2.227 Silberweidenwald Steinmauern

 

Würdigung

 

Gemeinde Steinmauern, Landkreis Rastatt

 

 

I. Gebietsbeschreibung

 

1. Lage im Naturraum, Begrenzung und Größe

 

Das Naturschutzgebiet „Silberweidenwald Steinmauern“ liegt rechts der Mündung der Murg im Naturraum „Südliche Maxauer Rheinniederung“ (222.30) und ist der südlich abschließende Teil des Goldkanals. Es wird im Süden durch die außerhalb des Naturschutzgebietes liegende Kreisstraße 3726 begrenzt. Von hier folgt die Westgrenze der landseitigen Böschungsunterkante des Murgdamms in Richtung Norden bis zu einem Weg und verläuft dann nach Osten zu einem markierten Grenzpunkt. Die nördliche Grenze des Schutzgebietes liegt im Gewässer und durchquert den Goldkanal vorbei an markierten Grenzpunkten im Wasser (Bojen) über die Grenzmarkierung an der Nordspitze der Murginsel zur Grenzmarkierung am Ostufer. Im Osten wird das Schutzgebiet durch das Ostufer des in Südwest-Nordost-Richtung verlaufenden Altarms der Murg begrenzt, in den der Riedkanal aus südlicher Richtung mündet. Die Fläche des Naturschutzgebietes beträgt rund 69 ha.

 

 

2. Standort und Wasserhaushalt

Der Silberweidenwald liegt westlich des Haupthochwasserschutzdammes und somit in seiner gesamten Ausdehnung in der Überflutungsaue des Rheines. Innerhalb der Zonierung des Oberrheinverlaufs befindet er sich im Übergangsbereich zwischen der Furkations- und der Mäanderzone. Auf Grund seiner tiefen Lage steht er bereits bei einem mittleren Hochwasser des Rheines unter Wasser. Die rheinnahen Bereiche werden direkt über niedrige Abschnitte des rechten Murgdammes überflutet, während die dem Hochwasserdamm nahen Bereiche im Rückstau der Rheinhochwässer liegen. Der mittlere Wasserspiegel liegt auf einer Höhe von 108,26 m ü. NN. (Dörr, 2003).

 

II. Schutzwürdigkeit

 

1. Vegetation/Flora

Das Standortmosaik mit feuchten Rinnen, Flachwasserbereichen, Wechselwasserzonen, Still- und Fließgewässern, Quellaustritten sowie höher gelegenen, trockeneren Flächen beherbergt eine sehr abwechslungsreiche Vegetation: Ungefähr zwei Drittel der Fläche zählen zur Weichholzaue mit Silberweiden-Wald, Röhrichten und Wasserflächen, die bei Niedrigwasser zum großen Teil trocken fallen. Ein Drittel der Fläche zählt zur trockeneren Weichholzaue und ist mit weniger überflutungstoleranten Baumarten bestockt. Übergänge zu einem Eichen-Ulmen-Wald sind kleinflächig erkennbar.

 

Auenwald

Der Silberweidenwald, nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie als prioritärer Lebensraumtyp eingestuft, ist großflächig in der Zone stark wechselnder Wasserstände im Südosten des Gebietes vorhanden und grenzt dort eng an regelmäßig trockenfallende Schlammflächen mit der Flussmelden-Vegetation an. Der Silberweidenwald ist in unterschiedlichen Ausbildungen vertreten. Auf den höher gelegenen und daher seltener bzw. kürzer überschwemmten Ausbbildung auf kiesig-sandigen Uferwällen ist die heimische Schwarzpappel (Populus nigra) häufig, in der tiefer liegenden und länger überschwemmten Ausbildung kommt der Breitblättrigem Merk (Sium latifolium) als charakteristische Art vor.

 

Diese beiden Ausbildungen sind besonders im südlichen Teil der Fläche und entlang des Murgdammes mit meist naturnahen Beständen vertreten. Alle Ausbildungen des Silberweidenwaldes sind durch das Vorkommen von Schwarzerle (Alnus glutinosa) ausgezeichnet, was seine Ursache vorwiegend in dem sauren Bodenmaterial hat, das die Murg aus dem Schwarzwald zuführte. Im südlichen Zipfel steht angrenzend zu naturnahen Silberweidenwäldern ein Kopfweidenholz mit Bastard- und Silberweide (Salix rubens und Salix alba).

 

Die höher gelegene Aue gehört standörtlich zur mittleren und tief gelegenen Hartholzaue, zeigt auch Übergänge zur Weichholzaue und wird auf Grund des vom Rhein geschaffenen, wechselnden Reliefs von wasserführenden Schluten mit Silberweidenbeständen und Röhrichten durchzogen. Naturnahe und forstlich mäßig abgewandelte Hartholzauenwald-Bestände gehören zu den vorrangig erhaltenswerten Waldflächen, sind aber überprägt: Im zentralen Bereich liegt eine noch auf Hybridpappeln bewirtschaftete ca. 4 ha große Fläche, die mit zahlreichen standortheimischen Gebüsche- und Baumgruppen durchsetzt ist, aber überwiegend Waldbodenvegetation der Hartholzaue aufweist.

 

Röhrichte und einjährige Pflanzengesellschaften auf zeitweise trockenfallenden Uferabschnitten

In den Uferzonen und nur an wenigen strömungsgeschützten Stellen sind dem Auenwald Röhrichtzonen aus Schilf (Phragmites communis) und Großseggen (Magnocaricion) vorgelagert. Bekannt ist das Sumpfseggen-, Schlangkseggen-, Uferseggen- und Blasenseggen-Ried. Neben der landschaftlichen Schönheit sind solche vielfältigen Bereiche, die meist auch an ausgedehnte Flachwasserzonen mit Wasserkresse (Rorippa amphibia) grenzen, bedeutende (avi)faunistische Lebensstätten. In Jahren mit langen Niedrigwasserphasen entwickeln sich auf den trockenfallenden Schlammflächen ausgedehnte Zypergras-Schlammlingsfluren mit Schlammkraut (Limosella aquatica), Braunem Zypergras (Cyperus fuscus) und kleinflächig Nadelbinse (Eleocharis acicularis) und Sumpfquendel (Peplis portula), die als Zwergbinsen-Gesellschaft in nicht durchströmten Gewässern dem Lebensraumtyp 3130 der FFH-Richtlinie zuzuordnen sind. Auf nährstoffreicheren, regelmäßig durchflossenen Standorten kommen dichte Bestände von Ampfer-Knöterich (Polygonum lapathifolium), Schwarzfrüchtigem und Dreiteiligem Zweizahn (Bidens frondosa, Bidens tripartita), Rotem Wasserehrenpreis (Veronica catenata) und Rotem Gänsefuß (Chenopodium rubrum) vor und markieren als Pioniervegetation der schlammigen Flussufer den Lebensraumtyp 3270 nach der FFH-Richtlinie.

 

Gewässer und Gewässervegetation

Altarme, Kolke und feuchte Rinnen durchziehen das Gebiet. Der Riedkanal fließt von Südosten in das Gebiet. Die freien Wasserflächen sind Teil des Goldkanals, ein durch Abkiesung in der heutigen Form entstandenes Gewässer. Das Gebiet wird durch das größte Grundwasseraustrittssystem der Überflutungsaue in der für den nördlichen Teil der Oberrheinaue typischen eutrophen Flachwasserausbildung charakterisiert. Die Quellgewässer sind mit ihren vielfältigen Vegetationskomplexen und seltenen Arten vorrangig schutzwürdig.

 

Verschiedene Wasserpflanzengesellschaften und Arten charakterisieren die Gewässer: Auf der Wasseroberfläche schwimmend kommen die Teichlinsen-Gesellschaft (Lemno-Spirodeletum polyrrhizae), die Gesellschaft der Kleinen Wasserlinse (Lemnetum minoris) und die Algenfarn-Gesellschaft (Azolla filiculoides-Gesellschaft) vor. In mesotrophen Druckwasserbiotopen wächst amphibisch auf großer Fläche der Tannenwedel (Hippuris vulgaris). An nährstoffärmere Bedingungen angepasst sind die im Bereich von grundwasserbeeinflussten Gewässern vorkommenden Armleuchteralgen-Gesellschaften (Chara ssp., Nitella ssp., Tolypella ssp.), FFH-Lebensraumtyp 3140. In mesotrophen Gewässern der Wechselwasserzone sind der Haarblättrige Wasserhahnenfuß (Ranunculus trichophyllus), das Zwerg-Laichkraut (Potamogeton pusillus) und das Kleine Laichkraut (Potamogeton berchtoldii) stellenweise häufig. In nährstoffreicherer Umgebung zu finden ist eine flutende Wasservegetation mit der Gesellschaft des Nußfrüchtigen Wassersterns (Callitrichetum obtusangulae) als FFH-Lebensraumtyp 3260, die Teichrosen-Gesellschaft (Myriophyllo-Nupharetum) und gering entwickelte Laichkrautgesellschaften mit Kamm-Laichkraut (Potamogeton pectinatus), Durchwachsenblättrigem Laichkraut (Potamogeton perfoliatus), Teichfaden (Zannichellia palustris) und Rauhem Hornblatt (Ceratophyllum demersum).

 

2. Lebensraumtypen gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie

Das Gebiet ist Teil des Natura 2000-Gebietes 7015-341 „Rheinniederung zwischen Wintersdorf und Karlsruhe“. Die gesamte Weichholzaue dieses Schutzgebietes zählt zu den prioritären Lebensräumen entsprechend der Klassifikation der Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie 92/43/EWG, des Rates vom 21. Mai 1992 im Rahmen des europäischen Schutzgebietssystems NATURA  2000. Der Erhaltung dieses natürlichen Lebensraumes kommt im Gebiet der Europäischen Union eine besondere Bedeutung zu.

 

Im Gebiet sind mehrere Lebensraumtypen im Sinne der Richtlinie  zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen vorhanden:

 

Natura 2000-Code

Bezeichnung des Lebensraumtyps

Ausprägung im Gebiet

3132

Nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Stillgewässer

Zypergras-Schlammlings-Gesellschaft (Cypero fusci-Limoselletum aquaticae)

3140

Oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer mit Armleuchteralgenbeständen

Gesellschaftskomplex mit Armleuchteralgen-Arten und schmalblättrigen Laichkraut-Arten

3260

Fließgewässer mit flutender Wasservegetation

Bestände mit Nußfrüchtigem Wasserstern (Callitriche obtusangulae)

3270

Schlammige Flussufer mit Pioniervegetation

Flussmelden-Gesellschaften des Chenopodion rubri und Übergänge zu Zweizahn-Knöterich-Melden-Gesellschaften (Bidention tripartitae), Dominanzbestände von Wasserkresse (Rorippa amphibia)

91E0*

Auenwälder mit Erle, Esche, Weide*

Silberweiden-Auenwald (Salicetum albae)

*  = prioritärer Lebensraum

 


3. Fauna

Aufgrund seines Bestandes an seltenen und bedrohten Tierarten zählt das Naturschutzgebiet „Silberweidenwald Steinmauern“ heute zu den besonders erhaltenswerten Gebieten der badischen Rheinaue.

 

Für die Avifauna sind Arten der Altrheinarme mit ihren Pionierkrautbeständen und Schilfröhrichten typisch: Zwergtaucher, Haubentaucher, Tafelente, Eisvogel, Zwergdommel, Wasserralle, Krickente und Teichrohrsänger. In den reich strukturierten Weich- und Hartholzauewäldern findet man Turteltaube, Zaunkönig, Dorngrasmücke, Kleinspecht, Mittelspecht und Weidenmeise, auf Lichtungen auch den Neuntöter. Aufgrund ihres Strukturreichtums sind die Siedlungsdichten der einzelnen Vogelarten in diesen Wäldern sehr hoch (SPÄTH, 1979, Dörr, 2003).

 

Als Zugvögel können nahezu alle regelmäßig durch Baden-Württemberg ziehenden Watvogelarten im Gebiet auf den großflächig trockenfallenden Wechselwasserzonen vorkommen, vor allem Bekassine, Rot-, Grünschenkel, Brachvogel, Bruchwasserläufer, Waldwasserläufer, Dunkler Wasserläufer, Pfuhl-, Uferschnepfe, Alpenstrand-, Zwergstrand-, Flussuferläufer und Kampfläufer. Fallen Schlammflächen trocken, können diese außerdem von Bach- und Schafstelze genutzt werden.

 

Der Kiesabbau und die ausgedehnten Renaturierungsarbeiten werden zu einer starken Aufwertung des Südwestufers für die Avifauna führen. Auf bereits in gleicher Weise renaturierten Flächen am Westufer des Goldkanals wurden 28 Brutvogelarten nachgewiesen. Es wird erwartet, dass schon während des Kiesabbaus am Südwestufer in den Steilwänden Uferschwalbe und Eisvogel in den Abbruchkanten brüten (Dörr, 2003). Nach einem Abschluss der Renaturierungsarbeiten und einer Beruhigung der Biotope werden auf vegetationsarmen Kiesflächen Brutplätze für Flussseeschwalbe, Flussuferläufer und Flussregenpfeifer vorhanden sein. In niedrigen Weidengebüschen ist mit Bruten des Blaukehlchens zu rechnen. Es kommt bereits am Westufer des Goldkanals in entsprechenden Vegetationstypen vor (Dörr, 2003).

 

Untersuchungen der Amphibien- und Reptilienfauna fanden bisher nur in Teilflächen des Gebiets statt. Die dauerhaft Wasser führenden Stillgewässer werden von Grasfrosch, Seefrosch und Wasserfrosch besiedelt. Der Kammolch wurde als Art des Anhangs 2 der FFH-Richtlinie nachgewiesen. In den zeitweise austrocknenden, pflanzenreichen Flachgewässern ist der Laubfrosch heimisch. Auch die Knoblauchkröte wurde in der Vergangenheit im Gebiet gefunden und dürfte insbesondere von der Neuanlage gut besonnter Kleingewässer im Rahmen der Renaturierungsmaßnahmen am Südwestufer profitieren. Die Ringelnatter macht im Gebiet Jagd auf Amphibien und Kleinsäuger. Sie ist in der pflanzenreichen Uferzone verbreitet.

 

Für zahlreiche bedrohte Insekten bieten sich reich strukturierte Lebensstätten. Rund 30 Libellenarten wurden im Gebiet gefunden. Wichtige Lebensräume sind vor allem die periodisch trockenfallenden Altwasser mit ihren ausgedehnten Uferzonen, Gewässer mit dichten Wasserpflanzenbeständen sowie besonnte kleine Stillgewässer wichtige Lebensräume. An Einzelarten sind zu nennen: Kleine Königslibelle (Anax partenope), Braune Mosaikjungfer (Aeshna grandis), Spitzenfleck (Libellula fulva), Kleine Mosaikjungfer (Brachytron pratense) und Gefleckte Smaragdlibelle (Somatochlora flavomaculata).

 

Lehmig sandige Uferstandorte und Schlickflächen im Flachwasserbereich sind bevorzugte Lebensstätten bodenbewohnender Laufkäfer (vor allem Arten der Gattung Bembidion). Ihr Vorkommen kann als Anzeiger dafür genommen werden, dass im Gebiet noch ursprüngliche und standörtlich typische Lebensbedingungen mit Flutung und Trockenfallen der Biotope vorhanden sind. Verbessert wird die Lebensraumsituation zusätzlich durch die Renaturierungsarbeiten nach Abschluss der Auskiesung. Insbesondere mit einer Förderung des auf feuchten, vegetationsarmen Ufer vorkommenden, vom Aussterben bedrohten Gestreifte Ahlenläufer (Bembidion striatum) wird gerechnet (Dörr, 2003).

 

4. Zusammenfassung der Schutzwürdigkeit

Die Schutzwürdigkeit des Silberweidenwaldes Steinmauern ist unbestritten. Bereits 1981 heißt es im Antrag auf einstweilige Sicherstellung der Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie (BfANL, heute Bundesamt für Naturschutz, BfN):

 

„Echte, genügend überflutete Auenwälder gibt es im Untersuchungsgebiet nur noch unterhalb der letzten Staustufe zwischen Iffezheim und Karlsruhe. An naturnahen Beständen sind in diesem rheinnahen Überflutungsgebiet nur ca. 40 ha Eichen-Ulmenwald und etwa 50 ha Silberweidenwald übrig geblieben. Hinzu kommen an forstlich mäßig abgewandelten, aber aus Naturschutzsicht noch wertvollen Beständen etwa 180 ha

Eichen-Ulmenwald und ungefähr 130 ha Silberweidenwald. Diese insgesamt etwa 400 ha umfassenden auentypischen Wälder nehmen weniger als 3 % der badischen Rheinwaldungen zwischen Basel und Karlsruhe ein. Dabei sind besonders die ungefähr 90 ha naturnahen Auenwälder in der Bundesrepublik Deutschland einzigartige Reste der ehemals strombegleitenden Auenwälder.“

 

Gerade die Silberweidenwälder sind jedoch an allen Flüssen Mitteleuropas bis auf kleinste Reste zurückgedrängt worden. Einen solchen Rest stellt der Silberweidenwald Steinmauern dar. Seine Einzigartigkeit ist an mehrere Kriterien gebunden (nach BfANL, 1981):

 

Ø      Er ist naturnah und hat die außergewöhnliche Breite von 300 m bei einer Länge von 500 m. Fast alle Silberweidenwälder sind entlang der Wasserläufe auf schmale Streifen beschränkt. Einzigartig ist die Größe der tiefen Ausbildung dieses Silberweidenwaldes.

 

Ø      Nur einmal im Untersuchungsgebiet entlang des Oberrheins wurde die auf kiesigsandige Uferwälder beschränkte Ausbildung des Silberweidenwaldes mit beträchtlichem Schwarzpappelanteil beobachtet. Dieser einzige naturnahe Bestand eines solchen Silberweidenwaldtyps ist in höchstem Grade schutzwürdig.

 

Ø      Eine Besonderheit dieser Silberweidenwaldfläche ist die Ausbildung mit Schwarzerle (Alnus glutinosa), Bastardweide (Salix rubens), Grauweide (Salix cinera) und weiteren, gewöhnlich nicht in Silberweidenwäldern der Oberrheinaue auftretenden Arten. Ursache für diese Artenbereicherung ist, dass diese Fläche im Mündungsbereich der alten Murg, eines Schwarzwaldflusses, liegt. Solche Stellen sind auf Grund ihrer ehemaligen sehr unterschiedlichen Strömungsverhältnisse, des eigentümlichen Wechsels von Auf- und Abtrag und infolge der sauren Ablagerungen aus dem Schwarzwald deutlich von anderen Silberweidenwald-Standorten am Rhein unterschieden.

 

Ø      Der Eichen-Ulmenwald ist in Ansätzen kleinflächig vertreten. Kernwüchse von Eichen verschiedenen Alters dokumentieren die Urwüchsigkeit der Stieleiche, die bisher für die tiefe Hartholzaue an keiner anderen Stelle des Untersuchungsgebietes nachgewiesen werden konnte. Auch stattliche Schwarzpappeln kommen hier vor.

 

Ø      Die Fläche rechts des Murgmündungsbereiches verfügt über den größten Grundwasseraustritt der Überflutungsaue, der weit verteilt über vielfältig gewundene Abflüsse ein wesentlicher Bestandteil des Auenwaldes sowie der Schilfgürtel und der ausgedehnten Flachwasserbereiche ist.

 

Ø      Das standörtlich und vegetationskundlich vielfältige Gebiet rechts des Murgzuflusses zählt auch als Rastgebiet für Watvögel von landesweiter Bedeutung bzw. Brutgebiet für Wasservögel zu den vorrangig erhaltenswerten Gebieten.

 

III. Schutzbedürftigkeit und konkurrierende Nutzungen

 

Trotz dieser mehrfach dokumentierten Einzigartigkeit und Schutzwürdigkeit ist der Silberweidenwald Steinmauern und die wertvolle Fauna im Bestand stark gefährdet. Das große vorhandene Lebensraumpotential der Flachwasser- und Wechselwasserzonen kann insbesondere von Vogelarten nicht in dem Maße genutzt werden, wie dies möglich wäre. Eine Einschränkung der Freizeitnutzung des Gebietes wird zu einer positiven Entwicklung der Zugvogelzahlen und -Arten im Gebiet beitragen (vgl. Dörr, 2003). Das Gebiet ist auch aus diesem Grunde besonders schutzbedürftig. Als Gefährdungsfaktoren sind zu nennen:

 

-          Freizeitbetrieb (ungenehmigte Zweitwohnsitze, Autoverkehr, Segel-, Bade- und Paddelbetrieb, Abfall-Lagerung, Abwasser etc.)

 

-          Ganzjährige Nutzung der Uferbereiche durch Begehen und Störung der Fauna durch Angler, Badegäste etc;

 

IV. Schutzzweck

 

Schutzzweck des Naturschutzgebietes ist

 

1. die Erhaltung, Sicherung und Entwicklung der Überflutungsaue des Rheines im Mündungsbereichs der Murg und ihrer gegenüber anderen Standorten eigentümlichen Überlagerung der Dynamik der beiden Flüsse und der von dieser Verordnung erfassten Teilfläche des Natura 2000 - Gebietes „Rheinniederung von Karlsruhe bis Iffezheim“ mit den Lebensraumtypen

-                Silberweiden-Auenwald als prioritärer Lebensraum (Code 91E0),

-                nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche Stillgewässer (Code 3130),

-      oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer mit benthischer Vegetation mit Armleuchteralgenbeständen (Code 3140) und

-      schlammige Flussufer mit Pioniervegetation (Code 3270),

 

    entsprechend der Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen;

 

2. die Erhaltung, Sicherung und Entwicklung der durch diese Dynamik gestalteten Geländemorphologie, des charakteristischen Wechsels von Sedimentation und Erosion, der Überlagerung von Rhein- und Schwarzwaldsedimenten und der damit verbundenen Standortvielfalt sowie der daran angepassten Pflanzen- und Tierwelt;

 

3. die Erhaltung, Sicherung und Entwicklung amphibischer Auenbereiche, Weichholzsäume und Schlammufer mit ihren charakteristischen Pflanzengesellschaften, insbesondere der Zypergras-Schlammkrautgesellschaften, der Zweizahn-Melden-Ufersäume, der Wasserkressenfluren, der Seggen- und Röhrichtbestände und des Silberweidenwaldes;

 

4. die Erhaltung, Entwicklung und Beruhigung ausgedehnter dynamischer Flachwasserzonen für die daran angepasste Tierwelt als Brut-, Nahrungs-, Rückzugs-, Rast- und Durchzugsbiotop.

 

V Besondere Verbote und Erlaubnisvorbehalte

Die Gefährdung der vorhandenen Tier- und Pflanzenarten sowie die besondere Empfindlichkeit der Brut- und Zugvögel gegenüber zu hoher Störungsintensität bzw. –häufigkeit erfordert besondere Einschränkungen und/oder Verbote für die Erholung- und Freizeitnutzung. Auch eine mögliche Trittbelastung von neu im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen angelegten Lebensräumen führt zu einer Gefährdung dieses Schutzgutes. Dies bedeutet insbesondere eine zeitliche Einschränkung der Angelfischerei außerhalb des Ostufers vom Land aus von Anfang April bis Ende September und eine Verbot der freizeitlichen Gewässernutzung, in einem Teil für die Anlieger am Ostufer erst ab 2010. Davon ausgenommen ist die Nutzung des Kanuwanderwegs. Die forstliche Nutzung der Waldbestände soll sich aus dem Grunde der Beruhigung des Gebietes ebenfalls auf die Zeit vom 15.10. bis zum 28.02. beschränken, ebenso wie die Jagd auf Wasservögel auf die Stockenten eingeschränkt bleibt zum Schutze der übrigen Vogelarten und zur Beruhigung des Gebiets.

 

VI Pflege und Entwicklung

Um das Gebiet entsprechend seiner Würdigkeit zu erhalten und den gefährdeten Bestand der Lebensräume, Arten und natürlichen Bedingungen zu erhalten und zu entwickeln, wird innerhalb des FFH-Gebietes ein Pflege- und Entwicklungsplan erstellt werden. Es sind unter anderem folgende Maßnahmen unbedingt erforderlich und müssen im Zuge der geplanten Unterschutzstellung in der Verordnung geregelt werden:

 

-        Beruhigung und Sanierung der Überschwemmungsaue bzw. Renaturierung von Uferbereichen des Goldkanals zur Verwirklichung der Naturschutzziele im Gebiet

-        Untersagung von Freizeitaktivitäten und –anlagen und Rückbau in den zur Beruhigung des Gebietes notwendigen Abschirmungszonen zu Wasser und zu Land;

-        Anbindung an die Überflutungsdynamik des Rheins und der Murg; Niederlegung der Murgdämme und des Leinpfades;

-        Entfernung der Abfall- und Bauschuttablagerungen;

 

-        Natürliche Bestandsentwicklung der Wälder;

-        Regelung der Sportfischerei so, dass Angeln ganzjährig nur entlang des Ostufers, sonst aber nur in der Zeit von Oktober bis März zulässig ist und vom Boot aus im gebührendem Abstand zum Ufer von mindestens 20 m erfolgt;

-        Regelung der Jagd mit der Maßgabe, dass zum Schutz der Avifauna mit Ausnahme von Stockenten keine Wasservogeljagd erfolgt, keine Wildäcker, Futterstellen oder Kirrplätzen angelegt werden.

 

VII. Zusammenfassung

 

Der Silberweidenwald Steinmauern besitzt aufgrund seiner standörtlichen Gegebenheiten wie seiner auentypischen Vegetation und Tierwelt eine Bedeutung, die ihn als landesweit herausragend und bedeutend kennzeichnen lässt. Er zählt nach der Einstufung gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie mit seiner gesamten Weichholzaue zu den prioritären Lebensraumtypen mit besonderer Bedeutung im Gebiet der Europäischen Union. Die Lebensraumtypen und Lebensstätten der auf europäischer Ebene bedeutenden Tier- und Pflanzenarten werden künftig in einem FFH-Pflege- und Entwicklungsplan genau erfasst.

 

Ein großer Bestand bedrohter Tier- und Pflanzenarten, viele auentypische Lebensraumtypen und eine großflächige, regelmäßig trocken fallende Flachwasser- und Wechselwasserzone machen das Gebiet zu einem landesweit herausragenden Stück lebendiger Rheinaue. Eine Lücke im Schutzgebietsnetz entlang des Rheins wird durch die Ausweisung des Naturschutzgebietes geschlossen. Die beruhigten Zonen werden eine wichtige vernetzende Funktion innerhalb der Rheinaue erfüllen.

 

Der Bedeutung des Gebietes gemäß ist eine Unterschutzstellung dringend geboten. Ebenso umgehend müssen auch Maßnahmen zu seiner Sicherung und Entwicklung umgesetzt werden. Vor allem aber müssen die derzeitigen Gefährdungen schnell beseitigt bzw. im Sinne einer Förderung der natürlichen Bedingungen geregelt werden. Nur so kann sich insbesondere die wertgebende Vogelwelt des Gebietes weiter entwickeln.

 

gez. Reinhold Treiber, Diplom-Biologe

 

Regierungspräsidium Karlsruhe, Referat 56 Naturschutz und Landschaftsplanung

27.03.2006

 

Verwendete Unterlagen:

 

ARBEITSGRUPPE LANDSCHAFTS- UND UMWELTPLANUNG (AGL, 1999): Dokumentation der Rekultivierungsarbeiten des Kieswerkes Steinmauern. Entwicklung der Vegetation und ausgesuchter Tierartengruppen. Monitoring 1998.

 

BUNDESFORSCHUNGSANSTALT FÜR NATURSCHUTZ UND LANDSCHAFTSÖKOLOGIE (BFANL, 1981):Schutzantrag für den Rheinauewald rechts der Murgmündung. Bonn. Manuskript.

 

DILGER, R. & SPÄTH, V. (1984): Konzeption natur- und landschaftsschutzwürdiger Gebiete in der Rheinniederung des Regierungsbezirks Karlsruhe. Gutachten im Auftrag der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Karlsruhe.

 

DÖRR, A. (2003): Änderungsverfahren Planfeststellungsbeschluss vom 7.8.1995, Kieswerk Steinmauern Valet & Ott Kies und Sandwerke GmbH & Co KG. Technische Planung und landschaftspflegerischer Begleitplan.

 

GERKEN, B. (1981): Faunistische Begründung des Antrags auf Unterschutzstellung für das Gebiet rechts der Murgmündung. Freiburg. Manuskript.

 

INSTITUT FÜR LANDSCHAFTSÖKOLOGIE UND NATURSCHUTZ (ILN, 1992): Beiträge

        zur Umweltverträglichkeitsstudie zur Erweiterung des Kieswerkes Valet & Ott, Steinmauern; Teil I Raumanalyse.

 

INSTITUT FÜR LANDSCHAFTSÖKOLOGIE UND NATURSCHUTZ (ILN, 1993): Neue Ordnung Goldkanal. Entwurf eines harmonischen Gesamtkonzepts für Mensch und Natur.

 

INSTITUT FÜR LANDSCHAFTSÖKOLOGIE UND NATURSCHUTZ (ILN, 1997): Neue Ordnung Goldkanal. Machbarkeitsstudie.

 

SPÄTH, V. (1979): Die Rheinaue zwischen Iffezheim und Neuburgweier, Band 1 und 2. Ötigheim.