3.270 Naturschutzgebiet "Friedrich-August-Grube", Gemeinde Dachsberg Landkreis Waldshut

 

Würdigung

 

Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege

Werderring 14,  79098 Freiburg

Bearbeiter: Dr. F. Kretzschmar

Januar2003

 

 

1 Gebietsbeschreibung

Charakterisierung:        Ehemaliges Nickel-Bergwerk mit schwermetallreichen

                                       Gesteinsschutt besiedelnden Flechten-Gesellschaften sowie

 

                                       ausgedehnter Verlandungsbereich eines Weihers

Lage:                             Westlich des Klosterweihers im Ortsteil Horbach,

                                       Gemarkung Wittenschwand der Gemeinde Dachsberg.

Naturraum:                    Schwarzwald

Höhe:                              ca. 940 bis 1030 müNN.

Fläche:                            8,7 ha      

Geomorphologie:            Im Wesentlichen nach Südost bis Ost geneigtes

                                        Gelände des Bergwerks sowie ebener

                                        Verlandungsbereich des Weihers

Geologie:                        Gneis mit hohem Anteil von nickelreichem Erz

Klima:                             Mittlere Jahrestemperatur ca. 5,5° C.

                                        Mittlere jährliche Niederschlagssumme ca. 1600 mm

Bodennutzung:               Ehemaliges Bergwerksgelände heute ungenutzt; in

                                        Einem Teilbereich jedoch  seit 2001 ein sogenantes

                                        "bespielbares Bergwerk" als touristisches Angebot

                                        von der Gemeinde eingerichtet. Wald forstlich genutzt.

                                        Am Weiher ein geduldeter Badeplatz. Angelnutzung

                                        des Weihers durch einen Angelverein

Eigentümer:                    Gemeinde Dachsberg sowie Privatbesitz

 

2 Schutzwürdigkeit

2.1 Biotoptypen und Vegetation

2.1.1 Schwermetall-Standorte

Etwa ein Drittel der Fläche des geplanten Schutzgebietes nehmen die Abraumhalden

des ehemaligen Nickel-Bergwerks ein. Der Bergbau erfolgte im Wesentlichen zwischen 1852

und 1876 (überwiegend im Tagebau, später jedoch auch unter Tage) und wurde

1936 endgültig eingestellt (METZ 1980). In den Jahren 1934-36 wurden nochmals

in großem Umfang alte Stollen und Schächte "aufgesäubert und neu aufgefahren", die

auch heute noch vorhanden sind. Im oberen (westlichen) Teil sind die Abraumhalden

noch heute gut zu erkennen und über weite Bereiche nur schütter bewachsen.

Auf Abraumhalden von, Erzbergwerken ist gewöhnlich auch Jahrzehnte nach

deren Auflassung noch keine geschlossene Vegetationsdecke entwickelt. Die Anzahl der

Blütenpflanzen ist oft auffallend gering. Ursache dieser Verhältnisse ist der erhöhte

Schwemetallgehalt der Böden, der toxisch auf die meisten Organismen wirkt.

Die Flora von Schwermetallböden setzt sich daher meist aus schwermetall-

tolleranten Arten zusammen. Darunter finden sich neben einigen weitverbreiteten

Arten auch spezialisierte Sippen, die nur an solchen Schwermetall-Standorten

vorkommen. Unter den höheren Pflanzen sind dies meist Sippen, die sich nur in

wenigen Merkmalen von nahe verwandten Arten unterscheiden.

Dagegen existieren bei Moosen und insbesondere bei Flechten zahlreiche distinkte Ar-

ten, die sich an die speziellen Bedingungen von SchwenI1etallböden im Laufe der

Evolution derart angepasst haben, dass sie auf anderen Substraten nicht mehr lebensfähig

sind (WIRTH 1972). Es handelt sich in der Regel um Arten, die entsprechend dem

Vorkommen ihrer Standorte sehr selten und meist stark gefährdet sind.

Diese Arten und ihre Standorte sind damit auch Objekte des Naturschutz

(Pardey et al. 1999). Während schwermetallreiche Standorte im Westen und in der

Mitte Deutschlands an verschiedenen Stellen vorkommen, sind sie in Süddeutschland

äußerst selten.

Die schwenI1etalltoleranten Organismen sind jedoch auch für die Wissenschaft

von Bedeutung, da sich an ihnen grundsätzlich Fragestellungen studieren lassen:

·         Auf welche Weise ist es den Schwermetall-Pflanzen möglich, unter

           Bedingungen zu überleben, die für andere Pflanzen tödlich sind?

           (LANGE & ZIEGLER 1963)

·         Sind diese Erkenntnisse nutzbar zur Entgiftung schwermetallkonta-

     minierter Standorte?

Kryptogamen-Gemeinschaften auf den Abraumhalden

Weite Bereiche der Verebnung im oberen Bereich des ehemaligen Bergwerks

sowie der steilen Halden fallen durch ihren schütteren Bewuchs auf. Gehölze sind vor allem

randlich vorhanden. Unter den Blütenpflanzen sind keine Besonderheiten

zu finden. Lediglich das Felsen-Leimkraut (Silene rupestris) soll hier erwähnt werden.

Während in Westdeutschland neben einer artenreichen Flechtenvegetation

auf Schwermetallstandorten (HElBEL 1999) auch die typischen Galmeifluren

vorkommen (PARDEY et al. 1999), weist in Süddeutschland lediglich die

Kryptogamenvegetation  Besonderheiten auf. Im folgenden werden die von

KOPPLER & WIRTH (2001) für das Gebiet beschriebenen Kryptogamen-Gemeinschaften

genannt, wobei es sich bei den aufgelisteten Arten überwiegend um Flechten

handelt (Moose sind mit einem M versehen).

Dibaeis baeomvces-Gesellschaft

Die Gesellschaft wächst auf verdichteten, lehmigen Rohböden kleinflächig im ganzen

Haldenbereich. Sie ist durch Dominanz der weißen Krusten der namengebenden

Art ausgezeichnet, auf denen mitunter die charakteristischen gestielten Fruchtkörper

erscheinen. Typische Arten der Gesellschaft sind:

Dibaeis baeomyces

Stereocaulon leucophaeopsis

Baeomyces roseus

Placynthiella spec.

 

Stereocaulon alpinum-Gesellschaft

Diese Gesellsch.aft wächst an wenig gestörten Flächen der verebneten

Halden-Bereiche, ebenfalls auf mineralischen Böden ohne nennenswerte Humusauflage.

Dominierende Art ist Stereocaulon alpinum/tomentosum. Weitere Arten sind:

Cetraria islandica

Cladonia cervicornis

Stereocaulon vesuvianum (selten)

Stereocaulon pileatum (selten)

Racomitrium elongatum-Gesellschaft (M)

Die Vorkommen im Gebiet befinden sich an den etwas humusreicheren, nicht voll

besonnten Flächen der Verebnungen. Die namengebende Moosart kommt an einer

Stelle zusammen mit der seltenen Flechte Cladonia cameola vor.

Pohlia andalusica-Rasen (M)

Die Rasen des sehr seltenen Mooses kommen im Gebiet entlang von Erosionsrinnen

und Rinnsalen auf sickerfeuchter Erde im Bereich der Quellaustritte am unteren

Rand der Halden vor. Es handelt sich um eines von drei bekannten Vorkommen

der Art in Baden- Württemberg.

Quellsumpf mit Jungermannia corfertissima (M)

Dieses Schwermetallmoos hat sein einziges Vorkommen in Baden- Württemberg im

Bereich des Quellmoors am Fuß der Bergwerkshalden.

Acarosporetum sinopicae

Diese Flechten-Gemeinschaft, die im Gebiet von Lecanora subaurea dominiert wird,

besiedelt Bruchsteine im ganzen Bergwerksbereich. Ein Bestand dieser

Gesellschaft wächst auch an anstehendem Fels beim Stolleneingang, dort mit Rhizocarpon

oederi. Bezeichnende Arten der Gesellschaft sind:

Acarospora sinopica (selten)

Acarospora smaragdula (selten)

Lecanora gisleriana (selten)

Lecanora intricata

Lecanora polytropa

Lecanora subaurea

Lecideafuscoatra

Lecidea plana

Rhizocarpon geographicum

Rhizocarpon obscurum

Rhizocarpon oederi (an Fels)

2.1.2 Offene Felsbildungen

Nördlich des Bergwerksbereichs befinden sich drei Felsgruppen, die aus dem

umgebenden Hochwald herausragen und damit Standorte für lichtbedürftige Arten

darstellen. Im Bereich der Felsköpfe lichtet sich der Wald so stark, dass hier Wacholder

(Juniperus cammunis) gedeihen können. In der Baum schicht finden sich mehrfach

schöne Trauben-Eichen (Quercus petraea), ein bemerkenwert hohes

Vorkommen (960 m) im Schwarzwald. In den Felsen selbst wachsen typische

Felspflanzen wie Felsen-Leimkraut (Silene rupestris) und Nordischer Streifenfarn

(Asplenium septentrianale).

Von besonderer Bedeutung für den Naturschutz sind aber auch hier wieder die Flechten-

Gemeinschaften auf den besonnten Felsflächen. Der besondere Standortsfaktor ist

hier nicht der Schwermetallgehalt des Gesteins ( entsprechend spezialisierte Sippen

wurden nicht gefunden), sondern vermutlich ausgeprägte Luftreinheit hier im

östlichen Hotzenwald. Viele der gesteinsbesiedelnden Flechten sind in den letzten

Jahrzehnten vermutlich aufgrund der Belastung durch sauren Regen und Schadstoffe

stark zurückgegangen und könnten sich nur an wenigen Stellen halten.

Auf hinsichtlich des Wasserhaushalts normalen Felsflächen finden sich einige

bemerkenswerte Arten wie:

Buellia urberiar

Rimularia gibbasa

Schaereria fuscocinerea

An der westlichen und der mittleren Felsgruppe kommen auf schwach sickerfeuchten

Flächen ausgesprochen seltene Blaualgenflechten vor, die zu zwei typischen

Gemeinschaften zusammentreten, dem Polychidio-Massalongietum und dem

Ephebeturn lanatae. Von den drei unten genannten Arten sind außerhalb der Alpen nur

wenige Vorkommen bekannt:

Ephebe lanata

Massalangia carnosa

Phylliscium demangeonii

Auf den Felsköpfen und an flachgründigen Stellen am Rand der Felsen wachsen

Rentierflechten wie:

Cladoniea arbuscula

Cladonia  rangiferina

 

2.1.3 Bergwerksstollen

Im Nickel-Bergwerk fand auch ein unterirdischer Abbau statt, dessen Stollensystem

jedoch nach Einstellung des Abbaus teilweise verfüllt, verschlossen oder verstürzt ist. Ein größerer

Bereich ist noch über eine Schutthalde am oberen Ende des Bergwerksgeländes zugänglich. Das Mundloch

wurde in April 2002 von der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz mit Hilfe der Gemeinde Dachsberg

vergittert, um Unfälle mit spielenden Kindern zu vermeiden und die Fledermäusen vor Störungen zu be-

wahren. Der Stollenbereich beherbergte in den letzten Jahren jeweils ca. 10-15 winterschlafende

Fledermäuse folgender Arten:

Großes Mausohr                                         Myqtis myotis

Bechsteinfledermaus                                   Myotis bechs'tetni

Wasserfledernaus                                        Myotis daubentoni

Kleine Bartfledermaus                                  Myotis mystacinus

Braunes Langohr                                         Plecotus auritus

Es handelt sich damit um eines der bedeutendsten Winterquartiere für Fledermäuse im Südschwarz-

wald. Im Spätsommer und Herbst werden Höhlen und Bergbaustollen von Fledermäusen regelmäßig

für soziale Kontakte und zum Austausch von Informationen (Kennenlernen potentieller Winterquar-

tiere) aufgesucht. Dieses sogenannte "Schwärmen" findet in dem kesselartigen Einschnitt vor dem

Stollen sehr wahrscheinlich auch statt, was jedoch bisher nicht überprüft wurde.

Ein kleiner verschütteter Stollen im Bergwerksgelände wurde 2001 für touristische Zwecke im Zu-

sammenhang mit der Einrichtung des "bespielbaren Bergwerks" wieder geöffnet. Schon im darauf-

folgenden Winter konnten hier zwei Fledermäuse winterschlafend beobachtet werden. Dies verdeut-

licht, welch großer Bedarf an geeigneten Winterquartieren besteht.

2.1.4 Nährstoffarmer Teich im Bergwerksgelände

Im Bereich des Bergwerksgeländes befindet sich oberhalb der Verebnung ein kleiner Teich von ca.

15 m Durchmesser, der durch den Zulauf aus einem ehemaligen Stollen sehr nährstoffarmes Wasser

erhält. In diesem Gewässer wurde 2000 von T. FLINTROP ein großes Vorkommen des Zwerg-

(Sparganium minimum) entdeckt, das derzeit wohl das einzige noch verbliebene vitale

Vorkommen der Art im Schwarzwald darstellt. Der Zwerg-Igelkolben gilt als Charakterart einer nach

ihm benannten Gesellschaft aus der Klasse der Wasserschlauch-Moortümpelgesellschaften (Utricula

rietea). In Moortümpeln des Hotzenwaldes, wo die Gesellschaft früher wohl vorkam, ist sie heute

verschwunden. Wie OBERDORFER (1977) schreibt, ist die Gesellschaft des Zwerg-Igelkolbens jedoch

diejenige unter den Moortümpelgesellschaften, die am weitesten gegen das offene Wasser und damit

in den Bereich der Seerosen- und Laichkraut-Gesellschaften vordringt. Offensichtlich hat sie sich

auch genau in diesem Bereich im Südschwarzwald in sehr nährstoffarmen Gewässern bis heute halten

können. Entsprechend wurde die Art 2002 von WESTERMANN (schriftl. Mitteilung) auch im Verlan-

dungsbereich des Klosterweihers (dort mit verminderter Vitalität) festgestellt.

2.1.5 Verlandungsbereich des Klosterweihers

Der Klosterweiher besteht schon minsestens seit 1788, wo er auf einer Karte als Fischgewässer des

Klosters St. Blasien verzeichnet ist (LANGE-EICHHOLZ 1989). Später verfiel der Weiher und eine er-

neute Überstauung der teilweise vermoorten Karmulde erfolgte erst wieder 1952. Aufgrund der Zu-

flüsse aus dem nahegelegen Hochmoor "Horbacher Moor" und dem vermoorten Untergrund hat das

vergleichsweise nährstoffarme Wasser einen stark dystrophen Einschlag.

Hinsichtlich der Makrophytenvegetation des Weihers ist nur ein Vorkommen des Schwimmenden

Laichkrauts (Potamogeton natans) bekannt. Besonders interessant und schutzwürdig ist jedoch die

Verlandungsvegetation im nördlichen Teil des Weihers, die im ganzen Hotzenwald einmalig ist. Das

Röhricht besteht wasserseitig fast ausschließlich aus Teich-Schachtelhalm  (Equisetum fluviatile ), in

den landwärts einige weitere Arten eingestreut sind: Schnabel-Segge (Carex rostrata), Zwerg-

igelkolben (Sparganium minimum), Schmalblättriges Wollgras (Eriophorum angustifolium); Krie-

chender Hahnenfuß (Ranunculus reptans), Spitzblütige Binse (Juncus acutiflorus). In einem kleinen

bereits Zwischenmoor-Charakter aufweisenden Bereich kommen auch Fieberklee (Menyanthes trifo

liata) und Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris) vor. Auf diese Röhrichtzone folgt bis zum Wald ein

Streifen mit Kleinseggenried (an etwas trockenerer Stelle mit Übergang zu Magerrasen), das unter

anderem folgende Arten enthält (DENZ 1998):

Carex canescens                                         Grau-Segge                   

Carex echinata                                            Igel-Segge

Carex nigra                                                 Braun-Segge

Eriophorum angustifolium                            Schmalblättriges Wollgras

Euphrasia rostkoviana                                 Wiesen-Augentrost

Parnassia palustris                                       Sumpf-Herzblatt

Veronica scutellata                                      Schild-Ehrenpreis

Valeriana dioica                                           Sumpf-Baldrian

Ein weiterer, kleiner Moorkörper im Bereich eins ehemaligen Fischbeckens enthält weiter Moor-

Wollgras (Eriophorum vaginatum) und GewöhnlIche Moorbeere (Vaccimium ulginosum).

Die Verlandungsvegetation am Ost- und Südrand des Weihers ist aufgrund des steilen Ufers nur sehr

schmal ausgebildet.

Neben den floristischen Besonderheiten ist die Verlandungsvegetation des Weihers auch für die

Tierwelt von großer Bedeutung. Das Teichschachtelhalm-Röhricht bietet Deckung für Brutplätze von

Stockente und Blässhuhn (jeweils 1-2 Brutpaare: WESTERMANN et al. 1998). Im Uferbereich wurden

außerdem von WESTERMANN (mündl. Mitteilung) einige Libellenarten festgestellt:

Aeschna juncea                                           Torf-Mosaikjungfer

Aeschna grandis                                          Braune Mosaikjungfer

Anax imperator                                           Große Königslibelle

Sympetrum danae                                      Schwarze Heidelibelle

Somatochlora metallica                               Glänzende Smarag4libelle

Cordulia aenea                                            Falkenlibelle

Libellula quadrimaculata                               Vierfleck

Die Torf-Mosaikjungfer weist dabei einen sehr großen Bestand auf. Für die Große Königslibelle lieg

das Vorkommen an der Höhengrenze der Art. Für alle Libellenarten ist die Ausbildung einer struktur-

reichen Ufervegetation wichtig. Sie sind daher besonders durch Maßnahmen gefährdet, die im Zu-

sammenhang mit der Beeinträchtigung oder Störung der Ufervegetation stehen (z.B. Freistellung der

Ufer für den Angelbetrieb ).

Weiter stellen der Klosterweiher und vor allem die Verlandungsbereiche am Westrand sowie die dort

befindlichen ehemaligen Fischbecken wichtige Laichbiotope für Amphibien dar. Grasfrösche (Rana

temporaria) und Erdkröten (Bufo bufo) laichen hier im Frühjahr in großer Zahl. Daneben ist auch der

Bergmolch (Triturus alpestris) nachgewiesen. Bis in die 70er Jahre war der Klosterweiher ein bedeu-

tender Laichplatz für die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans). Die Leute sollen regelrecht hierher

gepilgert sein, um den "Glockenfrosch“ zu hören (K. FRITZ mündl.). In neuerer Zeit konnte das Vor-

kommen der Art nicht mehr bestätigt werden, was sehr wahrscheinlich mit einer zeitweilig intensive-

ren Nutzung des Weihers zur Forellenzucht zusammenhängt. Da die fischereiliche Nutzung in den

1990er Jahren nur noch extensiv betrieben wurde und mit dem Bergbauteich ein weiterer Laichbiotop

zur Verfügung steht, sollte dem Vorkommen der Art in Zukunft besondere Aufmerksamkeit ge-

schenkt werden. Der Bergbauteich dient neben dem Bergmolch auch dem Fadenmolch (Triturus hel-

veticus ) als Laichgewässer.

 

3 Schutzbedürftigkeit

 

3.1 Beeinträchtigungen

3.1.1 Eutrophierung und Sedimenteintrag in die Gewässer

Im Rahmen der Einrichtung eines "bespielbaren Bergwerks" im Gelände der Friedrich-August-Gru

wurde auch ein Bergbaustollen neu geöffnet. Außerdem wurden mehrere kleine Wege angelegt, die

mit einer Verschleißschicht aus Kies belegt wurden. Der kleine Teich im Bergwerksgelände mit Vor-

kommen von Sparganium minimum wurde in der Folge dieser Maßnahmen in Mitleidenschaft gezo-

gen. So kam es im Zuge der Baumaßnahmen zum Eintrag von mit Zement verunreinigtem Wasser

den sehr nährstoffarmen Teich. Dies und die Auflichtung im Umkreis des Teichs führten im Frühjahr

2001 zu einer starken Algenbildung. Im Winter 2001/2002 Wurden bei der Schneeschmelze die mit

wenig Fachverstand angelegten Kieswege teilweise abgeschwemmt und der Kies sammelte sich im

"Teich, der als Vorfluter für die Schmelzwässer dient. Die Bestände des Zwerg-Igekolbens wurden

teilweise überdeckt.

Die von Norden und Osten in den Klosterweiher mündende Gewässer bringen zumindest zeitweilig

eine gewisse Nährstofffracht mit. :Der Weiher erfährt damit eine Eutrophierung, die mittelfristig zu

einer Störung der an nährstoffarme Verhältnisse angepassten Vegetation führen wird. Das Ver-

schwinden des früher im Verlandungsbereich vorkommenden Fieberklees ist möglicherweise schon

auf die Eutrophierung zurückzuführen. Im Zusammenhang mit dem Badebetrieb gelangen an wenigen

Tagen im Jahr Stoffe wie Sonnenmilch, Hautcremes usw. in den Weiher, die ebenfalls die Wasser-

qualität beeinträchtigen.

3.1.2 Freizeitnutzung

3.1.2.1 Badebetrieb

Der Badebetrieb am Klosterweiher beschränkt sich in der Regel auf wenige Wochen im Hochsommer

während der Schulferien. An schönen Sommertagen kann dann ein intensiver Badebetrieb mit einer

großen Zahl von Besuchern herrschen. Neben der Liegewiese am nordöstlichen Rand des Weihers

wird dann auch die kleine Wiese am nordwestlichen Rand als Lagerplatz genutzt. Der Zugang von

dieser Wiese zum offenen Wasser führt durch den Verlandungsgürtel  des Weihers. Hier treten ent-

sprechend starke Beeinträchtigungen an der Verlandungsvegetation auf. Einige Badende dringen mit

Luftmatratzen, Flößen, Surfbrettern oder schwimmend in den Bereich der Verlandungsvegetation vor.

Dabei kommt es zu Störungen der Wasservögel und wassergebundener Insekten (z.B. Libellen) sowie

zur Beeinträchtigung der Vegetation. Der Eintrag von Sonnenmilch und Hautcremes in das Gewässer

durch Badende wurde bereits unter 3.1.1 erwähnt.

3.1.2.2 Angeln

Im Zusammenhang mit dem Angeln wurden bisher keine erheblichen Beeinträchtigungen festgestellt,

da die Nutzung sehr extensiv erfolgte. Nachdem das Gewässer nach Angaben der Gemeinde Dachs-

berg jedoch neu an einem Angelverein vermietet wurde, ist eine Intensivierung der fischereilichen

Nutzung nicht auszuschließen. Im Frühjahr 2002 wurde bereits eine ehemaliges Anzuchtbecken west-

lich des Klosterweihers, das inzwischen vollständig verlandet war und sich zu einem Flachmoor (ge.

setzlich geschütztes Biotop) entwickelt hatte, ausgehoben und mit Wasser gefüllt. Es ist zu befürch-

ten, dass im Verlandugs- und Uferbereich des Klosterweihers ebenfalls Maßnahmen im Zusammen-

hang mit der fischereilichen Nutzung durchgeführt werden, die zu einer Zerstörung der Vegetation

führen.

3.1.2.3 Halten von gebietsfremden Tierarten

Am Klosterweiher wurden in jüngster Vergangenheit verschiedene Wasservögel ausgesetzt. So be-

richtet K. WESTERMANN (briefl.) von 3 Höckerschwänen, 1 Paar Nilgänsen, einzelnen nichtheimi-

schen Enten und zahlreichen Hausgänsen. Diese verfremden den sehr naturnahen Charakter des

Weihers und verursachen erhebliche Schäden an der Verlandungsvegetation durch Abfressen vor

allem des Schachtelhalms. Der große Bestand an gebietsfremden Wasservögeln führt auch zur

Eutrophierung des Gewässers. Gebietstypische Wasservögel Wie die bisher hier brütenden Blässhüh-

ner waren 2002 verschwunden.

Desweiteren befindet sich seit Sommer 2002 im unmittelbaren Uferbereich des Klosterweihers ein

Stall mit kleinem Gehege für Hängebauchschweine. Auch dies stellt eine Beeinträchtigung für den

Weiher dar.

3.1.2.4 Besucherbetrieb

Der Besucherandrang im "bespielbaren Bergwerk" hält sich bisher in Grenzen. Allerdings ist die Ein-

richtung noch ganz neu und wenig bekannt. Es muss also mit einer Zunahme der Besucherzahlen

gerechnet werden. Die installierten Zäune sollen die Besucher von den empfindlichen Flechten-

Standorten fernhalten. Es muss in Zukunft sehr genau beobachtet werden, ob die Besucher (insbeson-

dere spielende Kinder) die Zäune in ausreichendem Maße respektieren. Dazu ist ein entsprechendes

Monitoring auf der Grundlage der Kartierung von KÖPPLER & WIRTH (2001) erforderlich.

3.1.2.5 Mineraliensammeln

Die Flechtengermeinschaften auf den  Abraumhalden des schwermetallreichen Gesteins sind sehr tritt-

empfindlich. Durch Betreten im ausgetrockneten Zustand können jahrzehntealte Lager der Flechten

(vor allem von Strauchflechten wie Stereocaulon-Arten) so zerstört werden, dass sie über viele Jahre

nicht fruktifizieren können. Bei wiederholtem Betreten fallen die Arten schließlich ganz aus. Die

Kartierung der Flechtenvegetation von KÄPPLER & WIRTH (2001) zeigte, dass selbst die vergleichs-

weise geringe Frequentierung der Halden durch Mineraliensammler bis zum Jahr 2001 deutliche Spu-

ren hinterlassen hat. So ist die Schädigung der Flechtenvegetation auf den für Besucher interessante-

ren Teilen der Halden deutlich zu erkennen. Einem Betreten der Flechten-Standorte durch Besucher

wird neuerdings durch Installation eines Zauns entgegengewirkt.

Nach Beobachtungen der Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz wurde das Stollensystem bisher

immer wieder von Mineraliensammlern (und vermutlich auch von Höhlentouristen und spielenden

Kindern) aufgesucht. Zweifellos wurden dabei auch die überwinternden Fledermäuse regelmäßig

gestört. Aus Gründen des Fledermausschutzes, aber auch zur Vermeidung von Unfällen, wurde das

Mundloch im Bereich des bespielbaren Bergwerks daher im April 2002 vergittert. Der Bestand an

winterschlafenden Fledermäusen war daraufhin im Januar 2003 deutlich höher als in den Vorjahren.

3.1.3 Sukzession

Die Sukzession hat im Bereich des ehemaligen Bergwerks zu einer teilweisen Wiederbewaldung ge-

führt. Für die lichtbedürftigen Flechtenarten auf den Abraumhalden hat dies zweifellos zu einer Ver-

kleinerung der besiedelbaren Fläche geführt. Im Kernbereich der Halden sind bisher nur vereinzelt

Gehölze aufgewachsen. Ob dies mit den ungünstigen Standortverhältnissen wegen hoher Schwerme-

tallgehalte zusammenhängt oder an den ungünstigen Substrateigenschaften (lockeres sandig-steinig(

Material) liegt, ist nicht geklärt. Im Rahmen der Einrichtung des "bespielbaren Bergwerks" wurden

bereits Enthurstungsmaßnahmen durchgeführt. Mit weiteren Maßnahmen muss derzeit gewartet wer-

den, bis klar ist, wie die Kryptogamen- Vegetation darauf reagiert.

3.2 Gefährdungen

Gefährdungen resultieren aus den unter 3.1 geschilderten Beeinträchtigungen, sofern sie weiterhin zur

Wirkung kommen. Darüber hinaus sind insbesondere weitere Beeinträchtigungen durch Intensivie-

rung der fischereilichen Nutzung, des Badebetrieb oder der Nutzung des Bergwerks denkbar.

4 Schutzzweck

4.1 Bewertung

Die Friedrich-August-Grube beherbergt das bedeutendste Vorkommen von schwermetalltoleranter

Flechtenvegetation in Baden- Württemberg, möglicherweise sogar in ganz Süddeutschland. So kommt

die Art Stereocaulon leucophaeopsis in Mitteleuropa nur hier vor. Die Arten Stereocaulon alpi-

num/tomentosum, Acarospora smaragdula var. lesdainii, Lecanora gisleriana sowie das Schwerme-

tallmoos Jungermannia confertissima haben hier ihr einziges Vorkommen in Baden- Württemberg

(WIRTH 1999, KÄPPLER & WIRTH 2001). Viele weitere Sippen schwermetallreicher Standorte sind

außerhalb der Friedrich-August-Grube nur von wenigen weiteren Fundorten in Baden- Württemberg

bekannt. Fast alle Arten stehen auf der Roten Liste der Flechten der Bundesrepublik Deutschland

(WIRTH et al. 1996).

Neben den landesweit bedeutsamen Vorkommen schwermetalltoleranter Flechten kommen an den im

Wald liegenden Felsen zahlreiche gesteinsbewohnende Flechten vor, die großenteils als gefährdet

gelten. Es handelt sich um Arten, die im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung (saurer Regen)

stark zurückgegangen sind, sich hier in einem ausgeprägten Reinluftgebiet jedoch halten konnten. Die

Felsen beherbergen außerdem natürliche Vorkommen von Wacholder sowie einige schöne Trauben-

Eichen an der Höhengrenze der Art im Schwarzwald.

Von hohem Wert für den Naturschutz ist die Verlandungsvegetation im Westteil des Klosterweihers.

Es befindet sich hier ein ausgedehnter Verlandungsgürtel aus Teich-Schachtelhalm, ein im Schwarz-

wald äußerst seltener Biotoptyp. Als floristische Kostbarkeit tritt in dieser Verlandungszone der

Zwerg-Igelkolben auf,  der hier im geplanten NSG vermutlich sein letztes Vorkommen im Schwarz-

wald hat. Der Zwerg-Igelkolben besitzt außerdem ein großes und vitales Vorkommen in dem kleinen

Bergwerksteich im Bergwerksgelände.

Schließlich hat auch der unterirdische Teil des Bergwerks mit seinem Stollensystem eine wichtige

Bedeutung  für den Naturschutz, da sich hier eines der bedeutendsten Winterquartiere für Fledermäuse

im Südschwarzwald befindet. Mit bis zu 13 Großen Mausohren und Einzeltieren der Bechsteinfle-

dermaus sind auch zwei FFH-Arten hier vertreten. Der canyonartige Talkessel vor dem Stollenmund-

loch ist für das der sozialen Kommunikation dienende ,“Schwärmen" der Fledermäuse bestens geeig-

net.

Das geplante NSG liegt innerhalb des FFH-Gebiets 8214-302 (Südschwarzwald um St. Blasien). Eine

Kartierung der FFH-Lebensraumtypen liegt bisher nicht vor. Nach Auffassung der Landesanstalt für

Umweltschutz Baden- Württemberg sind die Flechten-Gemeinschaften auf den Schwermetallstandor-

ten der Bergwerkshalden nicht dem Lebensraumtyp 6130 (Schwermetallrasen) zuzuordnen, da keine

Schwermetallsippen aus der Gruppe der Höheren Pflanzen vorkommen, die den Violetea calaminari-

ae (Galmeigesellschaften) zugerechnet werden können. Der Klosterweiher weist einerseits Anklänge

eines dystrophen Gewässers auf (3160 Dystrophe Seen), könnte andererseits jedoch auch den

natürlichen eutrophen Seen zugeordnet werden (3150) .Hier sind weitere

Untersuchungen der Wasserqualität  sowie der Makrophytenvegetation erforderlich.

Die Felsen gehören zum Lebensraumtyp 8220 (Silikatfelsen und ihre Felsspaltenvegetation).

4.2 Erforderlichkeit der Unterschutzstellung

Die sehr trittempfindlichen Flechten-Gemeinschaften auf den Bergwerkshalden bedürfen eines stren-

gen Schutzes. Nach der Einrichtung eines "bespielbaren Bergwerks" in Teilen der Friedrich-August-

Grube ist der Schutz der landesweit bedeutsamen Biotope nur durch eine Unterschutzstellung zu ge.

währleisten. Der Einrichtung des "Spielbergwerks" wurde von Naturschutzseite im Rahmen mehrer

Ortstermine nur unter der Voraussetzung zugestimmt, dass die Flechten-Standorte als Naturschutzge-

biet ausgewiesen werden. Im Zusammenhang mit der Ausweisung des NSG ist ein entsprechendes

Monitoring einzurichten. Das Monitoring soll auch die nicht unmittelbar gefährdeten Flechtenge-

meinschaften auf den drei Felsmassiven im Wald mit umfassen, damit überörtliche Umweltauswir-

kungen auf die seltenen Felsflechten erfasst werden können.

Für die unmittelbar an das Bergwerksgelände angrenzende Verlandungszone des Klosterweihers

wurden verschiedene Gefährdungen und Beeinträchtigungen festgestellt, Trotz mehrerer Gespräche

mit der Gemeinde, den Naturschutzbehörden und dein Eigentümer bestehen die Beeinträchtigungen

teilweise weiter, so dass mit einer Verschlechterung des Erhaltungszustands gerechnet werden muss

Das Einbeziehen der hochwertigen Verlandungszone und Uferbereiche des Klosterweihers in das

geplante Schutzgebiet ist damit erforderlich.

5 Besondere Verbote und Nutzung

5.1 Forstwirtschaftliche Nutzung

Bei der forstlichen Nutzung ist darauf zu achten, dass die Bergwerkshalden mit den lichtbedürftigen

Flechten-Gemeinschaften nicht durch den angrenzenden Wald zu stark beschattet werden. Bei der

Holzernte dürfen die Haldenbereiche nicht befahren oder betreten werden. Im Bereich der drei Fels-

massive im Wald sollte die Bewirtschaftung so erfolgen, dass aufwachsende Nadelbäume im Randbe-

reich der Felsen fallweise entnommen werden, so dass die Beschattung der Felsen nicht zunimmt.

Die vorhandenen Elchen sollen nicht entnommen werden. Ansonsten ist im Waldbereich eine Bewirt -

schaftung im Rahmen der naturnahen Waldwirtschaft mit Förderung von Laubbäumen und Tanne

wünschenswert. Alte und höhlenreiche Bäume sowie Totholz sollen soweit wie möglich belassen

werden.

5.2 Jagd

Die Jagd kann wie bisher ausgeübt werden, jagdliche Einrichtungen (Hochsitze, Fütterungen, Kirrun-

gen etc.) dürfen jedoch nicht im Bereich der Bergwerkshalden und in den Feuchtgebieten westlich

des Klosterweihers erfolgen.

5.3 Fischerei

Das Angeln im Klosterweiher soll zum Schutz der Vögel sowie der Ufer- und Verlandungsvegetation

nicht innerhalb des gepl. NSG erfolgen. Damit die Situation eines nährstoffarmen bis mäßig nähr-

stoffreichen, in Ansätzen dystrophen Stillgewässers erhalten bleibt, soll der Klosterweiher nur exten-

siv fischereilich genutzt werden. Es sollte nur ein Abschöpfen des natürlichen Ertrags erfolgen. Ein

Zufüttern soll nicht gestattet sein. Die Bewirtschaftung sollte grundsätzlich in Abstimmung mit der

staatlichen Fischereiaufsichterfolgen. Innerhalb des geplanten Naturschutzgebiets sollen Einrichtung

gen im Zusammenhang mit der Ausübung der Fischerei (Stege, Angelplätze, etc.) nicht zugelassen

werden.

5.4 Freizeitnutzung

Zum Schutz der Flechten-Gemeinschaften, der Quellaustritte am Fuß der Bergwerkshalden, der Ufer-

vegetation des Klosterweihers und der Vegetation des Feuchtgebiets am Westrand des Klosterweihe

muss das Verlassen der Wege untersagt werden. Im Bereich des "bespielbaren Bergwerks" wurden

bereits Zäune errichtet, deren Wirksamkeit überwacht werden muss. Der bisher am Rand des Feucht-

gebiets westlich des Klosterweihers verlaufende Trampelfad sollte aus Gründen des Vogelschutzes

gesperrt und nach Westen (an den sogenannten "Schweinestall") verlegt werden.

Zum Schutz des Verlandungsgürtels soll das Baden im Klosterweiher innerhalb des geplanten NSG

verboten werden. Damit verbunden soll auch das Lagern auf der kleinen Wiese am nordwestlichen

Rand des Weihers untersagt werden. Diese Maßnahme ist erforderlich, um eine nachvollziehbare und

kontrollierbare Besucherlenkung am Klosterweiher zu ermöglichen. Es ist zu prüfen, ob eine Balken-

kette auf dem See an der Grenze des NSG installiert werden kann, wie es sich bei anderen ökologisch

sensiblen Badegewässern im Schwarzwald bewährt hat (Schlüchtsee, Nonnenmattweiher).

Das Befahren des Klosterweihers mit Wasserfahrzeugen (Booten, Surfbrettern, Flößen etc.) sollte

grundsätzlich untersagt werden, da dies dem Charakter des Weihers als einem ruhigen Bergsee nicht

entspricht und für Beunruhigung der Wasservögel sorgt.

6 Vorschläge zur Pflege und Entwicklung

Wie bereits erwähnt, soll zur Überwachung der Flechten-Populationen ein Monitoring durchgeführt

werden. Im Zusammenhang mit der Einrichtung des "bespielbaren Bergwerks" wurden ansprechend

Besucherinformationstafeln installiert, die auch die Naturschutzaspekte im Hinblick auf den Flech-

tenschutz berücksichtigen. Es ist zu hoffen, dass dadurch auch die zum Schutz der Flechten installier-

ten Zäune auf höhere Akzeptanz stoßen. Zur Erhaltung günstiger Lichtverhältnisse auf den Berg-

werkshalden sind in unregelmäßigen Abständen Pflegemaßnahmen durchzuführen.

Um die Besucher des Klosterweihergebiets zu lenken, ist ein entsprechendes Besucherlenkungskon-

zept zu entwickeln. Dieses sollte als Mindestanforderung folgende Punkte beinhalten:

·         Informationstafel zum Baden am Klosterweiher

·         Sperrung der Uferbereiche innerhalb des NSG

·         Verlegung des Trampelpfads am Westrand des Weihers zum sogenannten "Schweinestall"

·         Abriss des landschaftlich unschönen "Schweinestalls"

·         Evtl. Schaffung einer einfachen Wegverbindung zwischen "bespielbarem Bergwerk" und Lie-

           gewiese am Klosterweiher innerhalb des Waldes ( deutlich außerhalb der Bergwerkshalden)

 

7 Zusammenfassung

Das geplante Naturschutzgebiet „Friedrich-August-Grube" umfasst das Bergwerksgelände des ehe-

maligen Nickel-Bergwerks mit seinen Abraumhalden sowie den angrenzenden westlichen Teil des

Klosterweihers mit einer ausgeprägten Verlandungszone. Auf den Abraumhalden sind Flechtenge-

meinschaften mit zahlreichen sehr seltenen schwermetalltoleranten Flechten entwickelt, von denen

mehrere Arten hier in Baden- Württemberg ihr einziges Vorkommen haben. Es handelt sich um eines

der bedeutendsten Vorkommen von Schwermetall- Vegetation in Südwestdeutschland. Die angren-

zenden Silikatfelsen weisen ebenfalls Flechten-Gemeinschaften auf, die sich aus gefährdeten Arten

zusammensetzen. Es handelt sich hierbei um Arten, die in anderen Gebieten aufgrund der Luftver-

schmutzung zurückgegangen sind.

Das Bergwerksgelände umfasst auch ein unterirdisches Stollensystem, das ein wichtiges Winterquar

tier für mehrere Fledermausarten, darunter auch die FFH-Arten Großes Mausohr und Bechsteinfle-

dermaus, darstellt.

Der westliche Verlandungsbereich des Klosterweihers mit einem ausgedehnten Teichschachtelhalm-

Röhricht stellt einen im Hotzenwald einmaligen Lebensraum dar. Innerhalb dieser Verlandungszone

sowie in einem kleinen Bergbauteich kommt der sehr seltene und stark gefährdetet Kleine Igelkolbe

(Sparganium minimum) vor. Zahlreiche weitere gefährdete Pflanzenarten finden sich im landseitig

angrenzenden Zwischenmoor sowie dem Niedermoorgürtel. Die Flachwasserzone des Verlandungs-

bereichs ist außerdem der Lebensbereich verschiedener Wasservögel, einer großen Zahl von (auch

gefährdeten) Libellen sowie Laichplatz von Grasfrosch und Erdkröte. Das früher bedeutende Vor-

kommen der Geburtshelferkröte ist heute augenscheinlich erloschen.

Aufgrund verschiedener Beeinträchtigungen durch Badebetrieb, Fischerei, Betreten der Halden und

Balten von gebietsfremden Tieren ist eine Unterschutzstellung des äußerst empfindlichen Biotop-

komplexes erforderlich. Zur Besucherlenkung wurden im Rahmen der Einrichtung eines "bespielba-

ren Bergwerks" bereits Absperrzäune und Informationstafeln errichtet, die auch dem Schutz der

Flechtenstandorte dienen. Im Bereich des Badeplatzes sind weitere Informationstafeln zur Biologie

des Klosterweihers und den erforderlichen Verhaltenregeln erforderlich. Hinsichtlich der fischereili-

chen Nutzung ist darauf zu achten, dass es bei der wie bisher extensiv betriebenen Nutzung ohne Zu-

fütterung bleibt. Die eingesetzten gebietsfremden Tiere (v .a. Wasservögel) müssen wieder entfernt

werden, um die Beeinträchtigung der Verlandungszone Und der Wildvögel sowie die Eutrophierung

des Gewässers zu vermeiden.

Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege

Freiburg, den 13.01.2003

Dr. Kretzschmar, Wiss. Angestellter                            ges. Dr. Meineke, Landeskons.

 

8 Anhang

8.1 Quellenverzeichnis

 

BREUNIG, T. UND S. DEMUTH (1999): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Baden- Württemberg.

              Fachdienst Naturschutz (Hrsg. LFU Baden- Württemberg), Naturschutz-Praxis, Arten-

              schutz 2.

DENZ, 0. (1998): Daten der Biotopkartierung § 24a - Aus dem UIS der LFU.

HEIBEL,  E. (1999): Flechtenvegetation auf Schwermetallstandorten in Nordrhein-Westfalen.- In:

               PARDEY, A. et al. (1999): Naturschutz-Rahmen-Konzeption Galmeifluren NRW.- LÖBF-

              Schriftenreihe, Band 16:49-72.

HÖLZINGER, J., P. BERTHOLD, C. KÖNIG & U. MAHLER (1996): Die in Baden-Württemberg gefährde-

               ten Vogelarten. "Rote Liste", (4. Fassung, Stand 31.12.95). am. Jh. Bad.-Württ. 9: 33-90.

LANGE-EICHHOLZ, J. (1989): Klosterweiher.- Gutachten bei den Akten der BNL Freiburg.

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               Stand 31.10.1998).- Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg, Band 73: 103

              133.

LUDWIG, G., DÜLL, R., PHILIPPI, G., AHRENS, M., CASPARI, S., KOPERSKI, M.. LÜTT. S.. SCHULZ, F.

              und G.SCHWAB (1996): Rote Liste der Moose Deutschlands.- Schriftenreihe für Vegeta-

              tionskunde 28: 189-306.

METZ. R. (1980): Geologische Landeskunde des Hotzenwaldes.- 1117 S., Moritz Schauenburg Ver-

              lag. Lahr.

MÜLLER. E. (1993). Fledermäuse in Baden-Württemberg 1I.-Beih. Veröff. Naturschutz Landschafts-

              pflege Bad.- Württ. 75.

NEBEL. M. UND G. PHILIPPI (Hrsg.) (2000/2001): Die Moose Baden-Württembergs: Band 1 und 2.-

              Ulmer. Stuttgart.

OBERDORFER. E. (1977): Süddeutsche Pflanzengesellschaften. Teil I.- Gustav Fischer Verlag. Stutt-

              gart.

PARDEY, A. et al. (1999): Naturschutz-Rahmen-Konzeption Galmeifluren NRW.- L ÖBF-

              Schriftenreihe, Band 16.

SEBALD. 0., S. SEYBOLD.,G. PHILIPPI und  A. WÖRZ (Hrsg.) (1990,92,96.98): Die Farn- und Blüten

              pflanzen Baden-Württembergs. Bände 1-8.- Stuttgart; Ulmer.

STERNBERG. K.. BUCHWALD, R., HÖPPNER, B., RADEMACHER.; M.. RÖSKE, W. SCHILE;  F .-J .UND B.

              SCHMIDT (1999): Rote Liste der in Baden- Württemberg gefährdeten Libellenarten (Stand

              Februar 1994, formal überarbeitet 1999).- In: Die Libellen Baden-Württembergs (hrsg. von

               K. STERNBERG und R. BUCHWALD). Ulmer, Stuttgart.

WESTERMANN. K.. ANDRIS. K.. DISCH, B.. HURST, J. und H. KAISER (1998): Brutverbreitung und

              Brutbestand des Zwergtauchers. der Reiherente. des Blässhuhns. des Teichhuhns und ande-

              rer Wasservögel an Stillgewässern des südlichen und mittleren Schwarzwaldes.- Naturschutz

              am südlichen Oberrhein Band 2: 233-260.

WIRTH. V. (1999): Flechten- und Moosvorkommen im Gebiet der aufgelassenen Friedrich-August-

              Grube bei Wittenschwand.- Gutachten bei den Akten der BNL.

WIRTH, V. SCHÖLLER, P.. SCHOLZ. G.. ERNST, T.. FEUERER, A., GNÜCHTEL. M.. HAUCK. M..

               JACOBSEN, P ..JOHN. V. und B. LI1TERSKI (1996): Rote Liste der Flechten der Bundesrepu-

               blik Deutschland.- Schriftenreihe für Vegetationskunde 28: 307-368.

 

8.2 Im gepl. NSG nachgewiesene Pflanzen- und Tierarten (tw. nur Arten

der Roten Liste)

Gefährdungsstufen:        1 = vom Aussterben bedroht

                                      2 = stark gefährdet

                                      3 = gefährdet

                                      V = Vorwarnliste

                                      G = Gefährdung anzunehmen

                                      R = Extrem selten

A Höhere Pflanzen (nur Arten der Roten Liste) (Gefährdung nach BREUNIG & DEMUTH

1999)

C Wissenschaftlicher Name       Deutscher Name      Rote Liste BW       Rote Liste

                                                                                                                 Schwarzwald

Asplenium septentrionale           Nordischer Streifenfarn             V                         V

Carex echinata                          Igel-Segge                              V                         -

Carex nigra                               Braun-Segge                            V                         -

Eriophorum angustifolium          Schmalblättriges Wollgras         3                         V

Eriophorum vaginatum              Moor- Wollgras                        V                         V

Menyanthes trifoliata                 Fieberklee                                3                         3

Parnassia palustris                     Sumpf-Herzblatt                      3                         V

Potentilla palustris                     Sumpf-Blutauge                       3                         3

Sparganium minimum                Kleiner Igelkolben                     2                         1

Vaccinium uliginosum                 Gewöhnliche Moorbeere           V                         V

Veronica scutellata                    Schild-Ehrenpreis                      3                         V

B Flechten (nur Arten der Roten Listen) (Gefährdung nach WIRTH et al. 1996)

Wissenschaftlicher Name                                            Rote Liste BRD      Rote Liste BW

Acarospora sinopica                                                                 3                         3

Acarospora smaragdula var. lesdainii                                         3                         1

Arthrorhapis citrinella                                                                3                         3

Aspicilia simoensis                                                                    3                         3

Buellia urberior                                                                         1                         2

Cetraria islandica                                                                      3                         3

Cladonia carneola                                                                     2                         2

Cladonia cervicornis ssp. verticilll.lta                                          3                         3

Cladonia gracilis                                                                       3                          3                                                                                                                                           

Cladonia uncialis                                                                       3                Nicht bewertet

Dibaeis baeomyces                                                                  2                          3

DiploschistesOmuscorum                                                          3                 Nicht bewertet

Ephebe lanata                                                                          2                          2

Fellhanera subtilis                                                                     G                          3

Lasallia pustulata                                                                      3                 Nicht bewertet

Lecanora gisleriana                                                                   1                          1

Lecanora intricata                                                                     -                          3

Lecanora subaurea                                                                   3                          2

Lecidea cf confluens                                                                 -                          3

Lecidea lapicida                                                                        -                          3

Lecidea plana                                                                           -                          3

Massalongia carnosa                                                                1                          2

Micarea leprosula                                                                     -                          3                        

Miriquidica intrudens                                                                 3                          3

Parmelia disjuncta                                                                    3                 Nicht bewertet

Parmelia panniformis                                                                3                 Nicht bewertet

Phylliscum demangeonii                                                            1                          2

Protoparmelia atriseda                                                             3                          3

Protoparmelia badia                                                                 3                          3

Pyrenopsis sanguinea                                                               G                Nicht bewertet

Rhizocarpon oederi                                                                  2                          2

Rimularia gibbosa                                                                     3                          3

Schaereria fuscocinerea                                                            -                          3

Stereocaulon alpinum                                                               1                          1

Stereocaulon leucophaeopsis                                                    1                          1

Stereocaulon pileatum                                                              3                Nicht bewertet                        

Stereocaulon tomentosum                                                       1                          1

Stereocaulon vesuvianum                                                         3                          R

Umbilicaria deusta                                                                    3                          3

Umbilicaria polyphylla                                                                3                          3

 

C Moose (nur Arten der Roten Listen)(Gefährdung für BRD nach LUDWIG et al. 1996,

für BW nach NEBEL & PHILIPPI (2000/2001)

Wissenschaftlicher Name                                             Rote Liste BRD     Rote Liste BW

Jungermannia confertissima                                                      V                 Einzig. Vorkommen

Pohlia andalusica                                                                      G                           R

Racomitrium elongatum                                                           V                           V

D Fledermäuse (Gefährdung in Bad.-Württ. nach MÜLLER 1993)

Deutscher Name                                   Wissenschaftlicher Name                   Rote Liste

Großes Mausohr                                            Myotis myotis                                    3

Bechsteinfledermaus                                      Myotis bechsteini                                1

Kleine Bartfledermaus                                     Myotis mystacinus                              2

Wasserfledermaus                                         Myotis daubentoni                              2

Braunes Langohr                                            Plecotus auritus                                  2

E Vögel (Gefährdung in Bad.-Württ.- nach HÖLZINGER et al. 1995)

Deutscher Name              Wissenschaftlicher Name            Status                 Rote Liste

Bläßhuhn                                  Fulica atra                          1-2 Brutpaare                  5

Stockente                                Anas platyrhynchos                2 Brutpaare                   -

F Amphibien (Gefährdung in Bad.- Württ. nach LAUFER 1999

Deutscher Name              Wissenschaftlicher Name                                         Rote Liste

Erdkröte                                  Bufo bufo                                                                    V

Grasfrosch                               Rana temporaria                                                         V

Geburtshelferkröte                   Alytes obstetricans                                                      2

Bergmolch                               Triturus alpestris                                                          -

Fadenmolch                             Triturus helveticus                                                       -

G Libellen (Gefährdung nach STERNBERG et al. 1999)

Wissenschaftlicher Name               Deutscher Name           Rote Liste BW        Rote Liste

                                                                                                                           Schwarzwald

Aeschna juncea                             Torf-Mosaikjungfer                       2                          V

Aeschna grandis                            Braune Mosaikjungfer                   3                          3

Anax imperator                             GroBe Königslibelle                       -                           -

Sympetrum danae                        Schwarze Heidelibelle                    3                          -

Somatochlora metallica                 Glänzende Smaragdlibelle              -                           -

Cordulia aenea                              Falkenlibelle                                  -                           -

Libellula quadrimaculata                  Vierfleck                                       -                           -

8.3 Nach § 24a NatSchG besonders geschützte Biotope

Schlüssel-Nr.                Biotoptyp

11.10                             Naturnahe Quelle

12.10                             Naturnaher Bachabschnitt

13.20                             Tümpel

13.50                             Verlandungsbereich eines Stillgewässers

21.10                             Offene Felsbildung

22.12                             Stollen

32.10                             Kleinseggen-Ried basenarmer Standorte

34.58                             Teichschachtelhalm-Röhricht

34.65                             Schnabelseggen-Ried

35.41                             Hochstaudenflur quelliger, sumpfiger oder mooriger Standorte

36.42                             Flügelginsterweide

8.4 Im gepl. NSG vorkommende Lebensräume (Anhang 1) gemäß FFH-

Richtlinie

Schlüssel-Nr.                Lebensraumtyp

3150                              Natürliche eutrophe Seen

3160                              Dystrophe Seen

8220                              Silikatfelsen und ihre Felsspaltenvegetation

8.5 Im gepl. NSG nachgewiesene Vorkommen von Arten (Anhang 2) ge-

mäß FFH-Richtlinie

Großes Mausohr             Myotis myotis

Bechsteinfledermaus       Myotis bechsteini