2.143 Hochholz-Kapellenbruch (3 Teilgebiete)

 

Würdigung

 

 

Die Würdigung für das NSG/LSG "Hochholz-Kapellenbruch" geht im Wesentlichen auf das in der Vegetationsperiode 1988 erarbeitete geobotanische Gutachten von Herrn Dipl.-Geogr. Th. Breunig und Herrn Dipl.-Biol. A. König zurück.

 

Einleitung

Das kombinierte Natur- und Landschaftsschutzgebiet liegt im südlichen Rhein-Neckar-Kreis zwischen St. Leon-Rot, Walldorf, Wiesloch, Rauenberg und Malsch.

Das LSG umfaßt - grob dargestellt - Teile des Hardtwaldes zwischen St.Leon-Rot und Wiesloch sowie die feuchten Ausläufer der Kinzig-Murg-Rinne zwischen St. Leon-Rot und Rauenberg/Malsch.

Es umschließt weiterhin die NSG „Dörnigt", „Kehrgrabensystem", und „Bruchwald, Watzenbruch und Straßenwiesen".

 

Die naturräumlichen Gegebenheiten

Das Schutzgebiet schneidet drei naturräumliche Einheiten an: Im Westen die Hockenheimer Hardt, die durch kiesigsandige, trockene und basenarme Böden mit hoher Wasserdurchlässigkeit gekennzeichnet ist.

Die Hardt ist in der Regel intensiver landwirtschaftlicher (Spargelanbau) oder forstwirtschaftlicher (Kiefernforste) Nutzung unterlegen.

Der zentrale Teil ist durch die Ausläufer der Kinzig-Murg-Rinne geprägt und gehört der St. Ilgener Niederung innerhalb des Wiesloch-Karlsruher-Rheinebenenstrandes an.

Hier finden sich grundwassernahe, feuchte bis nasse, kalkreiche Standorte, die durch Entwässerungsmaßnahmen und Grundwasserabsenkungen zumindest bedingt ackerfähig gemacht wurden.

Der östliche Teil des Schutzgebietes ist dem Kraichgau, hierin der naturräumlichen Einheit Rauenberger Bucht, zuzuordnen.

In dieser Randhügelzone findet sich mit dem lehmig bis tonigen und basenreichen Böden unterschiedlichen Feuchtegrad ein vielfältiger Standortwechsel.

 

Die abiotischen Faktoren

Die Geologie des Schutzgebietskomplexes ist aufgrund der Lage am Ostrand der Oberrheinebene mit den unterschiedlich tief abgesunkenen Bruchschollen des Oberrheingrabens äußerst kompliziert.

Von großem Interesse für die Standortverhältnisse des Schutzgebietes sind hierbei lediglich die quartären Sedimente.

Im westlichen, zur Hochenheimer Hardt zählenden Schutzgebietsteil sind die quartären Sedimente oberflächennah oder -bildend.

Teilweise sind sie von nährstoff- und basenarmnen, trockenen Flugsanden überdeckt.

Im NSG „Dörnigt"bereichert eine sandig-tonige Lehmüberdeckung die ansonsten armen Standortverhältnisse.

Die Randsenke wurde anscheinend ehemals von der Kinzig, der Murg und anderen Rheinnebenflüssen durchflossen, so daß heute kalkhaltige, lehmig-tonige, holozäne Auensedimente oberflächenbildend sind.

Die tiefsten Stellen der Randsenke liegen im Einflußbereich des Grundwassers, welches hier die Bildung von An- und Niedermoor ermöglicht.

Am Ostrand der Randsenke, im Übergang zum Kraichgau, sind kleine Schwemmfächer aus abgeschwemmtem Löß und Sandlöß bereichernd.

Weiter östlich, im Übergang zum Kraichgau, werden letztere vorherrschend.

Kleinflächig sind tertiäre Tone und Vernässungen im Bereich von Quellaustritten eingestreut.

Die Hydrologie des NSG/LSG „Hochholz-Kapellenbruch" ist besonders im Bereich der feuchten Randsenke wegen des hohen Grundwasserstandes und dreier Grabensysteme bemerkenswert zu erwähnen.

Die drei Grabensysteme (Alter Kehrgraben, Neuer Kehrgraben, Kahlbach) fließen, entgegen der sonst üblichen Richtung im Bereich der Rheinebene, nach Süden, wo sie sich zum Kehrgraben vereinigen.

Der Alte Kehrgraben und der Kahlbach haben noch weitgehend einen natürlichen Verlauf, wobei letzterer im Norden naturnahe Bächlein aus dem Kraichgauanstieg aufnimmt, im Süden allerdings durch die Sondermülldeponie Malsch stark beeinträchtigt wird.

Der Neue Kehrgraben mit seinen Seitengräben soll Entwässerungsfunktionen übernehmen, was aufgrund geringer Niveauunterschiede kaum möglich ist.

Das Klima des NSG/LSGs ist mit den milden Wintern, warmen Sommern und dem geringen Niederschlag dem typischen der Oberrheinebene einzuordnen.

Dies gilt auch für den Kraichgauanstieg, der aufgrund des geringen Höhenanstiegs nicht niederschlagswirksam wird.

 

Die biotischen Faktoren

Aufgrund des hier zugrundeliegenden geobotanischen Gutachtens sind ebensolche Aussagen für jeden Schutzgebietsteil exakt möglich.

Faunistischen Angaben hingegen sind aufgrund der vorliegenden Zufallsbeobachtungen nur als Gesamtabriß wiederzugeben.

 

Die Flora und die Vegetation der einzelnen Naturschutzgebiete

 

Das NSG „Dörnigt"

Die Naturschutzwürdigkeit dieses Wieslocher Stadtwaldes liegt in seiner Naturnähe und Baumartenzusammensetzung.

Hier stocken auf jungpleistozänen.Lehmen und Sedimenten unterschiedliche Ausbildungen von Stieleichen-Hainbuchen-Wäldern.

Besonders der westliche Teil des Schutzgebietes ist mit über 120jährigen Beständen altholzreich.

Die Stieleiche ist wesentlich am Kronenaufbau beteiligt.

In der Krautschicht dominieren basiphile Pflanzenarten, die lediglich im Süden durch einige acidophile, auf Flugsand wachsenden Arten ergänzt werden.

Dieser Waldtyp ist hiermit den Hainsimsen-Stieleichen-Hainbuchen-Wäldern zuzuordnen.

Der typische Stieleichen-Hainbuchen-Wald ist im östlichen Schutzgebiet eingestreut in den frühjahrsblütenreichen Aronstab-Stieleichen-Hainbuchen-Wald.

Dieser ist frischer als der obengenannte und geht in feuchten Standorten am Alten Kehrgraben in einen Erlen-Eschen-Wald über.

Im Ganzen ist dieser Schutzgebietsteil jünger aufgebaut, beinhaltet aber einige bemerkenswerte Überhälter, so eine Stieleiche mit 305 cm und einen ansonsten zierlichen Feld-Ahorn mit 190 cm Stammumfang.

Die Frühjahrsgeophyten wie z.B. der Bärlauch, das Moschuskraut und die Einbeere u.v.a.m. weisen auf die Qualität des Standortes hin.

Die Waldwegränder beherbergen darüber hinaus einige bemerkenswerte Pflanzenvorkommen, so z.B. das große Zweiblatt, die Bergminze und die Hänge-Segge.

Das NSG „Dörnigt" zeichnet sich weniger durch besondere Einzelvorkommen von Pflanzen aus, sondern vielmehr durch eine einzigartige Artenzusammensetzung, die den Naturschutzkriterien „Natürlichkeit, Repräsentanz, Vielfalt, Gefährdung und Vollkommenheit" in vollem Umfang entspricht.

Stieleichen-Hainbuchen-Wälder sind eigentlich typisch in der planaren und submontanen Höhenstufe, wo sie auf zeitweise feuchten Böden mit unausgeglichenem Wasserhaushalt stocken.

Ursprünglich waren diese Wälder auch in der nördlichen Oberrheinebene weit verbreitet.

Leider wurden sie jedoch aufgrund ihrer positiven Standorteigenschaften zur großflächigen, landwirtschaftlichen Nutzung umgewandelt.

Auch heute noch sind die Stieleichen-Hainbuchen-Wälder gefährdet, z.B. durch

-Änderungen im Wasserhaushalt,

-Anlage von Gewerbeflächen oder

-Änderung der Forstbewirtschaftung.

 

Das NSG „Kehrgrabensystem"

Dieses NSG beinhaltet die naturschutzwürdigen Gräben, die als schmale lineare Strukturen die ansonsten intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen des feuchten Kapellenbruchs durchziehen.

Es handelt sich hierbei um den Neuen Kehrgraben mit seinen zahlreichen Nebengräben sowie um den nördlichen Kahlbach.

Die Gräben sind ca. 1-3 m breit, ca. 1 m tief und haben eine verhältnismäßig geringe Fließgeschwindigkeit.

In diesem Naturschutzgebiet sind die Gräben fast nicht von Gehölzen gesäumt und haben teilweise auch nur einen schmalen begleitenden Grasrandstreifen.

Dieser ist auf trockenen Standorten von grünlandähnlichen Ruderalgesellschaften und in Ackernähe von nitrophilen Arten wie z.B. der Brennessel gebildet.

In feuchteren und nährstoffreicheren Bereichen dominieren nitrophytische Stauden wie die Engelwurz, die Kohldistel und der seltene Hohe Steinklee.

Auf entsprechend nährstoffarmen Standorten haben sich die zwei Pfeifengras-Arten (Molinia caerulea und arundinacea) in Gemeinschaft mit dem Teufelsabbiß ansiedeln können.

Die eher nassen Böschungsfüße sowie die Grabensohlen durchziehen Hochstauden-, Röhricht- und Großseggengesellschaften, die allerdings teilweise sehr eng miteinander verzahnt sind.

Die nassen Hochstauden umfassen so auffallend blühende Arten wie die Schwertlilie, das Kappen-Helmkraut oder das Große Flohkraut.

In den Röhricht-Gesellschaften sind hier die landschaftsprägenden und -gliedernden Schilf- und Rohrglanzgras-Gesellschaften mit der entsprechenden Begleitflora zusammengefaßt.

Bemerkenswert zu erwähnen ist hier das Vorkommen das Schmalblättrigen Rohrkolbens.

Neben den landschaftsprägenden Röhrichten treten immer wieder auf der feuchten Grabensohle und im langsam fließenden Wasser Flecken von Kleinröhrichten auf, deren wichtigste Vertreter der Aufrechte Merk und der Manna-Schwaden sind, ergänzt durch blütenreiche und somit insektenwichtige Stauden wie der Wasserfenchel und der Einfache Igelkolben.

In den Großseggenröhrichten dominiert die Sumpf-Segge, in deren Bestände allerdings seltenere Seggen, wie die steife Segge, eingestreut sind.

Die eigentliche Wasserpflanzenvegetation ist zwar weniger artenreich ausgebildet, beinhaltet aber einige sehr bemerkenswerte Arten, so die gefährdete Wasserfeder, die im gesamten Schutzgebiet in mehreren tausend (!) Exemplaren vertreten ist.

Die häufigste Wasserpflanzen-Gesellschaft ist jedoch die der Kanadischen Wasserpest, die relativ artenarme Bestände mit Wasserlinsen und Laichkräutern bildet.

Gelegentlich beigefügt sind heir allerdings seltene Arten wie der Haarblättrige Wasser-Hahnenfuß.

Die Gräben im NSG „Kehrgrabensystem" sind nicht nur aufgrund des Vorkommens seltener Pflanzenarten und -gesellschaften hervorzuheben, sie sind ebenso bedeutsam als

-gliederndes und belebendes Element der feuchten Randsenke,

-als strukturierendes und vernetzendes Element,

-als Lebensraum vielfältigster Tierarten, die sich der Deckung des Blütenreichtums und der teilweise guten Wasserqualität der Gräben erfreuen.

 

Das NSG „Bruchwald, Watzenbruch, und Straßenwiesen"

Dieses größte der drei NSGs umfaßt den Wald der feuchten Rinnen östlich und westlich der Randsenke mit den Gräben innerhalb bzw. am Rande der Randsenke, einige Gräben mit anschließenden Wiesen- bzw. Ackerflächen und östlich der Randsenke den Kraichgauanstieg mit den daran anschließenden, durch die B3 zerschnittenen extensiv landwirtschaftlich genutzten Kleinparzellen.

Folgende Gliederung ist möglich

Gehölzbestände: Einzelgehölze, Streuobst, Gebüsche, Vorwälder, Wälder feuchter bis eher trockener Standorte

Fluren: Wiesen, Brachen, Äcker

Gewässer: Gräben, Bäche, Gumpen.

Die Gehölzbestände

Enzelgehölze sind in wenigen Exemplaren in der feuchten Randsenke entlang von Wegen zu finden.

Es handelt sich in der Regel um diverse Mostobstarten.

Es ist zu vermuten, daß die wegbegleitenden Gehölze früher zahlreicher waren, allerdings war die feuchte Randsenke wohl nie besonders gehölzreich.

Dieses ist auch nicht anzustreben.

Klassische Streuobstwiesen sind ebenfalls im Gebiet nicht vorhanden, allerdings liegen im Gewann Straßenwiesen und Siertswiesen umfangreiche Obstbaumparzellen, die teilweise stark verwildert sind.

Hier konnten gut strukturierte Dickichte aus Obstgehölz entstehen, in die Straucharten eingeschlossen sind.

Vegetationskundlich sind diese Flächen weniger interessant, beinhalten aber ein hervorragendes Nahrungs-, Deckungs- und Brutangebot für Vögel und Fledermäuse.

Gebüsche und Vorwälder sind nur kleinflächig ausgebildet.

Sie kommen in der Regel als schmaler Saum an Waldrändern, an der Bundesbahntrasse HD-KA sowie als Feuchtgebüsche an Gräben und auf den Feuchtwiesen im Gewann Straßenwiesen vor.

Die Gebüsche der Waldränder und an der Bundesbahntrasse bestehen aus den mesophilen Arten Hasel, Hainbuche etc.

An der Bundesbahn werden sie regelmäßig auf den Stock gesetzt, was einer niederwaldartigen Bewirtschaftung entspricht.

Die Gebüsche der Feuchtwiesen und Gräben sind weniger artenreich und vorwiegend aus Weiden, Schwarzerle und Esche aufgebaut.

Wald bestockt großflächig die NSG-Teile in den Gewannen Bruchwald, Buchen und Geissenrain.

Der Erlen-Bruchwald sockt hier auf nassen, tief gelegenen Mulden am Alten Kehrgraben im Gemeindewald Distrikt I Bruchwald.

Die Böden sind stark vom Grundwasser beeinflußt, humos bis anmoorig.

Die bestandbildende Baumart ist die hier schlechtwüchsige Erle, ihr beigemischt ist die Esche.

Eine Strauchschicht ist kaum ausgebildet, die Krautschicht läßt mesophile Waldarten vollkommen missen und besteht aus Röhrichtarten eutropher Standorte.

Zu erwähnen sind hier die charakteristischen Großseggen Sumpf-, Steife, Ufer- und Blasen-Segge.

Erlen-Bruchwälder haben ihren Verbreitungsschwerpunkt im Regierungsbezirk KA in der feuchten Randsenke der Oberrheinebene (Kinzig-Murg-Rinne).

Leider sind sie jedoch durch Grundwasserabsenkungen und Entwässerungsmaßnahmen gestört oder vernichtet worden und gehören heute zu den stark bedrohten Waldgesellschaften.

Auf grundwasserbeeinflußten, gelegentlich überfluteten, nährstoff- und basenreichen Mullbodenstandorten stocken Erlen-Eschen-Wälder.

Sie nehmen in dem NSG „Bruchwald, Straßenbruch und Straßenwiesen" große Flächen - innerhalb der feuchten Rinnenbereiche und auf flächigen Quellaustritten - am Kraichgaurand ein.

Die Baumschicht ist sehr gut strukturiert und artenreich.

Neben den namengebenden Gehölzen gehören Flatter- und Feld-Ulme, die drei hiesigen Ahorn-Arten und auf trockeneren Standorten die Stiel-Eiche zu dem Bestand.

In der Krautschicht wachsen hygrophile und mesophile Waldarten wie das Hexenkraut, der Wald-Ziest etc.

Die Besonderheit der hier zu schützenden Erlen-Eschen-Wälder liegt zum einen in ihrer naturnahen und großflächigen Ausbildung, wie sie - ähnlich wie bei den Erlen-Bruchwäldern - mittlerweile selten und stark gefährdet geworden sind.

Zum anderen muß das reichliche Auftreten der durch ihre markanten Brettwurzeln gekennzeichneten Flatter-Ulme hervorgehoben werden.

Sie ist nur noch an wenigen Stellen der Oberrheinebene in so großer Zahl vorhanden und gilt allgemein als selten und schonungsbedürftig.

Die Stieleichen-Hainbuchen-Wälder umfassen große Teile des NSGs und kommen in fünf standortbedingten Ausbildungen auf „mittleren" Standorten der Randsenke und östlich des Kahlbaches auf Sandlöß und tertiären Tonen am Kraichgauanstieg vor.

Ihre Artenzusammensetzung und Gefährdung wurden schon im Zusammenhang mit den NSG „Dörnigt" beschrieben.

Die Fluren

Die Wiesen des NSGs „Bruchwald, Watzenbruch und Straßenwiesen" beschränken sich bis auf zwei nahezu unbedeutende Vorkommen auf den feinstrukturierten Kraichgauanstieg östlich des Kahlbaches.

Das Spektrum der Wiesengesellschaften umfaßt sowohl extensiv wie intensiv genutzte, feuchte oder eher trockene Ausbildungen.

Die Glatthafer-Wiesen (Arrhenatheretum elatioris) nehmen einen bedeutenden Teil der Wiesengesellschaften ein.

Sie gehören den Fettwiesen der planaren bis submontanen Höhenstufe an und gedeihen auf mittleren Standorten mit meist lehmigen, mäßig trockenen bis mäßig feuchten Böden.

Die Artenzusammensetzung der Glatthaferwiesen ist u.a. von dem Ausmaß der Bewirtschaftung abhängig.

Gar nicht oder nur weinig gedüngte, einmal jährlich gemähte Glatthaferwiesen fallen durch ihren starken Blütenreichtum auf, zu stark gedüngte und gemähte oder gar nicht gepflegte verarmen jedoch sehr schnell.

Das NSG beinhaltet vier Glatthafer-Wiesen-Ausbildungen

1) Auf Grabenböschungen, Feldwegränder, Straßenraine oder auf ungepflegte Wiesen beschränkt kommt die ruderale Glatthafer-Wiese vor.

Die Gesellschaften sind verarmt, sie werden allerdings in Abhängigkeit von ihren Kontaktgesellschaften schnell von Hochstauden bereichert.

2) Die typische Glatthafer-Wiese ist aufgrund der etwas stärkeren Düngung ebenfalls relativ artenarm.

Sie ist die heute noch vorhandene Wiesengesellschaft der feuchten Randsenke und des Kraichgauanstieges.

3) Die Salbei-Glatthafer-Wiese stockt auf etwas trockeneren Standorten im Gewann „Straßenwiesen".

Gekennzeichnet ist sie durch den namengebenden Salbei sowie andere Arten der Halbtrockenrasen, z.B. der Aufrechten Trespe, dem Kriechenden Hauhechel oder der Tauben-Skabiose.

4) Die Kohldistel-Glatthafer-Wiese besiedelt mäßig feuchte Bereiche im Gewann „Straßenwiesen".

Sie beinhaltet typische Feuchtezeiger, wie die Kohl-Kratzdistel, die seltene Traubige Trespe und als floristische Besonderheiten die Filz-Segge und die Knollige Kratzdistel.

Die Kohldistel-Wiese wächst ebenfalls nur in dem Schutzgebiet „Straßenwiesen" auf nassen, meist quelligen Standorten.

Kennzeichnende Pflanzenarten sind die stark vertretende Traubige Trespe sowie als floristische Besonderheit die Knoten-Binse und die Lücken-Segge.

Nördlich der Straße nach Malschenberg kommt zudem noch das Blaue Pfeifengras in Kombination mit den obengenannten seltenen Feuchtezeigern und dem Teufelsabbiß vor.

Diese Bestände vermitteln zu den typischen Pfeifengras-Wiesen.

Die Naturschutzwürdigkeit der im NSG „Bruchwald, Watzenbruch und Straßenwiesen" vorkommenden Wiesen ist begründet durch

-die zahlreichen, hier vorkommenden seltenen Pflanzenarten,

-die einzigartige und vielseitige Artenzusammensetzung,

-die enge Verzahnung einzelner Wiesentypen und der daraus resultierenden, ökologisch wertvollen Übergangsbereiche,

-die Seltenheit dieser ursprünglich häufig vertretenen, artenreichen Wiesen in der Oberrheinebene und im gesamten Regierungsbezirk KA.

Die Brachen des NSGs „Bruchwald, Watzenbruch und Straßenwiesen" gehen auf unterlassenen Pflege und Unterhaltung von Wiesen (Gewann Straßenwiesen) oder Äckern (Gewann Watzenbruch) zurück.

Die brachgefallenen, also nicht mehr genutzten Wiesen - meistens handelt es sich hierbei um Feuchtwiesen - werden schnell von blütenreichen Hochstauden, z.B. dem Mädesüß oder von Großseggen und Schilf eingenommen.

Diese für die Insekten- und Vogelfauna wünschenswerte Entwicklung steht in einigen Fällen dem Schutz seltener Feuchtwiesengesellschaften entgegen.

Nach eingehender Abwägung müssen hier für die Zukunft Pflegeziele und -maßnahmen entwickelt werden.

Floristisch-vegetationskundlich und vermutlich faunistisch interessant sind hingegen die großen, zeitweilig überfluteten Ackerbrachen des Watzenbruchs.

Sie liegen auf nährstoffreichen, leicht zu bewirtschaftenden und ertragreichen, allerdings zu nassen Böden.

In den vergangenen Jahren wurden hier durch Extensivierungsmaßnahmen bzw. Flächenaufkauf größere Bereiche aus der intensiven Nutzung genommen.

Auf diesen zeitweilig überflutenden Ackerbrachen haben sich artenreiche Annuellen-Gesellschaften entwickeln können, die eine Fragment-Gesellschaft des Dreiteiligen Zweizahns bilden.

Diese bestandsbildende Kennart wird neben anderen Arten ergänzt durch typische aber seltene Ackerwildkräuter wie das Acker-Leinkraut und die Tännelkräuter.

Diese Annuellen-Gesellschaft ist eng verzahnt mit einem Fragment der Zwergbinsen-Gesellschaft.

In ihr gedeihen seltene und gefährdete Arten wie das Braune Zypergras oder die Salz-Bunge.

Daß die Sukzession auf diesen Brachäckern langfristig Röhrichtstadien entwickeln wird, ist schon jetzt anhand des Auftretens zahlreicher Röhrichtarten erkennbar.

Erfreulicherweise gehören hierzu auch Meerbinsen-Pionierröhrichte, z.B. mit der Meer-Binse, die ebenso wie einige andere salzertragende Pflanzen des Schutzgebietes im Binnenland relativ selten sind.

Noch in Nutzung befindliche Ackerflächen gibt es in diesem NSG kleinflächig im Gewann „Straßenwiesen".

Die Äcker sind hier nicht sehr intensiv genutzt und lassen ein interessantes Ackerwildkraut-Vorkommen erwarten.

So konnte 1988 auch ein Exemplar des stark gefährdeten Acker-Hahnenfußes beobachtet werden.

Die Gewässer

Die Gräben des NSGs „Bruchwald, Watzenbruch und Straßenwiesen" entsprechen vegetationskundlich denen des NSGs „Kehrgrabensystem".

Hervorzuheben ist hier lediglich der den Bruchwald querende Alte Kehrgraben, der ein Massenvorkommen der gefährdeten Wasserfeder beinhaltet.

Das Gewann „Straßenwiesen" durchziehen kleine, unbenannte Bäche, die entweder von den typischen Feuchtgebüschen oder von den in Zusammenhang mit den Gräben beschriebenen Röhrichten gesäumt werden.

Der Kahlbach durchfließt das Schutzgebiet im östlichen Bruchwald und ist dort in die entsprechende Waldgesellschaft feuchter Standorte, die Erlen-Eschen-Wälder, eingebettet.

Gumpen oder andere Vertiefungen finden sich im westlichen Bruchwald und im Watzenbruch.

Sie sind in der Regel unnatürlich und aus floristisch-vegetationskundlicher Sicht den feuchten Bruchstandorten anzugliedern.

 

Die Fauna der Naturschutzgebiete

Umfangreiche faunistische Erhebungen liegen für das kombinierte NSG/LSG „Hochholz-Kapellenbruch" mit seinen drei Naturschutzgebieten nicht vor.

Trotzdem sind Hinweise aufeinige Tiergruppen möglich.

Die Amphibien

Die zahlreichen Gräben, Bäche, feuchten Rinnen in Wäldern sowie Wiesen und Gebüsche sind ideale Lebensräume für Amphibien.

In den eng miteinander verzahnten Biotoptypen finden sie ideale Laich- und Überwinterungshabitate.

In den zahlreichen, kaum bewachsenen Vertiefungen aller NSG findet sich eine hervorragende Gelbbauchunken-Population.

Speziell in den feuchten Randsenkenwäldern ist der Lebensraum der Laub- und Grasfrösche.

Aus der westlichen Randsenkenrinne im Schutzgebietsteil „Bruchwald" sind darüber hinaus aus anthropogen bedingten Vertiefungen Kreuzkröten und Springfrosch bekannt.

Die Vögel

Bedeutsam, wenn auch nicht vollständig erfaßt, ist das Brutvogelvorkommen des Schutzgebietes.

So sind in den schilfbewachsenen Gräben sowie brachgefallenen, schilfreichen Feuchtwiesen Rohrsängerarten (Sumpf. und Schilfrohrsänger) beobachtet worden.

In dem Teil-NSG „Straßenwiesen", das einen überaus starken Wechsel unterschiedlich extensiv genutzter, landwirtschaftlicher Flächen mit teilweise verwilderten, teilweise gepflegten Gehölzbeständen aufweist, sind einige für derartige Gebiete, aber heute ebenso seltene und gefährdete Vogelarten beobachtet worden.

Hierzu gehören den Neuntöter, der Wendehals und der Pirol.

Alle die hier aufgezählten Vogelarten sind auf der Roten Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten vertreten und zwar z.T. in sehr hohen Gefährdungskategorien.

In den feuchten Wäldern der Randsenke wurden neben einigen der obengenannten seltenen Vogelarten außerdem der Turmfalke, die Turteltaube, die Waldschnepfe sowie bis vor einigen Jahren auch der Wespenbussard und der Baumfalke gesehen bzw. gehört.

Die Fledermäuse

Von privater Seite recht intensiv untersucht ist das Fledermausaufkommen dieses kombinierten Natur- und Landschaftsschutzgebietes.

Im Schutzgebiet selbst sowie an den angrenzenden Seen konnten hunderte von Fledermäusen bei ihren Jagdflügen beobachtet werden.

Es handelt sich hierbei in erster Linie um den Großen Abendsegler, die Zwergfledermaus und die Wasserfledermaus.

Nicht beobachtet, aber vermutet werden am westlichen Rande des Schutzgebietes Maus- und Langohren.

Die Quartiere der Fledermäuse sind in nur wenigen Fällen, bei einigen Abendsegler-Populatinen bekannt.

Sie befinden sich innerhalb des kombinierten NSG/LSG.

Vermutlich ist innerhalb des Schutzgebietes noch eine Vielzahl an Baumquartieren in den Altholzbeständen zu finden.

 

Die Schutzwürdigkeit und die Schutzbedürftigkeit

Die Schutzwürdigkeit des kombinierten NSG/LSGs „Hochholz-Kapellenbruch" ist begründet in

-den zahlreich vorkommenden seltenen, gefährdeten oder geschützten Pflanzen- und Tierarten,

-den sehr gut ausgebildeten, in großem Umfang naturnahen und seltenen Pflanzengesellschaften, speziell den Wäldern und Grünlandgesellschaften,

-der herausragenden Vielfalt an Biotoptypen,

-der starken Verzahnung und Vernetzung einzelner Biotopelemente,

-dem hohen ökologischen Potential der stark genutzten landwirtschaftlichen Flächen und

-in dem hohen Erholungswert der ausgedehnten, in großem Umfang noch naturnahen Wälder.

Die Schutzbedürftigkeit ergibt sich aus der Gefahr

-der industriellen Erweiterung im Raum Wiesloch-Walldorf,

-der Intensivierung der land- und forstwirtschaftlichen Nutzung,

-der Ausdehnung und Neuanlage von Freizeitanlagen,

-der mangelnden oder zu starken Pflege und Unterhaltung der Flächen und

-der Emissionen von der Sondermülldeponie Malsch.

 

Zusammenfassung

Das kombinierte NSG/LSG „Hochholz-Kapellenbruch" beinhaltet drei NSG:

-NSG „Dörnigt"

-NSG „Kehrgrabensystem"

-NSG „Bruchwald, Watzenbruch und Straßenwiesen".

Es umfaßt umfangreiche Wälder und Gebüsche auf feuchten/nassen bis relativ trockenen Standorten, zahlreiche Wiesengesellschaften vorwiegend feuchter Standorte, unterschiedliche Brachestadien, Ackerflächen und Grabensysteme.

Das Gebiet zeichnet sich durch vielfältigste Pflanzengesellschaften und zahlreiche, geschützte Pflanzen- und Tierarten aus.

Um das Potential dieses hervorragenden Gebietes in vollem Umfang nutzen zu können, müssen in den kommenden Jahren umfangreiche Extensivierungs- und Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, worunter im Gewann Straßenwiesen die Fortführung der historischen Pflege zu betrachten ist.

 

 

 

Ulrike Rohde