2.138 Rastatter Bruch (4 Teilgebiete)

 

Würdigung

 

 

Das geplante Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Rastatter Bruch" auf Gemarkung der Stadt Rastatt liegt in der naturräumlichen Landschaft Rheinniederung.

Es umfaßt die vermoorte Randsenke unterhalb des Hochgestades der Niederterrasse, den südlichen Riedkanal, einen in den 30er Jahren ausgebauten Altrheinzug, die ehemaligen Sedimentationsflächen mit Uferwällen dieses Altrheines sowie einen verlandeten Murgarm im Westen der Kernstadt.

Es hat eine Fläche von ungefähr 224,79 ha, hiervon entfallen 75,2 ha auf das Naturschutzgebiet.

Im Nordwesten grenzt das Schutzgebiet an die Ottersdorfer Straße und greift dann nach Norden aus bis zur Buchenstraße.

Die Ostgrenze wird durch den Rand der Westringbebauung und die Bundesstraße 36 gebildet, im Süden deckt sich die Schutzgebietsgrenze mit der Gemarkungsgrenze zwischen der Stadt Rastatt, Landkreis Rastatt und dem Stadtteil Sandweier der Stadt Baden-Baden, Stadtkreis Baden-Baden.

Im Westen bildet der Waldrand des Ottersdorfer Oberwaldes die Grenze.

Die intensivste genutzten Acker- und Saatzuchtflächen im Gewann Rheinfeld nördlich des Sybillenhofes sind aus dem Schutzgebiet ausgeklammert.

Das Naturschutzgebiet umschließt die feuchten Niedermoorreste der Gestadensenke, die Gestadekante, die als Prallhang eines nacheiszeitlichen Rheines entstanden ist und sich bis zu 6 m über die Randsenke erhebt, den südlichen Riedkanal sowie eine kleinere feuchte Senke im Zuge einer schon sehr lange verlandeten Altrheinschlinge im Gewann Stockstücker.

Die Niedermoorreste stehen trotz jahrhundertelanger Entwässerungsversuche nach wie vor in enger Beziehung zu den von der Wasserführung des Rheines geprägten Grundwasserständen der Niederung.

Bei hohen Rheinwasserständen, wie besonders im Frühjahr und im Frühsommer, sind die tieferen Partien des Bruchgeländes durch austretendes Grundwasser bzw. durch nicht versickern des Niederschlagswasser flach überflutet, bei sinkenden Wasserständen fallen diese Partien trocken, wobei die Grundwasserstände jedoch das ganze Jahr über bis dicht unter Flur anstehen.

Dieser dominierenden Beeinflussung durch ein ganzjährig hohes Wasserangebot hat im Rastatter Bruch ein vielseitiges Mosaik von Vegetationsgemeinschaften der Feuchtgebiete entstehen lassen, das in dieser Ausprägung in der gesamten Oberrheinniederung nur noch selten anzutreffen ist.

Große Flächen werden von Schilfröhrichten eingenommen, mit Schilf, Gelber Schwertlilie, Großer Wasserschwaden und anderen Pflanzen dieser Gemeinschaft.

Diese hochwachsenden Röhrichte sind ein hervorragendes Brut- und Nahrungsbiotop für

Teichrohrsänger, Sumpfrohrsänger, Wasserralle und andere bedrohte Vogelarten.

Auf den nicht so nassen Standorten haben sich unter dem Einfluß des früheren, dem Standort angepassten Grünlandnutzung Glatthaferwiesen entwickelt.

Dieser Wiesentyp ist für die ganze Oberrheinebene charakteristisch, bedingt durch den Wandel in der landwirtschaftlichen Nutzung aber in den letzten Jahrzehnten bis auf wenige Reste aus der Landschaft verschwunden.

Auf brachgefallenen Ackerflächen des Bruches, Zeugen einer unsachgemäßen landwirtschaftlichen Nutzung, haben sich zum Teil weitflächige Hochstaudenfluren entwickelt, mit Mädesüß, Blutweiderich und Goldrute.

Soweit es sich nicht um ausgedehnte, fast monokulturartig von der Goldrute besetzte Flächen handelt, bilden auch diese Hochstaudenflächen für Insekten- und Vogelwelt gute Nahrungs- und Unterschlupfbiotope.

Das hier brütende Braunkehlchen ist ein Charaktervogel für diesen Vegetationstyp.

Das ganze Bruchgebiet wird von einem in den 30er Jahren angelegtem Grabensystem durchzogen, das heute teilweise wieder zerfallen und verwachsen ist.

Diese Grabenreste sind Ansatzpunkte für die Entwicklung von Sumpfseggenrieden.

Als Laichplätze der reichen Amphibienfauna des Gebietes (Wasserfrosch, Erdkröte) haben sie ebenso große Bedeutung, wie für die Vorkommen verschiedener Libellen- und Wasserkäferarten.

Landschaftlich und ökologisch von hohem Wert sind die durch verschiedene Strauchweiden gebildeten Gehölzriegel und die Silberweidenbäume, die das Bruchgebiet gliedern.

Sie sind Brutplatz gefährdeter Vogelarten wie Pirol und Turteltaube.

Der Riedkanal selbst ist ein sehr naturnahes Gewässer mit einer ausgeprägten Zonierung des Gewässerbettes und der Uferstreifen.

Das klare und kalte grundwasserführende Gießen ist reich an Wasserpflanzen.

Wasserstern, Wasserpest und Teichfaden sind bemerkenswerte Pflanzenvorkommen.

Diese Lebensräume sind von verschiedenen Libellenarten besiedelt, als Besonderheiten sind die Gebänderte Prachlibelle und die Feuerlibelle zu nennen.

In stilleren Gewässerabschnitten sind Kamm- und Teichmolch sowie der Wasserfrosch zu finden.

Vereinzelt nutzt der Zwergtaucher die Wasserfläche zur Brut.

Auch Stockente, Teichralle und Bläßralle sind regelmäßig als Brutvogel anzutreffen.

Gesäumt werden die Ufer des Riedkanales von unterschiedlich breiten Röhrichtgürteln mit Schilf, Großseggen und, als Gehölze Schwarzerlen und Weiden.

Diese breiten Ufersäume bieten einer artenreichen Tierwelt beste Lebensmöglichkeiten.

Als Beispiele für die hier regelmäßig anzutreffenden, seien für die Säugetiere der Abendsegler, eine auentypische Fledermausart und für die Vögel Teich- und Sumpfrohrsänger, Pirol, Turteltaube und Kleinspecht genannt.

Die Naturschutzgebietsflächen werden weiträumig von einem Landschaftsschutzgebiet umschlossen.

Es handelt sich hierbei im Wesentlichen um die höher gelegenen Standorte im Planungsgebiet, die zwar vom Grundwasser auch noch stark beeinflußt sind, aber auch ackerbaulich genutzt werden können.

Das Gebiet wird durch Heckenzüge gegliedert und bildet eine wichtige Ergänzung für die Lebensräume des Bruches und des Riedkanales.

Gleichzeitig ist es Dank des harmonischen und vielgliedrigen, abwechslungsreichen Landschaftsbildes nicht ohne Bedeutung für die Naherholung.

Das gilt auch für den ebenfalls zum LSG gehörenden Schlutenzug einer alten Murg zwischen Oberwaldsiedlung und Westringbebauung.

Dieses Gebiet ist vorwiegend landwirtschaftlich genutzt, wird durch Grabensysteme gegliedert, an die sich Heckenzüge, Baumreihen und Einzelbäume, darunter sehr schöne Exemplare von Silberweide, anlehnen.

Dieser Grünzug bildet ein wichtiges Verzahnungs- und Gliederungselement zwischen Siedlungsraum und freier Landschaft.

Das geplante Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Rastatter Bruch" ist in seinem Bestand gefährdet.

Ablagerung von Schüttgut aus Garten- und Landwirtschaft, Siedlungsausdehnung, weitere Intensivierung der Landwirtschaft und damit Umbruch der Flächen zu Ackerland sowie Rodung der Hecken und Bäume beeinträchtigen den Wert des Gebietes erheblich und lassen ohne Schutz seinen Fortbestand als eines der wenigen noch in großen Teilen intakten Niedermoorgebiete in der Randsenke der Rheinniederung fraglich erscheinen.

Die Erhaltung des Gebietes bedarf künftig ausführlicher Pflege.

Dort, wo bereits Schäden eingetreten sind, müssen Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

So gilt es vor allem die Goldrutenherde zurückzudrängen und die Standorte wieder als Grünlandflächen zu entwickeln.

Dort, wo noch Äcker in die Bruchflächen hineinreichen, sollen diese wieder in Grünland zurückgewandelt werden.

Zum Schutz des Gebietes sind in Zukunft verschiedene Einschränkungen notwendig.

Insbesondere müssen Entwässerungen, der weitere Umbruch von Grünland in Ackerland sowie wilde Verfüllungen und Ablagerungen von Gartenabfällen unterbunden werden.

Auch die jagdliche Nutzung bedarf einer gewissen Einschränkung.

So dürfen im Gebiet keine neuen Hochsitze entstehen, die das Landschaftsbild beeinträchtigen würden.

Zur Erhaltung der Schilfröhricht- und Hochsttaudenfluren als beruhigte Rückzugsgebiete für die Tierwelt ist auch das Anlegen von Schußschneisen zu untersagen.

Um die Tierwelt im Gebiet möglichst wenig zu beunruhigen, bedarf es des Verbotes, in diesem Naturschutzgebiet, Hunde abzurichten.

Im Landschaftsschutzgebiet ist eine Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung entlang von Wegen, Gräben, Heckenzügen und im Kronenbereich der Bäume anzustreben.

 

 

 

G. Schenkel