4.095 Oberes Steinach

 

Würdigung

 

 

zum Naturschutzgebiet „Baggersee Oberes Steinach"

 

Der Baggersee ist in einer überaus weiten, rund 23 qkm großen Talebene des Neckars zwischen Spitzberg und Rammert geographisch äußerst günstig gelegen und ist ganz besonders aus ornithologischer Sicht eindeutig ein überregional einzigartiges Areal.

Die Talweite und die geographische Lage zwischen den Feuchtgebieten des Donauraumes, des Bodenseegebietes und der südbadischen Rheinebene und denen des Nordens spielen eine wichtige Rolle als Leitlinie beim Vogelzug.

So ist es zu erklären, daß dieser See, ebenso wie die benachbarten Wasserflächen, ein über Jahrzehnte regelmäßig aufgesuchter, idealer Biotop als Raststätte für zahlreiche durchziehende Vogelarten geworden ist.

Der See übt gleichsam eine oasenartige Funktion für Durchzügler aus und stellt für heimische Brutvögel, darunter zahlreiche in der „Roten Liste" vermerkte Arten, Lebensraum und Brutstätte dar, gewissermaßen als ökologische Nische.

Mitentscheidend für die ornithologische Bedeutung ist die im Laufe der Jahre im Bereich mit niedrigen Wasserständen entstandene üppige Vegetation.

Diese findet sich hauptsächlich im nördlichen Uferbereich des Sees und entlang des Hochwasserdammes zum Neckar, zusammen der Kernbereich des Naturschutzgebietes und wird hauptsächlich von folgenden Verlandungszonen mit entsprechender Vegetation charakterisiert:

Ein etwa 10 m breiter und 80 m langer, dichter Schilfgürtel mit Rohrkolbenbeständen, zu dem parallel ein rund 50 m breiter Schilf-Weiden-Biotop verläuft.

Nordwestlich davon befindet sich ein größerer Erlen-Weiden-Aue-Wald mit reichlichem Unterwuchs.

Dieses dichte Beieinander von reiner Wasserfläche, Flachwasserbereichen, Verlandungszonen, Schilfflächen, Auewald und Steilböschungen sind mit verantwortlich für den überaus großen Artenreichtum, wie Bodenbrüter, Parkvögel oder Nischenbrüter.

In intensiven, jahrzehntelangen Beobachtungen hat der Deutsche Bund für Vogelschutz für die Kiesgrube über 180 Vogelarten angeben können.

Hiervon gehören etwa 50 Spezies zu regelmäßig im Gebiet brütenden Arten.

7 Arten davon werden in der „Roten Liste" geführt, wie z.B. Haubentaucher oder Zwergrohrdommel.

Von den etwa 130 verbleibenden Durchzüglern sind mindestens 15 Arten aus der „Roten Liste".

Stellvertretend seien genannt: Nachtreiher, Fischadler, Sumpfohreule und Blaukehlchen.

Das klimatisch und zuggeographisch günstig gelegene Gelände hat in den letzten Jahren schon sehr viel an seiner Bedeutung eingebüßt.

Es ist heute als äußerst eingeengtes Reliktareal zu betrachten, das zudem noch durch die augenblickliche Abbautätigkeit wesentlich behindert und im Sommer durch Badegäste gestört wird.

Die ökologische Einmaligkeit dieses Gebietes und seine zunehmende Bedrohung sollte Grund sein, den Baggersee, der schon einmal als Naturschutzgebiet einstweilig sichergestellt war, möglichst bald endgültig als Naturschutzgebiet auszuweisen.

Nähere Einzelheiten über den Artenbestand der Vogelwelt sind den unten angegebenen Arbeiten zu entnehmen.

 

Literatur

KRATZER, R. & H. STOPPER, D. WEIZSÄCKER(1975): Das Neckartal zwischen Rottenburg und Tübingen mit seinen Randgebieten.

KROYMANN, B. (1968): Gutachten über die ökologische Bedeutung der alten Queck’schen Kiesgrube.

STOPPER, H. (1969): Die Vogelwelt des Queck’schen Baggerseegebietes bei Kiebingen.

BUCHMANN, H. & W. BINDER (1976): Gestaltung des Neckartalraumes und Erhaltung der Seen von Neckartenzlingen bis Rottenburg.

 

 

 

Schedler

 

 

Tübingen, den 20.3.1980