2.154 Kraichbach- und Weiherbachaue

 

Würdigung

 

 

Das Naturschutzgebiet „Kraichbach- und Weiherbachaue" umfaßt die Talaue des Kraichbachs zwischen Gochsheim und Münzesheim sowie die Aue des von Norden zufließenden Weiherbaches.

Das Schutzgebiet stellt einen typischen Ausschnitt einer gewachsenen Kraichgaulandschaft mit einer großen Palette an Lebensräumen dar: Weite Talauen mit Auwäldern entlang des Weiherbachs und großflächige Wiesenfluren am Kraichbach, die süd- und westexponierten Trockenhänge ehemaliger Weinberge, Schluchtwälder, Obstwiesen und Kleinststrukturen wie Hohlwege, Feldgehölze und Feuchtgebiete.

Herrliche Ufersäume wachsen entlang des naturnah dahinfließenden Weiherbachs.

An einigen Stellen gliedert er sich in mehrere kleine Arme auf, wo sich ein gut ausgeprägter Erlen-Eschenwald angesiedelt hat.

Altholzbestände aus

Erle (Alnus glutinosa), Esche (Fracinus excelsior), Stieleiche (Quercus robur), Weiden (Salix caprea, S. vinimalis) und Traubenkirsche (Prunus padus) prägen den Auwald.

Im Frühling entfalten hier die wohl schönsten Sumpfdotterblumenbestände weit und breit ihre Blütenpracht.

Die unterschiedlich nassen bis feuchten Mulden und Löcher im Überschwemmungsbereich bieten sich als ideale Lebensräume für feuchtigkeitsliebende Pflanzen und Tiere an, darunter gefährdete Amphibien wie Grasfrosch (Ran temporaria R4) und Erdkröte (Bufo bufo R4) und bedrohte Falterarten.

Dem westlichen Waldrand sind Wiesen vorgelagert, die stark vernäßte Zonen und Kleinstgewässer aufweisen.

Diese Flächen bilden einen harmonischen Übergang zwischen dem Ackerland der Umgebung und dem Wald und somit auch ideale Lebens- und Nahrungsräume.

Noch größere zusammenhängende - in dieser Ausdehnung für den Kraichgau außergewöhnliche - Grünlandfluren prägen die Kraichbachaue.

Unterschiedliche Feuchteverhältnisse und differenzierte Bewirtschaftung haben ein vielfältiges Grünlandmosaik entstehen lassen.

Kopfweiden entlang des reichgegliederten Bachlaufs wechseln mit Fettwiesen und kleinen Weiden- und Erlengehölzen ab.

Viele Vögel, Amphibien und Säuger profitieren von dieser Biotopvielfalt und dem Nahrungsangebot.

An den Talhängen stocken schluchtwaldartige Laubmischwälder.

In den oberen Hangbereichen und auf den Plateaus gehen sie in wertvolle Streuobstwiesen über, die mit ihren extensiv genutzten Wiesen ein ideales Verbindungsglied zwischen den Talauen und den weiten Ackerfluren der Umgebung darstellen.

Ein Bergsporn mit alten Obstwiesen, Hecken, Böschungen und Brachen erhebt sich markant über das Tal.

Die reichgegliederten Gewanne im Bereich Seeberg ergänzen mit ihren zahlreichen Stufenrainen, Hohlwegen, Sukzessionsflächen, Obstwiesen und Weinbergsbrachen das überaus vielfältige Lebensraumangebot.

Zum Schutz der großen Wiesenfluren ist ein Umbruchverbot in die Verordnung aufgenommen worden.

Die naturnahen Auwälder dürfen weder durch Kahlhiebe noch durch standortfremde Aufforstungen verändert werden.

Die Kraichbach- und die Weiherbachaue wurde am 1.3.1993 von Herrn Minister Schäfer als 700. Naturschutzgebiet des Landes Baden-Württemberg der Öffentlichkeit vorgestellt.