2.203 Allmendäcker

 

Würdigung

 

 

Die Allmendäcker schließen westlich - nur getrennt durch die Bahn Hauptstrecke - an das 1995 verordnete Naturschutzgebiet „Sandgrube im Dreispitz" im Osten von Rheinstetten-Mörsch an.

Aufgrund ihrer vielen Gemeinsamkeiten bilden sie eigentlich eine Einheit.

Das neue Schutzgebiet besteht ebenfalls aus kalkfreiein, kiesigen Sanden der eiszeitlichen Niederterrasse des Rheins.

Bei der in den 80er Jahren eingestellten Trockenbaggerung wurden Rohböden freigelegt.

Sie vernäßten im Nordteil, der später zum Nachteil der hier rastenden Watvögel mit Mutterboden aufgefüllt wurde.

Dennoch liegt das Gebiet der Allmendäcker heute deutlich tiefer als das anschließende Ackerland, und steile Böschungen bilden drei seiner Grenzen.

Außerdem gehören das Südufer der Kiesgrube, allgemein „Epple-See", genannt, und Teile des Spülsandfächers der Kiesgewinnungsanlage im Ostteil dazu.

Ein Teil der Böden ist etwas nährstoffreicher als die Grubensohle im Nachbargebiet.

Weil eine Naßbaggerung nicht genehmigt wurde, blieben die Flächen seitdem ungenutzt.

So entstand eine Natur aus Menschenhand, die sich nach dem Ende des Kiesabbaus ungestört inmitten der gründlich genutzten Umgebung entwickeln konnte.

Es wuchsen Krautsäume und Gebüsche heran, die sich heute in unterschiedlichen Entwicklungsstadien über das Gebiet verteilen.

Von besonderem Wert sind die Sandrasen der nährstoffarmen Rohböden, die mit ihrem spärlichen und äußerst lückigen Bewuchs den vielen Arten, die heute einen Großteil der Roten Listen ausmachen, einen mageren, kalkarmen, trockenwarmen Lebensraum bieten, in dem sie vor Konkurrenten geschützt sind.

Genannt sei als Pflanzengesellschaft hier der Rotstraußgras-Sandmagerrasen.

Erwähnenswert, weil gefährdet, sind unter den Pflanzenarten

der Kleinfrüchtige Acker-Frauenmantel (Aphanes microcarpa), das Kahle Ferkelkraut (Hypochoeris glabra), die Rote Schuppenmiere (Spergularia rubra) und das Hügel-Vergißmeinnicht (Myotis ramosissiana).

Insbesondere die Steilhangkronen beherbergen auf ihren extrem trockenen Standorten eine Reihe dieser wenig geläufigen Pflanzenarten wie z. B. die Berg-Sandrapunzel (Jasione montana), die sich stellenweise rasenartig ausbreitet.

Ein wichtiger Grund für den Artenreichtum in dieser Grube ist das unterschiedliche Alter der brachliegenden Flächen.

Zu den erwähnten Vorwaldstadien und den Sandrasen gesellen sich daher andere Magerrasen und Ginster-Gebüsch.

Am Schwemmfächer und am Baggerseeufer kommen feuchtigkeitsliebende Formationen hinzu.

Wie in der benachbarten Sandgrube profitieren besonders Insekten und Vögel von dieser kleinen Wildnis, wobei die einen den anderen als Nahrung dienen.

Die reiche Speisekarte lockte rasch Schwarzkehlchen (Saxicola torquata) an, die nur dann eine Brut wagen, wenn ihr Gebiet die erforderliche Ruhe bietet.

Die Allmendäcker bieten diese Möglichkeit, und deshalb findet man hier noch eines der wenigen Brutvorkommen.

Zu den im Naturschutzgebiet „Sandgrube im Dreispitz" beschriebenen Arten sei ferner der Kiebitz (Vanellus vanellus) genannt, der hier ebenfalls noch brütet.

Mit der Ausweisung als Schutzgebiet werden nun die Pionierstandorte und ihre Tier- und Pflanzenwelt gesichert.

Gleichzeitig wird die Förderung der Vielfalt an Strukturen und Sukzessionsstadien in der Verordnung festgeschrieben.

Damit die gefährdeten Vogelarten nicht gestört werden, dürfen Jäger das Brutgebiet vom 15. Februar bis zum 15. August nur zur Nachsuche und Bergung des erlegten Wildes betreten.

Für Besucher bietet sich die Möglichkeit, den Weg entlang der Bahnlinie zu benutzen, wenn man einen Blick in die tiefer liegenden Allmendäcker werfen will.

Im Gebiet selber existieren keine Wege, und auch die Freunde des Wassersports dürfen das Süd- und Südostufer des Baggersees nicht betreten.

Eine ausnahme bilden die Angler, die zwar am Südufer ihren Sport betreiben können, von der südöstlichen Ladzunge in Richtung deltaähnlichem Schwemmfächer aber nur die ersten 70 Meter.