3.268 “Hohentwiel”
Würdigung
Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege
Werderring 14,79098 Freiburg
Bearbeiter: E. Stegmaier
02. Mai 2001
Inhaltsverzeichnis
1
GEBIETSBESCHREIBUNG
3
2 SCHUTZWÜRDIGKEIT 5
2.1
GEOLOGIE UND LANDSCHAFTSGESCHICHTE 5
2.2 VEGETATION 5
2.2.1 Überblick 5
2.2.2 VEGETATION DER
PHONOLITHFELSEN 5
2.2.3 VEGETATION DER RUINENMAUERN 6
2.2.4 VEGETATION OFFENER
SCHUTTHALDEN 7
2.2.5 TROCKENRASEN DER SÜDHÄNGE 7
2.2.6 SCHAFWEIDEN 9
2.2.7 GEHÖLZE 9
2.2.8 WÄLDER 9
2.2.9 WEINBERG 10
2.3 FAUNA 11
2.3.1 VÖGEL 11
2.3.2 REPTILIEN
12
2.3.3 SCHMETTERLINGE 2
2.3.4 HEUSCHRECKEN 2
2.3.5 LAUFKÄFER- UND BODENSPINNEN 13
2.3.6 WILDBIENEN 13
2.3.7 WANZEN 13
3
SCHUTZBEDÜRFTIGKEIT
14
3.1
BEEINTRÄCHTIGUNGEN 14
3.2
GEFÄHRDUNGEN 15
4
SCHUTZZWECK 15
4.1 BEWERTUNG 15
4.2 ERFORDERLICHKElT DER UNTERSCHUTZSTELLUNG 16
5
BESONDERE VERBOTE UND NUTZUNGSBESCHRÄNKUNGEN 17
5.1 FORSTWIRTSCHAFT 17
5.2 LANDWIRTSCHAFT 17
5.3 FREIZEITNUTZUNG 17
6
VORSCHLÄGE ZUR PFLEGE UND ENTWICKLUNG 18
7
ZUSAMMENFASSUNG 20
8
ANHANG 21
8.1 QUELLENVERZEICHNIS
23
8.2.1 HÖHERE PFLANZEN 23
8.2.2 VÖGEL 24
8.2.3 REPTILIEN 25
8.2.4 SCHMETTERLINGE 25
8.2.5 NETZFLÜGLER 25
8.2.6 HEUSCHRECKEN 25
8.2.7 LAUFKÄFER 26
8.2.8 SPINNEN 26
8.2.9 WILDBIENEN 26
8.2.10 WANZEN
26
8.3 NACH § 24 a NATSCHG BESONDERS GESCHÜTZTE 27
BIOTOPE
8.4 LEBENSRÄUME DER FFH-RICHTLINIE 27
8.5 ARTEN DER FFH-RICHTLINIE
27
1
Gebietsbeschreibung
Charakterisierung Geomorphologisch
herausragender vulkanischer Kegelberg des
Hegaus
mit landschaftsbestimmender Wirkung;
Lebensraum
zahlreicher gefährdeter und z. T. vom Aussterben
bedrohter
Tier- und Pflanzenarten, insbesondere einer reichen,
wärmeliebenden
Reliktflora und -fauna;
abwechslungsreiches
Mosaik aus naturnahen Wald- und Ge-
büschgesellschaften,
offenen Schutthalden und Felsfluren, Tro-
cken-
und Halbtrockenrasen, extensiv bewirtschafteten Schafwei-
den sowie Weinbergen
Lage: Der Hohentwiel liegt westlich der
Stadt Singen im Landkreis Kon-
stanz. Er erhebt sich ca. 250 m
über die Singener Niederung
(Meereshöhe um 440m NN), die
Festung liegt am Berggipfel mit
689 m Meereshöhe. Der Hohentwiel
ist ein Teil des Hegauer Ke-
gelberglandes und
einer seiner markantesten Berge
Das Schutzgebiet erstreckt sich
über zwei Gemarkungen: im wes-
ten umfasst es Teile der Gemarkung
Hilzingen, im Osten Teile der
Gemarkungsfläche
der Stadt Singen
Geschichte: Das imposante Bergmassiv hat auf
die Menschen schon immer
anziehend gewirkt. Erste
Siedlungsspuren finden sich aus der
Jungsteinzeit ab etwa 3000 v. Chr.
Seit dem Mittelalter befand
sich eine Burg württembergischer
Herzöge auf dem Gipfel, die
wiederholt Ziel von Belagerungen
war. Erst im Jahre 1800 wurde
die Festung nach kampfloser
Übernahme von französischen
Truppen zerstört. Dem weiteren
Zerfall wird heute mit Unterhal-
tungsmaßnahmen entgegengewirkt.
Der Hohentwiel ist mit seiner
herrlichen Aussicht auf den Hegau,
den nahen Bodensee und die Alpen
eines der beliebtesten Aus-
flugsziele in der Raumschaft.
Am 29.09.1941 wurde die damalige
württembergische Exklave mit
einer Fläche von ca. 108 ha unter
Aussparung des Domänenhofes
und der Burg unter Naturschutz
gestellt. Zuvor war der bewaldete
Felsbereich zum
Banngebiet erklärt worden
Naturraum: Nördliches Bodensee-Hegau-Becken;
Hegauer Kegelbergland,
Große
Hegauniederung
Fläche: 201 ha;
davon entfallen ca. 138 ha auf das
Naturschutzgebiet und ca.
63 ha auf das abhängige Landschaftsschutzgebiet.
Innerhalb des Naturschutzgebiets
befindet sich ein Bannwald mit
einer Größe von
rd. 19 ha.
Geologie u. Land-
Der Hohentwiel ist Teil des Hegau-Berglandes und verdankt seine
schaftsgeschichte:
Entstehung dem Hegau-Vulkanismus vor rd. 15 Mio. Jahren (siehe
auch Ziff. 2.1 ).
Klima: Das Klima des Hohentwiels läßt sich als
atlantisch gemäßigt und
warm beschreiben. Es unterscheidet
sich von dem des nahen Bo-
denseebeckens durch geringere
Niederschlagswerte und leicht
kontinentale Züge. Da der
Hohentwiel im weit nach Osten wirken-
den Regenschatten des
Schwarzwaldes liegt, sind die Jahresnie-
derschläge mit ca. 750 mm
vergleichsweise gering.
Die Jahresdurchschnittstemperatur
beträgt ca. 8,9° C (Station auf
der Domäne). Die winterliche Kälte
wird an durchschnittlich 50 Ta-
gen durch eine geschlossene
Hochnebeldecke gemildert, wobei
jedoch bei Inversionslagen der
Gipfelbereich aus der Nebelschicht
herausragt und einem starken
Frostwechsel ausgesetzt sein kann.
Von großer Bedeutung für die
Pflanzen- und Tierwelt ist das Mik-
roklima. An den steilen Süd- bis
Südwesthängen sind sehr viel
höhere Einstrahlungswerte zu
verzeichnen als in den Nordhängen.
Dieses Phänomen bewirkt
insbesondere im Vorfrühling eine
schnellere Erwärmung des Bodens
und einen früheren Vegetati-
onsbeginn. Folglich konzentrieren
sich die Vorkommen wärmelie-
bender Pflanzen- und Tierarten auf
die südexponierten Hänge des
Hohentwiels.
Böden/Bodennutzung:
Auf den vergleichsweise
basenreichen Moränen und Tuffdecken
haben sich Pararendzinen mit
verschiedener Gründigkeit entwi-
ckelt. Die tiefgründigen
Pararendzinen auf den Grund- und End-
moränen erlauben eine relativ
intensive, landwirtschaftliche Nut-
zung (die heute überwiegend als
Schafweide oder Mähweide be-
trieben wird), da sie selbst in
süd- oder südwestexponierter Lage
über eine gute Wasserversorgung
verfügen. Die Pararendzinen ü-
ber den Deckentuffen sind eher
flachgründig und besitzen gerin-
gere Wasserspeicherkapazität. Hier
sind dann überwiegend Ma-
gerrasen und Gebüsche
trockenwarmer Standorte zu finden. Die
Fels- und Rohbodenstandorte auf
den Phonolithfelsen sind die
Wuchsorte einer extrem
trockenheitsertragenden Vegetation, die
sich meist auf die humusreicheren
Felsspalten und Erdtaschen
beschränkt. Das offene Felsgestein
hingegen ist nur spärlich von
Moosen und Flechten bewachsen.
Am Fuß der Felsen und am Rande der
Schutthalden haben sich
Ranker entwickelt. Hier wachsen
lindenreiche Hochwälder, die in
dem humusreichen Boden gut
gedeihen.
An den Südhängen wird auf den
flachgründigen Böden aus Phon-
lithschutt
bereits seit langer Zeit Wein angebaut.
2 Schutzwürdigkeit
2.1
Geologie und Landschaftsgeschichte
Die Entstehung der Hegauvulkane und mit ihnen des
Hohentwiels reicht bis ins Tertiär vor
ca. 15 Millionen Jahren zurück. Bei der Auffaltung
der Alpen wurde das heutige Alpenvor-
land mit mehreren hundert Meter mächtigen
Molasseschichten aufgefüllt. An Schwächezo-
nen des Erdmantels kam es zu Vulkanausbrüchen,
wobei aus zahlreichen Schloten Tuffe
ausgeworfen wurden, die sich aus feinem
vulkanischem Staub, sowie größeren und kleine-
ren Gesteinsbrocken (z.B. Lapilli) zusammensetzten.
In diese mehrere hundert Meter mäch-
tigen Deckentuffe drang 6-7 Mio. Jahre später an
mehreren Stellen im Hegau erneut Magma
ein am Hohentwiel bis 100 m Meter unter die
damalige Landoberfläche. Dort blieb die Ge-
steinsschmelze stecken und erstarrte zu einem
dunkelgrauen und kompakten Hartgestein,
dem Klingstein oder Phonolith. Er verwittert nur
langsam. Trotzdem haben sich am Fuß des
Bergstockes seit der Eiszeit größere Schutthalden
gebildet, die vor allem die südöstlichen
Hänge des Hohentwiels bedecken.
In den folgenden Jahrmillionen wurde die heutige
Landschaft mit dem steil aufragenden Ho-
hentwiel und den benachbarten Hohenkrähen, Staufen
oder Gönnerbohl im Westen durch
die erodierende Kraft von Eis und Wasser
herauspräpariert. Gletscher und Schmelzwasser-
abflüsse schufen die steile Bergflanke zur
Aachniederung und ließen Geschiebe als Grund-
und Endmoränen (z.B. den markanten
Rücken im Gewann "Hochgericht") zurück.
2.2
Vegetation
2.2.1
Überblick
Als nach der letzten Eiszeit Süddeutschland von
Pflanzen und Tieren wiederbesiedelt wurde,
lag der Hegau im Schnittpunkt der Wanderstraßen,
auf denen die Arten aus den Rückzugs-
gebieten im Mittelmeerraum zurückkehrten. Arten mit
vorwiegend östlicher Verbreitung
drangen entlang der Donau ins Gebiet ein und
erreichten am Hohentwiel den westlichsten
Punkt ihrer Verbreitung. Zu ihnen zählen der
Bleiche Schöterich (Erysimum crepidifolium),
das Siebenbürger Perlgras (Melica transsilvanica),
der Zottige Spitzkiel (Oxytropis pilosa)
und andere. Eine besondere Note erhält der
Hohentwiel durch das Vorkommen einiger alpi-
gener Arten, die die Glazialzeiten auf dem
eisfreien Berg oberhalb der umgebenden Glet-
scher überdauert haben. Zu ihnen gehören der
Trauben-Steinbrech ( Saxifraga panicu/ata)
und das Niedrige Habichtskraut (Hieracium humile). Das
Vorkommen des Immergrünen Fel-
senblümchens (Draba aizoides) ist am Hohentwiel
seit langem erloschen.
Die Vegetation des Hohentwiels ist außerordentlich
vielfältig. Von weitgehend vom Men-
schen unbeeinflußten, naturnahen Waldgesellschaften
oder primär waldfreien Vegetations-
komplexen in den Steillagen der Felsen reicht die
Spanne bis zu anthropogen überprägten
Trockenrasen, intensiv genutzten Schafweiden mit
Streuobstbeständen und Elementen der
Weinbergsflora am Südhang.
2.2.2
Vegetation der Phonolithfelsen
In den ausgedehnten Felsbereichen unterhalb der
Burg wächst als Gesellschaft der engen
Gesteinsspalten die Habichtskraut-Felsflur
(Drabo-Hieracietum humilis). Sie befindet sich
vor allem in den exponierten, nach Süden hin
offenen, sonnigen Felswänden. An diesen
extremen Standorten wachsen nur wenige, speziell
angepasste Pflanzenarten. Hierzu zählt
als charakteristische Art das schon erwähnte
Niedrige Habichtskraut (Hieracium humile).
Schon immer selten war das Hasenohr-Habichtskraut
(Hieraciurn bupleuroides), das seit
einigen Jahren nicht mehr beobachtet wurde. Weitere
Arten sind
Dickblättrige Fetthenne (Sedum dasyphyllum)
Trauben-Steinbrech (Saxifraga paniculata)
Nordischer Streifenfarn (Aspleniurn septentrionale).
Wegen des isolierten Wuchsortes und des
phonolithischen Untergrundes -die Gesellschaft
besiedelt in den Alpen und der
Schwäbisch-fränkischen Alb die Kalkfelsen -nehmen die
Vorkommen am Hohentwiel eine
Sonderstellung ein.
Auf kleineren Köpfen und Simsen in den Felsen haben
sich in enger Verzahnung mit der
Habichtskraut-Flur verschiedene
Felsgrusgesellschaften entwickelt. Der starken Erwärmung
der Felsen bei Sonneneinstrahlung sind nur wenige,
besonders angepasste Arten gewach-
sen. Sie bilden die Kelchsteinkraut-Mauerpfeffer-Gesellschaft
(Alysso-Sedeteum albae).
Am auffälligsten kennzeichnen die dichten Polster
der Weißen Fetthenne (Sedum album)
diese Felsbandgesellschaft.
Weitere Arten sind
Kelch-Steinkraut (Alyssurn
alyssoides),
Durchwachsenblättriges
Hellerkraut (Thlaspi
perfoliaturn),
Finger-Steinbrech (Saxifraga
tridactylites)
Graues
Fingerkraut (Potentilla
inclinata).
Auf den Felsköpfen tritt die Pfingstnelken-Flur (Diantho-Festucetum) auf. Am Hohentwiel
kommt sie an den schwer zugänglichen Felspartien
vor. Die Bestände bilden eine verhält-
nismäßig geschlossene Vegetationsdecke, die von den
Horsten des Derben Schwingels
(Festuca heteropachys) bestimmt wird. Das
prächtigste Element der Gesellschaft ist die
Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus). Neben
dem Berg-Steinkraut (Alyssum montanum)
und dem Berg-Lauch (Allium montanum) sind einige
Arten vorhanden, die den sauren Cha-
rakter des phonolithischen Untergrundes
hervortreten lassen: Flügelginster (Genista sagitta-
lis) und Glanz-Lieschgras (Phleum
phleoides).
Die Gehölze in den trocken-heißen, kaum
zugänglichen Partien der Steilhänge sind sehr
vielgestaltig. Die exponiertesten Felsnasen
besiedelt das Felsenbirnen-Gebüsch
(Cotoneastro-Amelanchieretum). Die bezeichnenden
Arten sind die Felsenbirne
(Amelanchier ovalis) und die Gewöhnliche
Zwergmispel (Cotoneaster integerrimus). Weniger
extreme Stellen werden von Baumarten wie Stieleiche
(Quercus robur), Mehlbeere (Sorbus
aria) und auch Esche (Fraxinus excelsior)
eingenommen, die wegen der Ungunst der stand-
orte kaum über Strauchgröße hinauswachsen. Alle
vorgenannten Vegetationseinheiten bil-
den auf den extremen Felsstandorten einen Komplex,
der in seiner Struktur an die Steppen-
heidevegetation der Schwäbischen und fränkischen
Alb erinnert. Im Gegensatz zur Alb mit
ihren Jurakalken kommen diese Gesellschaften am
Hohentwiel auf basenreichem und bo-
densaurem Phonolithgestein vor. Alten Schilderungen
und Abbildungen zufolge bedeckte
diese offene, trockenheitsertragende Vegetation
weite Teile des Berges unterhalb der Burg,
da zu deren besserer Verteidigung der gesamte
Felsbereich weitgehend offengehalten wur-
de. Erst seit der Zerstörung der Festung sind die
Gehölze weiter vorgedrungen und haben
die Steppenheidevegetation in die
gehölzfeindlichen Felsbereiche abgedrängt.
2.2.3 Vegetation der Ruinenmauern
In den fugenreichen, unverputzten Ruinenmauern und
Felswänden der zerstörten Festung
wachsen viele seltene Arten, die an diesen
Wuchsorten zum Teil reichere Bestände bilden
als am natürlichen Fels. für den Naturraum
einzigartig ist das Vorkommen des Niedrigen
Habichstkrauts (Hieraciurn humile). Weiter sind zu
nennen
Berg-Steinkraut (Alyssum montanum)
Dickblättriger Mauerpfeffer (Sedum dasyphyllum)
Blauer Lattich (Lactuca
perennis)
Trauben-Steinbrech (Saxifraga( paniculata)
Stein-Baldrian (Valeriana
tripteris)
Die Kronen und Simsen der Mauerreste, auf denen
sich etwas Humus ansammeln konnte,
werden von fragmentarischen Trockenrasen besiedelt.
Auffallend sind insbesondere die di-
cken, wasserspeichernden Blätter der Weißen
Fetthenne (Sedum album) und die blaugrü-
nen Horste des seltenen Derben Schwingels (Festuca
heteropachys). Weitere bezeichnende
Arten der blütenreichen Bestände
auf den Mauern sind
Steinquendel (Calamintha
acinos),
Dauer-Lattich (Lactuca
perennis)
Frühlings-Fingerkraut (Potentilla verna)
Krainer Thymian (Thymus
froelichianus)
Leicht ruderalbeeinflusste Mauern werden auch vom
Natternkopf (Echium vulgare), der
Hundskamiile (Anthemis tinctoria) sowie der
eingebürgerten Gelben Resede (Reseda luteo-
la) besiedelt.
2.2.4
Vegetation offener Schutthalden
Am Fuße des Phonolithkegels haben sich durch
Verwitterung seit der Eiszeit größere
Schutthalden gebildet. Auf alten Darstellungen des
Hohentwiels sind diese meist mehr oder
weniger vegetationsfrei. Heute sind sie jedoch
weitgehend mit Wald oder dichtem Busch-
werk besetzt.
Die Schutthalden stellen standörtlich und in ihrer
Habitatfunktion einzigartige Landschafts-
elemente des Hegaus und des gesamten Alpenvorlandes
dar. An keinem anderen Vulkan-
kegel des Hegaus sind entsprechende Strukturen so
ausgebildet.
Die standörtliche Sondersituation ergibt sich u. a.
aus dem lockeren, extrem humusarmen
Gesteinsmaterial, aus der steilen Hangneigung und
aus der südöstlichen Exposition. Hieraus
resultieren an der Oberfläche Bereiche oder Phasen
extremer Trockenheit und Wärme, die
nur spezifisch angepassten
Lebensformen eine dauerhafte Existenz ermöglicht.
Nur noch am Südosthang gibt es eine letzte, weitgehend
gehölzfreie Schutthalde. Den offe-
nen, noch bewegten Phonolithschutt besiedeln nur
wenige Arten. Die bezeichnendste von
ihnen ist der Schildampfer (Rumex scutatus). Am
Hohentwiel besitzt er eines der wenigen
natürlichen Vorkommen in Baden-Württemberg
außerhalb der Schwäbischen Alb; es ist
zugleich das niedrigst gelegene. Er bildet mit
wenigen anderen Arten die Schildampfer-Flur
(Rumicetum scutati).
Sobald sich der Boden ein wenig gefestigt hat,
treten weitere Arten wie Natternzunge
(Echium vulgare) oder Schmalblättriger Hohlzahn
(Galeopsis angustifolium) hinzu. Den ru-
henden Schutt überspinnen die Triebe von Waldrebe
(Clematis vitalba) und Brombeere
(Rubus fruticosus agg.). Gehölze wie Roter
Hartriegel (Cornus sanguinea), Liguster
(Ligustrum vulgare) oder Hasel (Corylus avellana),
aber auch Eschen und Linden dringen
vom Rande in die noch offenen Bereiche vor. Sie
leiten eine Entwicklung der Schutthalde
zum unmittelbar angrenzenden,
lindenreichen Hangwald ein.
2.2.5
Trockenrasen der Südhänge
Auf den steilen Hängen im Südosten unterhalb der
Burganlage erstreckt sich auf den tro-
ckenen bis sehr trockenen, flachgründigen Böden
über den dort anstehenden Deckentuffen
ein ausgedehnter Komplex aus Trocken- und
Halbtrockenrasen mit eingestreuten Gehölzen.
Diese Flächen lagen lange Zeit brach, werden
neuerdings aber im Rahmen des Bewei-
dungskonzepts am Hohentwiel wieder sehr extensiv
genutzt. Es erfolgt Beweidung mit
Schafen wie auch mit Ziegen (v.a.
für die Erstpflege).
Die heutige Verteilung von Trockenrasen und
Halbtrockenrasen wird weitgehend von der
Gründigkeit des Bodens bestimmt. An steileren
Stellen ist durch frühere Bodenverletzungen
die Feinerde freigelegt und abgetragen worden,
sodass das verwitterte Tuffgestein offen
zutage tritt. Diese flachgründigen und zugleich
sonnenexponierten Bereiche werden heute
von Volltrockenrasen (Xerobrometum) eingenommen.
Die bezeichnenden Arten sind neben
der horstig wachsenden Aufrechten
Trespe (Bromus erectus)
Goldaster (Aster linosyris),
Krainer Thymian (Thymus
froelichianus),
Blaugrünes Labkraut (Galium glaucum),
Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria),
Glanz-Lieschgras (Phleum phleoides)
Blauer-Lattich (Lactuca
perennis).
Als besonders typisch für den Hohentwiel gilt der
Ysop (Hyssopus officinalis), der aus den
ehemaligen Burggärten verwildert ist. Weitere,
seltene Arten der Trockenrasen wie Zottiger
Spitzkiel (Oxytropis pilosa) und
Ohrlöffel-Leinkraut (Silene otites) wurden seit einigen Jahren
nicht mehr bestätigt.
Den weitaus größten Teil der Tuffhänge am Olgaberg
nehmen Halbtrockenrasen
(Mesobrometum) ein. Die Böden bestehen aus
vergleichsweise tiefgründigen Pararendzi-
nen, auf denen z. T. bis in die erste Hälfte dieses
Jahrhunderts Weinbau betrieben wurde.
Zu den typischen Arten der
Halbtrockenrasen gehören
Karthäuser-Nelke (Dianthus
carthusianorum),
Feld- Thymian (Thymus
pulegioides),
Tauben-Skabiose (Scabiosa
columbaria),
Blaugrünes
Labkraut ( Galium
glaucum)
und viele andere.
Die meisten Flächen wurden früher (bis 1975) extensiv
von Schafen beweidet, dann aber
mehrere Jahrzehnte nicht mehr. Heute sind
Brachezeiger wie Wirbeldost (Calamintha clino-
podium), Ähriger Ehrenpreis (Veronica spicata) oder
Gewöhnlicher Dost (Origanum vulgare)
reichlich vorhanden. In großem Ausmaß hat sich die
Fiederzwenke (Brachypodium pinna-
tum) zu dichten Herden zusammengeschlossen und
bildet mit abgestorbenen Teilen einen
Bodenfilz. Rankende Arten wie Vogelwicke (Vicia
cracca), Süßer Tragant (Astragalus gly-
cyphyllos) oder Bunte Kronwicke (Coronilla varia)
kommen hinzu und unterdrücken die nie-
derwüchsigen Arten. Auch der Weisse Steinklee
(Melilotus alba) entwickelt sich oft aspekt-
bildend.
Trotz des ungünstigen Standorts dringen vor allem
in den Randbereichen Gehölze wie
Schlehe oder Robinie durch Wurzelbrut vor. Deshalb
sind zur Erhaltung der Trockenrasen
Pflegemaßnahmen erforderlich. Auf den beweideten
Flächen zeigen sich bereits deutliche
Erfolge.
In den Magerrasen im Westen, die schon länger als
Schafweide genutzt werden, haben sich
Nährstoffzeiger wie Rot-Klee (Trifolium pratense),
Weiß-Klee (Trifolium repens) oder Schaf-
garbe (Achillea millefolium) eingestellt. Derartige
Bestände befinden sich im Gewann "Auf
dem Zimmerplatz" und auf dem
Moränenrücken am "Hochgericht".
2.2.6
Schafweiden
Auf der Nord- und Westseite des Hohenwiels dehnen
sich großflächige Schafweiden aus.
Durch ihre Offenheit und Weitläufigkeit heben sie
sich deutlich vom weitgehend bewaldeten
Felsbereich im Umkreis der Burg ab. Kennzeichnende
Arten dieser Fettweiden sind Deut-
sches Weidelgras (Lolium perenne), Kammgras
(Cynosurus cristatus), Löwenzahn
(Taraxacum officinal), Scharfer Hahnenfuß
(Ranunculus acris) und Löwenzahnblättriger
Pippau (Crepis taraxacifolia).
Meist sind gerade diese Bereiche von zahlreichen Gebüschen
und Hecken durchsetzt. In
den flacheren Gewannen liegen ehemalige,
wiederbegrünte Ackerflächen (Gewann
"Gumpbrunnen"), die heute von Schafen
intensiv beweidet werden. Durch die dauernde Nut-
zung, die die Vegetationsdecke ganzjährig sehr kurz
hält, können sich nur wenige Arten wie
z. B. der löwenzahnblättrige Pippau (Crepis
taraxacifolia) halten.
Nahe der Domäne befindet sich der Schafpferch mit
einer spärlichen Ruderalflur, in der u. a.
die seltene Eselsdistel (Onopordum
acanthium) wächst.
2.2.7 Gehölze
Gehölze und Gebüschgruppen bestimmen in
entscheidender Weise das Landschaftsbild des
Hohentwiels. In lockerem Wechsel durchziehen sie
die trockenen Wiesen und Weiden, im
Randbereich der Wälder bilden sie naturnahe
Gebüschzonen, die die Sukzession der Frei-
flächen oder der vegetationsarmen
Schutthalden zu Wald einleiten.
Der Liguster-Schlehen-Busch (Pruno-Ligustretum) als weit verbreitete Gesellschaft tritt am
Hohentwiel im Bereich der Weiden und
Halbtrockenrasen auf. Er besteht vor allem aus
Schlehe (Prunus spinosa), Weißdorn (Crataegus
monogyna), Weinrose (Rosa rubiginosa),
Liguster (Ligustrum vulgare) und Wolligem
Schneeball (Viburnum lantana). In den Phono-
lithfelsen unterhalb der Festung, wo sich auf den
fiachgründigen Standorten kein Wald ent-
wickeln kann, bleibt der Liguster-Schlehen-Busch
das Endstadium der Vegetationsentwick-
lung. Bäume können nur an vergleichsweise
tiefgründigen Stellen einigermaßen gedeihen.
Eichen, Mehlbeere und Esche bilden dann einen
lockeren Bestand, in dem die Bäume kaum
Strauchgröße überschreiten.
Auf den Schutthalden und Festungswällen ist die
Hasel (Corylus avellana) die wichtigste
Gebüschart in den ersten Phasen der
Wiederbewaldung. Als dominierende Art überzieht sie
in den geschlossenen Beständen die etwas grundfeuchten
Standorte in den schuttreichen
Rinnen oder im Unterhangbereich. Die spärliche
Krautschicht unter dem dichten Blätterdach
setzt sich nur aus wenigen, schattenertragenden
Arten zusammen, zu denen das Bleiche
Knabenkraut (Orchis pallens) der das Männliche
Knabenkraut (Orchis mascula) gehören.
Das Hasel-Gebüsch bildet ein Zwischenstadium in der
Waldentwicklung, die auf den
Schuttstandorten zu einem Lindenmischwald führt.
Anhand von alten Fotografien läßt sich
diese Entwicklung nachzeichnen: Während bis ca.
1930 am Fuße der Felsen noch ausge-
dehnte Gebüschvegetation existierte, dehnt sich
dort heute ein Lindenmischwald mit einem
dichten Haselunterwuchs aus.
2.2.8 Wälder
Seit der Zerstörung der Burg im Jahre 1800 haben
sich die Wälder am Hohentwiel erheblich
ausgebreitet. Ausgehend vonwahrscheinlich
degradierten Waldresten auf der schattigen
Nordseite hat sich vor allem auf den
schuttübersäten Hängen ein strukturreicher Wald etab-
lieren können. Verschiedene Aufforstungsversuche,
bei denen in den Jahren 1890- 1896
versucht wurde, die damals noch kahlen Steilhänge
zu bepflanzen, scheiterten. Von den
verwendeten Hölzern hat nur die Robinie bis heute
überdauern können. Somit präsentieren
sich die Wälder am Hohentwiel als Ergebnis einer
vergleichsweise wenig beeinflussten Suk-
zession der letzten 200 Jahre. Allerdings muss
berücksichtigt werden, dass bis in die 20er
Jahre dieses Jahrhunderts Teile des Waldes als
Weide extensiv genutzt wurden. Erst die
Ablösung des Weiderechts, die "Bannung"
und die Ausweisung des Naturschutzgebietes im
Jahre 1941 beseitigten diese
Einflüsse auf die Waldentwicklung vollständig.
Im Umkreis der Phonolithfelsen kommen zwei
naturnahe, lindenreiche Waldgesellschaften
vor. Diese Lindenmischwälder sind als Endstadium
der Waldsukzession auf den schuttrei-
chen Hängen anzusehen.
An den sonnigen und trockenen Hängen irn Süden und
Südosten des Hohentwiels findet
man Spitzahorn-Sommerlinden-Wald (Aceri- Tilietum platyphylli). Neben
den beiden na-
mengebenden Baumarten Spitzahorn (Acerplatanoides)
und Sommerlinde (Tilia platyphyl-
los) kommt die Esche (Fraxinus exelsior) in
beträchtlicher Deckung vor. Charakteristisch für
die Gesellschaft sind weiterhin
Arten wie
Feldahorn (Acer campestre),
Stieleiche ( Quercus robur) und
Hainbuche (Carpinus
betulus).
Da die selten 20 m Höhe überragende Baumschicht
nicht dicht schließt, sind Sträucher wie
Wolliger Schneeball (Viburnum lantana), Roter
Hartriegel (Cornus sanguinea) und Hasel
(Corylus avellana) gut entwickelt. Die
Strauchschicht entspricht damit noch weitgehend den
lichten Gebüschstadien, aus denen sich der
Spitzahorn-Sommerlinden-Wald entwickelt hat.
An offeneren Standorten gesellen sich lichtliebende
Saumarten wie Straußblütige Wucher-
blume
(Chrysanthemum corymbosum) und Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula per-
sicifolia) hinzu. Derartige Bestände vermitteln mit
ihrer Struktur zum Steppenheidewald der
steilen Felsen.
Anders gestaltet ist der Lindenmischwald in den
Schattlagen auf der Nordseite. In dieser
Waldgesellschaft dominiert die Sommerlinde, die
etwas reichere und frischere Böden bevor-
zugt. Eichen, Hainbuchen, Feldahorn und
Vogelkirsche mit Wärmeanspruch fehlen. Hinzu
gesellen sich jedoch Baumarten wie
Bergahorn (Acer pseudoplatanus),
Esche (Fraxinus excelsior) und
Berg-Ulme (Ulmus
glabra).
Sie bilden den Eschen-Ulmen-Ahorn-Wald (Fraxino-Aceretum pseudoplatani).
Während
an lichten Stellen in der Baumschicht dichtes
Haselgebüsch regelmäßig anzutreffen ist, fehlt
in den geschlossenen Beständen eine Strauchschicht
irn Unterwuchs weitgehend. An
Standorten mit humusreichem Boden treten
Mullbodenarten wie Wald-Geißbart (Aruncus
dioicus) oder Kriechende Gernswurz (Doronicum
pardalianches) auf. Am Fuß der Schutthal-
den zeigen die Frühjahrsgeophyten Bärlauch (Allium
ursinum), Hohler Lerchensporn
(Corydalis cava) und Gelbes Windröschen (Anemone
rananculoides) grundfeuchte Wuchs-
bedingungen und eine
klebwaldartige Ausbildung der Gesellschaft an.
2.2.9 Weinberg
Im Rahmen der Untersuchungen zur Umgestaltung des
Weinberges Olgaberg wurde auch
die Weinbergsflora untersucht, die sich insgesamt
als artenreich erweist. Die Artenzusam-
mensetzung zeigt deutliche standörtliche
Unterschiede. Im flacheren Bereich der Unterhän-
ge sind mehrjährige Arten mit meist mittleren bis
hohen Nährstoffansprüchen stark vertreten.
Je steiler und damit trockener und wärmer die Lagen
werden, desto stärker treten einjährige
Gräser und Kräuter in den Vordergrund, deren
Vegetationszyklus eng mit den jahreszeitlich
sich ändernden Wuchsbedingung korrelIiert.
Innerhalb der erfassten Pflanzenarten wurden
zahlreiche wärmeliebende Vertreter festgestellt, so
z. B. der Rundblättrige Storchschnabel
(Geranium rotundifolium) oder der
Zwerg-Schneckenklee (Medicago minima), die die regio-
nal außergewöhnlichen klimatischen Bedingungen am
Hohentwiel zu erkennen geben.
Ausgesprochene Weinbergspflanzen wurden dagegen nur
sehr spärlich registriert. Zu die-
sen zählt beispielsweise die Weinbergs-
Traubenhyazinthe (Muscari racemosum), die am
Gigaberg aktuell nur mit wenigen Einzelpflanzen
vorkommt, möglicherweise hier als Garten-
flüchtling anzusehen ist. Wesentlich besser ist es
dagegen um den Weinbergs-Lauch (Allium
vineale) bestellt. Diese herbizidresistente Art
kann sich innerhalb der Weinberge sehr gut
behaupten.
Daneben gibt es in den Rebhängen des Olgaberges
einige weitere floristisch bemerkens-
werte Arten, deren Bestände jedoch meist lokal sehr
begrenzt sind, nur aus wenigen Einzel-
pflanzen bestehen oder bereits wieder erloschen
sind. In diesem Zusammenhang sind u. a.
Färber-Hundskamille (Anthemis tinctoria),
Trauben-Gamander (Teucrium botrys), Schierling
(Colium maculatum) oder Ungarische
Platterbse (Lathyrus pannonicus) zu nennen.
Die typische Weinbergslauch-Gesellschaft
(Geranio-Allietum) tritt nur als verarmte Ausbil-
dung auf. Folgende Arten sind heute im Rebgelände
des Hohentwiels regelmäßig anzutref-
fen: Gemeiner Erdrauch (Fumaria officinalis),
Gemeiner Reiherschnabel (Erodium circutari-
um), Feldsalat
(Valerianella locusta), Hirtentäschelkraut (Capsella bursa-pastoris) und diver-
se andere.
2.3 Fauna
Daten zur Tierwelt des Hohentwiels liegen in
geringerem Umfang vor als solche zur Flora
des Berges. Zum einen handelt es sich hier um
Erhebungen der Vogelwelt, die seit einigen
Jahren regelmäßig vom Naturschutzbund Deutschland
durchgeführt werden. Zum anderen
kommen neuerdings entomologische Untersuchungen,
die im Rahmen des Artenschutz-
programms des Landes und von Begleituntersuchungen
zur Auswirkung des Hohentwiel-
festes und der Umgestaltung des
Weinberges Gigaberg durchgeführt werden, hinzu.
2.3.1 Vögel
Wegen der Vielfalt der Habitate und des
Strukturreichtums der Vegetation sind am Hohen-
twiel zahlreiche (ca. 50) Vogelarten anzutreffen.
Für den Felsbereich ist allerdings nach den
Erhebungen des Naturschutzbundes Deutschland die
Zahl der brütenden Arten im Zeitraum
von 1968 -1989 von durchschnittlich 43
beobachtenden Arten auf 28 zurückgegangen. Dies
ist ein Verlust von ca. 35% und ein alarmierendes
Zeichen für die sich verschlechternden
Lebensbedingungen im
Naturschutzgebiet.
Zu den spektakulärsten Vogelarten am Hohentwiel
gehören sicherlich die Felsbrüter Wan-
der- und Turmfalke sowie der Kolkrabe. Bereits seit
mehreren Jahren haben die Falken wie-
der die Felsbereiche auf der
Südseite des Phonolithstocks besetzt.
Der Turmfalke brütet unregelmäßig ebenfalls an den
Felsen im Süden, der Kolkrabe regel-
mäßig schon seit Jahren an den
schattigen Nordabstürzen des Hohentwiels.
Weiterhin sind insbesondere der Neuntöter und der
Berglaubsänger erwähnenswert. Der
Neuntöter besiedelte 1989 mit ca. 12 Paaren den
Hohentwiel. 1998 verteilten sich noch 11
Reviere um den gesamten Berg, 1999 waren es nur
noch die Hälfte.
Der Neuntöter bevorzugt die gehölzdurchsetzten
Magerrasen, die nur mit geringer Intensität
genutzt werden oder brachliegen. Daher liegt der
Schwerpunkt des Vorkommens in den
südexponierten Hängen oberhalb der Weinberge und in
der Umgebung der Schanzanlagen
an der unteren Festung. Der weitere Bodenseeraum
ist als klimatisch begünstigtes Gebiet
eines der wichtigsten Brutgebiete des Neuntöters in
Baden-Württemberg, wenngleich nicht
zu übersehen ist, dass auch hier Rückgänge zu
verzeichnen sind. Daher ist die vergleichs-
weise große Population am
Hohentwiel von besonderem Wert.
Ein weiterer, gefährdeter Brutvogel ist der
Berglaubsänger. Er bewohnt die unzugänglichen
Felsabstürze unterhalb der Festung sowie die
lichten, steppenheideähnlichen Gehölzbe-
stände aus Kiefern, Eichen und Mehlbeeren.
Die Brutvorkommen des Berglaubsängers haben seit
Ende der 60er Jahre einen enormen
Rückgang im gesamten Bodenseeraum zu verzeichnen.
Am Hohentwiel wurden noch 1971
14 Brutpaare erfasst, wohingegen 1998 nur noch ein
Revier beobachtet werden konnte, das
-in 2000 nicht mehr besetzt war. Die Population
dieser Vogelart steht somit am Hohentwiel-
einem von der Habitatstruktur idealen Lebensraum -
vor dem Erlöschen. Als Ursache ver-
mutet man Beunruhigungen durch das Hohentwielfest,
aber auch die zunehmende Verbu-
schung wird ihren Teil beitragen.
2.3.2 Reptilien
Am Hohentwiel sind bisher drei Reptilienarten
besonders zu erwähnen. Die Mauereidechse
(Lacerta muralis), die Zauneidechse (L. agilis) und
die Schlingnatter (Coronella austriaca)
finden in den südexponierten, sonnigen Felshängen,
Trockenrasen und auch in den Ruinen
der Festung ihnen zusagende
Lebensräume.
2.3.3
Schmetterlinge
Aus dem Jahre 1931 liegt bis jetzt der einzige
Überblick über die Tagfalterfauna des
Ho-
hentwiel vor. Insgesamt sind damals ca. 80
Tagfalterarten nachgewiesen worden. Der
Schwalbenschwanz (Papilio machaon)wird noch
regelmäßig am Hohentwiel beobachtet. Der
Segelfalter (Iphiclides podalirius) und der
Apollofalter (Parnassius apollo) sind seit den 50er
Jahren im Schutzgebiet nicht mehr gefunden worden;
die Populationen gelten als erloschen.
Neuere Einzeluntersuchungen ergeben, dass etwas
seltenere Arten wie das Schwefelvögel-
chen (Heodes tityrus) oder die Goldene Acht (Cloias
hyale) meist nur als Einzelfunde festge-
stellt werden.
Die Nachtfalterfauna
erwies sich bei Lichtfängen der letzten Jahre als relativartenarm. Der
Anteil an gefährdeten Arten ist gering, stark
gefährdete Arten werden fast nicht gefunden.
Bemerkenswert ist der Fund der Kammerjungfer
(Dysauxes ancilla).
Die wärmeliebende Spanische Flagge (Callimorpha
quadripunctaria) als FFH-Art ist im nähe-
ren und weiteren Umkreis des
Hohentwiel verbreitet.
An sonnigen Tagen ist der seltene
Libellen-Schmetterlingshaft (Libelloides coccajus) regeI-
mäßig in leicht verbuschten Trockenrasen zu
beobachten. Das Insekt aus der Ordnung der
Netzflügler bevorzugt sehr trockene und heiße
Bereiche mit lückiger Vegetation. Die stark
gefährdete Art hat in Baden-Württemberg nur wenige
Vorkommen in den Wärmegebieten
des Landes.
2.3.4
Heuschrecken
Heuschrecken sind am Hohentwiel häufig.
Insbesondere die Felsbereiche, die ausgedehnten
Rasen und extensiv genutzten Weiden stellen ideale
Lebensräume dar.
Ganz besonders erwähnenswert ist die Italienische
Schönschrecke (Calliptamus italicus),
von der in Baden-Württemberg nur noch wenige,
kleine Restvorkommen existieren. Für die
Italienische Schönschrecke konnte in Untersuchungen
der letzten Jahre gezeigt werden,
dass auch Vorkommen innerhalb der beweideten bzw.
lückigen Trockenrasen der Südhänge
existieren. Dennoch werden die Weinberge als
zentraler Biotop mit dem Hauptvorkommen
angesehen. Deutliche Verluste von offenen und damit
warm-sonnigen Boden- bzw. Bö-
schungsbereichen im Rahmen der Umgestaltung der
Weinberge bzw. durch andere Bear-
beitungsmethoden würden das Aussterberisiko für
diese Art deutlich erhöhen.
Weitere, seltene und wärmeliebende Arten sind die
Westliche Beißschrecke (Platycleis albo-
punctata) und die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda
caerulescens) .Die Rotflügelige
Ödlandschrecke (Oedipoda germanica) hat wie die
Italienische Schönschrecke am Hohen-
twiel ihr einziges Vorkommen im Naturraum. Die
population der Rotflügeligen Ödlandschre-
cke ist inzwischen ausschließlich auf die letzte,
noch vegetationsarme Phonolithschutthalde
am Südhang beschränkt. Mit einem baldigen Erlöschen
der Population muss gerechnet wer-
den. Um der Art ein weiteres Oberleben zu
gewährleisten, muss durch Pflegemaßnahmen
das Zuwachsen der Schutthalde verhindert werden und
eine Öffnung zu den Magerrasen
und Weinbergen geschaffen werden.
2.3.5 Laufkäfer- und
Bodenspinnen
Für Laufkäfer und Bodenspinnen liegen bisher nur
Untersuchungen im Rahmen der Um-
gestaltung des Rebberges vor. Die Ergebnisse zeigen
eine deutliche Eigenständigkeit der
Artengemeinschaften von Rebflur und der darüber
liegenden Magerrasen. Die Wege dazwi-
schen bilden offensichtlich für die
"Weinbergsarten" eine relativ klare Grenze, dagegen fin-
den sich viele der "Magerrasenarten" auch
noch in beachtlicher Anzahl unterhalb der Mau-
ern und Wege. Überraschend war der Fund der
landesweit stark gefährdeten Laufkäferart
Haarschnellläufer (Pseudoophonus calceatus) und der
innerhalb von Deutschland aus-
schließlich am Hohentwiel gefundenen Feldspinne
(Phrurolithus nigrinus). Beide sind offen-
sichtlich existenziell an die thermophilen, aber
auch an die Nutzungsverhältnisse der Wein-
berge gebunden.
Auf der Phonlith-Schutthalde wurde bei neuesten
Untersuchungen die Haubennetzspinne
(Theridion nigromaculatum) gefunden. Aktuell sind
aus Baden-Württemberg nur Vorkommen
vom Isteiner Klotz, vom Kaiserstuhl und von einem
Steinbruch bei Heidelberg bekannt. Am
Hohentwiel scheinen nach bisherigen Untersuchungen
weder die Weinberge noch die Ma-
gerrasen von der Art besiedelt zu sein. Landesweit
wird Theridion nigromaculatum nach dem
Entwurf der Roten Liste als stark
gefährdet geführt.
2.3.6
Wildbienen
Aus dem Naturschutzgebiet sind neun Wildbienenarten
bekannt. Es sind meist wärmelie-
bende Arten, deren Habitate in sonnigen
Trockenrasen, Felshängen und lückig bewachse-
nen Verwitterungshalden liegen. Dort finden die
Bienen zur Anlage ihrer Nisthöhlen offenlie-
gende Bodenanrisse oder feinkörnigen
Verwitterungssand. Hervorzuheben sind hier insbe-
sondere die Glänzende Sandbiene (Andrena polita)
sowie die Rote Schneckenhausbiene
(Osmia andrenoides).
Der Struktur- und Blütenreichtum am Hohentwiel
lassen bei genauerer Untersuchung noch
weitere Wildbienenarten erwarten.
2.3.7
Wanzen
Im Naturschutzgebiet sind nach neuestem Stand knapp
über 200 Arten von Wanzen nach-
gewiesen. Dies ist fast 113 des
baden-württembergischen Artbestandes an Wanzen. Davon
sind insgesamt 18 Arten in den "Vorschlag
einer Rote Liste der Wanzen Baden-
Württernbergs" aufgenommen. Immerhin 8 dieser
Arten werden in der Zwischenzeit regel-
mäßig am Hohentwiel gefunden.
Bei flächendeckender und systematischer
Untersuchung ist davon auszugehen, daß weitere
extrem seltene und hochgradig gefährdete Elemente
der Wirbellosen-Fauna aufzufinden
sind.
3
Schutzbedürftigkeit
3.1
Beeinträchtigungen
Der Hohentwiel mit seiner markanten Berggestalt
gilt als bekanntester Hegauberg schlecht-
hin. Die Lage am unmittelbaren Stadtrand von
Singen, gute Anreisemöglichkeiten und Park-
plätze auf dem Berg ermöglichen es, dass der Berg
das ganze Jahr über von zahlreichen
Besuchern frequentiert wird. Sowohl im Rahmen der
Naherholung als auch an Wochenen-
den und insbesondere in den Urlaubszeiten ergießen
sich wahre Menschenmassen in die
Bereiche der Festungsruine, verteilen sich aber
auch auf die Wege, die rund um den Berg
führen. Wanderer haben letztendlich von allen
Seiten Zugangsmöglichkeiten zum Berg. Die
aussichtsreiche Lage des Berges und seiner
umgebenden Grünlandflächen, hier insbeson-
dere auf der Südseite, führt regelmäßig dazu, dass
Besucher die vorhandenen Wege verlas-
sen, gesperrte Wege weiterhin begehen und dass
insbesondere in den offenen Flächen ge-
lagert wird. Gerade auf der Südseite gibt es
beliebte Plätze, wo Müll abgelagert wird, Feuer-
stellen angelegt werden oder sogar campiert wird.
Im Bereich der Trockenrasen führt dies zu
erheblichen Beeinträchtigungen der schützenswerten
Vegetation, aber auch zu Störungen,
v .a. der Vogelwelt. So sind hierdurch z. B. die
Küchenschellen-Bestände im Bereich der
Burgwälle und an stark
frequentierten Pfaden bereits stark dezimiert.
Eine Zuspitzung der Verhältnisse erfolgt jedes Jahr
im Sommer, in der 2. Julihälfte, wenn die
Großveranstaltung "Hohentwielfest"
stattfindet. Sie wurde in den letzten Jahren sogar auf
zwei Wochenenden ausgedehnt. Seit 1998 erfolgen
begleitend zum Hohentwielfest
ökologische Untersuchungen, die die Auswirkungen
auf das Naturschutzgebiet feststellen
sollen. Im Jahr 2000, während der Landesgartenschau
war das Hohentwielfest in das Fest-
gelände an der Aach integriert, so daß der
Hohentwiel ungestört blieb.
Im vegetationskundlichen Teil werden vor allem
Orchideen und die Küchenschellenvorkom-
men beobachtet, wobei hier keine nachhaltigen
Schädigungen speziell durch das Hohen-
twielfest festzustellen sind .
Die Beobachtungen aus der Nullvariante im Jahr 2000
bestätigen, dass die Avifauna im Na-
turschutzgebiet durch das Hohentwielfest deutlich
gestört wird. Vor allem gefährdete Arten
reagieren auf die Störungen, insbesondere Lärm- und
Lichtemissionen, mit Flucht- und Ver-
haltensänderungen. Am stärksten betroffen ist der
Wanderfalke. Auffallend war in den letz-
ten Jahren, dass der Wanderfalke während des
Hohentwielfestes seinen Horst verlassen hat
und danach auch nicht mehr besetzte. Im Jahre 2000,
als das Hohentwielfest am Berg aus-
gesetzt wurde, fiel auf, dass beim Ausbleiben von
Störungen die Falken bis mind. Mitte Au-
gust am Hohentwiel verblieben. Danach wurden die
Jungvögel selbständig und verließen
das Gebiet. Die adulten Falken waren bis Ende
November ohne Unterbrechung am Hohen-
twiel, was ein Novum darstellt, da sie somit mehr
oder weniger ganzjährig ein Revier be-
setzten. Im Übrigen ist auch festzustellen, dass
die Jungfalken während des Festes noch
keineswegs selbständig sind und durch die
Vertreibung stärker als bisher angenommen be-
einträchtigt werden.
Auch der Kolkrabe, der Berglaubsänger und der
Neuntöter leiden unter den Folgen des Fes-
tivals. Selbst alltägliche Arten wie
Mönchsgrasmücke oder Zilpzalp werden durch die Laut-
stärke des Konzertes beeinträchtigt. Neben den
Hauptzufahrts- und Lieferantenwegen wer-
den aber auch sonst ruhigere Wege wie der
Ten-Brink-Weg oder auch der Olgaberg zur
Anreise genutzt. Auch hier werden dann zahlreiche
Vogelarten beeinträchtigt. Verbreitungs-
lücken des Neuntöters sind damit auffällig
korrelliert. Illegale Zuhörer der Konzerte, die den
Sattel und den Wall unterhalb der Karlsbastion
betreten und hier lagern, haben zudem einen
störenden Einfluss, z. B. auf den Berglaubsänger.
Im Rahmen der Landesgartenschau 2000 in Singen
wurde am Osthang des Hohentwiels im
bestehenden Naturschutzgebiet als Werbeträger ein
überlebensgroßes Tranparent eines
Elefanten aufgestellt. Um keine Ansätze für weitere
Beeinträchtigungen des Landschaftsbil-
des zu liefern, wurde nur eine zeitlich befristete
Befreiung ausgesprochen. Nach deren Ab-
lauf und entsprechender Anmahnung bei der Stadt
Singen verbleibt das Transparent aktuell
immer noch im Naturschutzgebiet.
Neuerdings sind verstärkt Spuren von Mountainbikern
auf nicht befestigten schmalen Pfaden
am Berg festzustellen. Dies führt insbesondere bei
nasser Witterung zu deutlichen Erosions-
schäden.
3.2
Gefährdungen
Landwirtschaft wird zum größten Teil auf
landeseigenen Flächen der Domäne in Form der
Schafhaltung durchgeführt. Die derzeitige
Intensität der Schafbeweidung ist abgestimmt auf
die Pflegekonzeption der BNL Freiburg von 1990. Mit
ca. 600 Mutterschafen des derzeitigen
Pächters ist der Beweidungsdruck deutlich geringer als
in früheren Jahren. Eine Überwei-
dungstendenz ist derzeit nicht mehr ersichtlich.
Eine Erhöhung der Anzahl der Mutterschafe
würde jedoch zu einem stärkeren Verbiss und zu
einer Verringerung der Artenvielzahl sowie
zu einer Verletzung der Grasnarbe
mit Erosionserscheinungen führen.
Die letzte mehr oder weniger offene
Phonolith-Blockschutthalden befinden sich auf den
Südosthängen des Hohentwiels ober- und unterhalb
des Ten-Brink-Weges. Die standörtli-
chen Verhältnisse haben hier einen Lebensraum
ermöglicht, der Pflanzen- und Tierarten
(Wirbellose) beherbergt, die extrem selten und
hochgradig schutzbedürftig sind. Die Gehölze
des umgebenden Waldes dringen allerdings immer mehr
in die offenen Schuttflächen ein
und führen so zu zunehmender Beschattung, aber auch
zur Verfestigung des lockeren
Schuttmaterials. Die hier lebenden Zönosen sind
aber gerade auf die xerothermen Verhält-
nisse und die Dynamik des Substrats angewiesen.
Pflegemaßnahmen sind daher dringend
erforderlich, um die Schutthalden offen zu halten.
Der bisherige Status des Bannwaldes hat allerdings
stets verhindert, dass Pflegeeingriffe
stattgefunden haben. Sie sind jedoch heute zwingend
erforderlich, da sonst innerhalb weni-
ger Jahre mit dem Erlöschen der
Populationen zu rechnen ist.
Bereits unter Ziff. 2.2.3 wurden die botanischen
Besonderheiten der Mauerstandorte der
Festungsruine beschrieben. Da die gesamte Ruine
öffentlich zugänglich ist, besteht seitens
des Landes Baden-Württemberg die
Verkehrssicherungspflicht. Immer wieder werden daher
Mauerabschnitte saniert. indem die mehr oder
weniger verfallenen oder desolaten Mauerbe-
reiche wieder aufgebaut oder die Fugen mit Mörtel
verfüllt werden, um wieder längerfristig
Standsicherheit zu erreichen. Dies läuft der
Notwendigkeit des Artenschutzes, die wertvolle
Vegetation mit z. T. seltenen reliktischen Arten,
zu schützen, diametral entgegen. Hierfür ist
es gerade erforderlich, Mauern aus Natursteinen zu
haben, die zahlreiche Fugen und Spal-
ten aufweisen, insbesondere keinen perfekten Putz
erhalten und die auf den Mauerkronen
nicht versiegelt sind. Um nachhaltige Gefährdungen
der Mauerflora zu vermeiden, muss bei
zukünftigen Renovierungsarbeiten eine intensive
Abstimmung mit der Naturschutzverwal-
tung erfolgen.
4
Schutzzweck
4.1
Bewertung
Als markanter Vulkanberg prägt der Hohentwiel in
entscheidender Weise das Landschafts-
bild des Hegaus. Der mächtige Phonolithstock und
die ihn umgebenden Tuffdecken sind ein
Dokument des tertiären Hegau-Vulkanismus. Seine
heutige Form verdankt der Hohentwiel
den Erosionsprozessen der Eiszeit.
Die Vegetation des Hohentwiels zeichnet sich durch
eine außerordentlich große Vielfalt aus.
Lindenreiche Mischwälder in verschiedenen
Sukzessionsstadien, strukturreiche Gehölze,
weitgehend ungestörte Felsvegetation, brachliegende
Trockenrasen und großflächige
Schafweiden bilden einen einzigartigen
Landschaftskomplex von hohem biologischem Wert
und landschaftsästhetischem Reiz.
Die Wälder des Naturschutzgebietes sind das
Ergebnis einer weitgehend naturnah ablau-
fenden Sukzession. Dabei entstanden lindenreiche
Wälder, die die vielfältigen Standortsbe-
dingungen auf den schuttreichen Hängen
widerspiegeln. Insbesondere die Trockenwälder
der südexponierten Hänge gelten als Endstadium der
Sukzession auf diesen sonderstand-
orten.
In den trocken-heißen Felsen hat sich ein
reichhaltiger Vegetationskomplex aus verschiede-
nen Felsspaltengesellschaften, Saumbeständen und
Trockengebüschen gebildet. In seiner
Struktur und Zusammensetzung ähnelt er der
Steppenheide der Schwäbischen Alb. Hier
befinden sich ein Großteil der botanischen
Raritäten des Hohentwiels, die als Zeugen der
eiszeitlichen und nacheiszeitlichen
Einwanderungsgeschichte von großem wissenschaftli-
chen Wert sind.
Weiterhin sind die artenreichen Magerrasen des
Gebietes von überregionaler Bedeutung.
Nicht nur ihre Ausdehnung, sondern auch die
natürliche Ausstattung, die dem Betrachter als
eng verzahnter Komplex aus Voll- und
Halbtrockenrasen, Gebüschgruppen und Gehölzen
erscheint, machen sie zu besonders
schützenswerten Lebensräumen.
Insgesamt wurden im Naturschutzgebiet rd. 60
Pflanzenarten festgestellt, die in der Roten
Liste von Baden-Württemberg aufgeführt oder
besonders geschützt sind. Viele von ihnen
besitzen hier ihren einzigen Fundort in der weiteren
Umgebung. Dies unterstreicht die Ei-
genart und Bedeutung des Hohentwiels als
Sonderstandort für die Pflanzenwelt inmitten des
Hegaus.
Der Hohentwiel bietet durch seine Habitatvielfalt
vielen gefährdeten und besonders ge-
schützten Tierarten einen unverzichtbaren
Lebensraum. Aus den verschiedenen Tiergrup-
pen sind zahlreiche Arten, die in den Roten Listen
von Baden-Württemberg aufgeführt sind,
nachgewiesen worden (s. Artenliste im Anhang).
Insbesondere die Felsbereiche und Tro-
ckenrasen sind die Lebensstätten wärmeliebender
Insektenarten mit submediterraner
Verbreitung. Manche dieser Arten, wie z. B. der
Libellen-Schmetterlingshaft oder die Rotflü-
gelige Ödlandschrecke, besitzen nur noch wenige
Vorkommen in Baden-Württemberg und
sind daher vom Aussterben bedroht. Somit kommt den
Populationen im Naturschutzgebiet
Hohentwiel eine besondere
Bedeutung zu.
Das bestehende Naturschutzgebiet
"Hohentwiel" ist als gemeldetes FFH-Gebiet Teil der eu-
ropaweiten Natura-2000-Kulisse.
4.2
Erforderlichkeit der Unterschutzstellung
Der Hohentwiel ist bereits seit 1941 als
Naturschutzgebiet ausgewiesen. Die Verordnung,
noch unter Reichsnaturschutzgesetz erlassen, genügt
den heutigen normativen Rechtsan-
forderungen nicht mehr. Insbesondere Verbote und
Nutzungsbeschränkungen müssen neu
und detailliert gefasst werden. Außerdem ist eine
räumliche Erweiterung des Naturschutzge-
bietes sowie die Angliederung eines abhängigen
Landschaftsschutzgebietes erforderlich, um
mit diesem kombinierten Schutzgebiet das gesamte
"Bergmassiv" des Hohentwiels zu erfas-
sen. Die hohe Wertigkeit des Gebietes im
Zusammenhang mit den unter Pkt. 3 aufgeführten
Beeinträchtigungen und Gefährdungen erfordern die
Unterschutzstellung als Naturschutzge-
biet nach § 21 NatSchG.
Während das Naturschutzgebiet die besonders
schützenswerten Bereiche sichert, dient das
abhängige Landschaftsschutzgebiet insbesondere der
Erhaltung der offenen, unverbauten
und von anderen Eingriffen freien
landwirtschaftlich geprägten Grünlandflächen am Fuße
des Hohentwiels. Für die Sicherung dieses
Schutzzwecks ist die Ausweisung der genannten
Bereiche als
Landschaftsschutzgebiet erforderlich.
Seitens der Forstverwaltung wird der vorhandene
Bannwald in ein Waldschutzgebiet umge-
wandelt, das sowohl Bannwald als auch Schonwald
beinhaltet. Der Bannwald garantiert die
unbeeinflusste, spontane Entwicklung des Waldes und
sichert damit den Sukzessionsablauf
und den Prozessschutz der Lindenmischwälder. Der
Schonwald wird insbesondere im Be-
reich der Schutthalden aus Artenschutzgründen auf
einzelne Pflegeeingriffe zur Offenhal-
tung der Schutthalden abzielen.
5
Besondere Verbote und Nutzungsbeschränkungen
5.1
Forstwirtschaft
Im Bann- und Schonwald des Hohentwiels wird keine
herkömmliche forstwirtschaftliche Nut-
zung durchgeführt. Nur im Bereich der Schutthalden
sind gezielte, einzelne Pflegemaßnah-
men zur Offenhaltung erforderlich und möglich.
Die außerhalb des Waldschutzgebietes liegenden
Waldflächen am Osthang des Hohentwiels
stellen Niederwälder mit unterschiedlichem
Entwicklungsstand dar. Eine forstliche Bewirt-
schaftung ist hier nicht
erforderlich und wird auch in Zukunft nicht erfolgen.
5.2
Landwirtschaft
Auf Singener Gemarkung liegen alle
landwirtschaftlichen Flächen irn Bereich der landesei-
genen Domäne. Alle Grünlandflächen werden daher von
der Schäferei Hohentwiel bewirt-
schaftet. Die Grünlandbewirtschaftung und
insbesondere die Schafbeweidung erfolgt ent-
sprechend den Vorgaben der Pflegekonzeption der
Naturschutzverwaltung und ist nachhal-
tig auf die Schutzziele des Naturschutzgebietes
ausgerichtet. Nur auf Hitzinger Gemarkung
liegen im Nordwesten (Gewann "Rennweg")
und (Gewann "Siechenacker") noch drei Acker-
flächen. Hierbei befindet sich eine im Eigentum der
Stadt Singen, eine zweite im Landesei-
gentum. Zum nächsten Pachtwechsel sollen hier die
Pachtbedingungen geändert werden
und die Nutzung als Grünland eingeführt werden. Die
dritte Ackerfläche ist in Privatbesitz,
hier muss versucht werden, im Zuge eines
Extensivierungsvertrages auch hier die Grün-
landnutzung einzuführen.
Weinbau wird sowohl im Landschaftsschutzgebiet von
einem privaten Winzer als auch im
Naturschutzgebiet (Olgaberg) durch das
Staatsweingut Meersburg betrieben. Einschränkun-
gen in der Bewirtschaftungsweisen erfolgen durch
die neue Verordnung nicht. Der Olgaberg
wird derzeit rebflurbereinigt
(siehe Kap. 6).
5.3
Freizeitnutzung
Hier sollten die für Naturschutzgebiete üblichen
Verbote gelten, insbesondere das Verlassen
der (befestigten bzw. markierten) Wege, das
Befahren des Gebiets außerhalb von befestig-
ten Wegen mit Fahrrädern und das Reiten. Besonders
muss auch über die Verordnung si-
chergestellt werden, dass das Einrichten von
Feuerstellen unterbunden wird, dass keine
Gesteine und Mineralien abgebaut
werden und dass an den Felsen nicht geklettert wird.
6
Vorschläge zur Pflege und Entwicklung
Ganz besonders wertbestimmend für das
Naturschutzgebiet sind die vier Lebensraumtypen
der Wälder und Gebüsche, der extensiven
Schafweiden, der Trockenrasen und der Felsen
und Schutthalden. Was die Wälder betrifft, so wird
innerhalb des Bannwaldes nach wie vor
der freien Sukzession Raum gegeben. Im Schonwald,
auf den Schutthalden, die akut vom
Zuwachsen bedroht sind, müssen sehr bald gezielte
Pflegeeinsätze durchgeführt werden,
indem vom Rand aus einwachsende Gehölze, hier v. a.
Eschen, Linden und auch Haselge-
büsche, entfernt werden. Auch dicht wucherndes
Brombeergestrüpp an sonnigen Stellen
muss entfernt werden, um den pflanzlichen und
tierischen Zönosen der Schutthalde ihre
spezifisch standörtlich angepassten
Wuchsbedingungen zurückzugeben. Insbesondere
muss wieder der Anschluss an die
Trockenrasen und das Rebgelände erreicht werden.
Die Schafbeweidung auf den ausgedehnten
Grünlandflächen durch den Schäfer der Domä-
ne Hohentwiel ist an die Vorgaben der
Pflegekonzeption der BNL Freiburg angepasst. Ver-
besserungen können noch erreicht werden durch den
Neubau eines Schafstalles, da dann
bei schlechten Wuchsbedingungen oder bei schlechter
Witterung längere Standzeiten der
Herde auf den extensiven Weiden vermieden werden
können. Der Bau dieses Schafstalles
ist derzeit in Planung.
Seit ca. drei Jahren wird die Schafbeweidung auch
wieder auf die Trockenrasen der Süd-
hänge ausgedehnt. Diese Steilhänge werden
mindestens seit 1975 nicht mehr beweidet,
was sich in einer starken Zunahme der Verbuschung
ausdrückt. Problematisch ist ebenfalls
die Dominanz der Fiederzwenke, wo im dichten Filz
niedrigwüchsige Pflanzenarten kaum
noch gedeihen können. Der Boden wird im Übrigen
auch nicht mehr so stark erwärmt, so
dass Bestände thermophiler Insektenarten
zurückgehen.
Erste Erfahrungen mit der Ausdehnung der Beweidung
zeigen durchweg positive Ergebnis-
se. So wurden im Bereich des Gewanns "Auf dem
Zimmerplatz" verbuschte Flächen (v. a.
mit Weißdorn) durch Ziegenbeweidung in Kombination
mit mechanischer Pflege wieder frei-
gestellt und sind nun in den Hütekreislauf der
Schafherde integriert.
Vollständig von Robinienaufwuchs bedeckte
Steilhangbereiche im Gewann "Oberes Feld"
wurden durch Ziegenbeweidung nahezu vollständig von
der Robinie befreit, mit dem Frei-
schneider nachgepflegt und können nun ebenfalls von
den Schafen beweidet werden.
Auch die Halbtrockenrasen im Gewann "Ob den
Reben" werden zeitlich begrenzt (im zeiti-
gen Frühjahr und ab Hochsommer nach dem
Hauptblühaspekt) mit Schafen beweidet. Aus-
geklammert werden die kleinflächigen
Volltrockenrasen. Auch hier ist bereits die Tendenz zu
erkennen, dass die von der Fiederzwenke stammende
Streuschicht deutlich abgebaut wird.
Aus diesen Erfahrungen heraus ist vorgesehen, auch
in den nächsten Jahren weitere Flä-
chen der Südhänge durch Beweidung und ergänzende
mechanische Pflege von der Verbu-
schung zu befreien und sie wieder
einer sehr extensiven Schafbeweidung zuzuführen.
Als Vorteile der Schafbeweidung
sind generell zu nennen:
- Die beweideten Flächen bedürfen keiner oder
allenfalls einer Düngung mit Festmist, ein
Herbizid- oder Pestizideinsatz
unterbleibt.
- Schafe tragen zur Erhaltung der traditionellen
Weidelandschaft bei; durch selektiven Ver-
biss
werden nicht weidefeste Arten zurückgedrängt.
- Eine
Beweidung ist auch noch in schwierigem Gelände möglich, wo ansonsten nur in
sehr
aufwendiger Handarbeit gepflegt
werden könnte. Auf den Einsatz lauter, energieintensiver
Maschinen kann weitgehend
verzichtet werden. Die natürlich anfallenden Exkremente aus
den Weiden dienen als
Nahrungsquelle für zahlreiche Insekten.
- Die
Erhaltung der traditionellen Nutzungsform "Schafbeweidung" ist von
kulturhistorischer
Bedeutung.
Zweckmäßig erscheint es, die
derzeit gesammelten Erfahrungen der Beweidung sowohl auf
den fetteren Weiden als auch auf
den Trockenrasen mit wissenschaftlichen Untersuchungen
zur Flora und Fauna zu
untermauern. In einer Überarbeitung des vorhandenen Pflegekon-
zeptes können
dann neue konkrete Maßnahmen für weitere Bereiche formuliert werden.
Auf der Südseite des Hohentwiels befinden sich
Weinberge in privatem Besitz, die innerhalb
des Landschaftsschutzgebietes liegen.
Nutzungseinschränkungen erfolgen hier nicht. Der
Olgaberg wird vom Staatsweingut Meersburg
bewirtschaftet. Derzeit werden hier umfangrei-
che Umgestaltungsmaßnahmen vorgenommen, die mit
ihrem 2. Bauabschnitt im Jahre 2004
abgeschlossen sein werden. Durch entsprechende Gestaltung
der Terrassenlandschaft,
durch reduzierte Begrünung und zahlreiche
biotopverbessernde Maßnahmen soll gewähr-
leistet werden, dass die thermophile
Wirbellosenfauna auch weiterhin Lebensraummöglich-
keiten findet. Da auf den künftigen hangparallelen
Terrassen wieder maschinelle Bodenbe-
arbeitung durchgeführt wird, kann davon ausgegangen
werden, dass die Wuchsbedingun-
gen für Vertreter der Weinbergsflora mit typischer
Zwiebelbildung eher wieder verbessert
werden.
Für die schützenswerte Mauerflora im Ruinenbereich
mit ihren zahlreichen seltenen Arten
muss ein spezielles Maßnahmenkonzept realisiert
werden, um die Belange des Natur- und
Artenschutzes in ausreichendem Maße bei weiteren
Sanierungen zu berücksichtigen. Hierfür
sind intensive Absprachen zwischen der Staatlichen
Liegenschaftsverwaltung, der Baulei-
tung und den Naturschutzverwaltungen erforderlich.
Generell müssen die Sanierungsarbei-
ten auf das unbedingt notwendige Maß beschränkt
werden. "Schönheitsreparaturen“ müs-
sen unterbleiben. Es muss auch möglich bleiben, die
wertvollsten Mauerabschnitte, wo die
nur in kleinen Populationen vorkommenden seltenen
Tier- und Pflanzenarten anzutreffen
sind, von Renovierungsarbeiten auszusparen.
Abschnittsweises Vorgehen bei Sanierungs-
arbeiten ist erforderlich, Fugen und Lücken in den
Mauern müssen zumindest teilweise er-
halten bleiben. Weitere Vorgaben sind ebenfalls in
der Pflegekonzeption der BNL Freiburg
formuliert.
Der enorme Freizeitdruck im Naturschutzgebiet
bedarf weiterhin intensiver Maßnahmen der
Besucherinformation und der Besucherlenkung.
Verwirklicht wurde bereits der "Vulkanpfad",
wo auf einem ausgeschilderten Weg mit 12
Informationstafeln der Hohentwiel umrundet
werden kann. Begleitbroschüre und
Informationsfaltblatt ergänzen den Wissenbedarf der
Besucher .
Wichtig ist nun eine ausreichende Beschilderung des
gesamten Natur- und Landschafts-
schutzgebietes, sodass an allen wichtigen Stellen
an der Außengrenze der Beginn des
Schutzgebietes ersichtlich ist. Hier sollten die
NSG-Schilder mit Zusatzschilder im Sinne ei-
ner "Hausordnung" ergänzt werden.
An den zentralen Zugangswegen zum Naturschutzgebiet
sind große
Bearbeitung, die noch im Jahre 2001 aufgestellt
werden.
Weiterhin wird der Verbau von Wegen und Pfaden, für
die das Betreten nicht zulässig ist,
weiterhin erforderlich sein.
7
Zusammenfassung
Der Hohentwiel mit seiner auffälligen Berggestalt
war für die Menschen schon immer ein
Anziehungspunkt. Dies bezeugen Siedlungsspuren aus
der Jungsteinzeit, aber auch die
Bedeutung der Festungsanlage in geschichtlicher
Zeit. Heute vermittelt der Hohentwiel das
unverfälschte Bild eines weitgehend naturnahen
Berges.
Ist es für die Geologen die vulkanische
Entstehungsgeschichte im Tertiär, so sind es für den
Natur- und Artenschutz die zahlreichen seltenen
Lebensräume mit ihren gefährdeten und zu
erhaltenden Pflanzen und Tieren, die eine
herausragende ökologische Wertigkeit besitzen-
Neben den ausgedehnten Weiden sind besonders die
Trockenrasen der Südhänge zu nen-
nen, die als Halb- und Volltrockenrasen sehr
seltene Pflanzen- und Tierarten aufweisen. Der
Bedarf für Pflegemaßnahmen ist hier allerdings
nicht zu verkennen.
Ganz besonders hervorzuheben sind die Vegetation
und die Tierwelt im Bereich der Phono-
lithfelsen, der Ruinenmauern und auf den
Schutthalden. Zum Teil extrem seltene Arten ge-
ben hier dem Hohentwiel eine landesweite Bedeutung.
Zur Erhaltung der abiotischen Le-
bensraumbedingungen, sind im Einzelfall zwingend
Pflegemaßnahmen erforderlich.
Auch die lindenreichen Mischwälder auf den
schuttreichen Hängen zeigen heute ein sehr
heterogenes Bild ihrer artenmäßigen
Zusammensetzung, immer abhängig von den besonde-
ren Standortsbedingungen. Die historisch bedingte
Entwicklungsgeschichte ist sehr ab-
wechslungsreich, der Bannwald soll den
Prozessschutz auch in Zukunft sichern.
Der Weinberg als anthropogen stark beeinflusster
Lebensraum weist ebenfalls ein besonde-
res Arteninventar auf. Neben Elementen der
typischen Weinbergsflora sind insbesondere
Vertreter der thermophilen Wirbellosenfauna zu
nennen, hier v .a. z. T. extrem seltene Heu-
schrecken, Laufkäfer und Spinnen.
Nach 60 Jahren Naturschutzgebiet
"Hohentwiel" ist es heute erforderlich, die Verordnung
des Schutzgebiets an die heutigen Rechtsvorgaben,
die Schutzgebietsfläche an die aktuelle
Flächennutzung anzupassen. Ziel der Neufassung ist
es, das Bergmassiv des Hohentwiels
in seiner Gesamtheit zu schützen.
Bezirksstelle für Naturschutz und
Landschaftspflege Freiburg Freiburg, den 02.05.2001
Stegmaier,
Oberkonservator
ges. Dr. Meineke, Landeskonservator
8
Anhang
8.1
Quellenverzeichnis
BNL FREIBURG (1990): Pflegekonzeption zum Naturschutzgebiet Hohentwiel, bei den Ak-
ten
BARTSCH, J. (1925): Die Pflanzenwelt im Hegau und nordwestlichen Bodensee-Gebiet,
Schr.
Ver. f. Gesch. d. Bodensees u. seiner Umgebung, Überlingen,
S. 1-183
BRAUN-BLANQUET, J. (1931): Über die Trockenrasengesellschaften
des Hegau und ihre
Genese,
in: Pflanzensoziologisch-pflanzengeographische Studien in
Südwestdeutschland,
Beitr. zur Naturdenkmalpflege 14: 230 -242;
Neudamm
DETZEL, P. (1998): Die Heuschrecken Baden-Württembergs,
Stuttgart
EBERT, G. (1991): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs, 2
Bde., Stuttgart
HECKMANN, R. (1991 ): Wanzenfauna des NSG
Hohentwiel bei Singen, 2 S., bei den Akten
der
BNL Freiburg.
ILN SINGEN (1998-2000): Untersuchungen zu den
Auswirkungen des Hohentwielfestes auf
Flora und Fauna {Stadt Singen/Lkr.
Konstanz), 3 Zwischenberichte,
Singen
JEDICKE, E. (1997): Die Roten Listen
-Gefährdete Pflanzen, Tiere, Pflanzengesellschaf-
ten und
Biotoptypen in Bund und Ländern, 581 S., Stuttgart.
JÜRGENS, K. und REHDING, G. (1991 ): Untersuchungen
über Oedipoda germanica
(Rotflügelige
Ödlandschrecke) und Calliptamus italicus (Italienische
Schönschrecke) im Hegau, Gutachten im Auftrag
der LfU Karlsruhe,
83 S.; Konstanz
KARRER, F. (1882): Flora des Hohentwiel mit
Umgebung -in: Fraas, O.P. et al. Hohen-
twiel Beschreibung und Geschichte, S. 10-24,
Stuttgart
KERSTING, G. und JEHLE, P. (1990): Pflegekonzeption
Naturschutzgebiet "Hohentwiel",
122 S.; BNL Freiburg.
KIECHLE, J. (2001 ): Bedeutung der offenen Phonolith-Schutthalde
des Hohentwiel für die
Erhaltung besonders
schutzbedürftiger Arten, Kurzgutachten, 2 Sei-
ten, in
den Akten der BNL Freiburg.
LANDESANSTALT F. UMWELTSCHUTZ MÜLLER, Th. (1966):
Vegetationskundliche Beo-
bachtungen im
Naturschutzgebiet Hohentwiel, Veröff. Landesstelle
Naturschutz Landschaftspflege Bad.-Württ.,
34: 14- 61; Ludwigs-
burg.
OBERDORFER, E. (1977-92): Süddeutsche
Pflanzengesellschaften, 4 Bde.; Stuttgart.
SCHREINER, A. (1974):
Erläuterungen zur geologischen Karte des Landkreises Konstanz
mit Umgebung 1 :50.000, 286 S.;
Stuttgart.
SCHUSTER, S. et. al (1993): Die Vögel des Bodenseegebietes,
Hrsg.: Ornithologische Ar-
beitsgemeinschaft Bodensee, 379 S.; Stuttgart.
(1986): Rote Listen der gefährdeten Tiere und
Pflanzen in Baden-Württemberg, Arbeitsbl.
"
Naturschutz 5, 97 S.;
SCHWENKEL, H. (1931): Der Hohentwiel. eine
naturwissenschaftliche Einzeluntersuchung,
Anhang der Jh. Ver. vaterl. Naturkunde Württ.,
86: 4-94; Stuttgart.
SEBALD, 0., SEYBOLD, S. und PHILIPPI, G. (1990):
Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-
württembergs, 8 Bde., Stuttgart.
WESTRICH, P.
(1989): Die Wildbienen
Baden-Württembergs, 2 Bde., 972 S.; Stuttgart.
WITSCHEL, M. (1980): Xerothermvegetation und dealpine
Vegetationskomplexe in Südba-
den, Beih. Veröff. Nsch. Bd. 17, 212 S.,
Karlsruhe.
8.2
1 Gefährdete und schonungsbedürftige Pflanzen- und Tierarten
Liste der gefährdeten Pflanzen- und Tierarten des
Naturschutzgebietes "Hohentwiel" nach
der Roten Liste von
Baden-Württemberg
8.2.1
Höhere Pflanzen
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Gefährdung (Bad.-Württ.)
Berg-Steinkraut Alyssum montanum 2
Weiße Sommerwurz Orobanche alba 2
Zottiger Spitzkiel Oxytropis pilosa 2
Graues Fingerhut Potentilla inclinata 2
Ähriger Ehrenpreis Veronica spicata 2
Berg-Lauch Allium montanum 3
Trauben-Graslilie Anthencum liIiago 3
Turm-Gänsekresse Arabis turnta 3
Gold-Aster Aster
linosyns 3
Bartgras Bothnochloa ischaemum 3
Pfingst-Nelke Dianthus gratianopolitanus 3
Behaarte Platterbse Lathyrus
hirsutus 3
Zarter Lein Linum tenuifolium 3
Zwerg-Schneckenklee Medicago
minima 3
Gewönhnliche Eselsdistel Onopordum
acanthium 3
Stattliches Knabenkraut Orchis mascula 3
Bleiches Knabenkraut Orchis
pallens 3
Gamander
Sommerwurz Orobanche teucni 3
Gemeine Küchenschelle Pulsatilla vulgaris 3
Rauhblättrige Rose Rosa jundzilii 3
Garten-Raute Ruta graveolens 3
Ohrlöffel-Leinkraut Silene
otites 3
Trauben-Gamander Teucrium botrys 3
Gewöhnliche Ochsenzunge Anchusa officinalis 4
Bleicher Schöterich Erysimum
crepidifolium 4
Hasenohr-Habichtskraut Hieracium
bupleuroides 4
Ysop Hyssopus officinalis 4
Echte Hauswurz Sempervivum
tectorum 4
Kelch-Steinkraut Alyssum alyssoides 5
Felsenbirne Amelanchier ovalis 5
Färber-Hundskamille Anthemis
tinctona 5
Wald-Geißbart Aruncus
dioicus 5
Nordischer Streifenfarn Aspelnium septentnonale 5
Schwarzer Streifenfarn Asplenium adiantum-nigrum 5
Deutscher Streifenfarn Asplenium x alternifolium 5
Kalk-Aster Aster
amellus 5
Siberdistel Carlina
acaulis 5
Golddistel Carlina
vulgaris 5
Straußblütige
Wucherblume Chrysanthemum corymbosum 5
Gewöhnliche Zwergmispel Cotoneaster integerrimus 5
Kartäuser-Nelke Dianthus carthusianorum 5
1 N = Neufund für Baden-Württemberg
1 = Vom Aussterben bedroht, 2 =
stark gefährdet, 3 = gefährdet,
5 =
schonungsbedürftig
Großblütiqer
Finqerhut Digitalis grandiflora 5
Immergrünes
Felsenblümchen Draba aizoides 5
Fransen-Enzian Gentiana
ciliata
5
Niedriqes Habichtskraut Hieracium
humile 5
Wacholder Juniperus
communis 5
Zierliches Schillergras Koeleria
macrantha 5
Blauer Lattich Lactuca
perennis
5
Blauer Steinsame Lithospermum
purpureo-caeruleum 5
Acker-Krummhals Lycopsis
arvensis
5
Siebenborqer Perlqras Melica
transsilvanica 5
Nestwurz Neottia
nidus-avis
5
Sprossende Felsennelke Petrorhagia prolitera 5
Glanz-Lieschqras Phleum
phleoides
5
Salomonssiegel Polygonatum
odoratum 5
Gelappter Schildfarn Polystichum
aculeatum 5
Trauben-Steinbrech Saxifraga
paniculata 5
Krainer Thymian Thymus
froelichianus
5
Sommerlinde Tilia
platyphyllos
5
Hasen-Klee Trifolium
arvense
5
Berg-Ulme Ulmus
glabra
5
Stein-Baldrian Valeriana
tripteris
5
Bunte Schwertlilie Iris variegata
Weinberqs- Traubenhyazinthe Muscari
racemosum
8.2.2
Vögel
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Gefährdung (Bad.-Württ.)2
Zippammer Emberiza
cia 1
Wanderfalke Falco
peregrinus 2
Wendehals Jynx
torquilla 2
Berglaubsänqer Phylloscopus
bonelli 2
Baumpieper Anthus
trivialis
3
Kolkrabe Corvus
corax
3
Neuntöter Lanius
collurio
3
Dornqrasmücke Sylvia communis 3
Pirol Oriolus
oriolus
5
Goldammer Emberiza citinella
Turmfalke Falco
tinnunculus
Zilpzalp Phylloscopus
col/ybita
Waldlaubsänger Phylloscopus sibilatrix
Mönchsgrasmücke Sylvia atricapilla
2 N = Neufund für Baden-Württemberg
1 = Vom Aussterben bedroht,
2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet,
5 = schonungsbedürftig
8.2.3
Reptilien
Schlingnatter Coronella
austriaca 2
Mauereidechse Lacerta
muraNs 2
Blindschleiche Anguis fragilis 4
8.2.4 Schmetterlinge
Spanische Flagge Callimorpha
quadripunctaria 3
Violetter Wald-Bläuling Cyaniris semiargus 3
Schwefelvögelchen Heodes tityrus 3
Sonnenröschen-Bläuling Aricia agestis/artaxerxes 5
Goldene Acht Colias
hyale 5
Schwalbenschwanz Papilio
machaon
5
Kleiner Fuchs Aglais
urticae
Brauner Waldvogel Aphantopus hyperanthus
Landkärtchen
Araschnia
levana
Brauner
Bär Arctia caja
Kleines
Wiesenvögelchen Coenonympha
pamphilus
Distelfalter
Cynthia cardui
Großes Ochsenauge Maniola
jurtina
Schachbrettfalter Melanargia ga/athea
Admiral Vanessa atalanta
Thymian-Widderchen Zygaena purpuraNs
Gemeines
Widderchen Zygaena filipendulae
8.2.5 Netzflügler
Libellen-Schmetterlinsgshaft
Libelloides coccajus 1 (RL BRD)
Gefleckte
Ameisenjungfer Euroleon nostras 2 (RL BRD)
8.2.6 Heuschrecken
Italienische
Schönschrecke Calliptamus
italicus
1
Rotflügelige Ödlandschrecke Oedipoda germanica 1
Feld-Grashüpfer Chorthippus
apricarius 1
Rotleibiger Grashüpfer Omocestus haemorrhoidalis 2
Blauflügelige Ödlandschrecke Oedipoda caerulescens 3
Westliche Beißschrecke Platycleis albopunctata 3
Heidegrashüpfer Stenobothrus
lineatus 3
Zweipunkt-Dornschrecke Tetrix bipuncatata 3
Kleine Goldschrecke Euthystira
brachyptera 5
Feldarille Gryllus
campestris 5
Wiesengrashüpfer Chorthippus
dorsatus 5
Bunter Grashüpfer Omocestus viridulus 5
Lauchschrecke
Parapleurus
alliaceus 5
8.2.7
Laufkäfer
Harpalus
modestus 2
Laufkäfer Pseudoophonus calceatus 2
Blauer Großlaufkäfer Carabus
intricatus 2
Kamellaufkäfer Amara
montivaga 3
Gewölbter Großlaufkäfer Carabus
convexus 3
Zwerq-Schnellläufer Harpalus
pumilus 3
Breiter Feldlaufkäfer Harpalus
dimidiatus
5
8.2.8
Spinnen
Theridion nigrovariegatum R
Phrurolithus nigrinus R
Zelotes electus 2
Agroeca
cuprea 3
Arctosa
figurata 3
Drassyllus
pumilis 3
Euyopis
quinqueguttata 3
Altella
lucida 3
8.2.9 Wildbienen
Glänzende Sandbiene Andrena polita 2
Rote Schneckenhausbiene Osmia andrenoides 2
Lasioglossum lativentre 2
Megachile maritima 2
Nomada pleurosticta 2
Andrena nana 3
Lasioglossum nigripes 3
8.2.10 Wanzen
Aradus versicolor
Copium clavicome
Megalonotus sabulicola
Nabis punctatus
Phymata crassipes
Pinalitus visicola
Prostemma guttula
Rhynocoris iracundas
8.3 Nach § 24a
NatSchG besonders geschützte Biotope
1.8
Seggen- und binsenreiche Naßwiesen
2.1
Unverbaute Bach- und Flußabschnitte einschließlich der Ufervegetation
2.4
Quellbereiche
3.4.
Trockenrasen
3.5
Magerrasen
3.6.
Gebüsche und naturnahe Wälder trockenwarmer Standorte einschließlich
ihrer Staudensäume
4.1. Offene
Felsbildungen
4.2. Offene
natürliche Block- und Geröllhalden
6.1. Feldhecken und Feldgehölze
6.3. Trockenmauern
8.4
Lebensräume der FFH-Richtlinie
Nr. Lebensraum (prioritäre
Lebensräume fett)
6110 Kalk-Pionierrasen
6210 Kalk-Magerrasen
8160 Kalkschutthalden
8210 Natürliche und naturnahe
Kalkfelsen und ihre Felsspaltvegetation
9180 Schlucht- und Hangmischwälder
8.5 Arten der FFH-Richtlinie
Spanische Flagge Callimorpha quadripunctaria