2.212 Ölberg

 

Würdigung

 

 

über das Naturschutzgebiet „Ölberg“

 

1. Entstehung, gelogische Verhältnisse

Der Ölberg, beherrschende Randerhebung des „Bergstraßen-Odenwaldes“ zwischen Dossenheim und Schriesheim, 6-10 km nördlich von Heidelberg, erhebt sich mit einer absoluten Höhe von 449,2 m über den Meeresspiegel und mit einer relativen Höhe von etwa 300 m über die hier ohne ausgeprägte Vorbergzone angrenzende Rheinebene.

Die Längsrichtung des annähernd symetrisch, rückenartig aufgebauten Bergmassivs ist NNW, das hebt die Lage des Berges an der Bruchrandstufe des Oberrheingrabens deutlich hervor.

Die Entstehung des Ölbergs als Bestandteil des vorderen oder kristallinen bzw. Grundgebirgsodenwaldes geht geologisch aber weit hinter den im Tertiär entstandenen Rheintalgrabenbruch zurück, wenngleich dieses Ereignis mit seiner komplizierten Grabenbruchtektronik bei gleichzeitiger Anhebung der Grabenschulter durch Abbruch bzw. Abtragung mesozoischer Deckschichten die heutige Bergform entscheidend mitgeprägt hat.

Der am Fuße des Ölbergs zu Tage tretende granitische Grundgebirgssockel als der älteste, untere Teil des schichtförmig aufgebauten Berges entstammt der variszischen Gebirgsbildung im Karbon.

Der hier anstehende „Heidelberger Granit“ (Biotitgranit), ein hartes, an der Oberfläche verkrustes, durchklüftetes, rotbraunes Gestein hat ein mittleres Alter von 322 Millionen Jahren.

Abtragung und Einebnung dieses kristallinen Grundgebirges hinterließen eine fast horizontale Gebirgsrumpffläche (heute 280 m + NN), auf der dann in der jüngsten erdgeschichtlichen Epoche (Perm) des Erdaltertums (Paläozoikum) im Lauf von ca. 40 Millionen Jahren vulkanische Prozesse in mehreren Phasen den ca. 140 m mächtigen Dossenheimer Quarzporphyr entstehen ließen.

Diesem vulkanischen Deckenerguß bzw. dem Ausfließen einer rhyolitischen Schmelze im Gebiet Schriesheim-Handschuhsheim-Wendenkopf (größtes Vorkommen im Odenwald / Eruptionsstelle bisher nicht nachgewiesen), ging der Auswurf vulkanischen Lockermaterials als Wechselfolge von Sand- und Lapillituffen voraus.

Diese den Quarzporphyr unterlagernden, sekundär verfestigten Tuffe oder geringmächtigen „Pyroklastika“ treten wegen der relativ geringen Härte morphologisch wenig in Erscheinung und sind durch überlagernden Hangschutt weitgehend verdeckt, bilden aber zusammen mit dem mächtigen Deckenerguß des Quarzporphyr eine genetische Einheit.

Der unverwitterte Quarzporphyr, ein rotbraun-violettes bis grau-violettes, eckig bis kantig brechendes, sehr hartes Gestein besteht aus einer relativ homogenen Grundmasse (hohe Anteile SiO2) in die sichtbar Feldspäte und Quarze (Lithophysen als ehemalige Gashohlräume, die mit Quarzkristallen ausgekleidet sind) eingesprengt sind und die horizontales Fließgefüge (ehemalige Fließrichtung der Lava) erkennen läßt.

Die für Eruptivgesteine typische säulige Absonderung ist wenig ausgeprägt.

In der jüngsten erdgeschichtlichen Epoche (Quartär / Eiszeitalter) prägen verwitterungs- und oberflächennahe Umlagerungsprozesse die endgültige Gestalt des Ölbergs.

Löß, als windverfrachteter kalkhaltiger Feinstaub aus den Flußterrassen des Rheintales wurde am Ölberg abgelagert und findet sich heute in Resten in den unteren Bereichen der West- und Nordhänge als umgelagerter entkalkter Lößlehm oder als Schwemmlöß, der Rinnen und Hohlräume ausfüllt.

Die natürlichen Steinschuttdecken im oberen Teil des Ölberges (N + NO-Hang) sind eindrucksvolle Zeugen lange einwirkender, physikalischer Verwitterung des Quarzporphyrs unter periglazialen Bedingungen (in nicht mit Eis bedeckten Mittelgebirgs- und Tieflagen) (BURGMEIER).

 

2. Vor- und frühgeschichtliche Zeugnisse, Entwicklung zur Kulturlandschaft, historische Waldwirtschaft

Mit der nacheiszeitlichen Erwärmung entsteht in einem 15 000 bis 20 000 jährigen Zeitraum durch Prozesse der Bodenbildung und Vegetationsentwicklung unter dem Einfluß der Faktoren Gestein, Oberflächengestalt, Klima und Mikrofauna das differenzierte Feinrelief des bewaldeten Bergmassivs des Ölberges.

In diesen naturgeschichtlich bestimmten Bildungs- und Entwicklungsprozeß hat der Mensch erst im Lauf der letzten tausend Jahre mit zunehmender Wirksamkeit eingegriffen.

Die Anwesenheit des alt- und mittelsteinzeitlichen Menschen auf der Kulturstufe der Jäger und Sammler ist für den weiteren Raum des Gebirgsrandes des Odenwaldes und der Flußterrassen von Rhein und Unterem Neckar zwar eindrucksvoll belegt (z. B. Fundort Homo erectus heidelbergensis in den Mauerer Neckarsanden südöstlich Heidelberg), wie auch Zeugnisse jungsteinzeitlicher Bauernkulturen (ca. 5 000 bis 1 800 v. Chr.) existieren; landschaftlich prägenden Einfluß bewiesen diese frühen Kulturen jedoch nicht.

Auch die römische Herrschaft der ersten nachchristlichen Jahrhunderte, die zu Füßen des Ölberges in Ladenburg ein bedeutendes Zentrum römischer Kolonisation und Zivilisation entstehen ließ sowie römischer Gutshöfe, Villen und Bäder im bevorzugten Siedlungsraum des hügeligen Gebirgsvorlandes und der hochwasserfreien Teile der Oberrheinebene veränderten das Waldland des angrenzenden Odenwaldes kaum (KLEE).

Die Eßkastanie, heute stark vertretene Baumart am Ölberg, geht ebenso wie die Kultur der Weinrebe auf römische Landschaftskultur zurück.

Auch die im 3. Jahrhundert nach Chr. einwandernden Alemannen haben nach dem Rückzug der Römer Spuren vermutlich auch am Ölberg, sicher auf dem südlich benachbarten Heiligenberg bei Heidelberg-Handschuhsheim in Form von Ringwällen / Fluchtburgen hinterlassen, den Ölberg mit seinen natürlichen Waldgesellschaften des Eichen-Birken-Waldes und Eichen-Buchen, bzw. Eichen-Hainbuchenwaldes aber kaum nennenswert verändert (HECKLAU).

Erst mit der fränkischen Landnahme, Schriesheim und Dossenheim sind fränkische Gründungen (seit 8. Jh. urkundlich belegt), beginnt mit stärkerer Bau- und Siedlungstätigkeit, einschließlich der mittelalterlichen Burganlagen, der Strahlenburg und der Schauenburg, ein zunehmender, über die Jahrhunderte hinweg sehr nachhaltiger Einfluß auf die bis dahin weitgehend unberührte Naturlandschaft des Ölbergs.

Der waldbedeckte Berg war für die Siedlungen an seinem Fuß und die Burgen am unteren Berghang naheliegendes Bau- und Brennholzreservoir.

Die in der fränischen Siedlungsperiode gegründete „Zentallmendgenossenschaft“ der Gemeinden an der Bergstraße um Schriesheim und Dossenheim bestand nahezu 1000 Jahre (bis Ende des 18. Jahrhunderts) und ließ bis zum 15. Jahrhundert eine uneingeschränkte Waldnutzung der Allmendgenossen zu.

Diese freie Holzentnahme und weitgehend ungeregelte Holznutzung führte dann vermehrt zu streitbaren Auseinandersetzungen zwischen Landesherren und Genossenschaft um Eigentum am Wald und Einfluß auf die forstliche Nutzung.

Die Kurfürsten ernannten im 15. Jahrhundert Forstbeamte für die „Zentallmend“ und erließen eine „Zentallmendordnung“, die den Holzbedarf der Bürger regeln sollte.

Schließlich wurde Ende des 18. Jahrhunderts unter kurpfälzischer Herrschaft der Allmendbesitz auf die Gemeinden / Genossen aufgeteilt.

Schriesheim erhält mit ca. 1 500 ha den größten Anteil und ist damit bis heute größte waldbesitzende Gemeinde Badens.

Dieser ausgedehnte Genossenschafts- bzw. Gemeindewald deckte jahrhundertelang den Brennholzbedarf der Bürger, lieferte außerdem Bau- und Werkholz in kleinen Mengen, war bis ins 20. Jahrhundert Ort zur Entnahme von Laubstreu für die kleinbäuerliche Viehwirtschaft, diente als Weidegrund und war schließlich in der besonderen Form des Eichenschälwaldes Lieferant der für das Gerbereigewerbe unverzichtbaren Eichenrinde.

Das als Naturschutzgebiet ausgewiesene Ölbergmassiv trägt - mit Ausnahme der durch den Steinbruch beanspruchten Flächen - bis heute überwiegend artenreiche Laubmischwälder, die in der veralteten bzw. nur noch historisch bedeutsamen Betriebsform des Nieder- und Mittelwaldes bewirtschaftet wurden.

Der Mittelwaldbetrieb ließ eine den Bedürfnissen der bäuerlich-handwerklich bestimmten Wohnbevölkerung angemessene, vielseitige Waldnutzung zu, Massen- und Wertleistungen konnten mit dieser Betriebsform nicht erzielt werden.

Der Mittelwald bestand im wesentlichen aus einem mehrere Altersklassen umfassenden „Oberholz“, unterbaut mit einem stockausschlagfähigen „Unterholz“, das etwa alle 20 bis 30 Jahre abgetrieben wurde, wobei sogenannte „Laßreidel“ stehenblieben, die dann dem „Oberholz“ zuwuchsen.

Die Baumartenzusammensetzung ist außerordentlich vielfältig, Traubeneiche und Edelkastanie dominieren, weiterhin sind Buche, Hainbuche, Bergahorn, Linde, Birke, Esche und viele andere vertreten.

Ähnlich vielfältig in der Zusammensetzung ist die heute nicht mehr betriebene Wirtschaftsform des Niederwaldes, die vorwiegend der Brennholzgewinnung diente und am Ölberg Wälder mit buschwaldartigem Charakter mit niedrigen, mehrtriebigen, krummschäftigen Bäumen hervorbrachte.

Neben Edelkastanie und Traubeneiche, letztere dominiert in der Sonderform des Eichenschälwaldes, kommen vor allem noch Birke, Robinie, Zitterpappel, Hainbuche, Feldahorn und Linde vor.

Die Umtriebszeit betrug nur ca. 15 bis 20 Jahre, die Erneuerung des Niederwaldbestandes erfolgte im Wesentlichen über Stockausschläge.

Am Ölberg stocken diese ehemaligen Mittel- und Niederwälder auf von Natur aus ertragsarmen Böden.

Die autochtone Bodenbildung auf Quarzporphyr als Hartgestein ist über flachgründige, felsig-steinige Böden vom Typ Ranker (Ah-C-Profil) nicht hinausgekommen.

Diese Böden sind schon unter natürlicher Waldbestockung von geringem Nährstoffgehalt und Wasserhaltevermögen, - in Steil- und Oberhang-, Rücken- und Kuppenlagen - haben Erosion und in besonderem Maße bei Südexpositionen Trockenheit bzw. Wassermangel die Bodenbildung gehemmt.

Die dargestellten Waldbetriebsarten führten im Zusammenwirken mit intensiver Waldweide und Streunutzung in den genannten Lagen zu einer Verschlechterung des Bodens bzw. Standortes, die Übernutzung des Waldes ließ teilweise Blößen und stark aufgelichtete Waldpartien entstehen, auf denen keine Verjüngung mehr stattfand und Erosionsvorgänge die Wald- und Bodendegradation noch beschleunigten.

Ähnlich ertragsarme Standorte sind die von Gesteinsschutt überlagerten Hänge des Ölbergs in verschiedenen Expositonen.

Erst in ebeneren Lagen, oder im Bereich der Unterhänge, auf tiefgründigerem, feinerdereicherem umgelagertem Substrat, oder da wo Porphyrtuff und Biotitgranit anstehen, haben tiefgründige Verwitterungsvorgänge der Bodenbildung unter stärkerer Humusauflage zum Stadium der Braunerde (Ah-(Bv)-C-Profil) geführt.

Auch die ab Ende des 18. Jahrhunderts planmäßig einsetzende, auf neueren forstwissenschaftlichen Erkenntnissen aufbauende waldbauliche Behandlung der teilweise stark devastierten und übernutzten Mittel- und Niederwälder an der Bergstraße und im Odenwald durch Überführung in die Betriebsform des Wertholz liefernden Hochwaldes mit hohen Anteilen von Nadelholzarten (Fichte, Kiefer, Douglasie, Lärche) und mit dem Verbot der Waldweide und Streunutzung in den Staatswäldern, hat die in das Naturschutzgebiet Ölberg einbezogenen ehemaligen Mittel- und Niederwälder noch kaum erfaßt.

Dies ist außer der Besitzform des Gemeindewaldes (Streunutzung ist im Dossenheimer Gemeindewald bis ins 20. Jahrhundert belegt), vor allem auf die extrem „schlechten“ Standortbedingungen zurückzuführen, so daß eine Umwandlung in Hochwald sich nicht lohnte.

Diesem Umstand ist u. a. die großflächige Erhaltung zusammenhängender ehemaliger Mittel- und Niederwälder im Ölberggebiet zu verdanken.

Die ökologischen Schutzfunktionen dieser Wälder und ihre waldbauhistorische Bedeutung genießen aus forstlicher Sicht hier längst Vorrang vor ökonomischen Funktionen (HECKLAU / BRUNN).

 

3. Erschließung und Betrieb der Quarzporphyr-Steinbrüche

Außer der jahrhundertelangen Waldnutzung hat der Gesteinsabbau in den letzten 100 Jahren den Ölberg wesentlich geprägt, insbesondere seine Gestalt unübersehbar verändert und ganz neue Standortverhältnisse entstehen lassen, die nach Stillstand des Betriebes 1967 zu einer eindrucksvollen vielfältigen Biotopentwicklung führten.

Der erste Gesteinsaufschluß in Form eines kleinen Bruches im NO unterhalb des Gipfels erfolgte in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, wurde aber 1890 aufgelassen.

1899 begann südwestlich des Gipfels des Ölberges der Steinbruchbetrieb erneut (Vertrag zwischen Gesellschaft Pophyrwerk Edelstein Schriesheim und Gemeinde Schriesheim vom 14.09.1899), wurde an dieser Stelle aber aus Gründen der unbefriedigenden Qualität des Gesteines bald aufgehoben und 300 m nördlich an den oberen Westhang, nordwestlich des Gipfels verlegt.

1920 war der Steinbruch bis an den Gipfel herangerückt, der als eindrucksvolle Felsgruppe mit der Bezeichnung Edelstein (urkdl. Odelstein, was auf die sprachliche Verwandtschaft mit Odenwald schließen läßt und wahrscheinlich auch den Namen Ölberg erklärt) leider den Gesteinssprengungen zum Opfer fiel, wie auch Reste keltischer Ringwälle am Nord-West-Grat.

In den nachfolgenden Jahrzehnten entstand dann die endgültige Form des Bruches, der gegliedert in 4 Höhenstufen von ca. 33, 18-21, 21-23 und 42 m Höhe / und Sohlen, Terrassen oder Bermen in Breiten von wenigen bis zu 100 Metern große Teile des Westhanges der Bergkuppe einnimmt (ca. 300 m Ausdehnung NNW und 200 EEN) und durch die sichelförmige Krümmung der Höhenstufen wie ein riesiges Amphittheater mit der Stromtalebene des Rheines als landschaftliche Bühne daliegt.

Die Erschließung des Steinbruchgebietes erfolgte über eine ca. 1,5 km lange Lastseilbahn, die einen Höhenunterschied von ca. 200 m überwand und das vorgebrochene Gestein zur Talstation, dem Standort des Schotterwerkes, brachte, wo es zu Edelsplitt (Natursteinzuschlag bei der Betonherstellung), Schüttsteinen und Walz- und Rüttelschotter (Verwendung im Wasser-, Straßen-, Bahn- und Wegebau) weiter-verarbeitet und früher per Kleinbahn (OEG), später per Lastkraftwagen weiter-transportiert wurde.

Nach einem Großbrand im Schotterwerk 1967 wurde der Steinbruchbetrieb nicht wieder aufgenommen, auf Antrag der Stadt Schriesheim das beschädigte Schotterwerksgebäude und die Werksanlagen abgebrochen, mit der vertraglichen Zusicherung der Stadt gegenüber den Porphyrwerken Weinheim-Schriesheim AG, diese bei der Wiederaufnahme des Steinbruchbetriebes einschließlich der hierfür erforderlichen Erschließung zu unterstützen und den Pachtvertrag bis zum 31.03.2013 zu verlängern.

Die Verlängerung des Pachtverhältnisses ist an die Bedingungen der Sicherung der Bergsilhouette geknüpft.

Eine öffentlich rechtliche Genehmigung zum Gesteinsabbau liegt nicht vor.

Im Rahmen des Gesamtkonzeptes zur Sicherung oberflächennaher Rohstoffe in Baden-Württemberg hat der Regionalverband „Unterer Neckar“ auch die Quarzporphyrvorkommen an der badischen Bergstraße erfaßt und hierfür eine eigene Abbaukonzeption entworfen.

Demzufolge ist der Ölberg zwar als bedeutendes Rohstoffvorkommen (Quarzporphyr) eingestuft, auf Grund seiner hohen biologisch-ökologischen Bedeutung aber als Bereich gewertet, der vorrangig der Sicherung der Naturgüter Boden, Wasser, Klima und Luft und insbesondere der Tier- und Pflanzenwelt dient (HECKLAU / BURGMEIER; Regionalverbnd Unterer Necker).

 

4. Die Vegetationsverhältnisse

a) Waldvegetation

Die Vegetation des Naturschutzgebietes Ölberg, wird durch naturnahe Eichen- und Buchenwälder bestimmt, die überwiegend aus den Waldwirtschaftsformen des Nieder- und Mittelwaldes hervorgegangen sind, eine Sonderstellung nimmt die Vegetationsentwicklung im ehemaligen Steinbruchgebiet ein, die teilweise vorwaldartige Stadien erreicht hat.

Die Waldvegetation des Ölberges steht in enger Wechselwirkung zu der vorangegangenen, jahrhundertelangen Waldnutzung und den Standortverhältnissen, unter denen vor allem Hangneigung (Inklination) und Lager zur Himmelsrichtung (Exposition) neben den eigentlichen Bodenfaktoren (Mächtigkeit, Humusversorgung, Nährstoffe, Porenvolumen, chemische Bodenreaktion, Ausgangsgestein und Bodenart) eine entscheidende Rolle spielen.

So lassen sich die überdurchschnittlich hohen Anteile von Traubeneiche (Quercus petraea) und Eßkastanie (Castanea sativa) als häufigste und wichtigste waldbildende Baumarten (daneben sind Rotbuche, Winter- und Sommerlinde, Hainbuche, Sandbirke und Waldkiefer häufig vertreten) auf eine einseitige Selektion oder Förderung gegenüber der natürlichen Baumartenzusammensetzung zurückführen (Castanea als Nutz- und Rebholz, Quercus für Waldweide, Bau-, Brenn- und Gerberholz).

Weiterhin besteht eine auffällige Differenzierung zwischen den Wäldern der trocken-warmen West- und Südhänge, die bevorzugt von Eichenwäldern mit teilweise hohem Kastanienanteil eingenommen werden und den Wäldern der kühleren, feuchteren, schattigeren Nord- und Osthänge, auf denen der Hainsimsen-Buchenwald in den unteren Lagen vorherrscht.

Auf den trocken-warmen West- und Südhängen wächst auf flachgründigen, sandig-grusigen, teilweise an Steinschutt reichen Quarzporphyrverwitterungsböden der Traubeneichenwald (Luzulo-Quercetum petraeae Knapp 42 em. Oberd. 50), in dem die Traubeneiche dominiert, aber Wuchshöhen von 10 m selten überschreitet.

Eine Strauchschicht ist in diesen lichten Eichenwäldern, die aus Niederwäldern (Eichenschälwäldern) des 19. Jahrhunderts hervorgegangen sind, kaum ausgebildet, dagegen eine gut ausgebildete Krautschicht, die sich durch Florenelemente submediterraner und kontinentaler Flaumeichenmischwälder auszeichnet.

Als wärme- und lichtbedürftige Arten dieser Herkunft sind zu nennen:

Salomonsiegel (Polygonatum odoratum), Pechnelke (Viscaria vulgaris), Elsbeerbaum (Sobus torminalis), Flügelginster (Genista sagittalis), Purpurfetthenne (Sedum telephium).

Eine kastanienreichere Variante dieses Traubeneichenwaldes, in der die Eß- oder Edelkastanie (Castanea sativa) Wuchshöhen von annähernd 15 m erreicht und sich vereinzelt bereits Buche und Linde hinzugesellen, stockt auf etwas tiefgründigeren, an feinem bodenmaterialreicheren Standorten.

Die Waldbodenvegetation bzw. Krautschicht wird von Säurezeigern geprägt, wie z. B.:

Heidelbeere (Vaccinum myrtillus), Fingerhut (Digitalis purpurea), Heidekraut (Calluna vulgaris), Waldhainsimse (Luzula sylvatica) und Drahtschmiele (Deschampsia flexuosa).

Neben der beschriebenen, an exponierten Süd- und Westhängen dominierenden Waldgesellschaft des Traubeneichenwaldes kommen Übergangsformen zum moosreichen Eichen-Hainbuchenwald (Querceto-Carpinetum polytrichetosum Knapp 63) in Form des Traubeneichenmischwaldes und bei Annäherung an die Waldgesellschaft des Perlgras-Buchenwaldes (Melico-Fagetum Lohm. in Seibert V 54) in Form des Eichenmischwaldes vor.

Die zuerst genannte Übergangsform markiert den Übergang zum Granit als Ausgangsgestein einer tiefgründigeren Bodenbildung, die letztere weist mit dem stärkeren Auftreten der Buche bzw. dem Fehlen der Eichenwaldcharakterarten und der Säure- und Magerkeitszeiger auf verbesserte Standortverhältnisse und damit die Zugehörigkeit zu den Silikatbuchenwäldern hin.

Auf den Nord-und Osthängen des Ölberges ist in den unteren und mittleren Lagen bei tiefgründigen und nährstoffreichen Bodenverhältnissen der Hainsimsen-Buchenwald (Luzulo-Fagetum Neus. 37) die beherrschende Waldgesellschaft der klimatisch ausgeglicheneren „Schatthänge“.

Eine sehr bemerkenswerte standörtliche Besonderheit bilden die Steinschuttdecken oder Blockhalden aus Quarzporphyr der Höhen- und Gipfellagen (Ca. 320 m + NN), die im Kernbereich völlig frei von Gefäßpflanzen sind und in dieser einmaligen, klassischen Ausprägung an der Bergstraße nur noch im Bereich des Naturschutzgebietes Wendenkopf vorkommen.

Das Initialstadium und zugleich die Dauergesellschaft dieser offenen, nord- und ostexponierten, natürlich entstandenen Steinschutthalden aus ca. 5-25 cm großen, kantigen, polygonalflächigen, stark angewitterten, lose übereinander geschichteten Quarzporphyrgesteinsblöcken sind Flechten und Moose, die die Gesteinsblöcke wie Krusten und Polster überziehen (Kryptogamengesellschaften).

Unter den Flechten sind außer der Gattung Cladonia (Arten: C. portentosa und C. arbuscula) folgende Arten ausschließlich an diesen „Extremstandorten“ vertreten: Rhacomitrium canescens, Cornicularia aculeata.

Unter den Moosen hat PLESSING, auf dessen Arbeit sich die vegetationskundliche Würdigung des Gebietes weitgehend stützt, Polytrichum formosum, Pohlia nutans, Lophocolea bidentata, Plagiothecium denticulatrum, Hypnum cupressiforme nachgewiesen.

Diesen Pionieren der Steinschutthalden folgen in Randbereichen Drahtschmielenrasen und Farnbestände aus Dryopterix dilatata (breitblättriger Wurmfarn) und vereinzelt Polypodium vulgare (Gewöhnlicher Tüpfelfarn).

In den Rand- und Übergangsbereichen dieser Gesteinsschuttdecken, die stärker mit fein verwittertem Material durchsetzt sind, treten vereinzelt Pionier-Gehölzgruppen und schließlich lichte (Pionier-)Vorwälder auf, in denen außer Vogelbeere (Sorbus aucuparia) und Sandbirke (Betula pendula), auch schon Traubeneiche, Linde und Hasel vorkommen.

Als letztes Stadium im Übergang zum Hainsimsen-Buchenwald bzw. seinen Initialphasen stockt auf den Schuttdecken geringer Mächtigkeit ein artenarmer Ahorn-Linden-Pionierwald, in dem die Pioniergehölze Birke und Eberesche bereits zurücktreten.

In der Baumschicht herrschen Bergahorn, Winter- und Sommerlinde, eine Strauchschicht bildet sich aus Jungpflanzen der Baumschicht sowie aus Traubeneiche, Kastanie, Hasel und Schwarzem Holunder; die Krautschicht wird durch Farnbestände eingenommen (PLESSING).

b) Vegetationsentwicklung im Steinbruchgebiet

Die Vegetationsentwicklung in dem seit 20 Jahren augegebenen Steinbruchareal ist ein dynamischer Prozeß, der von ersten Flechtenkrusten und Moosteppichen auf dem rohen Gestein bis hin zu Vorwaldstadien reicht und noch Jahrhunderte andauern wird, bis annähernd stabile (dynamische Kräfte im Gleichgewicht) Verhältnisse erreicht sein werden.

Die Einmaligkeit und Besonderheit dieser Situation muß hier als herausragender und gewichtiger Grund für die Ausweisung eines Naturschutzgebietes hervorgehoben werden.

Sie besteht darin, daß in diesem aufgegebenen stilliegenden Steinbruchareal Prozesse der Gesteinsverwitterung, der Bodenbildung und Vegetationsentwicklung und der tierischen Wiederbesiedlung vom rohem Gestein und vom „lebensleeren“ unnatürliche geformten Raum ausgehend über viele Entwicklungsstadien hinweg beobachtet und wissenschaftlich dokumentiert werden können.

Die große standörtliche Vielfalt, die von der steilen glatten Felswand in voller Sonneneinstrahlung bis hin zur mächtigen Abraumhalde aus Lockermaterial und Gesteinstrümmern in ebener bis hängiger absonniger Lage reicht, läßt bei der engen Wechselbeziehung zwischen Lebensraumansprüchen bzw. Wuchsbedingungen von Tieren und Pflanzen und den standörtlichen Voraussetzungen wie Gestein, Relief und Klima eine sehr differenzierte Entwicklung von Lebensgemeinschaften und an extreme Bedingungen angepaßter Lebensformen erwarten bzw. ist, wie durch wissenschaftliche Gutachten bestätigt, bereits eingetreten und in stetiger Entwicklung.

Ähnlich wie auf den natürlich entstandenen Porphyrblockhalden bzw. –Steinschutthalden des oberen N/O-Hanges wurden die Extremstandorte des Biotopes Steinbruch von pflanzlichen Pionieren zuerst besiedelt, die sich als Dauergesellschaften sehr lange (Jahrzehnte bis Jahrhunderte) in diesen Stadien halten, wenn die standörtliche Entwicklung wie z. B. Humus-/Bodenbildung nur sehr langsam voranschreitet oder durch Erosion immer wieder unterbrochen wird.

Das gilt für die Moos- und Flechtengesellschaften der oberen voll besonnten Bermen und unterschiedlich steilen und zerklüfteten Felswände wie auch für xerotherme Felsband- und Rasengesellschaften der Felsvorsprünge und Felsspalten.

Glatte, senkrechte Felswände sind bis heute nahezu vegetationsfrei, auf hartem, kaum verwittertem, anstehendem Quarzpophyr in Wand- oder Bermenlage herrschen so extreme klimatische Bedingungen und Wasser- und Nährstoffmangelverhältnisse, daß nur acidiphile, lichtbedürftige, trockenheitsresistente Moose (Pohlia nutans, Polytrichum piliferum) und Strauchflechten (versch. Cladoniaarten) sowie Pionierrasen bodensaurer magerer rohbodenstandorte aus Straußgras und Drahtschmiele eine Ansiedlungs- und Überlebenschance haben.

Erst mit zunehmender Akkumulation von feinerem, verwittertem Substrat und organischer Bestandteile vermögen auf Schuttfächern am Fuß der Steilwände und auf den Bermen selbst, vorwaldartige Waldpioniergesellschaften Fuß zu fassen.

Diese trockenen, humus- und nährstoffarmen Rohböden oder Gesteinsskelettböden werden von dem Salweiden-Gebüsch (Epilobio-Salicetum capreae Oberd. 57) eingenommen, in dem außer der namengebenden Salweide, Sandbirke, Zitterpappel und Waldkiefer lichte vorwaldartige Bestände bilden, Moose und Farne dominieren noch in der Bodenvegetation.

Auf den trockensten und exponiertesten Standorten bildet sich ein artenarmes lückiges Frühstadium dieser Waldpioniergesellschaft, in dem die Gehölze höchstens Wuchshöhen von 3-5 m erreichen.

In weniger extremen Lagen mit zunehmend besseren Nährstoff- und bodenwasserverhältnissen und höheren Humusanteilen, oft in halbschattiger Lage an nordexponierten Wandfüßen, wird das Initialstadium der Vorwaldgesellschaft des Salweiden-Gebüsches artenreicher und erreicht bei fortschreitender Sukzession und Standortverbesserung schließlich ein Stadium, in dem der Waldcharakter deutlich zunimmt.

Als Folgegesellschaften des Salweidengebüsches sind in langen Zeiträumen Eichenwälder, Eichen-Hainbuchenwälder und Hainsimsen-Buchenwälder zu erwarten.

Auf den Abraumhalden des ehemaligen Steinbruchbetriebes, die aus unverwertbaren Gesteinstrümmern in Mischung mit feinem Gesteinsverwitterungsmaterial oft mehrere Meter mächtig und unnatürlich profiliert am Rande des ehemaligen Steinbruches aufgeschichtet sind, hat eine ähnliche Vegetationsentwicklung zu vorwaldartigen Stadien des Salweiden-Gebüschs geführt, das hier oft in engem Kontakt und Übergang zu angrenzenden Waldbeständen steht.

Auch hierbei kommt es, wie PLESSING nachweist, zu einer standörtlichen Differenzierung dieser Pioniergesellschaft nach Artenzusammensetzung und Aufbau der Baum-Strauch- und Krautschicht.

Eine Besonderheit der Bermen, und hier insbesondere der dritten, im Südteil besonders breiten Berme, sind Pflanzenbestände temporärer Kleingewässer und wechselnasser Geländemulden.

In den abflußlosen verdichteten Sohlen und Bermen des ehemaligen Steinbruchs werden diese sich bei starken und lang anhaltenden Niederschlägen bildenden Flachtümpel, die im Sommer regelmäßig austrocknen, von Verlandungspionieren wie Rohrkolben (seltener die schmal- häufiger die breitblättrige Art Typha angustifolia, - latifolia), Schilf (Phragmites australis) und flutendem Schwaden (Glyceria fluitans) besiedelt, früher austrocknende Randbereiche nehmen die Binsen (Juncus effusus und J. acutiflorus) und den schlammigen bis trockenen Gewässergrund das Sumpfruhrkraut (Gnaphalium uliginosum) ein.

Hiermit soll die ganze Bandbreite der Standortvielfalt, auf welche die pflanzliche Wiederbesiedlung dieses zur Zeit des Steinbruchbetriebes noch vegetationsfreien Raumes so fein und standorbezogen reagierte, abschließend geschildert sein und die Bemerkung hinzugefügt, daß wesentlicher Schutzgrund gerade diese jeweils standorttypische Vegetation in ihrem dynamischen Entwicklungsprozeß ist.

Als besonders gefährdet und auf menschliche Einflüsse wie Tritt und Eutrophierung empfindlich reagierend, müssen die Moos- und Flechtengesellschaften eingestuft werden, unter denen als seltene Vertreter Cladonia vericillata (Art aus der Gattung der Becherflechten) und als Vertreter der Bärlapp-Gewächse der Keulen-Bärlapp (Lycopodium calvatum) hervorgehoben sein sollen (PLESSING).

 

5. Fauna

In enger Wechselbeziehung zur Vegetationssukzession ist auch die tierische Wiederbesiedlung im ehemaligen Steinbruchgebiet erfolgt, bevorzugt von thermo- und xerophilen Arten, die diese extrem trocken-warmen Lebensräume ertragen bzw. an dieses angepaßt sind.

Über die faunistischen Verhältnisse liegt ein Gutachten von LUDWIG et al (Zool. Institut der Universität Heidelberg) vor, auf das sich die gestrafften Aussagen dieser Würdigung beziehen.

LUDWIG und Mitarbeiter unterscheiden das Vorkommen von 479 nachgewiesenen Tierarten nach Zugehörigkeit zu den 3 großen Standortgruppen der west- und südexponierten Hangwälder (trockener Eichen-Hainbuchenwald), der nord- und ostexponierten Hangwälder (kühlerer, feuchtere Hainsimsen-Buchenwald) des unversehrten Ölberges und innerhalb des ehemaligen Steinbruches nach den Lagen der Bermen.

Die nach Taxa (system. Gliederung des Tierreiches nach Art, Gattung, Familie, Ordnung, Klasse) geordneten, nachgewiesenen Tierarten werden jeweils danach bewertet, welchem Biotoptyp sie angehören, welchen Gefährdungsgrad sie erreicht haben und schließlich danach, wie selten oder häufig sie vorkommen.

Unter der Tiergruppe der Wibellosen sind das nicht selten Tiere, die unscheinbar im Verborgenen leben, vom ungeübten Beobachter oft genug gar nicht wahrgenommen oder achtlos zertreten werden.

Dennoch kommt ihnen allen eine Funktion im Naturhaushalt zu, sie stehen in enger Wechselbeziehung untereinander (fressen und gefressen werden / leben und leben lassen) und zu den Pflanzen (Wirtspflanzen / Nahrungspflanzen / Nistpflanzen / Deckungs- und Überwinterungsmöglichkeiten bietende Pflanfzenbestände etc.).

Die Lebensraumansprüche einzelner Arten, auch ihre Wechselbeziehungen untereinander und zur Pflanzenwelt sind bei weitem nicht abschließend erforscht.

Sowohl die nachweisliche Gefährdung einzelner Arten als auch die Unkenntnis über ihre Vergesellschaftung und Bedeutung im Naturhaushalt erfordern die Ausweisung von Schutzgebieten oder Reservaten, in denen sie von menschlichen Einflüssen weitgehend ungestört leben und überleben, sich in ihren Lebensmöglichkeiten reicher entfalten können.

Unter den Wirbellosen wurden nachgewiesen: (die Angaben in Klammern bedeuten Gefährdungsstufen nach „Rote Liste“)

1 = vom Aussterben bedroht

2 = stark gefährdet

3 = gefährdet

4 = potentiell gefährdet

Gehäuseschnecken (Gastropoda 8 Arten 1 Art RL3),

Spinnen (Araneida 64 Arten 4 Arten RL3),

Tausendfüßler (Myriapoda 10 Arten RL nicht aufgestellt),

Heuschrecken (Saltatoria 7 Arten 1 Art RL3),

Wanzen (Heteroptera 20 Arten RL nicht aufgestellt),

Laufkäfer (Carabiden 22 Arten 2 Arten RL3),

Kurzflügler (Staphylinidae 31 Arten RL nicht bearbeitet) davon einige typische Bewohner von Trockenbiotopen

Ameisen (Formicidae 23 Arten 7 RL Arten) z. B. thermophile und xerophile Arten stark gefährdet,

Zweiflügler (Diptera 18 Arten RL nicht bearbeitet),

übrige Käfer (ohne Schwimm- und Wasserkäfer) (Coleoptera 93 Arten 1 Art RL1, 4 Arten RL2, 2 Arten RL3) als stark gefährdet gilt z. B. der Hirschkäfer,

Großschmetterlinge (Macrolepidoptera 90 Arten nachgewiesen, 15 Arten sind wegen ihrer Standortansprüche im warm-trockenen Bereich, ihrer Gefährdung oder Seltenheit besonders hervorzuheben.

Unter den Wirbeltieren sind nachgewiesen:

Amphibien

Erdkröte, drei Molcharten, Feuersalamander, Grasfrosch und Gelbbauchunke (RL3)

Reptilien

Mauereidechse (RL3), Schlingnatter (RL3), Zauneidechse, Blindschleiche vermutet: Äskulapnatter (RL1)

Vögel

(Aves) Insgesamt 47 Arten nachgewiesen, davon 22 Arten Brutvögel. 6 Arten sind gefährdet.

Unter den Durchzüglern sind das der Rote Milan (RL2) und der Wespenbussard (RL3);

unter den Biotopgästen der Baumfalke (RL3, Habicht und Sperber (jeweils RL4).

Ganz besonderer Erwähnung bedarf die Zippammer (Emberiza cia), die als gefährdet gilt und im gesamten Bundesgebiet als seltene Brutvogelart einzustufen ist.

Sie ist für den Ölberg als Brutvogel nachgewiesen, bevorzugt als Lebensraum trockene, sonnige Steilhänge mit Felsen und Blockhalden, baut ihr Nest zwischen Felsen und Gestein am Boden oder in Spalten.

Säugetiere nicht bearbeitet.

Von den insgesamt nachgewiesenen 479 Tierarten (bei längerer, über mehrere vollständige Lebenszyklen / Brutperioden ausgedehnter Forschung würde die Zahl sich beträchtlich erhöhen), stehen 38 auf der Roten Liste, sind als gefährdet oder bedroht einzustufen.

 

6. Zusammenfassung und abschließende Bewertung

Der Ölberg, markanter 450 m hoher Randberg der badischen Bergstraße dokumentiert eindrucksvoll eine einige 100 Millionen Jahre umfassende, natürliche Entstehungsgeschichte, die von vulkanischen Prozessen des Erdaltertums bis hin zu Verwitterungs- und Umlagerungserscheinungen der jüngsten erdgeschichtlichen Epoche, des Eiszeitalters reicht.

Der nacheiszeitlichen Bodenbildung und Vegetationsentwicklung bis zum Wald folgt eine kulturlandschaftliche Umgestaltung, die die Naturwälder des Ölberges im Lauf der letzten 1000 Jahre durch Waldweide, Streuentnahme und Holznutzungen in Form der Nieder- und Mittelwälder stark umgeformt und in ihrem heutigen Erscheinungsbild geprägt hat.

Der um die Jahrhundertwende begonnene Gesteinsabbau hat die ursprüngliche Gestalt des Berges an seiner Westflanke zwar deutlich versehrt, aber durch den terrassenförmigen Abbau und durch das Respektieren der Kammlinie in ihren Grundzügen nicht zerstört.

Mit dem Stillstand des Steinbruchbetriebes vor ca. 20 Jahren setzte ein natürlicher, relativ ungestörter Widerbesiedlungsprozeß durch Pflanzen und Tiere ein, der bis heute anhält und entsprechend der großen Standortvielfalt und insbesondere wegen extrem nährstoffarmer trocken-warmer Pflanzenarten und Lebensgemeinschaften geführt hat.

Die Ausweisung des Berges als Naturschutzgebiet gründet sich auf erkennbare Gefährdungen wie:

-Wiederaufnahme des Gesteinsabbaues mit unvermeidlich einhergehender Zerstörung der Berggestalt und der Lebensräume im Zusammenhang mit der landesweiten Rohstoff-Sicherung;

-Wiederverfüllung des abgebauten Gebietes, Nutzung als Deponiestandort mit entsprechender Erschließung für den Deponieguttransport;

-Ausübung störender Freizeit- und Sportaktivitäten von einzelnen Personen, Gruppen und Vereinen wie Flugsport, Klettersport, Motorsport, Wehrsport etc. bei verstärkter Tendenz der Ausweitung und Intensivierung dieser Sportarten;

-allgemeiner Rückgang historischer Waldwirtschaftsformen und naturnaher Wälder durch Überführung in ertragreichere Waldwirtschaftsformen mit anderer Baumartenzusammensetzung, vor allem in derart großen zusammenhängenden Beständen.

Die Ausweisung des Naturschutzgebietes in den dargestellten Grenzen hat zum Ziel:

-Den Ölberg in seiner Gesamtheit, d. h. in seiner geomorphologisch bestimmten Gestalt und in seiner vom Menschen veränderten Form zu erhalten.

Der ehemalige Steinbruch gibt als Großaufschluß Einblicke in den geologischen Ausbau (Lavafließstrukturen / Tuffbänder etc.) eines vulkanischen Deckenergusses über dem granitischen Grundgebirge.

Die Prozesse der Bodenbildung und Verwitterung des Quarzporphyrs können ausgehend vom rohen Gestein und von der senkrechten Felswand bis zur ebenen Gesteinssohle beobachtet werden.

Insbesondere kann verfolgt werden, in welchem Zeitraum und unter welchen atmosphärischen, biologischen und chemisch-physikalischen Bedingungen die unnatürlich steil geformten Felswände und ebenen Gesteinsplateaus sich unter dem Einfluß der Erosion, Schwerkraft und dynamischer biologischer Prozesse umformen;

-Den Ölberg insgesamt als naturgeschichtliches und kulturlandschaftliches Dokument zu bewahren, da sich hier in einer für den Naturraum einzigartigen Weise der jahrhundertelange Einfluß des Menschen auf den Wald und die Bodenentwicklung bzw. standörtlichen Potentiale widerspiegelt.

Gemeinsam mit den waldbesitzenden Gemeinden und der forstlichen Fachverwaltung wird angestrebt, die historischen Waldwirtschaftsformen des Nieder- und Mittelwaldes exemplarisch zu erhalten und in Anteilen in naturnahe, d. h. nach Baumartenzusammensetzung und Waldstrukturen an den natürlichen Waldgesellschaften orientierte Waldform zu überführen.

Verjüngungsfähigkeit und Verjüngungsmethode müssen auf den vorgegebenen extremen Standorten noch erprobt werden.

Die ökologischen Grundfunktionen der Wälder des Ölbergs, allgemeiner, ihre Schutz- und Sozialfunktionen sollen Vorrang vor forstlich-betriebswirtschaftlichen Ertragsgesichtspunkten haben.

Die Erklärung zum Waldschutzgebiet durch die zuständige Forstverwaltung wird angeregt.

-Den Ölberg als Lebensraum (Biotop) vielfältiger Lebensgemeinschaften aus Pflanzen und Tieren (Biozönosen) so zu erhalten, daß diese sich gemäß ihren genetisch vorgegebenen Lebensraumansprüchen und der tatsächlich bestehenden Standortvielfalt angepaßt, optimal entwickeln können.

Außer den lichten Eichenwäldern der trocken-warmen West- und Südhänge und den Ahorn-Linden und Buchenwaldtypen der Nord- und Ostflanke des Ölberges, mit kühlerem, feuchterem ausgeglichenerem Bestandsklima sind es vor allem auch die sekundär besiedelten „Extrembiotope“ des ehemaligen Steinbruchs mit seinen senkrechten Felswänden, Gesteinsterrassen, Steinschuttfächern und Abraumhalden, die den hohen ökologischen Wert des Gebietes ausmachen.

Unter den Pflanzen sind besonders die Pioniere extrem trockener, nährstoffarmer Rohböden und roher Gesteinsflächen und Felsspalten wie Moose- und Flechtengesellschaften, Trocken- und Magerrasenvertreter zu nennen.

Unter den nahezu 500 nachgewiesenen Tierarten kommt den an sehr warmen fast mediterrane Klimabedingungen angepaßten, lichtbedürftigen (heliophilen), wärme-(thermophil) und trockenheitsliebenden (xerophilen) Vertretern ihrer Gattung, die genannten offenen Biotope des Steinbruchs und der lichten Wälder charakterisieren, auf Grund ihrer biotoptypischen, ihrer seltenen und teilweise hochgefährdeten Lebensweise besondere Bedeutung zu.

Nach Schutz und Beruhigung des Gebietes kann vermutet werden, daß sich auch so hochgradig gefährdete (vom Aussterben bedrohte) Arten wie Wanderfalke und Äskulapnatter ansiedeln und deren Bruterfolg wie auch der der Zippammer nicht mehr durch Störungen, wie sie zwangsläufig mit den Aktivitäten des Klettersports verbunden sind in Frage gestellt würden (ROCKENBAUCH / SCHILLING).

 

 

 

Karlsruhe, 24. Februar 1989

 

 

K.-O. Krauß Oberkonservator