4.091 Schand

 

Würdigung

 

 

des geplanten Naturschutzgebietes „Brühlwiesen" bei Untersulmetingen, Landkreis Biberach

 

Das geplante Naturschutzgebiet „Brühlwiesen" <heute: „Schand“> liegt im Bereich der Ingerkinger Moore im Landkreis Biberach.

Im Bereich einer abflußlosen Senke hat sich ein Niedermoor aus Seggen- und Braunmoostorfen gebildet.

Schlickreiche Ablagerungen über der Unteren Süßwassermolasse verhinderten eine Entwässerung des Gebietes durch unterirdischen Abfluß.

Diese Niedermoorflächen wurden landwirtschaftlich nur extensiv genutzt, wobei in den letzten Jahren das Interesse an der Nutzung immer mehr nachließ.

Deshalb konnte im Flurbereinigungsverfahren Untersulmetingen diese Fläche ausgegrenzt und in Landeseigentum überführt werden.

Im Flurbereinigungsverfahren wurde ein flacher See angelegt, beim Aufstau der Wasserfläche wurden verlandete Torfstiche und Gebüsche zum Teil wieder überflutet und in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.

Der Wasserhaushalt konnte dadurch nachhaltig verbessert werden.

Im randlichen Bereich des Naturschutzgebietes werden die Wiesen zur Streugewinnung genutzt, teilweise sind auch nasse Futterwiesen vorhanden.

In diesem kleingeteilten Mosaik konnte sich eine ganze Reihe geschützter Tier- und Pflanzenarten ansiedeln.

Aufgrund einer Untersuchung aus den Jahren 1978 und 1979 können folgende geschützte Pflanzenarten angegeben werden:

Große Händelwurz, Großes Zweiblatt, Breitblättriges Knabenkraut, Große Schlüsselblume (teilweise geschützt), Echte Schlüsselblume (teilweise geschützt), Mehlprimel, Schwertlilie (Sammelverbot), Trollblume (Sammelverbot).

Zusätzlich kommen zahlreiche seltene und auf Feuchtflächen angewiesene Pflanzenarten im Gebiet vor.

Als Brutvögel konnten nachgewiesen werden:

Dorngrasmücke, Neuntöter, Schafstelze, Teichrohrsänger und Wasserralle.

Bis auf die Dorngrasmücke sind die genannten Brutvögel in Baden-Württemberg stark gefährdet oder gefährdet.

Eine ganze Reihe in Baden-Württemberg ausgestorbener bzw. vom Aussterben bedrohte Vogelarten ziehen regelmäßig durch dieses Gebiet hindurch.

Beobachtet wurden folgende Vögel dieser Kategorie:

Fischadler, Flußuferläufer, Großer Brachvogel, Kornweihe, Rohrweihe, Weißstorch, Wiesenweihe.

Stark gefährdete bzw. gefährdete durchziehende Vogelarten sind:

Baumfalke, Bekassine, Blaukehlchen, Braunkehlchen, Knäckente, Neuntöter, Roter Milan, Wendehals, Wiedehopf.

Der Graureiher und der Sperber besuchen dieses Gebiet regelmäßig zur Nahrungsaufnahme.

Die bislang genannten Vogelarten sind in den verschiedenen Gefährdungskategorien eingeordnet.

Zusätzlich brüten in dem Gebiet 23 weitere Vogelarten.

18 weitere Arten ziehen regelmäßig durch und

6 weitere Vogelarten haben ihr Nahrungsrevier in diesem Niedermoor.

Zusätzlich sind 23 Vogelarten gelegentlich Gäste in dem Bereich, hier seien insbesondere der Pirol, die Saatkrähe und die Sumpfmeise genannt.

Zur Biotopgestaltung und Pflege des geplanten Naturschutzgebietes ist vorgesehen, die Streuwiesen in unregelmäßigem Abstand (ca. 2-3 Jahre) im Herbst, bzw. Frühjahr zu mähen und das Material zu entfernen.

Diese Arbeiten können vom Deutschen Bund für Vogelschutz in Laupheim übernommen werden.

Im Jahr 1979 wurden diese Flächen erstmalig im privaten Einsatz gemäht und abgeräumt.

Weiter ist geplant, einen Flachwassersee und einige Kleinsttümpel für Wasservögel und Amphibien anzulegen.

Dafür erscheint das Flurstück 1950/1 <neu: 575> im Norden des Naturschutzgebiets geeignet.

Hier befindet sich eine seither intensiv bewirtschaftete Mähwiese, die keine besonders schützenswerten Pflanzen aufweist.

Durch geeigneten Anschluß an die oberirdischen Gewässer können hier die entsprechenden Wasserflächen geschaffen werden.

Da für dieses Feuchtgebiet der Grundwasserstand von entscheidender Bedeutung ist, muß der Wasserspiegel in der Verordnung zum Naturschutzgebiet verbindlich festgelegt werden.

In letzter Zeit wurden vermehrt Veränderungen an der Staustufe festgestellt.

Zusätzlich ist es notwendig, das Betreten des Gebiets einzuschränken.

 

 

 

Dr. Klepser

 

 

Tübingen, 29.1.1980