2.197 Sandgrube im Dreispitz-Mörsch

 

Würdigung

 

 

Etwa 1,5 km östlich von Mörsch liegt im Dreieck zwischen der Bahnlinie Karlsruhe-Rastatt, der Landstraße Ettlingen-Mörsch und dem östlich anschließenden Hardtwald das Gelände der „Sandgrube im Dreispitz-Mörsch".

Sie befindet sich inmitten der ehemaligen Flugsand- und Dünengebiete zwischen Rhein und Kinzig-Murg-Rinne, welche heute als Ackerfluren, Streuobstbestände, Sand- bzw. Kiesgruben oder als Baggerseen dem Menschen von Nutzen sind.

Das Schutzgebiet selbst umfaßt das gesamte frühere Abbauareal und die angrenzenden Abteilungen des Forchheimer Gemeindewaldes.

Schon seit langem waren hier die auf der Niederterrasse des Rheins abgelagerten kalkfreien, kiesigen Sande für die Bauwirtschaft von großem Interesse.

Jedoch bereits vor ca. 10 Jahren wurde die Kies- und Sandgewinnung eingestellt, nachdem die Trockenbaggerung sich erschöpft hatte und einer Naßbaggerung aus wasserwirtschaftlicher Sicht nicht stattgegeben wurde.

Das gesamte Areal der nur flachen Grube weist eine vielfältige und abwechslungsreiche Oberfläche auf.

Neben steilen und flachen Böschungen existieren zahlreiche, nicht abgbaute oder aufgeschobene Sand- oder Oberbodenhügel und auch grundwassernahe Senken und Dellen, die je nach Situation der Jahresniederschläge mehr oder weniger mit Wasser gefüllt sind.

In manchen Jahren erreicht der Grundwasserspiegel an keiner Stelle die Oberfläche, in anderen steht ein ganzer Teil unter Wasser.

Je nach Nutzung der Grubenfläche sind unterschiedliche Bodenverhältnisse entstanden.

Die teilweise stark verdichteten früheren Fahrwege wechseln mit lockeren, tief-gründigen oder wenig befahrenen Flächen.

An anderen Stellen wurde nur der Oberboden abgeschoben und der feste Untergrund freigelegt.

Diese unterschiedlichen Bodenstrukturen sowie Hangneigung, Nährstoff- und Wasserhaushalt bedingen ein abwechslungsreiches Mosaik auf engem Raum.

Auch die Böschungen besiedelt aufgrund ihrer differenzierten Ausbildung unterschiedlicher Bewuchs.

Entlang der trockenen, sandig-kiesigen Hangkanten und auf den extrem trockenen Flachböschungen hat sich eine artenreiche Sandflora eingestellt.

Auf den schwach mit Mutterboden überdeckten Flächen wachsen eher Arten der Halbtrockenrasen.

Sukzessionsstadien aus Möhren-Steinklee-Gesellschaften, aus Rotstraußgras-Sandrasen und aus Ginstergebüsch besiedeln unterschiedlich alte und unterschiedlich verdichtete Deponiehügel.

Dieses reichhaltige Biotopspektrum der Sandgrube im Dreispitz-Mörsch ist ein idealer sekundärer Ausweichbiotop für viele an Flugsand- und Binnendünen angepaßte Tierarten.

Die bisher nachgewiesene Anzahl von Insekten- und Vogelarten ist für den Naturraum überdurchschnittlich hoch und von überregionaler Bedeutung.

Der Verlust der ehemals weitverbreiteten sandreichen Standorte in der Umgebung hat viele der darauf spezialisierten Tier- und Pflanzenarten auf die Rote Liste bedrohter Arten geraten lassen.

Es ist daher nicht verwunderlich, daß ein Drittel der im Naturschutzgebiet festgestellten Hautflüglerarten auf der Roten Liste stehen.

Große Bereiche der Grubensohle bestehen aus kiesigen oder sandigen Rohbodenflächen.

Hier fällt das Massenvorkommen von Pionierarten auf.

Hiervon profitieren Bodenbrüter wie Flußregenpfeifer (Charadrius dubius) und Brachpieper (Anthus campestris).

In die kleineren und größeren Erdhügel bauen Steinschmätzer (Oenanthe spec.) und Bachstelzen (Motacilla alba) ihre Bruthöhlen.

Die steilen Abbauböschungen dagegen bieten dank gelegentlicher Schaffung neuer Anrisse einer weit und breit einzigen Uferschwalbenkolonie (Riparia riparia) ideale Nistmöglichkeiten.

Ähnlich der Bedeutung für die Insekten ist die Sandgrube somit auch für die Vogelfauna zu einem überregional bedeutenden Trittstein geworden.

Das ganze Jahr über, lassen sich bis zu 80 Arten zählen, wobei 23 von ihnen bei der Brut beobachtet wurden.

Hierbei ergänzen natürlich auch die an den tiefen Stellen der Grube ausgebildeten feuchten und sumpfigen Senken sowie der in den meisten Jahren vorhandene Tümpel das Lebensraumangebot.

Röhrichte sowie Binsen- und Hochstaudenfluren bieten Deckung, Nahrungs- und Nistmaterial.

Sobald das Grundwasser über die Oberfläche steigt, finden sich Erdkröte (Bufo bufo), Grasfrosch (Rana temporaria) und Teichmolch (Triturus vulgaris) ein, die im angrenzenden Kiefern-Mischwald ihr Winterquartier suchen.

Beeinträchtigt wird das Schutzgebiet vor allem durch das Befahren der offenen Grubensohle sowie der Böschungen und Deponiehügel durch Geländefahrzeuge aller Art, allen voran von Motorrädern, die die oft ausgebesserten Sperren leicht überwinden und die Sandgrube mehr einem Übungsgelände als einem Schutzgebiet gleichen lassen.

Nester Gelege und Vegetation werden zerstört, lockere Bodenschichten verdichtet.

Auch Erkundungen querfeldein bringen große Störungen und nachteilige Veränderungen mit sich.

Um diesen bedeutenden, sekundär entstandenen Lebensraum der die verlorengegangenen, charakteristischen Teile der Niederterrasse wie Flugsand- und Binnendünen ersetzen muß, zu bewahren, sind strenge Verhaltensregeln notwendig.

Betreten werden darf das Gelände nur auf den gekennzeichneten Wegen am Rande; Fahrzeuge aller Art haben im Schutzgebiet nichts verloren und müssen an der Landstraße abgestellt werden.

Auch auf beliebte Freizeitvergnügen wie z. B. Zelten, Reiten, Sonnenbaden, Feuer machen oder Flugmodelle fliegen lassen, ist zu verzichten.

Die Jagdausübenden steuern zum Schutz der Sandgrube bei, indem sie keine Futterstellen, Kirrplätze und Wildäcker errichten oder unterhalten und Rohbodenflächen und Böschungen von Mitte Februar bis Mitte August nicht betreten.