3.208 Mittelgrund Helmlingen

 

Würdigung

 

 

Gutachten zur Ausweisung des Naturschutzgebiets und Landschaftsschutzgebiets „Mittelgrund Helmlingen" auf den Gemarkungen Freistett und Helmlingen der Stadt Rheinau im Ortenaukreis

 

1. Lage, Geologie, Hydrologie und Klima (1,9)

Das geplante Natur- und Landschaftsschutzgebiet erstreckt sich auf einer Länge von ca. 2,2 km westlich und südwestlich der Ortslage von Helmlingen.

Es liegt auf einer Höhe von etwa 125 m ü. NN in der naturräumlichen Einheit „Freistetter Rheinaue" der Straßburg-Offenburger Rheinebene.

Es handelt sich hierbei um eine 2,5-3 km breite, von Rheinschottern gebildete Zone mit langen und breiten Altrheinarmen in verschiedenen Stadien der Verlandung.

Dazwischen dehnen sich Auenwälder aus.

Das Klima ist geprägt durch zahlreiche Dunst- und Nebeltage bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 9,5° C und 750-800 mm Jahresniederschlag.

An Fließgewässern befinden sich im engeren Gebiet des geplanten Naturschutzgebietes die Rench im Osten und der Mühlbach im Westen.

Mehrere Altrheinarme führen ganzjährig Wasser.

Besonders hervorzuheben ist ein ca. 1 km langes Altwasser, das vom Dammweg im „Mittelgrundköpfle" im Westen bis zum „Rubenkopf" reicht und aus einer offenen, bis zu 90 m breiten Wasserfläche besteht (im weiteren Rubenkopf-Altwasser genannt).

Sie steht über einen Baggersee und die Rench mit dem Rhein in Verbindung.

Bei hohem Pegelstand des Rheins wird vor allem der Norden des Gebiets durch Rückstau der Rench überflutet, kommt also im Wassergang der ursprünglichen Uberflutungsaue - wenn auch durch einen anderen Mechanismus - nahe.

Die Wasserstände sind dabei nach dem Rheinausbau allgemein angestiegen.

An der Mündung der Rench in den Rhein beträgt die Hebung bis zu 2 m bei Niedrigwasser, das Mittelwasser ist zwischen 1,5 m und 0,4 m Wasserstandserhöhung gegenüber früher anzusiedeln, Hochwässer zwischen 0,4 m und 0,1 m.

Die absoluten Schwankungen lagen vor dem Rheinausbau bei 6,2 m zwischen Niedrigwasser und Spitzenhochwasser, nach dem Rheinausbau bei 4,3 m.

 

2. Pflanzenwelt (2-4, 9-11)

Beim weitaus überwiegenden Teil des geplanten Schutzgebiets handelt es sich um Wälder.

Neben den offenen Wasserflächen sind lediglich einige kleinere Bereiche in Schluten mit Schilfröhricht und Großseggenrieden sowie zwei Stellen mit Grünland nicht bewaldet.

Es können mehrere Waldtypen unterschieden werden.

Zum einen finden sich im Gebiet Eichen-Ulmenwälder (Querco-Ulmetum minoris) mit Stieleiche, Esche, Hainbuche, Silberpappel und Schwarzpappel.

Die früher bezeichnenden Arten Flatterulme und vor allem Feldulme sind durch das augenblicklich stattfindende Ulmensterben stark dezimiert.

Eichen-Ulmenwälder sind vor allem im nördlichen und mittleren Abschnitt des Gebietes anzutreffen.

Auf etwas erhöhten, trockeneren Standorten, die nicht mehr oder nur noch selten überschwemmt werden, stocken im mittleren Bereich z.T. gut ausgebildete Eichen-Hainbuchenwälder (Carpinion betuli) mit Stieleiche, Hainbuche und Esche.

Entlang der Westseite des Mühlbachs sowie zwischen der Rench und der in sie mündenden Schlut ganz im Norden des Gebietes kommen kleine Bestände des Silberweidenwaldes (Salicetum albae) vor.

Am Mühlbach sind sie – wenn auch noch relativ jung - gut ausgebildet.

An der Schlut zur Rench entwickelte sich nach dem Zusammenbrechen eines Altbestandes in den letzten Jahren - vermutlich durch streckenweise wieder zusagende Überflutungsverhältnisse - ein noch sehr junger Bestand der Silberweide, der sich in Teilen vermutlich ebenfalls halten kann.

Beide heutigen Bestände sind aus Stockausschlägen hervorgegangen.

Außer den vorstehend genannten naturnahen Waldtypen bestehen forstlich stärker abgewandelte Bestände.

Dies ist vor allem bei den Eichen-Ulmenwäldern zu beobachten.

Es sind hier Bestände zu vermerken, die Hybridpappeln, Bergahorn, Spitzahorn, Hängebirke oder Waldkiefer in wechselnden Anteilen enthalten.

Zu den am stärksten durch forstliche Maßnahmen beeinflußten Wäldern gehören ausgedehnte Bestände im Süden.

Hier ist der Bergahorn stark vertreten; daneben besitzen Esche und Hybridpappeln größere Anteile.

Die ursprünglich kennzeichnenden Arten Feldulme, Stieleiche oder Hainbuche fehlen fast gänzlich.

An feuchteren Stellen finden sich jedoch immerhin noch gewisse Anteile von Schwarzerlen und Silberweiden.

Das Rubenkopf-Altwasser beginnt im Westen mit zweifacher Wurzel, erreicht dann nach der Verschmelzung der Arme 60 m Breite, verengt sich beim Durchlaß an der Rubenkopfkehle, um sich schließlich kurz vor der Rheinstraße wieder auf 50 m Breite auszudehnen; es führt + klares Wasser.

Die Wasserpflanzenvegetation besteht aus Schwimmblattbeständen, Weißer Seerose (Nymphaea alba) und Gelber Teichrose (Nuphar lutea), außerdem kommen Glänzendes Laichkraut (Potamogeton lucens), Kanadische Wasserpest (Elodea canadensis), Tannenwedel (Hippuris vulgaris), Ähriges Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) und Gemeiner Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) vor.

Der begleitende Röhricht- und Großseggengürtel enthält Schilf (Phragmites australis), Teichbinse (Schoenoplectus lacustris), Wasserschwaden (Glyceria maxima), Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea) und Steifsegge (Carex elata).

Zu erwähnen sind außerdem Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum), Sumpfgreiskraut (Senecio paludosus), Sumpfhelmkraut (Scutellaria galericulata) und Breitblättriger Merk (Sium latifohum) sowie an Gehölzen Schwarzerle und Purpurweide.

Nördlich der Rheinstraße setzt sich das Rubenkopf-Altwasser unter nochmaliger Verbreiterung auf 90 m fort.

Es endet schließlich mit einem Durchlaß am daran anschließenden Baggersee.

Dieser letzte Abschnitt des Altwassers ist seichter und in seiner heutigen Ausdehnung wohl dem gestiegenen Wasserspiegel des Rheins zu verdanken.

Darauf deuten verschiedene im Wasser befindliche Inselchen mit absterbender Gehölzvegetation hin.

Neben der Silberweide und der Purpurweide sind wieder das Sumpfgreiskraut (Senecio paludosüs), außerdem der Gemeine Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), der Lanzettblättrige Froschlöffel (Alisma lanceolatum) sowie die in großer Zahl vorkommende Sumpfwolfsmilch (Euphorbia palustris) als Uferbewohner zu erwähnen.

Am Gewässerrand der Schlut, die im Norden des Gebietes in die Rench mündet, wachsen u.a. wieder

Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum) und Sumpfgreiskraut (Senecio paludosus), dann auch Gemeiner Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica), Wasserkresse (Rorippa amphibia), Sumpfrispengras (Poa palustris) und Ästiger Igelkolben (Sparganium erectum), im Wasser die Teichlinse (Spirodela polyrrhiza).

Auf feuchten Stellen zwischen diesem Altwasser und der Rench treten Herden des Winterschachtelhalms (Equisetum hiemale) auf.

Der langgestreckte, nährstoffreiche Angelteich im Südosten, der im Verlauf eines noch offenen Altwassers angelegt wurde, enthält eine dichte Wasserpflanzenvegetation aus

Rauhem Hornblatt (Ceratophyllum demersum), Kanadischer Wasserpest (Elodea canadensis), Glänzendem Laichkraut (Potamogeton lucens), Schwimmendem Laichkraut (P. natans) und Weißer Seerose (Nymphaea alba).

Die Wasseroberfläche ist fast vollständig von der Teichlinse (Spirodela polyrrhiza) bedeckt.

Die zahlreichen Schluten, die nicht mehr durchgänigig offenes Wasser führen, sind von Schilfröhrichten und Großseggenrieden erfüllt, z.T. stocken in ihnen auch Silberweiden.

An den tiefsten Stellen halten sich meist noch ganzjährig einzelne Wasserlöcher.

Der Mühlbach fließt seit dem Rheinausbau nicht mehr beim „Mittelgrund" direkt in den Rhein, sondern wird als kanalisierter Rhein-Seitengraben noch bis zur Renchmündung geführt.

Im eigentlichen Mühlbach, der ein rasch durchflossenes Altwasser ist, erstrecken sich ausgedehnte Fluthahnenfußbestände (Ranunculetum fluitantis) mit Flutendem Hahnenfuß (Ranunculus fluitans).

Im langsamer fließenden Wasser den Ufern zu finden sich Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) und Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia).

Das Pfeilkraut bildet dabei zur Gewässermitte auch eine Form mit untergetauchten, linealen Blättern aus.

Die Ufer sind teilweise mit Röhricht von Wasserschwaden (Glyceria maxima) bestanden.

Westlich des Mühlbachs stocken - wie oben schon erwähnt - außerdem Silberweidenbestände.

Bei der Rench im Osten fallen v.a. die sich bis weit in die Wasserfläche hinein-ziehenden Ufergehölze (z.T. lebend, z.T. abgestorben) auf.

 

3. Tierwelt (2,3)

Von der Tierwelt liegen bisher nur Beobachtungen zu Vögeln, Amphibien und Libellen vor.

a) Vögel

Die Wälder, Röhrichte und offenen Wasserflächen beherbergen eine größere Zahl von Vogelarten, die hier z.T. brüten, z.T. als Nahrungsgäste erscheinen.

An brütenden Waldbewohnern wurden neben verschiedenen kleinen Singvögeln bisher Mittelspecht, Pirol und Habicht nachgewiesen.

Der Mittelspecht ist dabei auf das Vorkommen von alten Stieleichen angewiesen.

Auch der Habicht bevorzugt alte Bäume für seinen Horstplatz.

Die ebenfalls vorhandene Turteltaube kommt sowohl im Wald als auch in dessen lichten Randbereichen vor; in letzteren wurde auch die Dorngrasmücke beobachtet.

Die Röhrichte bewohnen Wasserralle und Teichrohrsänger.

Als Nahrungsgäste erscheinen an den Gewässern Eisvogel und Graureiher; letzterer hält sich gern auf den ins Wasser hineinreichenden Gehölzen an der Rench auf.

An Brutvögeln der Wasserflächen in den Altwässern konnten bisher Haubentaucher, Zwergtaucher, Bläßhuhn, Stockente und Reiherente beobachtet werden.

b) Amphibien

Neben den häufigeren Arten Grasfrosch und Wasserfrosch kommt auch die Gelbbauchunke vor.

Es ist jedoch anzunehmen, daß noch andere, bisher nicht aufgefundene Arten im Gebiet vertreten sind.

c) Libellen

Eine auffallende Art ist die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), die über der Wasserfläche des Mühlbaches fliegt.

An weiteren Arten wurden im Gesamtgebiet bisher festgestellt:

Herbst-Mosaikjungfer (Aeshna mixta), Braune Mosaikjungfer (Ae. grandis), Blaugrüne Mosaikjungfer (Ae. cyanea), Gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea), Große Königslibelle (Anax imperator), Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) und Gemeine Heidelibelle (S. vulgatum).

Auch hier dürfte die Zahl der vorkommenden Arten jedoch noch höher liegen.

 

4. Wertung (2-8)

 

4.1. Allgemeine Wertung (2-4)

Beim geplanten Naturschutzgebiet „Mittelgrund Helmlingen" handelt es sich um ein ausgedehntes Rheinauenwaldgebiet, dessen Bestände teilweise in ihrer Baumartenzusammensetzung der potentiellen natürlichen Vegetation entsprechen.

Bei ca. 10 ha handelt es sich um ehemalige Mittelwälder.

In ihnen besitzen vor allem die Eichen ein beträchtliches Alter (bis 150 Jahre).

Diese Bestände sind besonders für den auf dickborkige Alt-Eichen angewiesenen, gefährdeten Mittelspecht von großer Bedeutung.

Auch ein Teil der sonstigen bewirtschafteten Altholzbestände enthält große, alte Eichen (insgesamt auf ca. 6 ha).

Darüber hinaus sind 16,5 ha Wald außer regelmäßiger Bewirtschaftung.

Hier besteht ebenfalls ein gewisser Anteil aus alten Eichen, die allerdings z.T. - durch den trockenen Kiesboden bedingt, auf dem sie stocken - nur kurzschaftig sind.

Außerdem sind Eichen an vielen Stellen noch eingestreut vorhanden.

Die höherwüchsigen der bisher erwähnten Altbestände sowie weitere heute schon vorhandene ca. 12 ha Altholz sind als Brutgebiete für Greifvögel geeignet.

Sogar naturfernere Wälder mit einem größeren Anteil von Hybridpappeln haben als Brutbiotop für den potentiell gefährdeten Pirol Bedeutung.

Die Wälder mit naturnaher Baumartenzusammensetzung müssen, da sie immer seltener werden, in der Rheinaue von vornherein aus Naturschutzsicht als wertvoll erachtet werden.

Wälder mit forstlich stärker abgewandelter Baumartenzusammensetzung - sogar solche mit nicht rheinauenheimischen Laubbäumen - die aufgrund der Bestockung nicht als naturschutzwürdig anzusehen sind, können bei entsprechend ursprünglich ausgebildeter Bodenvegetation durchaus wieder die Kriterien für die Schutzwürdigkeit erfüllen.

Dies trifft z.B. für einen Teil der Bestände im Gewann „0berer Gayling" zu.

Die offenen Altwasser des Gebietes besitzen großtenteils eine reich entwickelte Wasserpflanzenvegetation mit einer Reihe von gefährdeten oder schonungsbedürftigen Arten.

Hervorzuheben sind dabei vor allem Weiße Seerose (Nymphaea alba), Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) und Gemeiner Wasserschlauch (Utricularia vulgaris).

Außerdem sind sie Fortpflanzungs- und Nahrungsbiotop für mehrere, z.T. gefährdete Vogel-und Libellenarten.

Besondere Erwähnung verdienen hier Eisvogei und Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens).

Die Röhricht- und Gehölzsäume der Ufer sowie die Röhricht- und Großseggenbestände der nicht ganzjährig wasserführenden Schluten tragen zur biologischen Diversität bei.

In solchen Bereichen kommen mehrere gefährdete Arten vor, so z.B. die Sumpfwolfsmilch (Euphorbia palustris), die Wasserralle oder der Teichrohrsänger.

Insgesamt gesehen ist das Gebiet vorrangig schutzwürdig wegen des Vorkommens schützenswerter, gefährdeter Pflanzengesellschaften, wegen der Vielfalt der Lebensräume sowie der wissenschaftlichen Bedeutung für Untersuchungen bezüglich der Entwicklung der Waldbestände seit Inbetriebnahme der Staustufen Iffezheim und Freistett/Gambsheim.

Wertbestimmend ist außerdem die Bedeutung als Lebensraum für eine Reihe von Pflanzen-, Vogel-, Amphibien- und Libellenarten.

 

4.2. Aufzählung der im Gebiet gefundenen Arten der „Roten Listen“1 (5-8) sowie der besonders geschützten und ganzjährig geschonten Arten

Es bedeuten:

R 2 = stark gefährdet

R 3 = gefährdet

R 4 = potentiell gefährdet

R 5 = nicht gefährdet, jedoch schonungsbedürftig besonders geschützt

Gg = jagdbar, jedoch ganzjährig geschont

a) Pflanzen (5)

Alisma lanceolatum (Lanzettblättriger Froschlöffel R5), Carex elata (Steifsegge R5), Euphorbia palustris (Sumpfwolfsmilch R3 §), Hippuris vulgaris (Tannenwedel R5), Lemna trisulca (Dreifurchige Wasserlinse R5), Nuphar lutea (Gelbe Teichrose R3 §), Nymphaea alba (Weiße Seerose R3 §), Platanthera bifolia (Zweiblättrige Seerose R5 §), Populus alba (Silberpappel R5), Populus nigra (Schwarzpappel R3), Potamogeton lucens (Glänzendes Laichkraut R5), Primula elatior (Hohe Schlüsselblume R5), Rumex hydrolapathum (Teichampfer R5), Sagittaria sagittifolia (Pfeilkraut R5), Schoenoplectus lacustris (Teichbinse R5), Senecio paludosus (Sumpfgreiskraut R5), Sium latifohum (Breitblättriger Merk R5), Spirodela polyrrhiza (Teichlinse R5), Tamus communis (Schmerwurz R5), Thalictrum flavum (Gelbe Wiesenraute R5), Ulmus laevis (Flatterulme R5), Ulmus minor (Feldulme R5) und Utricularia vulgaris (Gemeiner Wasserschlauch R3 §).

b) Vögel (6)

Dorngrasmücke (R4 §), Eisvogel (R2 §), Graureiher (R3 gg), Habicht (R3 gg), Haubentaucher (R4 gg), Mittelspecht (R3 §), Pirol (R4 §), Teichrohrsänger (R3 §), Turteltaube (R3 gg), Wasserralle (R2 §), Zwergtaucher (R3 §),

sowie weitere besonders geschützte, jedoch nicht gefährdete Arten.

c) Amphibien (8)

Gelbbauchunke (R2 §), Grasfrosch (R4 §), Wasserfrosch §).

d) Libellen (7)

Aeshna mixta (Herbstmosaikjungfer R4 §), Calopteryx splendens (Gebänderte Prachtlibelle R3 §), Aeshna grandis (Braune Mosakikjungfer R3 §),

sowie weitere besonders geschützte, jedoch nicht gefährdete Arten Corduliag. (Gemeine Smaragdlibelle R3 §).

 

5. Gefährdung, Schutz- und Pflegemaßnahmen (2, 3, 9, 11)

In der Vergangenheit wurde in einem gewissen Umfang - v.a. im Süden des Gebietes - durch die forstliche Bewirtschaftung aus ökologischer Sicht negativ in das Gefüge des Waldes eingegriffen.

Anstelle der Neubegründung von Wäldern, deren Baumartenzusammensetzung sich an der potentiellen natürlichen Vegetation orientiert, wurden artenarme Bestände, z.T. aus einheimischen, jedoch ursprünglich nicht rheinauenheimischen Arten, z.T. unter einseitiger Bevorzugung bestimmter Arten weit über den natürlich zu erwartenden Anteil hinaus, z.T. sogar Einart-Bestände (v.a. aus Hybridpappeln-Kreuzungen zwischen der heimischen Schwarzpappel und verschiedenen nordamerikanischen Pappelarten) begründet.

Dies ist aus der Marktlage um den 2. Weltkrieg zu erklären.

Auffallend ist in diesem Zusammenhang eine große zeitliche Lücke zwischen alten Eichenbeständen und nur ganz wenigen Eichenverjüngungen.

Dies birgt die Gefahr, daß der Mittelspecht in Zukunft für einige Jahrzehnte aus dem Gebiet verschwinden wird.

Es ist zu hoffen, daß in der badischen Rheinaue wenigstens noch einige Flächen verbleiben, die als Rückzugsgebiete dienen können und von denen aus eine Wiederbesiedlung erfolgen kann.

Zur Verkürzung der zeitlichen Lücke kann nur versucht werden, Teile der heute noch existierenden Eichen-Altbestände so lange wie möglich überzuhalten und auf geeigneten Standorten der tiefen und hohen Hartholzaue sukzessiv Eichenverjüngungen durchzuführen.

Es ist dabei darauf zu achten, daß jeweils zumindest 5-8 ha an zusammenhängenden Flächen mit alten Eichenbeständen erhalten werden, da sich die Reviergrößen des Mittelspechtes zwischen diesen Werten (je nach Ausstattung) bewegen.

Eine zweite Gefährdung ist darin zu sehen, daß - wie unter 2. schon dargelegt - eine einseitige Holzartenwahl betrieben wird, wobei u.U. auch nicht rheinauentypische Arten bevorzugt werden.

Besonders zu nennen sind hier Hybridpappeln und Bergahorn.

Als besonders nachteilig könnte sich dabei der Bergahorn herausstellen, da er mit seinem enormen Vermögen zur Naturverjüngung andere Gehölzarten und auch die Bodenvegetation von sich aus verdrängen kann.

Der Anteil des Bergahorns sollte deshalb so knapp gehalten werden, daß die Naturverjüngung kontrollierbar bleibt.

Hybridpappeln sollten in Zukunft nur noch in Ausnahmefällen auf eng begrenzten Bereichen flächig angebaut werden.

Im Übrigen sind sie auf linienhafte Strukturen zu beschränken, dies jedoch nicht entlang von Schluten.

Hier bestünde die Gefahr, daß das schwerer als bei der einheimischen Schwarzpappel sich zersetzende Laub die Schluten rasch verfüllt, was aus Gründen der Biotopvielfalt zu verhindern ist.

Das seit einigen Jahren zu beobachtende Ulmensterben, das die Feldulme, in etwas geringerem Maße auch die Flatterulme, befällt, hat natürliche Ursachen und ist vermutlich nicht aufzuhalten.

Für den Aufbau der Waldbestände fällt die Ulme deshalb auf nicht absehbare Zeit aus.

Am Rubenkopf~Altwasser sind Gefährdungen durch Wassersport und Angler zu befürchten.

Durch den Wassersport würde die Wasserpflanzenvegetation in Mitleidenschaft gezogen, außerdem würden sich während der Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel Störungen ergeben.

Beim Angeln kann die Ufervegetation geschädigt werden.

Außerdem sind wiederum Störungen von Vögeln während des Brut- und Aufzuchtgeschäftes nicht auszuschliessen.

Der Wassersport muß deshalb auf diesem Altwasser vollständig verboten werden; das Angeln ist - falls Bedarf besteht - auf wenige Stellen zu beschränken (schmale Stege o.ä.), wo keine ökologisch nachteiligen Folgen zu erwarten sind (nicht in der Nähe von Vogelbrutstätten).

Im Augenblick bestehen 4 Angelstellen zwischen der zweifachen Wurzel des Rubenkopf-Altwassers und der Rubenkopfkehle, was noch hingenommen werden kann.

Das Gewässer ist in zwei Fischereilose eingeteilt; es wird auch vom Boot aus befischt.

In Zukunft ist u.E. auf das Befahren während der Brut- und Aufzuchtzeit der dort brütenden Vögel zu verzichten.

Im Norden grenzt unmittelbar an das geplante Schutzgebiet ein Kiesabbaubetrieb.

Über die bisherige östliche Konzessionsgrenze hinaus darf auf keinen Fall ein weiterer Kiesabbau stattfinden, da andernfalls ökologisch wertvolle Waldbereiche verschwinden würden, u.a. auch Eichenbestände.

Es soll auch beabsichtigt sein, den Kiesabbau in späterer Zukunft nach Süden fortzusetzen.

Damit würde das Rubenkopf-Altwasser in seinem Bestand bedroht.

Zur Verhinderung eines Kiesabbaus und zur Vermeidung von Nährstöff- und Gifteintrag (Landwirtschaft) in dieses Altwasser ist das angrenzende Grünland zu erhalten und als abhängiges Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.

Die Wälder der tiefen Hartholzaue müssen im Sommer über längere Zeit hinweg überflutet werden, damit der Auenwaldcharakter auf Dauer erhalten bleibt.

Dies scheint im Augenblick der Fall zu sein.

Wasserwirtschaftliche Maßnahmen, die eine deutliche Verkürzung oder Verlängerung der Überflutungsdauer bewirken, beeinträchtigen das Gefüge dieser Wälder.

Eine Verkürzung würde das Spektrum in Richtung auf trockenere Eichen-Hainbuchenwälder verschieben.

Bei einer Verlängerung der Überflutungsdauer, die womöglich noch mit Staunässe verbunden ist, wäre ein teilweises Zusammenbrechen der Wälder zu befürchten.

Das Spektrum würde sich in Richtung auf Erlen-Eschenwälder hin verschieben.

Wichtig erscheint auch, daß Bereiche entlang von Gewässern verbleiben, die über einen Großteil des Jahres unter Wasser stehen, im Herbst und Winter jedoch trockenfallen.

Auf diese Weise ist der weitere Aufbau von Silberweidenwäldern denkbar.

Im Bereich des Altwassers, das in die Rench mündet, ist durch geeignete Maßnahmen eine ausreichend breite Zone zu schaffen, die der Silberweide Aufwuchs und Fortkommen ermöglichen.

Durch das Zusammenwirken der beiden Staustufen Freistett/Gambsheim (oberhalb des Gebietes) und Iffezheim (unterhalb des Gebietes) mit den dadurch erzeugten Grundwasserganglinien, den Wasserständen in Rench und Baggersee sowie den Überflutungen sind die Voraussetzungen für den Erhalt der Rheinauenwälder im geplanten Naturschutzgebiet günstig.

Die von der Forstverwaltung in Zusammenarbeit mit der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung und der Stadt Rheinau geplante Geländeauffüllung und Aufforstung zwischen Baggersee und Rench führen soweit zu einer Bereicherung der natürlichen Lebensbedingungen, als dadurch neue Silberweiden-Standorte entstehen.

 

6. Zusammenfassung

Die als Naturschutzgebiet vorgeschlagenen Bereiche sind aufgrund ihrer reichhaltigen Naturausstattung u.a. mit seltenen und gefährdeter Vegetationseinheiten sowie seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten, außerdem aufgrund des wissenschaftlichen Interesses an der weiteren Entwicklung der Waldbestände schützenswert.

Zur dauerhaften Erhaltung des Rubenkopf-Altwassers ist die Ausweisung eines Grünlandstreifens als Landschaftsschutzgebiet notwendig.

 

 

 

Freiburg, den 06.08.1986

 

Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Freiburg

 

 

Dr. Kramer

 

Hauptkonservator Fuchs