waldbauliche Aussagen, je nach Standort und Vegetationszustand, treffen zu können.

Die Waldbehandlung „Motherner Wörth" sollte sich an den nachfolgenden Bewirtschaftungsregeln orientieren.

In den in der Planungskarte dunkelgrün gekennzeichneten Flächen müßte während der nächsten 20 Jahre jeder Eingriff unterbleiben.

In diesen relativ geschlossenen Waldbeständen dürfte auch nach dem Ausfall der Feldulme (Rüster), durch die verbleibende Waldvegetation mit Silberpappel, Schwarzpappel, Grauerle, aber vereinzelt auch Stieleiche und Esche, der Typus eines Hartholzauenwaldes der tiefen Stufe erhalten bleiben.

Ein Belassen der natürlichen Entwicklung dieser Bestände entspricht sowohl wissenschaftlichen Zielen (Sukzessionsforschung) wie auch ökologischen Zielen nach arten- und strukturreichen naturnahen Auenwäldern.

In den in der Planungskarte hellgrün gekennzeichneten Bereichen kann der Kopfweiden- und Brennholzbetrieb mit einer 20jährigen Schlageinteilung wieder aufgenommen werden.

In den in der Planungskarte gelb schraffierten Flächen ist die Waldbestockung aufgrund der Entnahme abgestorbener Ulmen und anderer Waldbäume und Sträucher stark verlichtet.

Um die zunehmende Verkrautung und Besiedelung der Standorte mit Indischem Springkraut und Goldrute zu verhindern, sollte baldmöglichst eine Pflanzung durchgeführt werden.

Aus der Sicht des Naturschutzes wäre eine Bestockung mit Wirtschaftspappeln (Altsorten), an höher gelegenen Stellen auch mit Esche anzustreben, wobei Silberpappeln und Silberweide gruppenweise, Flatterulme und Grauerle als Unterstand in Einzelmischung, einzubringen oder aus Stockausschlägen und Naturverjüngung zu übernehmen wären.

Besonders wertvoll sind auch alle vorhandenen Eichen, die als Überhälter zu erhalten sind.

 

Zur Landwirtschaft im Naturschutzgebiet

Die landwirtschaftlichen Flächen des geplanten Schutzgebietes sollten möglichst als Wiese bewirtschaftet werden.

Sowohl aus landschaftlichen Gründen, wie aus Gründen des Biotop- und Artenschutzes (Wiesen sind wertvolle Lebensräume von seltenen Pflanzen, Insekten und Vögeln) ist diese Nutzung der Ackernutzung vorzuziehen.

Somit ist eine Rückführung der umgebrochenen Flächen dringend erwünscht.

Als Pflegemaßnahme ist eine jährliche Mahd erforderlich.

Feuchte Senken sind nur alle 2 bis 3 Jahre zu mähen.

 

Freizeitbetrieb, Angeln und Jagd im Naturschutzgebiet

Ein intensiver Freizeitbetrieb ist im Naturschutzgebiet verboten.

Zelten, Campieren, Baden, Surfen und Bootfahren müssen aus Naturschutzgebieten ausgeklammert werden, denn hier hat in erster Linie die Natur und die stille Erholung (Wandern, Naturbeobachtung usw.) absoluten Vorrang.

Das Angeln und die Jagd sollten auf den bisherigen Umfang begrenzt werden.

Stille Winkel und Ruhezonen müssen auch weiterhin für diese Sportarten tabu bleiben.

Im Falle des Illinger Altrheines würde es sich anbieten, das Angeln auf die Osthälfte des Gewässers zu begrenzen, um die unberührten Ufer und Vogelbrutgebiete im Westen des Altrheines und im Motherner Wörth zu schonen.

Für Kanuten und Bootsfahrer bietet sich die Durchfahrt vom Baggersee unter der Rinnbrücke hindurch und dann dem Ostufer des Illinger Altrheines folgend, bis zum Auer Köpfle an (derzeitiger Kanuwanderweg).

 

 

 

Robert Dilger

 

 

Karlsruhe, 29. September 1986