4.010 Trichter-Ehehalde

 

Würdigung

 

 

zum Naturschutzgebiet „Trichter-Ehehalde"

 

Als der Neckar sich nicht mehr oben über der Keuperdecke behäbig, vielarmig und nach Belieben bald in der Heuberggegend, bald am Rammert dahinwälzen konnte, sondern als der Einbruch des Rheintalgrabens ihn zwang, seinen trägen Lauf zu beschleunigen, sich allmählich tief in den Keuper einzuwühlen und so sein heutiges weites Talbecken östlich von Rottenburg auszuheben, da hat er aus der Richtung von Seebronn einen kräftigen Bach an sich gerissen, der nun seinerseits sich durch die weichen Keuperwände durchgefressen hat.

1 km westlich der heutigen Turnhalle hielten härtere Lager den Bach auf und zwangen ihn, seine Ortsrichtung zu verlassen und in einer engen S-Schleife sich den Anschluß an den Neckarlauf zu suchen.

Der Bach hat dabei einen Kessel von hohem landschaftlichem Reiz, den sog. „Trichter" ausgehoben.

Längst ist der Bach versiegt, seine Quellen sind verkarstet.

Nur bei schweren Unwettern und zur Zeit der Schneeschmelze führt das „Weggental" Wasser und oben an den Rändern des Kessels treten, dem Nagelfluh unseres Oberlandes ähnelnd, die Deckenschotter des Neckars zutage als Zeugen seines Wasserlaufes in urgeschichtlicher Zeit.

Der Trichter mag, an den oberen Rändern gemessen, eine Weite von 350 m haben; seine Talsohle eine solche von höchstens 125 m.

An seiner höchsten Höhe steigt der Kesselrand 54 m über den Talgrund auf.

Wer von Osten her gegen diesen Trichter kommt, ist außerordentlich überrascht, plötzlich die tiefe Senke vor sich zu sehen, die, wundervoll ausgerundet, den Eindruck eines mächtigen Naturtheaters macht.

Der gegen Süden gekehrte Nordhang des Trichters, die „Ehehalde", ist in viele Parzellen aufgeteilt, die zum Teil noch Weinberge tragen, zum Teil dem Beeren- und Gemüsebau dienen.

Der obere Rand des Kessels ist von einem starken Heckenzug, insbesondere Schlehenhecken eingezäunt.

An den gegen Westen und Norden weisenden Hängen des Kessels nehmen die Hecken breiten Raum ein.

Vertreten sind hier vor allem Haselnuß, dann Hartriegel, wilde Rose, Schlingbaum und niedriges Gestrüpp wilder Kirschen.

Der schmale Grat, der den Trichter vom eigentlichen Weggental und damit vom Neckartal trennt, fällt ziemlich steil, zuletzt über Muschelkalkbänke gegen die schmale Seite ab, wo der Bach sich einst seinen Weg zum Neckar durchgenagt hat.

Dieser Grat trägt oben bei seinem Ansatz, da wo heute das alte, baulich und seiner Lage nach reizvolle „Huthüttele" steht - wundervolle Fernsicht! - starke, von einer dünnen Steppenheideschicht bedeckte Deckenschotterfelsen.

Der Südhang dieses Grates ist bis auf seinen Scheitelpunkt mit Weinbergen angepflanzt, während der Nordhang in seiner oberen Hälfte starke Geröllbildung durch die Deckenschotter aufweist, für landwirtschaftliche Nutzung kaum in Frage kommt und ebenfalls eine Steppenheidedecke trägt mit einer ganzen Anzahl seltener, schutzbedürftiger Pflanzen.

Das ganze Gebiet des Trichters liegt 1 km nordwestlich des Rathausplatzes der Stadt Rottenburg.

Unter Naturschutz gestellt ist lediglich ein Stück im östlichen Teil des Trichters und dann der südliche, nach Norden gerichtete Hang bis hinunter zur Talsohle.

Die Aufgabe des Schutzgebietes „Trichter-Ehehalde" ist eine dreifache:

1) eine geologische:

Die Deckenschotter, die im Schutzgebiete besonders schön zutage treten, vor Abbau zu schützen,

2) eine botanische:

Die reiche Pflanzenwelt des Gebietes, die sehr gefährdet ist, zu erhalten,

3) eine zoologische:

Vogelschutzgebiet zu sein, wozu sich das Gebiet um seiner dichten und ausgedehnten Heckenbestände willen besonders eignet.