4.088 Schächele

 

Würdigung

 

 

Das „Schächele" ist das Quellgebiet der Isnyer Ach, unmittelbar am östlichen Stadtrand von Isny gelegen.

Mehrere Quellseen, teils natürlichen, teils menschlichen Ursprungs sind umgeben von großflächigen bunten und artenreichen Streuwiesen, die noch vor einigen Jahren regelmäßig gemäht wurden.

Sie werden vor allem gebildet von einer Kalkflachmoorgesellschaft, dem Caricetum davallinae mit standortbedingten Übergängen zur Enzian-Pfeifengraswiese, dem Gentiano-Molinietum.

Beide Streuwiesengesellschaften zeichnen sich durch besonderen floristischen Reichtum aus.

Besonders zu nennen ist der Sumpfstendel (Epipactis palustris), der bei regelmäßiger Mahd im „Schächele" besonders reiche Bestände bildet.

Weiter kommen an geschützten Arten vor

der Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea), in Einzelexemplaren der Frühlings-Enzian (Gentiana verna), die Mehlprimel (Primula farinosa), die Simsenlilie (Tofieldia calyculata), das Fettkraut (Pinguicula vulgaris) und andere.

Wenn die Mahd unterbleibt, stellen sich auf den Flächen des Kalkflachmoores (Caricetum davallianae) üppige Schilf- und auf denjenigen der Enzian-Pfeifengraswiese -optimale Mädesüß-Bestände ein, die durch ihren dichten Wuchs scheinbar die floristisch wertvollen Arten zum Verschwinden bringen.

Sobald jedoch die Mahd wieder einsetzt, stellt sich das frühere bunte und artenreiche Vegetationsgefüge der Streuwiesen wieder ein.

Bei Düngung gehen beide Streuwiesengesellschaften in standörtlich verschiedene Ausbildungen der Sumpfdotterblumenwiese (Calthion) über.

Im Gebiet sind randlich Ansätze zu sochen Ausbildungen zu beobachten.

Die größte vegetationskundliche und floristische Kostbarkeit des „Schächele" ist jedoch die Gesellschaft des Löffelkrautes (Cochlearia officinalis ssp. alpina = C. pyrenaica), das Cratoneuro-cochlearietum, eine seltene subarktische Reliktgesellschaft, die nur noch an wenigen Orten im Jungmoränengebiet Oberschwabens den Rand von Quellbächen oder Quellgräben besiedelt.

Nur selten ist diese Gesellschaft so optimal ausgebildet wie hier im „Schächele", der nächste im Rottal bei Unterzell liegende Wuchsort ist durch Meliorationsmaßnahmen leider vernichtet worden.

Die übrigen im weiteren Bodenseegebiet weit verstreuten Vorkommen sind meist nur sehr fragmentarisch ausgebildet und außerdem in fast allen Fällen in ihrem Bastand stark gefährdet.

Somit ist der Wuchsort der Löffelkrautgesellschaft im „Schächele" der einzige, an dem diese in ihrer vollständigen Artenzusammensetzung erhalten geblieben ist.

Ihr Wuchsort wird von kaltem, sehr kalkhaltigem und sauerstoffreichem Quellwasser durchsickert.

Der Boden ist ein nährstoffreicher, kalkhaltiger Nassgley aus feinsandigem Lehm.

Die Quellbachränder unmittelbar am oder direkt über dem Wasserspiegel werden von der typischen Ausbildung besiedelt, während sich etwas höher oder manchmal auf dem Aushub der gereinigten Gräben die trockenere Ausbildung mit dem Huflattich (Tussilago farfara) einfindet.

Zusammenfassend muß festgestellt werden, daß das „Schächele" noch heute das für ein breitflächiges Quellgebiet typische Vegetationsgefüge extensiver Wiesengesellschaften (Streuwiesen) zeigt.

Hervorzuheben ist als besondere Kostbarkeit die am Rande der Quellbäche siedelnde Gesellschaft des Löffelkrautes, einer subarktischen Reliktgesellschaft, die heute nur noch ganz selten und dann meist nur sehr unvollständig ausgebildet in Baden-Württemberg vorkommt.

Bedingt durch die optimalen Standortverhältnisse im „Schächele" ist die Löffelkrautgesellschaft in selten vollständiger Artenverbindung noch erhalten.

Um dieses typische Beispiel eines Vegetationskomplexes aus einem Quellgebiet zu erhalten, wird empfohlen, das „Schächele" als Naturschutzgebiet auszuweisen.

 

 

 

Von Frau Dr. Görs.

 

handschriftlich übermittelt.

 

 

Institut für Ökologie und Naturschutz am 10.11.1975