2.161 Oftersheimer Dünen

 

Würdigung

 

 

Südöstlich von Oftersheim erstreckt sich in Richtung Sandhausen der markante Höhenzug der „Oftersheimer Dünen".

Es sind die höchsten Binnendünen Baden-Württembergs, und trotz unterschiedlich dichter Bewaldung weisen sie noch viele vegetationsfreie Sandflächen auf.

Naturräumlich gehören sie zur Hardtebene, deren Sande zu kalkhaltigen Dünen aufgeweht wurden.

Selbst diese nährstoffarmen Böden sind seit Jahrhunderten mehr oder weniger dicht bewaldet.

Sie wurden sowohl als Waldweide als auch zur Harz- und Streugewinnung genutzt.

Die extreme Bodenbeanspruchung förderte einen offenen, nährstoffarmen Sandrohboden, der sich auf den Dünenkuppen und den sonnenexponierten Flanken ausbreitete und somit der typischen Sandrasenvegetation ein Ausbreiten ermöglichte.

Wärmeliebende und trockenheitsertragende Arten besiedeln diese Nischen.

Das Schutzgebiet der „Oftersheimer Dünen" setzt sich aus vier separaten Naturschutzgebieten zusammen, die in ein großes Landschaftsschutzgebiet eingebettet sind.

Der Teil „Friedenshöhe" grenzt unmittelbar an die Bebauung von Oftersheim an.

Auf der östlichen Dünenflanke kommen zwischen Kleingärten und auf einer ehemaligen Weinbergsbrache noch offene Flächen mit Pionierarten der kalkhaltigen Sandböden vor.

Der Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima R3) bewächst gerne die Ackerbrachen.

Ruderale Arten wie die Dach-Trespe (Bromus tectorum) und das Kanadische Berufkraut (Conyza canadensis) begleiten ihn hier ebenso wie andere typische Sandbewohner, z. B. die Platterbsen-Wicke (Vicia lathyroides R3) und die Steppen-Wolfsmilch (Euphorbia seguierana R3).

Große Polster des Scharfen und des Weißen Mauerpfeffers (Sedum acre, S. album) bedecken den offenen Sand.

Im Norden der Friedenshöhe befindet sich ein Robinienwäldchen, dessen Unterwuchs aus einer nährstoffreichen Krautschicht besteht.

Ein weiterer Teil ist der „Dreieichenbuckel", ein schmaler, licht mit Kiefern bewaldeter Abschnitt, der im Westen an landwirtschaftlich genutzte Flächen grenzt.

Der hohe Grad an Lichtdurchlässigkeit ermöglicht es der Ästigen Graslilie (Anthericum ramosum), dem Nickenden Leinkraut (Silene nutans) und der Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), die Lücken zu besiedeln.

Der „Feldherrnhügel" besteht fast ausschließlich aus lichtem Kiefern-Wald, der zur Zeit für Freizeitaktivitäten intensiv genutzt wird.

Hier befindet sich der höchste Punkt des 21 Meter hohen Dünenzuges, der in diesem Abschnitt noch sehr bewegt ist.

Die lichten Kiefernbestände tragen im Unterwuchs schöne Sandrasen.

Selbst die Reste der früher auf diesen Standorten weit verbreiteten Kalksand-Kiefernwaldgesellschaften sind sehr selten geworden und auf den Oftersheimer Dünen nicht mehr anzutreffen.

Auf nährstoffreicherem Boden an den Dünenflanken und an der Dünenbasis ist der Laubholzunterbau zum Teil sehr dicht.

Viele Baumarten wurden hier eingebracht.

Kräuter der Halbtrockenrasen und der Säume begleiten die eng untereinander verzahnten Standorte zwischen Wald und offener Fläche.

Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), Hügelmeister (Asperula cynanchica), Golddistel (Carlina vulgaris), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia), Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea), Berg-Haarstrang (Peucedanum oreoselinum) und Wohlriechende Skabiose (Scabiosa canescens R4) kommen hier vor.

Eingestreut treten immer wieder kleine Herde der Sandrasenvegetation auf.

Der östliche Teil der „Oftersheimer Dünen" ist das Gebiet „Am Golfplatz".

Hier handelt es sich um kleine Fragmente ehemaliger Sandrasen an einer geschützten Böschung, welche nicht der Pflege des Golfplatzes unterliegt.

Auf einer relativ kleinen Fläche wachsen Polster vom Sand-Thymian (Thymus serpyllum R3) und die darauf schmarotzende Sommerwurz (Orobanche alba R2), das Sand-Veilchen (Viola rupestris R3) und das Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella).

An der Dünenböschung stehen Gebüsche und ebenfalls Kräuter der Sandrasen und der Säume.

Das besondere Biotopangebot der „Oftersheimer Dünen" mit ihren extremen ökologischen Bedingungen hat eine besondere Attraktivität für angepaßte Tierarten.

So ist das Angebot ihrer Pflanzenhecke gerade für Wildbienen, Heuschrecken und Sandlaufkäfer von großer Bedeutung.

Als Besonderheiten seien hier stellvertretend

der Verkannte Grashüpfer (Chorthippus mollis R3), die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens R3), und der Dünensandlaufkäfer (Cicindela hybrida) erwähnt.

Die vier Naturschutzgebietsteile sind in ein großes Landschaftsschutzgebiet eingebettet.

Dazu gehören auch der Golfplatz, die Wälder in den Dünensenken und die landwirtschaftlich genutzten Fluren nahe Oftersheim.

Natur- und Landschaftsschutzgebiete unterliegen einem großen Erholungsdruck der umliegenden Ortschaften und der Stadt Heidelberg.

Der Golfplatz verursacht zusätzliche Anziehung.

Die Sandäcker und die reicheren Böden der Ebene ermöglichen den Anbau von Sonderkulturen wie Spargel.

Auf den bewirtschafteten Sandflächen finden sich Reste von Ackerwildkrautgesellschaften mit zum Teil seltenen Arten wie z. B. dem Wanzensamen (Corispermum marschalii R1).

Binnendünen gehören zu den gefährdetsten und schutzwürdigsten Biotopen der Rheinebene.

Bautätigkeit und Intensivierung von Land- und Forstwirtschaft haben diese Sonderbiotope stark zurückgehen lassen.

Viele Pflanzen und Tiere wurden auf diese Weise zurückgedrängt oder ganz verdrängt.

Um diese einzigartige Landschaft mit ihren hochspezialisierten Lebensräumen zu erhalten, ist es u. a. verboten,

-die offenen Sandflächen aufzuforsten,

-weiteres Grabeland zu schaffen,

-Pflanzenbehandlungsmittel oder Düngemittel zu verwenden und

-zum Zwecke der Jagd Wildäcker und Futterstellen auf offenen Sandflächen anzulegen.

Leider mußte während des Unterschutzstrellungsverfahrens ein schmerzlicher Kompromiß eingegangen werden:

Für eine seit vielen Jahren bestehende Planung einer Umgehungsstraße von Oftersheim und Schwetzingen, die eigentlich längst überholt ist, mußte in die Verordnung eine „Ausnahmegenehmigung" aufgenommen werden, sonst wäre das Schutzgebiet nicht zustandegekommen.