4.070 Kreuzweiher‑Langensee

Würdigung

 

Das Naturschutzgebiet Kreuzweiher‑Langensee bestand bisher aus dem

Naturschutz­gebiet Kreuzweiher und dem Landschaftsschutzgebiet

Langensee. Der Zusammenschluß zu einem Naturschutzgebiet und somit auch

die Veränderung der Verordnung für das Gebiet Kreuzweiher hat vor allem zwei

Gründe:

Zum einen bilden die Gebiete aufgrund ihrer ähnlichen Flora und Fauna einen

zusammenhängenden Lebensraum und zum anderen hat sich die ehemalige Verord-

nung des Naturschutzgebietes Kreuzweiher als nicht ausreichend im Sinne des Schutz­-

gedankens erwiesen. Dies betraf vor allem die Aussagen zur landwirtschaftlichen

Nutzung.

1.     Landschaftliche Situation

1.1  Geographische Lage

        Das Naturschutzgebiet Kreuzweiher‑Langensee gehört zum Natur­raum West-

        all­gäuer Hügelland. Es befindet sich auf der Gemar­kung Neukirch im Bodensee­kreis,

        etwa 8 km     südöstlich von Tettnang bei Unterlangensee (Blatt 8324 der Topogra-

        phi­schen Karte 1 : 25.000).

        Das Gebiet umfaßt ca. 75 ha und liegt auf 540 m ü.NN

1.2  Erscheinungsbild

        Bei dem Gebiet Kreuzweiher‑Langensee handelt es sich zum einen um den ca. 120

        x 600 m großen Langensee mit Verlan­dungsgürtel, Moorflächen, Erlen­bruchwald,

        Streu‑, Feucht‑ und Futterwiesen; zum anderen um den Kreuzwei­her, ebenfalls

        mit breitem Verlandungsgürtel, Zwischenmoor, Streuwiesen­flächen, Streuobst,

        Mähwiesen und Baumbestand.

        Es liegt in einer von verschiedenen Waldhügeln umgegebenen langgezogenen

        Senke. Zwischen dem Gebiet Langensee und Kreuz­weiher verläuft die kleine Verbin-

        dungsstraße von Unterlangen­see nach Summerau.   

1.3  Geologie

        Das Gebiet Kreuzweiher‑Langensee liegt in einer Landschaft, die in ihrer

        heutigen Erscheinungsform wesentlich durch die geomorphologi­schen Vorgänge

        der verschiedenen Eiszeiten und der Ablagerung von Deckschichten in der

        Nacheiszeit geprägt ist. Sie wurde vor allem während der letzten Eiszeit

        vom Rheinvorlandglet­scher gebildet, der sich vom Bodenseebecken fächerför­mig

        nach Norden ausgebreitet hat.

        Eine typische Form des Geländes stellen hier die Drumlins dar. Es handelt sich um

        Hügel mit elliptischer Form, die unter dem strömenden Eis durch dessen model-

        lierenden und erodierenden Druck aus schon vorher angehäuftem plastischem

        Ablagerungsmaterial in Richtung der Eisströmung herausgearbei­tet wurden. Diese

        Grundmoränenform wechselt sich ab mit End‑ und Seiten­moränen aus stark kiesig-

        sandigem Material, die beim Abschmelzen der Glet­scher entstanden sind.

        Die abflußgünstigen Lagen der Grund‑ und Endmoränen haben normalerweise

        Parabraunerden aus sandig‑kiesigem Lehm als Auflage. Aufgrund des Grund­wasser-

        einflusses sind feuchte Senken und Hangfüße der Moränen, wo das Hang­wasser

        als Quelle austritt, zum Teil vermoort. Der Untergrund des Gebietes Kreuzweiher‑

        Langensee besteht aus meist über einem Meter mächtigen Seggen­schilftorfen.

        Das Gebiet liegt zwischen einem Drumlin im Westen, einer anders gestalteten

        Grundmoräne im Norden und älteren End‑ bzw. Seitenmoränen im Norden, Osten

        und Süden, bei denen es sich um Rückzugsbildungen der früheren Eisbedeckung

        aus der Würmeiszeit handelt.

1.4   Hydrologie

        Das Naturschutzgebiet Kreuzweiher und das schon vom Landrats­amt Bodensee­-

        kreis als Feuchtgebiet ausgewiesene Landschafts­schutzgebiet Langensee gehören

        über den Kreuzweiherbach zum Wassereinzugsbereich des Bollenbachs, der über die

        Argen zum Bodensee hin entwässert. Kreuzweiher und Langensee sind durch einen

        Bach miteinander verbunden. Südlich des Gehöftes Unter­langensee hat sich nach

        Untersuchungen von Bertsch (1931) bis vor wenigen 100 Jahren ein offener See

        ausgedehnt, der mit dem Langensee in Verbin­dung stand. Ein Teil des Kreuzweiher-

        ­wassers kommt vom nord­östlich gelegenen Hüttensee. Im Gebiet befinden sich

        in den umliegenden Hügeln Hangquellaus­tritte, und Teile des Gebietes sind

        von Wassergräben durchzogen.

1.5   Klima

        Die mittlere Niederschlagssumme beträgt im Jahr etwa 1100 bis 1200 mm,

        in der Vegetationsperiode (Mai ‑ Juli) etwa 400 mm.

        Die durchschnittliche Lufttemperatur des Jahres liegt bei 7 ‑ 8° C., die der Vege-

        tationsperiode bei 14 ‑ 15° C.    

1.6   Nutzung

        Die im Naturschutzgebiet Kreuzweiher‑Langensee vorhandenen Streu‑ und Feucht-

        wiesen werden zum Teil nach einem von der BNL Tübingen erarbeiteten Pflege-

        plan gepflegt. Einige der sich in Privatbesitz befindlichen Feucht­wiesen werden

        öfters im Jahr gemäht und zum Teil gedüngt.

        Im Bereich des Gebietes Kreuzweiher befinden sich des weite­ren ein Hopfen­garten,

        Weiden, Streuobstbestände und ein klei­ner Fichtenbestand. Der Kreuzweiher

        wird fischereimäßig von der Bodenseebesatzkommission zur Auf­zucht ohne

        Düngung und Fütterung benutzt. Er wird alle 2 ‑ 3 Jahre abge­lassen. Im Rahmen

        des Seen‑und Weiher‑Sanierungskonzepts Oberschwa­ben der Wasserwirtschaft

        wird er z.Zt. hinsichtlich des Pro­blems der Verschlammung untersucht. Im

        Sommer wird im Kreuz­weiher gebadet.

        Die Fischereirechte für den Langensee, der sich in Privatbe­sitz befindet, ist an ver-

        schiedene Einzelpächter vergeben. Der See wird von zahlreichen Fischerbooten

        befahren. Zum Teil gibt es Bootsanlegestellen in Form von Stegen, oder die Boote

        werden am Ufer im Schilf gelagert. Rund um den See, ca. alle 50 m, befinden sich

        Anglerplätze, die über zum Teil durch Schilf­bestände führende Trampelpfade

        erreichbar sind. Zum Teil sind diese Angler­plätze befestigt.

        In einer Karte vom 10.5.1993 ist die Situation aus den Jahren 1984, 1987 und 1992

        eingetragen, am 10.1.1993 wurden die Trampelpfade und Angelplätze fotographisch

        festgehalten. Auch der Langensee soll ‑ zusammen mit dem Kreuzweiher‑ im

        Rahmen des o.g. Konzep­tes saniert werden.

2.     Schutzwürdigkeit

        Die Feuchtflächen im Gebiet von Kreuzweiher und Langensee sind als beson­ders ge-

        schützte Biotope im Sinne des § 24a NatSchG einzustufen: Es gibt Flach‑

        und Übergangsmoore, Quellsümpfe, naturnahe Bruchwaldelemente, Streu­wiesen,

        Röh­richtbestände und Riede, seggen‑ und binsenreiche Nasswiesen sowie Quell‑

        und Verlandungsbereiche. Das vielfältige Mosaik dieser ver­schiedenen Biotoptypen

        erhöht zusätzlich den ökologischen Wert des Gebie­tes:

        Dieses besonders schöne und repäsenta­tive Beispiel der würt­tem-

        bergischen Allgäulandschaft weist eine große Vielfalt von Lebensräumen auf:

        Offene Wasserflächen mit Schwimmblatt‑ und Laichkrautgesellschaften, verschie-

        dene Röhrichtgesellschaf­ten, nährstoffarmes Flach‑, Zwischen‑ und Hangquellmoor,

        Streu‑ und Feuchtwiesen, Streu­obst‑ und Gehölzbestände in verschiedener Form.

        Das schon aufgrund dieser Vielfalt schutzwürdige Gebiet ent­hält auch in seinen ein-

        zelnen Teilen einige Besonderheiten: Im Bereich des tieferen Wassers findet man

        Vertreter der Seerosendecken (Nupha lutea) und der Laich­krautwiesen (mit Najas

        marina als floristische Seltenheit).

        In fast ihrem ganzen Bereich sind die Seen von Gesellschaften der Verlan­dungs-

        zonen umrandet. Im ufernahen Bereich der Was­serflächen breiten sich für den

        Faunenschutz bedeutsame Habi­tate wie die Schwimmblattgesellschaften mit der

        Weißen See­rose und dem Schwimmenden Laichkraut (Potamogeton natans) aus.

        Die Uferränder werden von Röhrichtstreifen eingefaßt, der aus Seebin­sen‑Röhricht

         (Scirpetum lacustris) besteht bzw. da, wo aus den Hängen Quellwasser austritt

        und dieses in den See fließt, kommt es zur Ausbildung des sehr selten geworde­nen

        Schneidbinsen‑Röhrichts (Cladietum marisci). Der im See­bin­senröhricht siedelnden

        Mikroorganismenflora kommt bei der biologi­schen Selbstreinigung eine besondere

        Rolle zu, da sie an sich schwer abbau­fähige Substanzen zu leichter zersetzli­chen

        verarbeiten kann. Das Schneid­binsen‑Röhricht und das sich dazu gesellende Zyper-

        grasseggen‑Ried ist vor allem des­wegen bedeutend, da sie beide aufgrund ihrer

        Eigenschaften ideale Brutplätze für Vögel bilden.

        Der Rohrkolbenröhricht, der am Kreuzweiher verbreitet vor­kommt, ist am

        Langensee selten zu finden. Beide Seen werden größtenteils von einem brei­ten

        Schilfröhrichtgürtel umrandet, der am Langensee durch viele Trampel­pfade der

        Angler durchzo­gen ist. Schilfröhrichte bilden die wichtigsten Vogelbrut-

        ge­biete in Feuchtgebieten. 70 % der auf Schilfgebiete angewie­senen Brut-

        vogelarten Baden‑Württembergs stehen auf der Roten Liste der gefährde­ten

        Vogelarten. Fast 1/4 der schilfbewoh­nenden Arten sind gefährdet (Höl­zinger 1987).

        Der Kreuzweiher ist als einzige Lachmöwenbrutstätte des Kreises Tettnang land­-

        schaftlich und naturkundlich von Bedeutung.

        Die Pflanzengesellschaften der oligotrophen Moore gehören zu den am stärk­sten

        gefährdeten Formationen. Die Kalk‑Kleinseg­genrieder, als deren Ver­treter man im

        Gebiet Langensee das Mehlprimel‑Kopfbinsenmoor (Primulo Schoenetum) in Form

        eines Flach‑ und eines Hangquellmoores findet, sind Refugien von Glazialrelikten

        und von vielen seltenen Helophy­ten der mittel­europäischen Flora. Für Avizönosen

        (­Vogellebensgemeinsc­haften) gehören sie zu den wichtigsten Biotop­typen Mittel-

        ­eu­ropas. Ebenso sind sie Lebensraum einer hohen Anzahl von Tag‑ und Nacht-

        faltern und wirken auch auf den Was­serhaushalt aus­gleichend, insbesondere gegen

        Hochwas­serspitzen. Sie kom­men nur noch selten vor und sind in ihrem Bestand

        extrem zurück­gehend. Bei einer Beseitigung dieses Ökosystems ist kein Ersatz

        möglich.

        Die Moorbucht südlich von Unterlangensee ist ausgefüllt von einem zwischen­-

        moorartigen Schlenken‑Bultsystem, wie es im weiteren württembergischen Ober-

        land in dieser Mannigfaltig­keit wohl kaum noch einmal vorkommt (Goers 1969). Sie

        beher­bergt einige floristische Seltenheiten.

        Die Pfeifengrasstreuwiesen auf kalkreichen Moorböden gehören zu den arten-

        ­reichsten Wiesenformen. Sie sind Lebensraum uner­setzlicher Nahrungspflanzen für

        dort beheimatete Tagfalterar­ten und Widderchen. Ihr Vorkommen hat seit 1950

        so erschrek­kend abgenommen, daß sie heute nur noch auf kleinen Flächen vor-

        handen sind. Auch sie sind bei einer Beseitigung nicht mehr ersetzbar.

        Erlenbruchwälder sind heute meist nur noch relativ kleinflä­chig entwickelt. Sie kön-

        nen in ungestörter Ausbildung bota­nisch äußerst wertvolle, ursprüng­liche Pflanzen-

        gesellschaften enthalten, die auf extreme Standortbedingungen spezialisiert sind.

        In Verbindung mit Schilfbeständen bilden sie auch Brut­habitate für bedrohte Arten

        der Fauna. Die Feuchtwiesen sind bei extensiver Nutzung Standorte zahl­reicher und

        auch gefährdeter Arten. Sie sind potentielle Brut‑ und Aufzuchtgebiete für ge­fäh­r-

        dete Wiesenbrüter.

        Die Streuobstwiesen beherbergen als reich strukturierte Le­bensräume artenreiche

        Lebensgemeinschaften. Hier leben viele Tierarten, die anderswo z.T. keine entspre-

        chenden Lebensbe­din­gungen mehr finden. Sie sind außerdem wich­tige belebende

        Elemente unserer traditionellen Kulturland­schaften und sind von hohem optisch‑

        ästhetischen Wert (Hölzinger 1987).

        Ebenso schutzwürdig sind Flächen, die die Funktion einer Puf­ferzone haben. Sie

        liegen zwischen den eigentlich wertvollen Teilen des Gebietes und den Flächen,

        die landwirtschaftlich intensiv genutzt werden. Diese Pufferzonen, die nicht gedüngt

        werden dürfen, können die von außen zugeführten Nährstof­fe aufnehmen, wodurch

        die wertvollen Teile des Gebietes gegen Überdüngung abgepuffert werden und

        somit erhalten bleiben.

2.1   Flora

        Nach der Roten Liste der Farne und Blütenpflanzen in Baden­‑Württemberg sind im

        Gebiet Langensee 9 vorge­fundene Arten in ihrem Bestand stark gefähr­det und

        25 sind gefährdet. Davon sind 12 Arten nach der Bundesartenschutzverordnung

        beson­ders ge­schützt.

        Im Gebiet Kreuzweiher wurden dieselben Arten 1967 (Goers 1969) gefunden. Zu-

        sätzlich wurden hier noch 5 stark gefährde­te und eine gefährdete Art kar­tiert, von

        denen 2 nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt sind.

2.2  Fauna

        Vögel

        Nach der Roten Liste der in Baden‑Württemberg gefährdeten Vogelarten sind im

        Gebiet Langensee 3 beobachtete Arten vom Aussterben bedroht, 6 Arten sind in

        ihrem Bestand stark ge­fährdet, 2 gefährdet und 2 potentiell gefähr­det.

        Im Gebiet Kreuzweiher wurden neben den hier ebenfalls beob­achteten Arten in der

        60er Jahren zusätzlich noch eine inzwi­schen verschollene Art, 4 vom Aussterben

        bedrohte Arten, 3 stark gefährdete Arten und eine gefährdete Art beobachtet.

        Von den Brutvögeln im Gebiet sind 12 Arten besonders ge­schützt nach BArtSch­VO,

        eine Art ist zusätzlich als vom Au­sterben bedroht. Ihre Brut­zeiten ertrecken sich von

        März bis August.

        Schmetterlinge

        Nach der Roten Liste der in Baden‑Württemberg gefährdeten Schmetterlings­arten

        ist im Gebiet Langensee eine vorgefundene Art stark gefährdet und 3 Arten sind

        potentiell gefährdet. Von diesen Tierarten sind 6 nach der Bundesartenschutzver-

        ­ordnung vom Aussterben bedroht.

3.     Bedrohung

        Die geschützte und zum Teil vom Aussterben bedrohte Pflanzen‑ und Tier­welt

        des geplanten Naturschutzgebietes Kreuzweiher­Langensee ist mehreren Gefah­ren

        ausgesetzt:

        Eine Entwässerung, wie sie zum Teil schon in dem Gebiet statt­findet, bedeu­tet

        die Beseitigung der Lebensgrund­lage vieler nur noch selten vorkommender Tier‑

        und Pflanzen­arten, die nur noch an solchen stark vernäßten Standorten leben kön­nen.

        Direkte Nährstoffzufuhr durch Düngung und Beweidung und indi­rekter Eintrag

        von Nährstoffen aus Flächen, die an die schutz­würdigen Teile des Gebietes

        angrenzen, bedeuten eine Verände­rung in der Zusammensetzung des vorhan-

        denen Artenspek­trums. Ein großer Teil von seltenen Pflanzen‑ und der von ihnen

        ab­hängigen Tier­arten würde verschwinden.

        Ebenso ist eine Gefahr i.S. des Naturschutzes die falsche Bewirtschaftung: Mehr-

        maliges Mähen im Jahr läßt einige selte­ne Vertreter der o.g. Pflanzen­gesellschaften

        nicht mehr auf­kommen.

        Die Abnahme der Pflanzenarten aufgrund von Entwässerung, Düngung und

        fal­scher Bewirtschaftung zeigt der Vergleich verschiedener Kartierungen: Bei der

        pflanzensoziologischen Kartierung von Zarybnicki (1982) wurden wesent­lich

        weniger seltene Pflanzen­arten gefunden als bei denen von Bertsch (1938) und

        Goers (1968).

        Durch den Angelbetrieb und das Betreten des Uferbereichs wird der Langensee als

        Brut‑ und Nahrungsraum für Vögel stark entwertet: Rund um den See ver­laufen

        Trampelpfade durch das Röhricht, etwa alle 50 m befindet sich am Ufer ein

        Angler­platz, der zum Teil befestigt ist; an mehreren Stellen des Ufers sind Boote

        gelagert. Dadurch wurde und wird Röhrichtbe­stand als poten­tieller Brut‑ und

        Nahrungsraum für Vögel zer‑ bzw. gestört, da nicht so sehr die Größe, sondern die

        unun­terbrochene zu­sammenhängende Schilf- Wasser‑Grenzlinie sich auf die

        Be­standsdichte der vom Schilf abhängigen Vögel aus­wirkt. Deshalb darf der Angel-

        betrieb zeitlich nur außerhalb des Brutzeitraumes und örtlich nur außerhalb dieses

        Raumes stattfinden. Darüber hinaus wird infolge der Trittbelastung auf den

        Trampelpfaden und den Angelplätzen die dortige Vege­tation geschädigt. Dies

        wiegt umso schwerer, als die Umgebung des Langensees mit seinen naturnahen

        Ufer‑ und Verlandungsbereichen, Bruchwaldelementen, Röhrichtbeständen und

        Riedern, Streuwiesen und Mooren als besonders geschützte Biotope im Sinne

        des § 24a NatSchG einzu­stufen sind. Besonders gravie­rend sind diese Schäden

        südlich des Langen­sees, weil dort die Vegetation ansonsten ungestört ist.

        Eine indirekte Gefahr zeichnet sich zum einen durch den Einsatz von Biozi­den in den

        umliegenden Hopfengärten aus, die über die Luft in das Gebiet eingetragen werden;

        zum anderen durch die Düngung der Flächen, die unmit­telbar an die in das Gebiet

        fließenden Bäche grenzen (hier sollten Gewäs­serschon­streifen ausgewiesen werden,

        in denen keine Pflanzenschutz‑ und Düngemittel eingesetzt werden dürfen).

4.   Schutzzweck

        Im Gebiet Kreuzweiher‑Langensee gilt es, den Bestand stark gefährdeter Pflanzen-

        gesellschaften mit seltenen und zum Teil bedrohten Arten, die ihrerseits Lebens-

        grundlage für zum Teil ebenfalls gefährdete Arten der Fauna sind, zu erhalten.

        Hier­bei handelt es sich vor allem um Vertreter der Kalkflach­moor‑, Streuwiesen‑,

        Schwimmblatt‑ und Röhrichtgesellschaf­ten. Dazu gehört, daß die Gefahren, die

        dem Gebiet drohen, durch Schaf­fung von Pufferzonen und andere Schutz‑ und

        Ent­wicklungsmaßnahmen abgewehrt werden.

        Das Gebiet Kreuzweiher‑Langensee hat durch seine für das württembergische

        Allgäu typische Landschaftsgestalt auch landes­kulturelle Bedeutung. Die Durch-

        führung von Pflegemaßnahmen bedeutet eine ökolo­gische Verbesserung des

        Gebietes.

5.     Pflege‑, Schutz und Entwicklungsmaßnahmen

        Um die Schutzwürdigkeit des Gebietes zu erhalten, müssen be­stimmte Maßnah-

        ­men zur Verbesserung und zur Pflege vorgenommen werden. Für den in der

        Schutzgebietskarte als ökologische Vorrangfläche (I) ausgewiesenen Bereich

        heißt das:

-         Die vorhandenen Drainageanlagen müssen reduziert werden, um den Wasser-

     ­haushalt zu verbessern.

       -   Zum Erhalt der Streuwiesen müssen diese einmal im Jahr gemäht werden. Da

           diese   sich zum Teil nur durch Samen er­neuern, aber auch erst spät zur Samen-

           reife gelangen, soll dies nicht vor dem 1. Oktober geschehen.   

-   Die übrigen Wiesen und die als Pufferzonen gedachten Wiesen sollen höch­stens

    2x/Jahr gemäht werden, da sie so die Ar­tenvielfalt erhöhen bzw. ihre Funktion

    als Pufferzone am besten ausüben können.

-      Für alle Wiesen gilt, daß sie in keiner Form gedüngt werden und daß das Mähgut

            abtransport Werden muß, um eine Nähr­stoffanreicherung zu vermei­den.

        Zum Schutz der Brutvögel darf am Langensee nur noch von dem in der Schutz­-

        gebietskarte eingezeichneten Steg aus und in der eingezeichneten Uferangelzone

        geangelt werden; aus demselben Grund und um die Schwimm­blattgesellschaften zu

        schonen, darf nur noch von 5 Booten aus mit einem Mindest­abstand von 10 m zum

        Röhrichtgürtel ab dem 1. Juli eines Jahres geangelt werden. Die übrigen Stege sind

        zu entfer­nen, und die Trampelpfa­de durch den Röhrichtgürtel und den Erlen-

        bruchwald müssen beseitigt und Regenierungsmaßnahmen müssen vorgenommen

        werden.        

Im Gebiet Kreuzweiher soll langfristig wegen des Eintrages von Bioziden, die die wertvollen

Bereiche gefährden, die Nutzung des Grund­stücks 2623 als Hopfengarten eingestellt werden.

Der Fichten­bestand im Südteil soll in einen stand­ortgerechten Waldtrauf umgewandelt werden.

        Detaillierte Angaben zur Pflege können den von der BNL Tübin­gen erarbeite­ten

        Pflegeplänen zum Gebiet Kreuzweiher und zum Gebiet Langensee entnommen

        werden (1984).

6.     Zusammenfassung

        Bei dem Naturschutzgebiet Kreuzweiher‑Langensee handelt es sich um einen

        Weiher und einen See mit jeweils ausgebildetem Verlandungsgürtel, umliegen­den

        Moorflächen in verschiedenster Ausprägung, Streu‑, Feucht‑ und Futter­wiesen

        und Baumbestände unterschiedlichster Art.

        Es ist Lebensraum seltener Pflanzenarten, welche  ihrerseits die Lebens­grundlage

        zum Teil gefährdeter Tierarten bilden.

        Von den im Gebiet gefundenen Pflanzen sind nach der Roten Liste der gefähr­deten

        Farne und Blütenpflanzen in Baden‑Würt­temberg 14 vorgefundene Arten in ihrem

        Bestand stark gefähr­det und 26 gefährdet. Von den beobachteten Tieren ist inzwi­-

        schen eine Art verschollen, 7 sind vom Aussterben bedroht, 10 stark gefährdet, 3

        gefährdet und 5 potentiell gefährdet.

        Bedrohung besteht durch Entwässerung, Eutrophierung, falsche Bewirtschaf­tung

        und intensive Fischerei mit ihren Begleiter­scheinungen.

        Ohne Unterschutzstellung und Pflege besteht die Gefahr, daß dieser Lebens­raum

        vernichtet wird. Daher verdient das Gebiet Kreuzweiher‑Langensee den Schutz-

        status eines Naturschutzge­bie­tes.

7. Literatur

        Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Um­weltfragen

                             (1984): Feuchtgebiete.

        Bertsch, K. (1938): Der Langensee, Der Kreuzweiher bei Wild­poltsweiler, Das 

                             Ried von Unterlangensee (unveröffentlichte Abschriften von

                             Gutach­ten, Tübingen BNL).

       Bezzel, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas 1 und 2, Wiesbaden.

        BNL Tübingen (1984): Pflegeplan Kreuzweiher, Pflegeplan Lang­e­nsee.

        Blab, J. (1989): Grundlagen des Biotopschutzes für Tiere.

        Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit 1989): Bundesarten-

                             (schutzverordnung.

        Ellenberg, H. (1974): Zeigerwerte der Gefäßpflanzen Mitteleu­ropas.

        Goers, S. (1969): Die Vegetation des LSG Kreuzweiher im würt­tembergischen

                             Allgäu. Veröff. Naturschutz Landschafts­pflege Bad.Württ. 37, 1‑61.

        Hölzinger, J. (1987):  Die Vögel Baden‑Württembergs 1, Teil 1 und 2.

        Kaule, G. (1986): Arten und Biotopschutz.

        Landesanstalt für Umweltschutz Baden‑Württemberg (1985): Biotop-

                             ­kartierung Baden‑Württemberg Biotop‑Nr. 8324 01 00.

        Landesanstalt für Umweltschutz Baden‑Württemberg (1989): Arten‑

                             und Biotopschutzprogramm Baden‑Württemberg Band 1, Rote

                             Listen der gefährdeten Tiere und Pflanzen Baden‑Württembergs.

        Landratsamt Bodenseekreis Umweltschutzamt (1982): Erhebungs­bogen Feucht-

                             ­gebiete im Bodenseekreis Gemeinde Neukirch Nr. 150 000 06.

        Zarybnicky, A. (1982) Das geplante NSG Langensee (Auftragsarbeit BNL Tübingen).

Bearbeiter: Andreas Simon

Tübingen, den 22.10.93

Heyd


Rote Liste‑ Arten im NSG Kreuzweiher‑Langense

1.   Fauna

      Vögel

        ‑ vom Aussterben bedroht:

          Circus pygargus               ‑ Wiesenweihe

          Gallinago gallinago           ‑ Bekassine

          Ixobrychus minutus         ‑ Zwergdommel

        ‑ stark gefährdet:

          Anas querquedula            ‑ Knäkente

          Aythya ferina                   ‑ Tafelente

          Coturnix coturnix             ‑ Wachtel

          Rallus aquaticus               ‑ Wasserralle        

          Saxicola rubetra              ‑ Braunkehlchen

          Scolopax rusticola           ‑ Waldschnepfe

        ‑ gefährdet:

          Acrocephalus scirpaceus  ‑ Teichrohrsänger

          Ardea cinerea                  ‑ Graureiher

        ‑ potentiell gefährdet:

          Milvus migrans                 ‑ Schwarzmilan

          Podiceps christatus          ‑ Haubentaucher
Nur am Kreuzweiher beobachtete Rote Liste‑Vogelarten (‑1969

        ‑ verschollen:

          Pandion haliaetus             ‑ Fischadler

        ‑ vom Aussterben bedroht:

          Acrocephalus-

          Arundinaceus                   ‑ Drosselrohrsänger

          Botauris stellaris              ‑ Große Rohrdommel

          Numenius arquata           ‑ Großer Brachvogel

          Porza porzana                 ‑ Tüpfelsumpfhuhn

        ‑ stark gefährdet:

          Anas crecca                    ‑ Krickente

          Alcedo atthis                   - Eisvogel

          Netta rufina                     ‑ Kolbenente

        ‑ gefährdet:

          Podiceps ruficollis             ‑ Zwergtaucher

        Schmetterlingsarten:

        ‑ stark gefährdet:

          Maculinea alcon               ‑ Kleiner Moorbläuling

        ‑ potentiell gefährdet:

          Brenthis ino                     ‑ Violetter Silberfalter

          Coenonympha tullia tiphon‑ Großes Wiesenvögelchen

          Euphydryas aurinia           ‑ Skabiosen‑Scheckenfalter
Langensee

2.   Flora

        ‑ stark gefährdet:

          Carex chordorrhiza          ‑ Fadenwurzel‑Segge

          Carex dioica                    ‑ Zweihäusige Segge

         Carex limosa                    - Schlamm-Segge

          Drosera anglica                ‑ Langblättriger Sonnentau (x)

          Gentiana pneumananthe  ‑ Lungen‑Enzian (x)

          Iris sibirica                       ‑ Sibirische Schwertlilie (x)

          Liparis loesellii                  ‑ Torf‑Glanzkraut

          Primula farinosa               ‑ Mehlprimel (x)

          Ranunculus lingua            ‑ Zungenhahnenfuß (x)

        ‑ gefährdet:

          Carex davalliana              ‑ Davalls Segge

          Carex  hostiana               ‑ Saumsegge

          Carex lasiocarpa              ‑ Faden‑Segge 

          Cladium mariscus            ‑ Scheide

          Dactylorhiza incarnata     ‑ Fleischfarbenes Knabenkraut

          Dactylorhiza majalis         ‑ Breitblättriges Knabenkraut

          Dianthus superbus           ‑ Prachtnelke

          Drosera rotundifolia         ‑ Rundblättriger Sonnentau (x)

          Epipactis palustris            ‑ Echte Sumpfwurz

          Eriophorum angustifolium ‑ Schmalblättriges Wollgras

          Eriophorum latifolium       ‑ Breitblättriges Wollgras

          Gentiana asclepiadea       ‑ Schwalbenwurz‑Enzian (x)

          Gentiana verna                ‑ Frühlingsenzian (x)

          Lysimachia thyrsiflora      ‑ Strauß‑Gilbweiderich

          Menyanthes trifoliata       ‑ Fieberklee (x)

          Najas marina                   ‑ Großes Nixenkraut

          Nymphaea alba               ‑ Weiße Seerose (x)

          Parnassia palustris           ‑ Sumpf‑Herzblatt (x)

          Pinguicula vulgaris            ‑ Gewöhnliches Fettkraut (x)

          Potentilla palustris            ‑ Sumpf‑Blutauge

          Rhynchospora alba          ‑ Weiße Schnabelbinse

          Tofieldia calyculata           ‑ Kelch‑Simsenlilie

          Trichophorum alpinum     ‑ Alpen‑Haarsimse

          Utricularia vulgaris            ‑ Gewöhnlicher Wasserschlauch

          Vaccinium oxycoccos       ‑ Gewöhnliche Moosbeere        

          Davon sind nach Bundesartenschutzverordnung 12 Arten beson­ders geschützt (x)

Nur im Gebiet Kreuzweiher gefundene Rote Listen‑Arten:

        ‑ stark gefährdet:

          Lycopodiella inundata       ‑ Moorbärlapp

          Rhynchospora fusca        ‑ Braune Schnabelbinse

          Utricularia minor              ‑ Kleiner Wasserschlauch

          Utricularia intermedia       ‑ Mittlerer Wasserschlauch

        ‑ gefährdet:

          Andromeda polifolia         ‑ Rosmarinheide

Vogelarten im NSG Kreuzweiher‑Langensee

Schutzbedürfnis von Brutvögeln

        Schutzstatus nach BArtSchV:

        §  ‑ besonders geschützt

        Monatsangaben: Brutzeiten

        Circus pygargus                 ‑ Wiesenweihe       §

        Gallinago gallinago             ‑ Bekassine            §        März ‑ Mai

        Ixobrychus minutusd         ‑ Zwergdommel     §§      Mai ‑ Juli

        Anas querquedula              ‑ Knäkente            

        Aythya ferina                     ‑ Tafelente

        Coturnix coturnix               ‑ Wachtel                        Mai ‑ Juli

        Acrocephalus scirpaceus    ‑ Teichrohrsänger   §        Mai ‑ August

        Acrocephalus palustris        ‑ Sumpfrohrsänger §        Mai ‑ Juni

        Saxicola rubetra                ‑ Braunkehlchen     §        Mai ‑ Juni

Podiceps cristatus              ‑ Haubentaucher    §        April ‑ Juni

Scolopax rusticola             ‑ Waldschnepfe

Ardea cinerea                    ‑ Graureiher

Milvus migrans                   ‑ Schwarzmilan      §

Motacilla alba                     ‑ Bachstelze          §        April ‑ Mai

Fulica atra                         ‑ Bläßhuhn                       April ‑ Juni

Emberiza schoeniclus         ‑ Rohrammer         §        April ‑ Mai

Gallinula chloropus             ‑ Teichhuhn            §        April ‑ Juli

Anthus pratensis                ‑ Wiesenpieper       §        April ‑ Mai

        Die angegebenen Bruttermine gelten für die Erstbrut. Darüber hinaus ist zu

        be­ach­ten, daß vor Brutbeginn die störungsempfindliche Phase der Reviersuche

        liegt und daß viele Arten eine Zweitbrut durchführen ‑ sofern sie nicht gestört

        wer­den. Nach Ende der Brut führen Wasservögel noch eine bis zwei Wochen

        ihre Jun­gen, um diese vor Gefahren zu schützen. Störungen in dieser Phase können

        dazu führen, daß die Jungen im Stich gelassen werden und zugrundegehen.

        Daher wäre eine Beruhigung der Uferzone bis in den August zu fordern. Daß

        Angel­fischerei ab 1. Juli möglich ist, ist somit aus Sicht des Vogelschutzes ein

        äußerster Kompromiss.

Tübingen, 22.10.1993

Heyd