3.003 Jennetal

 

Würdigung

 

 

Gutachten zur Erweiterung des Naturschutzgebietes „Jennetal" auf der Gemarkung Ebringen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. - Bei den Akten der BNL Freiburg.

 

1. Einführung

Der besondere Wert des Jennetals wurde bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts erkannt.

Das Jennetal ist vor allem durch seinen Orchideenreichtum berühmt, ferner als Standort vieler seltener, wärmeliebender Arten und trockenheitsliebender, reliktischer Pflanzengesellschaften (LUTZ 1984).

Nur der Kaiserstuhl weist eine größere Orchideenvielfalt auf.

Trockenmauern und gebüschbewachsene Steinrasseln tragen mit zur Strukturvielfalt des Gebietes bei.

Anfang der 30er Jahre kaufte der Privatmann Dr. Sumser Grundstücke des späteren Naturschutzgebietes „Jennetal" auf.

Er forderte, daß die Gebiete unter Schutz gestellt würden.

Im November 1937 gab das Badische Ministerium des Kultus und Unterrichts, das damals für die Naturschutzplanung zuständig war, die Verordnung über das Jennetal als Naturschutzgebiet heraus.

Im selben Jahr setzten erste Pflegemaßnahmen durch den Arbeitskreis „Naturfreunde" ein.

Der Arbeitskreis sorgte vor allem dafür, das vordringende Gebüsch zurückzudrängen und den Zaun um das Naturschutzgebiet zu erneuern.

Pflanzendiebstahl, von Besuchern geschaffene Trampelpfade und Photographenliegestellen erforderten die vollständige Absperrung des Gebietes, die 1962 erfolgte.

Die Absperrung führte jedoch dazu, daß Besucher den Zaun überstiegen und dabei ins Gebiet kamen.

Mit anhaltendem Besucherdruck wurde daher erwogen, das Gebiet den Besuchern kontrolliert zugänglich zu machen.

Seit 1991 steht nun das Naturschutzgebiet an Samstagen, Sonn- und Feiertagen der Monate Mai bis Juli offen und zwei Naturschutzwarte wachen über die Einhaltungen der Schutzbestimmungen.

Da auch die Flächen im Umfeld des Naturschutzgebietes ein wertvolles Mosaik aus Halbtrockenrasen, Hecken, Trockenmauern, Steinrasseln und Trockenwäldchen tragen und reich an Orchideen und anderen seltenen Pflanzenarten sind, beantragte der BUND 1980 erstmals offiziell die Erweiterung des Naturschutzgebietes.

Die Bewertung mit A 1 in der Biotopkartierung bestätigte den Wert des Gebietes.

Eine Anfang der 80er Jahre geplante, jedoch nicht in Angriff genommene Flurbereinigung und die von seiten des Regierungspräsidiums aufgestellten Rebenaufbaupläne verzögerten die Einleitung eines Verfahrens zur Erweiterung des Schutzgebietes.

Seit 1991 sind nun die Verhandlungen zur Erweiterung des Naturschutzgebietes in Gange.

 

2. Grundlagen

Lage

Das Jennetal liegt am Südwesthang des Schönbergs direkt oberhalb des Ortes Ebringen ca. 6 km südwestlich von Freiburg i.Br. in 340-450 m ü. NN.

Größe

Bestehendes NSG „Jennetal" (VO von 1937): 0,7095 ha geplantes erweitertes NSG „Jennetal" (Stand 1992): 22,8 ha

Flächenzugehörigkeit

Gemarkung Ebringen, Gemeinde Ebringen, Landkreis Breisgau Hochschwarzwald

Eigentumsverhältnisse

Größtenteils im Privateigentum, vgl. Plan 3

Verordnung

Vom 09.11.1937, verkündet im Amtsblatt (Nr.26) des Badischen Ministeriums des Kultus und Unterrichts vom 29.11.1937.

Abb. 1

Lage des Gebietes „Jennetal" auf der topographischen Karte 1:25 000, Blatt 8012

 

3. Lage, Klima, Geologie und Boden

Lage

Das Jennetal ist ein Taleinschnitt im südwestlichen Teil des Schönberges.

Hier liegt der ehemalige „Sumsergarten" bzw. das heutige Naturschutzgebiet „Jennetal".

Die geplanten Erweiterungen des Schutzgebietes umfassen auch die östlich und westlich des Jennetales gelegenen, größtenteils südexponierten Hänge der Gewanne „Martinsberg" und „Fährnau" (Abb. 1).

Sie liegen in 340-450 m Höhe ü. NN direkt oberhalb des Ortes Ebringen und erstrecken sich bis hinauf in den Wald.

Klima

Der Schönberg zeichnet sich durch subatlantisches Klima aus.

Warme Sommer und milde Winter prägen das Klima dieses Weinbaugebietes (Weinbau bis in etwa 400 m Höhe).

Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt über 9° C.

Die mittleren Jahresniederschläge sind - im Vergleich zur nahe liegenden Oberrheinebene - mit 900 mm recht hoch.

Die Stauwirkung des Schwarzwaldes macht sich deutlich bemerkbar.

In der Hauptvegetationszeit (Mai, Juni, Juli) fallen durchschnittlich fast 300 mm Niederschläge, die Durchschnittstemperatur beträgt in diesem Zeitraum 16° C.

In der Höhenlage von 300-500 m gibt es an durchschnittlich weniger als 50 Tagen Nebel, denn besonders im Herbst und Winter liegt das Gebiet über der oft tagelang stabilen Kaltluftschicht bei Inversionswetterlagen (LUTZ 1984).

Geologie

Der Schönberg ist Teil der dem Schwarzwald vorgelagerten Vorbergzone.

Als Scholle liegt das Schönbergmassiv - selbst durch mehrere Verwerfungen zerteilt - am Rande des Oberrheingrabens, der durch eine seit dem Tertiär anhaltende Hebung des Schwarzwaldes und Senkung der Grabensohle entstand.

Aus dem Tertiär stammt auch der geologische Untergrund.

Damals wurden die mesozoischen Deckschichten des nahen Schwarzwaldes abgetragen und als fluviatile Gerölle und Sedimente auf der äußeren Grabenzone in einer Mächtigkeit von 40-90 m abgelagert.

Die gut gerundeten Gerölle entstammen vor allem dem Jura.

Den größten Anteil hat dabei der oolithische Hauptrogenstein.

Das Geröll wurde sekundär verbacken und bildet heute ein hartes Gestein, das anstehende Tertiärkonklomerat.

Ein Aufschluß wurde beim Bau des Michelbergweges im Gewann „Fährnau" freigelegt.

Auf der Westscholle, in der auch das Jennetal liegt, nimmt der Gehalt an Kalksandstein mit gleichzeitig abnehmender Geröllführung nach Westen hin zu.

Im Gewann „Boll" trifft man deshalb auf flach anstehenden Kalksandstein (THOMAS 1985).

Den Grund des Jennetals füllt diluviales Material und Hangschutt.

Boden

Da das Tertiärkonklomerat nur schlecht verwittert, sind die Böden im Allgemeinen flachgründige, bis zur Oberfläche carbonatreiche Rendzinen.

Nur dort, wo dem Gestein ein dünner Lößschleier aufliegt, bilden Lößpararenzinen die Bodendecke.

Im Gewann „Fährnau" ist der Boden bereits weiterentwickelt; hier steht eine Terra fusca an.

Der Oberboden ist kalkarm und bereits etwas versauert; nicht überall besitzt der Boden die gleiche Gründigkeit.

Zwischen anstehendem Gestein, das stellenweise von einer dünnen, steinigen Feinerdeauflage bedeckt ist, befinden sich Erdtaschen, die tief in Klüfte des Tertiärkonglomerates reichen.

Seine intensive Verwitterung erzeugt die rötlich-braune Färbung des Bodens.

Einen Sonderstandort bilden die vielen Lesesteinriegel, die zu einem guten Teil von Gebüschen überwachsen sind.

Bei der Bewirtschaftung der früher hier vorherrschenden Rebkulturen wurden die Steine an den Grundstücksgrenzen abgelagert.

 

4. Land- und Forstwirtschaftliche Nutzung

Im Lauf der letzten Jahrhunderte hat sich die Bodennutzung im Jennetal immer wieder geändert.

Viele Lesesteinriegel und Terrassen in heutigen Waldflächen zeugen von einer früher viel ausgedehnteren landwirtschaftlichen Nutzung.

In den letzten hundert Jahren hat sich mit Ausnahme zweier kleiner Aufforstungen (Douglasien im Gewann Jennetal, Robinien im Gewann Fährnau) nichts mehr an der Wald-Offenland-Verteilung geändert.

Hingegen hat sich die landwirtschaftliche Nutzung des Offenlandes grundlegend geändert (vgl. Tab.1).

Im Jahre 1895, aus dem genaue Grundbuch-Aufzeichnungen über die Nutzung der Grundstücke vorliegen, herrschte Weinanbau vor (56 % des Offenlandes).

Im Jahr 1991 gab es fast keinen Weinanbau mehr (1 %) und der größte Teil der Flächen wurde als Wiese bewirtschaftet (37 % im Vergleich zu 20 % im Jahr 1895) oder liegt brach und verbuscht (ebenfalls 37 % im Vergleich zu 8 % im Jahr 1895).

Der Rückgang der Weinanbaufläche ist auf den Befall durch die Anfang des Jahrhunderts aus Amerika eingeschleppte Reblaus zurückzuführen.

Hierdurch wurde der Weinanbau unrentabel, so daß die Reben gerodet wurden.

Eine Wiederbepflanzung erfolgte bis heute nicht, die Möglichkeit hierzu besteht jedoch nach dem Rebenaufbauplan vorgesehen.

7 % der Offenlandfläche werden heute von Klein- und Ziergärten sowie Sonderkulturen eingenommen,  weitere 4 % wurden mit Douglasien aufgeforstet.

Diese Nutzungstypen gab es 1895 noch nicht.

Die einzelnen Zahlenwerte zur Nutzungverteilung sind der Tab. 1 zu entnehmen, die Art der Nutzung auf den einzelnen Flächen ist den Abb. 2a und 2b dargestellt.

 

5. Vegetation (Plan 1)

Der Oberrheingraben besitzt wegen seiner Klimagunst einen bemerkenswerten Reichtum an Florenelementen verschiedener Herkunft.

Subkontinentale Geoelemente erreichen hier ihre Westgrenze, submediterrane die Nordgrenze ihres Areals (LUTZ 1984).

Als Standort vieler seltener, wärmeliebender Arten (s.u. + Tab. 2) und trockenheitsliebender, reliktischer Pflanzengesellschaften und artenreicher Gesellschaftskomplexe ist das geplante erweiterte Naturschutzgebiet „Jennetal" von großem vegetationskundlichem, pflanzengeographischem und arealhistorischem Wert.

 

5.1. Halbtrockenrasen, Glatthaferwiesen und Staudenhalden

Die Wiesengesellschaften, die im „Jennetal" große Flächen einnehmen, setzen sich aus den nährstoffärmeren Halbtrockenrasen (Mesobrometen) und den nährstoffreicheren Glatthaferwiesen (Arrhenathereten) zusammen.

Neben den typischen Ausbildungen auf beiden Seiten sind auch die jeweiligen Übergangsgesellschaften, das Mesobrometum arrhenatheretosum und das Arrhenateretum salvietosum ausgebildet (s.u.).

Wegen der Flachgründigkeit der Böden und ihrer Trockenheit treffen wir hauptsächlich Halbtrockenrasen (Mesobrometen) an.

Die einschürigen, artenreichen Wiesen (bis 60 Arten pro 30m2) befinden sich meist auf Hanglagen in Süd- bis Südwest-Exposition.

Die Krautschicht wird deutlich von Gräsern dominiert: eine dichte Grasnarbe wird von der Aufrechten Trespe (Bromus erectus) gebildet (Foto 2).

Bei brachliegenden Flächen tritt auch verstärkt die Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum) hinzu.

Weiterhin berühmt ist das „Jennetal" wegen seines großen Orchideenreichtums.

Hierbei ist besonders das seit langem ausgewiesene bisherige Naturschutzgebiet „Jennetal", auch unter dem Namen „Sumsergarten" bekannt, zu nennen.

Herausstechend sind die Ophrys-Arten, von denen alle am Schönberg vorhandenen Arten im „Jennetal" (Grundstücksflächen 703 und 704) vorkommen und die sehr seltene Spinnenragwurz (Ophrys araneola, R 1!) besitzt hier im Saum zum Wald das einzige Vorkommen am Schönberg.

Viele weitere Stellen im geplanten Naturschutzgebiet „Jennetal" beherbergen seltene Orchideenarten mit submediterranem Verbreitungsschwerpunkt, so z.B.

Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), Hummel-Ragwurz (Ophrys holosericea), Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) und Hundswurz (Anacamptis pyramidalis).

Daneben sind andere seltene Arten am Aufbau der Vegetationsdecke beteiligt:

Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum), die oft übersehene, kleinwüchsige Weiße Brunelle (Prunella laciniata), Zarter Lein (Linum tenuifolium) und Kennarten der Trockenrasen wie Esparsette (Onobrychis viciifolia), Gewöhnlicher Wundklee (Anthyllis vulneraria) u.a..

Die parasitische Thymian-Seide (Cuscuta epithymum) umrankt kleine Pflanzen mit ihrem Geflecht.

Zur Hauptentwicklungszeit im Frühjahr überzieht ein farbenprächtiges Blütenmeer die Wiesen, dann finden viele nektarsuchende Insekten Nahrung in den Blüten (Foto 3).

Im Übergang zu besseren Bodenverhältnissen und besserer Wasserversorgung befinden sich frische Halbtrockenrasen (Mesobrometum arrhenatheretum, vgl. Foto 4), bei gelegentlicher Düngung auch trockene Glatthaferwiesen (Arrhenatheretum salvietosum).

In ihrer Examensarbeit konnte KÜBLER (1984) in diesem Zusammenhang auch aufzeigen, daß eine deutliche Beziehung zwischen Grünlandvegetation und Geologie besteht.

So kommt die Salbei-Glatthaferwiese (Arrhenatheretum salvietosum) z.B. auf diluvialem Material an kaum geneigten Flächen vor.

Beim Bodentyp handelt es sich hier meist um eutrophe Braunerden.

Die Mesobrometen hingegen sind auf mit Löß bedecktem Tertiärkonglomerat anzutreffen.

Die meist stark geneigten Hänge sind südostexponiert und tragen eine stark verlehmte Pararendzina als Bodentyp.

Für die Ausbildung des Vegetationstypes ist jedoch oft die Bewirtschaftungsweise ausschlaggebend.

In den 2-3-schürig bewirtschafteten Beständen dominieren die auf Düngung gut reagierenden Gräser.

Die Vegetationsdecke ist hier hoch- und dichtwüchsig.

Die konkurrenzschwachen Arten, die lückigere Vegetation bevorzugen und typisch sind für die mageren Halbtrockenrasen, treten hier zurück oder fallen ganz aus.

Andere Flächen liegen seit Jahren brach und werden nicht mehr gemäht.

Mit ihren queckenähnlichen Rhizomen kann die Fiederzwenke in ungemähte Bestände eindringen, und diese durch üppiges Wuchern verfilzen.

Die anfallende Streumenge, die im Jahresverlauf nicht vollständig abgebaut wird, behindert lichtbedürftige, niederwüchsige Arten, so daß die Bestände floristisch verarmen.

Dort, wo unregelmäßig oder erst im Spätjahr gemäht wird, beginnt eine langsame Sukzession die Bestände zu verändern.

Arten der wärmeliebenden Säume, die sich bei regelmäßiger, früher Mahd nur auf schmalen Staudensäumen an Gebüsch- und Waldrändern halten können, können nun in die offenliegenden Wiesen eindringen und sich flächig ausbreiten.

Zusammen bilden sie den Hirschwurz-Saum (Geranio-Peucedanetum cervariae) (Foto 5), der als xerophile, staudenbeherrschte Gesellschaft südexponierte Hänge bevorzugt.

Besonders schöne Ausbildungen dieser Saumgesellschaften sind nördlich des „Sumsergartens" anzutreffen.

Bezeichnende Arten dieser Gesellschaft sind

der Hirsch-Haarstrang (Peucedanum cervaria), die Kalk-Aster (Aster amellus), die Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), der Abgebissene Pippau (Crepis praemorsa), die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), der Große Ehrenpreis (Veronica teucrium) u.a. (Fotos 6 + 7), die andere namensgebende Art dieser Gesellschaft, der Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum), fehlt am Schönberg.

Als Besonderheit wächst hier die Elsässer Sommerwurz (Orobanche alsatica), die auf dem Hirsch-Haarstrang parasitiert.

Wechseltrockene Bereiche zeigen der Färber-Ginster (Genista tinctoria) und die Mücken-Handwurz (Gymnadenia conopsea) an.

Häufig setzt an diesen Stellen, meist durch Wurzelbrut der Schlehe, Verbuschung ein.

An nährstoffreicheren Heckenrändern tritt auch ein Saum mit Aegopodium podagraria auf.

Die nur ausnahmsweise großflächig entwickelten Bestände der Saumgesellschaften haben ihre prächtigste Entfaltung im Hoch- und Spätsommer, wenn die meisten Saumarten blühen.

Der häufige Hirsch-Haarstrang und andere Doldenblütler sind dann bevorzugte Nahrungspflanzen kurzrüssliger, nektarleckender Insekten (Käfer, Schwebfliegen, Schlupfwespen).

Auch für verschiedene Heuschreckenarten wie z.B. für

die Rote Keulenschrecke (Gomphocerus rufus), die Gewöhnliche Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera), u.ä. stellen versaumte Halbtrockenrasen wichtige Habitate dar.

Hier finden die Heuschrecken genügend Nahrung (Blattwerk und Beutetiere) sowie Plätze zur Eiablage.

Nur kleinflächig ist in der Waldlichtung im „Fährnau" der Hügelklee-Saum (Geranio-Trifolietum alpestris) entwickelt.

Der als Binnensaum entlang eines Waldweges ausgebildete, artenarme Bestand mit

dem Hügelklee (Trifolium alpestre), der Schwarzwerdenden Platterbse (Lathyrus niger) und dem Flügelginster (Genista saggitalis) wächst auf oberflächlich entkalkten, leicht versauerten Lehmschichten.

 

5.2. Wälder und Gebüsche

Im Wesentlichen hat sich an der Wald-Offenland-Verteilung in den letzten 100 Jahren nichts Grundlegendes geändert.

Allerdings gibt es zwei kleinere Aufforstungen sowie zahlreiche Verbuschungsflächen, die bei weiterer Sukzession einen waldartigen Charakter annehmen werden.

Insgesamt zeigt sich derzeit ein sehr stark von Gebüschen und höheren Gehölzen geprägter Charakter, obwohl noch sehr viele Halbtrockenrasenflächen vorhanden sind.

Geht man bei der historischen Betrachtung noch weiter als 100 Jahre zurück, so zeugen verfallene Lesesteinwälle im Gewann „Fährnau" von Weinanbau auf Flächen, die heute bewaldet sind.

Weiteren Einfluß auf den Wald übte der Mensch bis ins 19. Jahrhundert hinein auch in Form von Waldweide und Niederwaldwirtschaft aus.

Die anthropogene Nutzung führte v.a. an steilen Hanglagen zu Erosionen und Verhagerung des Bodens, wodurch diese exponierten Lagen noch flachgründiger und trockener wurden.

An diesen Stellen konnte sich der Eichen-Elsbeerenwald (Lithospermo-Quercetum) (s.u) entwickeln.

Weitere Waldgesellschaften in geschützten Lagen im „Jennetal" sind der Eichen-Hainbuchenwald (Galio-Carpinetum) und der Strauch-Buchenwald (Carici-Fagetum) (s.u.).

Standortsfremde Monokulturen befinden sich an zwei Stellen; es handelt sich dabei um einen Robinien-Wald im Südosten des Gebietes und um einen Douglasienforst, der zwischen der Ostgrenze des „Sumsergartens" und dem Michelbergweg liegt.

Eichen-Elsbeerenwald

Der Eichen-Elsbeerenwald (Lithospermo-Quercetum; Ordnung Quercetalia) stockt am steilen, südexponierten, trockenheißen Hang des Fährnau auf flachgründiger Terra fusca.

Dieser wärmebedürftige Trockenwald ist ein Relikt der postglazialen Wärmezeit und in Süddeutschland sehr selten.

Nach THOMAS 1985 ist er am Schönberg allerdings nur verarmt entwickelt (Carex humilis, Dictamnus albus u.a. fehlen).

Die etwa nur 10-15 m hohe, lockere Baumschicht besteht vorwiegend aus Bastarden zwischen Flaum- und Traubeneiche (Quercus pubescens und Quercus petraea).

Hinzu treten gut entwickelte Exemplare der Elsbeere (Sorbus torminalis), die - 9 - Mehlbeere (Sorbus aria) und eingebrachte Wald-Kiefer (Pinus sylvestris).

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) kommt an diesem flachgründigen Standort mit Ausnahme einiger lokal tiefgründigeren Stellen nicht vor.

Typisch für den Eichen-Elsbeerenwald ist der krüppelförmige Wuchs der Eiche.

Die Hainbuche ist nur in der Strauchschicht nicht aber in der Baumschicht vorhanden.

Das lichte Kronendach begünstigt neben trockenheitsertragenden Sträuchern auch die Ansiedlung zahlreicher lichtbedürftiger Arten im Unterwuchs.

Hierzu gehören z.B.

die Arznei-Schlüsselblume (Primula veris ssp canescens), das Gefleckte Habichtskraut (Hieracium glaucinum), aber auch trockenheitsertragende Charakterarten der Ordnung Fagetalia, wie die Breitblättrige Stendelwurz (Epipactis helleborine), der Sanikel (Sanicula europaea) oder der Vielblütigen Weißwurz (Polygonatum multiflorum) und Arten der wärmeliebenden Säume wie der Hirsch-Haarstrang (Peucedanum cervaria).

Letztere kommen allerdings eher an wegbegleitenden Säumen vor.

Eichen-Hainbuchenwald

An den Eichen-Elsbeerenwald grenzt auf weniger extremen Standorten der Eichen-Hainbuchenwald, das Galio-Carpinetum aus dem Carpinion Verband (Ordnung:Fagetalia).

Nach THOMAS 1985 tritt im Gewann Fährnau die typische Ausbildung des Galio-Carpinetum auf (an anderen Stellen am Schönberg kommt die Ausbildung mit Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) vor.

Sie stockt auf einer Hang-Terra fusca über hartem und geröllreichem Tertiärkonglomerat, die oberflächlich kalkarm, aber noch nicht versauert ist.

Die Baumschicht besteht v.a. aus Trauben-Eiche (Quercus petraea), die im Unterschied zum Eichen-Elsbeerenwald jedoch mehr oder weniger geradschäftig wächst,

Feld-Ahorn (Acer campestre), Süß-Kirsche (Prunus avium), Hainbuche (Carpinus betulus), Elsbeere (Sorbus torminalis) und Mehlbeere (Sorbus aria).

An 5 Wuchsorten konnte der seltene Speierling (Sorbus domestica) festgestellt werden.

Auch der Eichen-Hainbuchenwald zeichnet sich durch zahlreiche lichtbedürftige Arten aus.

Bezeichnende Arten im Bestand sind

die Schmerwurz (Tamus communis), das Stattliche Knabenkraut (Orchis mascula), der Waldmeister (Galium odoratum), die Finger-Segge (Carex digitata) und ganze Herden der Vielblütigen Weißwurz (Polygonatum multiflorum).

Strauch-Buchenwald

Beim Strauch-Buchenwald, dem Carici-Fagetum (Ordnung: Fagetalia), handelt es sich um eine thermophile Waldgesellschaft, die jedoch auf tiefgründigeren Böden als die beiden oben genannten Assoziationen stockt.

Deshalb herrscht hier auch die Buche in der Baumschicht vor, vereinzelt von Traubeneiche und Kiefer begleitet.

Da die Buche an den relativ trockenen Standorten des Carici-Fagetum im Gegensatz zu anderen Buchenwäldern kein dichtes Kronendach bildet, ist die Strauchschicht gut entwickelt und auch die Buchenverjüngung wird hierdurch gefördert.

Auch konkurrenzschwache Arten, wie z.B. die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) können hier aufkommen, da konkurrenzstarke Arten wegen zeitweiligen Wasserstresses ausfallen.

Eine weitere Folge der Trockenheit im Oberboden ist, daß der Streuabbau gehemmt wird (ELLENBERG 1984).

Die so enstandenen „Trockenmodernester" begünstigen die Ansiedlung von Orchideen.

Charakteristische Arten an solchen Stellen sind Nestwurz (Neottia nidus-avis) sowie Rotes und Weißes Waldvöglein (Cephalanthera rubra und C. damasonium).

Im Frühling ist der Unterwuchs geprägt von lichtbedürftigen Frühblühern:

Seidelbast (Daphne mezereum), Maiglöckchen (Convallaria majalis) und dem Wald-Veilchen (Viola reichenbachiana).

Liguster-Schlehen-Gebüsch

Einen recht großen Anteil im Gebiet nimmt das Liguster-Schlehen-Gebüsch (Pruno-Ligustretum) ein.

Während es als Mantgelgesellschaft zunächst den Wald gegen das Freiland abschloß, kann v. a. die Schlehe (Prunus spinosa) über Wurzelbrut recht schnell auch in brachliegende Wiesen eindringen (Foto 8).

Auch an Lesesteinriegeln kommt diese Gesellschaft bevorzugt vor.

Innerhalb weniger Jahre kann sich dieses Gebüsch mehrere Meter weit ausbreiten und so dicht zuwachsen, daß ein Durchkommen nur schwer möglich ist.

An vielen Stellen im Gebiet wird das Pruno-Ligustretum durch Pflegeeinsätze zurückgehalten.

Weitere Arten dieses wärmeliebeneden Gebüsches sind die Berberitze (Berberis vulgaris) und der Wollige Schneeball (Viburnum lantana).

Der meist dichte Bestand verhindert das Aufkommen einer Krautschicht im Unterwuchs weitestgehend.

 

6. Fauna

Bestandsaufnahmen von Vögeln und Insekten zeigen, daß das Gebiet „Jennetal" auch für die Tierwelt sehr bedeutsam ist.

Vögel

1983 erfaßten SCHMOLL und FEDERSCHMIDT 33 Arten mit insgesamt 116 Brutpaaren auf dem weniger als 20 ha großen Areal des Jennetals (Tab.3).

Sie führten die hohe Siedlungsdichte auf das Mosaik an Vegetationseinheiten zurück.

Es besteht aus Wald, Hecke, Weinberg, Kleingärten, Fettwiese und Halbtrockenrasen und wird so den Lebensraumansprüchen der Vögel besser gerecht als die „ausgeräumte" moderne Kulturlandschaft.

Das Vorkommen von fünf Vogelarten der Roten Liste ist besonders hervorzuheben.

Von der Zaunammer (R 2), die in Deutschland nur noch mit etwa 100 Paaren nachgewiesen ist, kommen zwei Paare im „Jennetal" vor.

Wie zwei andere bedrohte Arten, - Wendehals (R 3) und Neuntöter (R 2), - ist der Zaunammer auf den Strukturreichtum der Heckenlandschaft im extensiv genutzten Tal angewiesen.

Verlassene Höhlen des Schwarzspechts (R 4) und ähnliche Nistmöglichkeiten werden von der Hohltaube (R 2) genutzt.

Sie besiedelt naturnahe alte Buchenwälder, wie sie im Randgebiet des „Jennetals" erfaßt  wurden.

Insekten

Die Insektenfauna wurde besonders hinsichtlich der vorhandenen Schmetterlinge von SCHARNOWSKY & ESCHE untersucht.

Hierbei erfaßten sie auch einige Käferarten, die im Gebiet vorkommen (Tab. 4).

STEFFNY 1982 konnte nachweisen, daß Büsche und Hecken wichtige Teilhabitate für einige Schmetterlingsarten darstellen, indem sie z.B. das Larvalfutterangebot erhöhen, oder Witterungsrefugien und Schlafplätze darstellen.

Hierdurch wird die Diversität unter den Schmetterlingen erhöht.

Zu einer höheren Individuen- und Artenzahl tragen auch extensiv bewirtschaftete Flächen bei, die während der ganzen Vegetationsperiode ein breites Spektrum an Nahrungspflanzen für phytophage Insekten aufweisen.

Höhere Kräuter und Stauden der Saumgesellschaften dienen den Schmetterlingen als Sitz-, Balz- und Rendevousplatz.

Eine Besonderheit im „Jennetal" stellt auch die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) dar.

In versaumten Beständen findet sie gute Bedingungen vor, so daß sie teilweise sehr zahlreich anzutreffen ist (Foto 9).

 

7. Naturschutzprobleme und Entwicklungs-Möglichkeiten

Folgen von Intensivierung und Brache

Das Artenspektrum einer Fläche hängt von der Art der Bewirtschaftung und dem Besiedlungspotential ab.

Die hohe Artenvielfalt der Halbtrockenrasen (Mesobromenten) und insbesondere auch die Ansiedlung einiger wertvoller Arten ist auf die traditionelle Wirtschaftsweise mit ihrer extensiven Nutzung zurückzuführen; d.h. die Flächen werden nicht gedüngt und werden somit auch nur ein- oder höchstens zweimal im Jahr gemäht.

Ferner liegt der Zeitpunkt der Mahd verglichen mit intensiv genutzten Flächen, später.

Als der Rebenanbau aufgegeben wurde (als Folge der Einwanderung der Reblaus), konnten sich auf den ehemals mit Reben bestandenen Flächen viele licht- und wärmebedürftige Pflanzenarten etablieren.

Die Wiesen wurden zunächst als Extensivgrünland für die Heugewinnung genutzt.

Die Umstrukturierung der landwirtschafltichen Nutzung in der Mitte dieses Jahrhunderts hatte vor allem zwei wesentliche Folgen:

Zum einen sollte auf den Flächen, auf denen es sich zu lohnen schien, die Produktion durch Intensivierung gesteigert werden (u.a. erhöhter Einsatz von Kunstdünger, zwei- bis dreimalige Mahd), zum anderen fielen manche Flächen, die z.B. wegen ihrer Hanglage schwerer zu bewirtschaften sind, brach.

Nach der Aufgabe der Mahd fand auf einigen Flächen vorübergehend eine Beweidung (wahrscheinlich Schafweide) statt, die jedoch ihrerseits vor mindestens 10 Jahren aufhörte.

Die Auswirkungen auf die Vegetation sind dementsprechend unterschiedlich:

Bei der Intensivierung werden konkurrenzschwache Arten von schnellwüchsigen Arten verdrängt oder sie kommen bedingt durch die frühe und häufige Mahd gar nicht zur Blüte (Orchideen und viele typische Halbtrockenrasen).

Auf Flächen, die sich selbst überlassen bleiben, in die also keine Eingriffe durch den Menschen mehr erfolgen, ist die Situtation ganz anders:

Hier treten zunächst einige Saumarten zum vorhandenen Artenspektrum hinzu, wodurch die Artenvielfalt zunimmt.

Dann jedoch gelangen die Stauden zur Dominanz, so daß lichtbedürftige Arten auch hier verdrängt werden.

An versaumten Mesobromenten im „Jennetal" breitet sich auch die Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum) sehr stark aus.

Durch ihr dichtes unterirdisches Wurzelgeflecht bildet sie einen dichten Bodenfilz, der für viele Arten undurchdringbar ist (Foto 10).

Nach und nach rückt die Schlehe über Wurzelbrut immer weiter in die Fläche vor; später treten andere Gebüscharten hinzu.

Bei fortschreitender Sukzession kann die ganze Fläche allmählich ganz verbuschen (Fotos 10 bis 12); folgen keine Eingriffe durch den Menschen, setzt sich schließlich wieder die standortsgemäße Waldgesellschaft durch.

Pflegeeingriffe

Durch gezielte Pflegemaßnahmen können die intensiv genutzten Flächen wieder ausgemagert und die brachgefallenen Flächen enthurstet und gemäht werden (siehe Pflegemaßnahmen).

Wieviel Zeit bis zur Etablierung der standortgemäßen Artenvielfalt vergeht, hängt vom Ausbreitungs- bzw. Ansiedlungspotential der einzelnen Arten ab (Samenbank, Ausbreitungsdistanz und- hindernisse).

Tab. 5 zeigt anhand einiger Orchideenarten, wie sich deren Bestände nach Wiedereinführung der Mahd nach vorangegangener längerer Brachezeit wieder erholt haben.

Tab. 5

Veränderung der Orchideenbestände nach Aufnahme der Pflegearbeiten

(Daten vom „Arbeitskreis für Natur und Kultur Ebringen")

Orchideenart  1985  1990  1991

(Brache)  (nach 1. Mahd)  (nach 2. Mahd)

Anacamptis pyramidalis  7  71  53,  Gymnadenia conopsea  3  ?  41,  Ophrys apifera  0  2  6, 

(ssp. apifera)  (0)  (1)  (3),  (ssp. friburgensis)  (0)  (1)  (3),  Ophrys holosericea  5  27  11, 

Orchis militaris  1  3  3 

Eine wichtige Frage ist deshalb die Art und Weise der Pflege, die möglichst vielseitig z.B. bezüglich des Mahdzeitpunktes sein sollte, um den unterschiedlichen Ansprüchen der Arten gerecht zu werden.

Ein weiteres Ziel ist es, die Pflegemaßnahmen möglichst kostengünstig durchzuführen.

Auf einigen Flächen im „Jennetal" wurden in diesem Sinne Bewirtschaftungsverträge mit Landwirten abgeschlossen.

Durch die vor Ortverwertung des Mähgutes können die Landwirte kostengünstig arbeiten.

Die Durchführung von unterschiedlichen Mahdzeitpunkten auf verschiedenen Flächen könnte in diesem Fall allerdings Organisationsschwierigkeiten bereiten.

Besucher

Ein weiteres Problem im „Jennetal" stellt die recht große Besucherzahl dar.

Viele Bereiche v.a. im „Sumsergarten" sind von Trittspuren und Trampelpfaden durchzogen.

Besonders betroffen davon sind orchideenreiche Standorte, die für Orchideenliebhaber, Botaniker und Photographen besonders attraktiv sind.

Häufig lassen Liegestellen von Photographen den Standort einer Orchideenart im „Sumsergarten" schneller erkennen als die Art selbst.

Rebenaufbauplan

Ein gewisses Problem stellt der Rebenaufbauplan dar, der eine Wiederanpflanzung von Reben auf den schon sehr lange Zeit aufgegebenen Rebkulturflächen vorsieht.

Gespräche mit den Grundstückseigentümern zeigten jedoch, daß diese derzeit kein Interesse an einer Umwandlung der Flächen in Rebgelände haben.

Kleingärten

Ebenfalls erwähnt werden muß in diesem Zusammenhang die Ausdehnung der Kleingärten, die z.T. als Zier- Gemüse- oder Obstgärten genutzt werden (Foto 13).

Hier werden die Halbtrockenrasen z.B. dadurch zerstört, daß sie wie Ziergärten mehrfach jährlich gemäht werden.

Auch sind diese Gärten meist von Zäunen umgeben und behindern somit den Zugang zu Flächen, die gepflegt werden sollen.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß durch die Aufgabe der traditionellen Nutzungsweise im „Jennetal" wertvolle Halbtrockenrasen einerseits durch Düngung in Glatthaferwiesen umgewandelt werden, andererseits aber durch Brachfallen in charakteristischen Sukzessionsstadien über Verbuschung und Versaumung zuwuchern.

Dies erfordert Pflegemaßnahmen durch den Naturschutz, die jedoch sehr kostenaufwendig sind.

Die Trittbelastung durch Besucher unterschiedlichster Motivationen stellt eine Gefährdung für viele Arten dar.

Umwandlungen wertvoller Halbtrockenrasen in Zier- und Kleingärten, so wie die Abgrenzung derselben durch Zäune, sind ebenfalls nicht im Sinne des Naturschutzes.

 

8. Maßnahmen (Plan 2)

Die Maßnahmen lassen sich folgendermaßen gliedern: Mäharbeiten, Entbuschungsarbeiten und die Umwandlung von Nadelholzbeständen in standortgemäße Laubwälder.

Mäharbeiten

Häufigkeit und Zeitpunkt der Mahd sind von Art und Wüchsigkeit des Pflanzenbestandes abhängig.

Bei den nährstoffreicheren Glatthaferwiesen (Arrhenatheretum typicum und A. salvietosum) sind zwei Schnitte im Jahr erforderlich, um ihre typische Artenvielfalt zu erhalten; eine Düngung darf nicht erfolgen.

Das Ziel ist es, diese Bestände zunehmend auszumagern und somit die Artenvielfalt zu steigern.

Langfristig kann sich eine Wandlung in Richtung Halbtrockenrasen vollziehen.

Die Entwickungsreihe eines Arrhenatheretum typicum würde dabei über ein Arrhenatheretum salvietosum zunächst zu einem Mesobrometum salvietosum und schließlich zu einem Mesobrometum typicum führen.

Die Mahd sollte zum Zeitpunkt des maximalen Aufwuchses stattfinden, d.h. ab Juni.

Bei den betroffenen Flächen handelt es sich teilweise um pfleglich bewirtschaftete Bestände, z.T. mit Streuobst, andere hingegen weisen schon Versaumungszeiger auf und manche sind durch Überdüngung degradiert.

Östlich vom „Sumsergarten" befinden sich zwei kleine Ackerflächen.

Diese sollen zunächst in Grünland umgewandelt und dann ebenfalls zweischürig genutzt werden.

Bei Wiesen, die einen Übergang zwischen der typischen Glatthaferwiese und dem typischen Halbtrockenrasen darstellen (Arrhenatheretum salvietosum oder Mesobrometum arrhenatheretosum), wird eine ein- bis zweimalige Mahd im Jahr vorgeschlagen.

Auch hier handelt es sich wieder teils um versaumte, teils um degradierte Flächen.

Der erste Schnitt sollte zwischen dem 20. Juni und dem 31. Juli erfolgen.

Ein früherer Mähtermin wäre für viele Halbtrockenrasenarten schädlich.

Dies betrifft vor allem die Orchideenarten.

Erfolgt hingegen die Mahd zu spät, also erst im August, September oder Oktober, so würden dadurch die Enzianarten geschädigt.

Außerdem können Eiablage und Überwinterungsstadien von Insekten beeinträchtigt werden; somit ist der Mahdtermin Ende Juni/Juli optimal für diese Flächen.

Nur an den Stellen, an denen im selben Jahr nochmals ein dichtwüchsiger Aufwuchs aufkommt, sollte ein zweiter Schnitt zur Ausmagerung erfolgen.

Um auch die Saumarten im Bestand halten zu können, ist auf 10 bis 20 % der Fläche das Belassen eines Brachestreifens nötig.

Dieser soll jedes Jahr an einer anderen Stelle sein und so die Vielfalt der Arten gewähren, ohne selbst über die schon beschriebenen Sukzessionsstadien wieder verdrängt zu werden.

Für die typischen Halbtrockenrasen (Mesobrometum typicum) in gutem Zustand und die nach einiger Zeit ausgemagerten Gesellschaften ist ein jährlicher Schnitt vorgesehen.

Der Zeitraum hierfür liegt zwischen dem 01. Juli und 31. Oktober.

Dieser weite Zeitraum wurde gewählt, um auch hier die unterschiedlichen Ansprüche der verschiedenen Pflanzen- und Insektenarten zu berücksichtigen und die Mahd auf verschiedenen Teilflächen zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchführen zu können.

In den aufeinanderfolgenden Jahren sollen die Mahdzeitpunkte der verschiedenen Teilflächen ebenfalls wechseln (der aktuell zu wählende Mahdzeitpunkt richtet sich jeweils nach dem Aufwuchs: Flächen mit dichtem Aufwuchs werden früher gemäht, Flächen mit geringem Aufwuchs werden später gemäht).

Jährlich wechselnde Brachestreifen von insgesamt 20 % Fläche werden aus dem gleichen Grunde zur Erhaltung eines breiten Arteninventars belassen.

Die Auswahl der in jedem Jahr zu den verschiedenen Zeitpunkten zu mähenden Flächen soll durch einen fachkundigen Ökologen erfolgen, der mit den Landwirten vor Ort zusammenarbeitet.

Auf zwei teilweise verbuschten, typischen Halbtrockenrasenflächen im nördlichen Teil des „Jennetals", in denen sich auch einige Trockenmauern befinden, ist eine Turnusmahd mit dreijährigem Zyklus vorgesehen.

Die Turnusmahd dient speziell der Erhaltung möglichst vielfältiger Saumgesellschaften.

Diese Flächen werden z.T. auch schon in diesem Sinne vom „Arbeitskreis für Kultur und Natur in Ebringen" gepflegt.

Insgesamt hat der Arbeitskreis 1989 13 Grundstücke mit einer Fläche von fast 70 ar gepachtet und gepflegt.

Entbuschungsarbeiten

Bei den Entbuschungsarbeiten können Erstpflegemaßnahmen, die im massiven Zurückdrängen des Gehölzbestandes bestehen von den Folgemaßnahmen unterschieden werden.

Bei der Erstpflege sollen dort, wo Liguster- Schlehengebüsche flächendeckend in die Halbtrockenrasenbestände eindringen, die Gebüsche bodengleich abgesägt werden.

Als Folgepflege werden die Stockausschläge entfernt.

Wie auf den etwas nährstoffreicheren Halbtrockenrasen erfolgt die Folgepflege durch eine ein- bis zweimalige Mahd pro Jahr mit erster Mahd im Sommer (Ende Juni/Juli), um die Stockausschläge zu schwächen.

Zur Erhaltung der Strukturvielfalt werden einzelne Gebüschgruppen auf den Flächen stehengelassen (Fotos 14 und 15).

Wo die Gebüsche ganz dicht sind und kein Graswuchs mehr im Unterwuchs vorhanden ist, erfolgt eine Entbuschung nur dort, wo Durchgänge von und zu den verschiedenen Mähflächen geschaffen werden müssen.

Eine weitere Entbuschung an diesen Stellen ist erst zu prüfen, wenn die anderen Entbuschungen erfolgreich abgeschlossen sind.

Viele Trockenmauern auf ehemaligen Rebflächen sind inzwischen von Gebüsch überwuchert; diese Trockenmauern stellen ebenfalls ein wichtiges Habitat für Reptilien und Insekten dar.

Es ist deshalb nötig, sie freizulegen, in dem das Gebüsch um 1-2 m zurückgedrängt wird.

Nadelforstumwandlung

An die Stelle des Douglasienforstes sollen langfristig standortgemäße Laubholzbestände treten.

 

9. Zusammenfassung

Im nordwestlichen Teil des Schönbergs, in einer Höhenlage von 340-450 m gelegen, gehört das „Jennetal" zur Vorbergzone des Schwarzwaldes.

Die Klimagunst des Oberrheingrabens wird durch Südost- bis Südwestexposition des Gebietes noch verstärkt.

Der geologische Untergrund besteht vorwiegend aus schlecht verwitterndem Tertiärkonglomerat, die Böden sind daher flachgründig.

Aufgrund dieser naturräumlichen Bedingungen haben sich hier artenreiche Halbtrockenrasen, Saum- und Gebüschgesellschaften eingstellt.

Eine Besonderheit des „Jennetals" stellen zahlreiche Orchideenarten und die artenreiche Fauna dar (z.B. Vorkommen der Gottesanbeterin).

Während noch vor 100 Jahren ein großer Teil des „Jennetals" für den Weinanbau genutzt wurde, löste zu Beginn dieses Jahrhunderts die extensive Nutzung der Wiesen zur Heugewinnung den Rebenanbau vielerorts ab.

Die hierdurch geschaffene große Zahl von Halbtrockenrasen (Mesobrometen) mit einer Artenvielfalt, die z.T. durch Versaumungszeiger noch bereichert wird, gilt es heute, durch gezielte Pflegemaßnahmen zu erhalten.

Dazu sollen die schon verhandenen Mesobrometen mit einmaligem Schnitt zwischen 01. Juli und 31. Oktober gepflegt werden.

Das Belassen von Brachestreifen auf ca. 20 % der Fläche, die jährlich abwechseln, ist unabdingbar um die Artenvielfalt an Halbtrockenrasen- und Saumarten zu erhalten.

Davon profitiert auch die Mehrzahl der Insekten und anderer Tierarten.

Weiterhin sollen die Wiesenflächen mit zweimaliger Mahd ausgemagert und ggf. in möglichst typische Halbtrockenrasen zurückgeführt werden.

Übergangsbestände zwischen Glatthaferwiesen und Halbtrockenrasen sind 1-2-mal jährlich zu mähen.

Ferner sind Entbuschungsmaßnahmen notwendig, um große zusammenhängende Halbtrockenrasenbereiche offenzuhalten.

Das weitere Vordringen des Gebüsches ist zu verhindern.

Standortfremde Nadelholzbestände sollen mittel- bis langfristig in naturnahe Laubwälder umgewandelt werden.

 

10. Literatur

AKTEN zum Naturschutzgebiet Jennetal. Bezirksstelle Freiburg

ELLENBERG, M. 1984:Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen.3. Aufl., Stuttgart

KÜBLER, M. 1984:Die Koinzidenz von Grünlandgesellschaften und geologischem Untergrund am Schönberg bei Freiburg. Staatsex. Arb. Universität Freiburg

LUTZ, P. 1984:Gutachten zur Erweiterung des Naturschutzgebietes „Jennetal". Bei den Akten der BNL Freiburg

OBERDORFER, E. 1979: Pflanzensoziolgische Exkursionsflora. Stuttgart

SCHMOLL, G., A. FEDERSCHMIDT, 1983: Erfassung der Brutvögel im Jennetal bei Ebringen. Bei den Akten der BNL Freiburg

STEFFNY, H. 1982:Biotopansprüche, Biotopbindung und Populationsstudien an tagfliegenden Schmetterlingen am Schönberg bei Freiburg. Dipl. Arb. Universität Freiburg

THOMAS, P. 1985:Die Koinzidenz von Waldgesellschaften und geologischem Untergrund am Schönberg bei Freiburg. Dipl. Arb. Universität Freiburg

WILMANNS, O. 1978:Ökologische Pflanzensoziologie. 4. Aufl., Heidelberg

 

Anhang

Naturschutzverordnung

Fotodokumentation

Tab. 2-4

Tab.2: Liste geschützter und gefährdeter Pflanzenarten

Tab.3: Liste gefährdeter Tierarten

Tab.4: Liste Insekten

Pläne 1-3

Plan 1: Vegatation

Plan 2: Maßnahmen

Plan 3: Eigentumsverhältnisse

 

Fotodokumentation NSG „Jennetal"

Foto 1 (07.09.93): Blick auf Ebringen und die weitere Umgebung des Gebietes (Richtung Berghauser Kapelle und Schwarzwald).

Foto 2 (29.05.91): Ein von der Aufrechten Trespe dominierter Halbtrockenrasen

Foto 3 (29.05.91): Bunter Blumenaspekt eines Halbtrockenrasens mit Karthäusernelke, Wiesensalbei, Margarite, Klappertopf u.a.

Foto 4 (29.05.91):Im Vordergrund ist ein Übergangsbestand zwischen Halbtrockenrasen und Glatthaferwiese mit Aufrechter Trespe, Glatthafer, Klappertopf, Futteresparsette, Wiesensalbei u.a. zu sehen

Foto 5 (Sept. 93):Dichtwüchsige Ausbildung eines Hirschwurz-Saumes (Geranio-Peucedanetum) am Waldrand im Gewann „Fährnau".

Foto 6 + 7 (07.09.93): Aspekt eines versaumenden Halbtrockenrasens mit Hirschwurz, Kalkaster u.a. (im Sumsergarten)

Foto 8 (02.07.91):Die Schlehe breitet sich durch Wurzelbrut in den Halbtrockenrasen aus (Bildmitte)

Foto 9 (07.09.93):Die Gottesanbeterin (Mantis religiosa)

Foto 10 (07.09.93):Versaumter und verbuschender Halbtrockenrasen im Gewann „Berg"

Foto 11 (02.07.91:Fortschreitende Sukzession auf einem Halbtrockenrasen: In eine versaumte Fläche dringt das Gebüsch über Wurzelbrut der Schlehe vor

Foto 12 (29.05.91): Bei weiterer Gebüschsukzession schließen sich die Gehölzgürtel ganz und bilden undurchdringliche Dickichte, die Halbtrockenrasen verschwinden völlig

Foto 13 (29.05.91):Problem: Degradierung der Halbtrockenrasen durch Pflanzung von Obstbäumen, teilweise zierrasenartige Pflege der Grasnarbe

Foto 14 (29.05.91): Bei der Gehölzrückdrängung sollen einzelne Gehölzgruppen zur Erhaltung der Strukturvielfalt stehen bleiben

Foto 15 (Sept. 93):Aspekt einer reich strukturierten Fläche: Von unten nach oben sind Obstbäume, Glatthaferwiesen, Gebüsch, Trockenrasen und Wald zu sehen

Tab. 1: Bodennutzung im Vergleich 1895-1991 (Quellen: 1895 - Lagebuch der Gemeinde Ebringen; 1991 - eigene Kartierungen).

Nutzungsart Fläche in ar Fläche in %

1895  1991  1895  1991

Weinbau 650  10  56  1

Acker 170  75  15  7

Wiese (1895 evl.incl. Obstbau) 140  400  20  37

Ödung/Rain/Gebüsch 100  400  8  37

Obstbau -  80  -  7

Garten -  80  -  7

Aufforstung -  45  -  4

Gesamt 1155  1090

 

 

 

Kramer (1991)