1.15.088 Grafenau

Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Grafenau" vom 18.10.1995 (Amtsblatt Grafenau v. 30.11.1995).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), zuletzt geändert durch Gesetz vom 07.02.1994 (GBl. S. 73) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Grafenau mit den Gemarkungen Döffingen und Dätzingen werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Landschaftsschutzgebiet Grafenau".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rd. 322 ha.

(2) Das Schutzgebiet besteht aus 4 Teilgebieten. Es umfaßt nach dem Stand vom 18. Oktober 1995 folgende Landschaftsteile:

1.            Im Teilgebiet I:
Die südlich von Döffingen gelegene streuobstbestandene Waldwiese im Gewann "Baumberg".

2.            Im Teilgebiet II:
Die Schwippe-Talaue mit Einhängen von der Markungsgrenze zu Sindelfingen-Darmsheim bis zur Markungsgrenze von Weil der Stadt-Schafhausen mit den Gewannen "Breitwiesen", "Zurkwasser", "Neue Graben", "Wannen", "Happen", "Gartenwiesen", "Nonnenäcker", "Waldäcker", "Brühl", "Hanfberg", schließlich der angrenzenden Talhänge und Hochflächen mit den Gewannen ”Obere Straße", "Täle", "Hamberg' ,"Holzberg", "Tälesberg" und "Wiedberg".

3.            Im Teilgebiet III:
Die nördlich von Döffingen gelegenen Gewanne "Allmend", "Langer Berg" und "Erschel".

4.            Im Teilgebiet IV:
Landschaftsteile westlich von Dätzingen zwischen der Markungsgrenze zu Ostelsheim im Westen, dem Gewann Kuhwald im Süden und dem Naturschutzgebiet Hacksberg/Steckental im Norden. Im einzelnen umfaßt das Teilgebiet folgende Gewanne: "Neuland", "Am Weilemer Weg", "Hacksberg", "Ostelsheimer Tal", "Langenäcker", "Häslach", "Ameisenhalde", "Wolfentäle", "Fürschel", "Brühl", "Langental", "Rot", "Teufelsgrund", "Am Emezer Weg", "Ochsenstraße", "Füllesäcker", "Schecken­häule", "Obere Füttere", "Untere Füttere", "Schimmeläcker", "Beim Hohlsteigle", "Axthalde" und "Sol".

 (3) Die Grenzen des Schutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in 3 Detailkarten im Maßstab 1 : 5 000 des Landratsamtes Böblingen vom 18.10.1995 mit durchgezogener grüner, grau hinterlegter Linie eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Böblingen als Untere Naturschutzbehörde in 71034 Böblingen, Parkstr. 16, und bei der Gemeinde Grafenau, Wittumstr. 1 in 71120 Grafenau-Döffingen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

 (4) Unberührt bleiben die Bestimmungen der Naturdenkmalverordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutz von Naturdenkmalen auf der Gemarkung der Gemeinde Grafenau vom 23.01.1992.

§ 3 Schutzzweck

(1) Schutzzweck ist die Erhaltung und Sicherung des ursprünglichen Charakters einer vielgestaltigen Kulturlandschaft in ihrer Funktion für den Naturhaushalt, als Lebensraum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, insbesondere auch als deren genetisches Reservoir und als größerer, zusammenhängender Erholungsraum. Das Landschaftsschutzgebiet soll vor störenden und beeinträchtigenden Veränderungen bewahrt werden.

 (2) In den Teilgebieten gilt insbesondere:

5.            Teilgebiet I:
Erhaltung der landschaftsprägenden Streuobstbestände und Grünlandflächen sowie Sicherung dieses charakteristischen Landschaftsteils. Schutz vor Zersiedelung.

6.            Teilgebiet II:
Offenhaltung und Erhaltung der Talauen mit bachbegleitenden Gehölzsäumen und hohem Grünlandanteil. Sicherung und Entwicklung der angrenzenden charakteristischen Heckengäulandschaft mit ausgeprägten Magerrasen, Wacholderheiden, Feldgehölzen, Hecken, Waldflächen, Steinriegeln sowie Streuobstbeständen. Schutz vor weiterer Zersiedlung.

7.            Teilgebiet III:
Sicherung und Erhaltung des reizvollen, reichhaltig strukturierten Talzugs mit Feldgehölzen, Hecken, Waldsäumen und Magerrasen mit wertvollen Pflanzengesellschaften. Schutz vor Zersiedelung.

8.            Teilgebiet IV:
Erhaltung der typischen Heckengäulandschaft mit Steinriegeln, Hecken, Feldgehölzen und Magerrasen mit wertvollen Pflanzenbeständen sowie der Streuobstwiesen in der reizvoll geschwungenen Hügellandschaft. Schutz vor Zersiedelung.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder die dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

9.            der Naturhaushalt geschädigt,

10.        die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

11.        eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

12.        das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

13.        der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung oder Änderung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen, auch wenn sie einer baurechtlichen Genehmigung oder Anzeige nicht bedürfen;

2.            Errichtung oder Änderung von Mauern, Zäunen oder anderen Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Verändern von ober- und unterirdischen Leitungen aller Art sowie Aufstellen von Masten und Unterstützungen;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise, insbesondere durch Abgrabung, Auffüllung und Aufschüttung;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;

6.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen und Modellfluggeländen, sowie Starten und Landen von Luftfahrzeugen, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle;

9.            Betrieb von Motorsport, von motorgetriebenen Schlitten sowie Betrieb von Maschinen, Geräten und Einrichtungen aller Art, soweit sie lästigen Lärm verursachen;

10.        Aufstellen von Wohnwagen und Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.        Errichtung oder Veränderung von Stegen oder sonstiger wasserbaulicher Einrichtungen;

13.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha, soweit diese Fläche nicht als wesentlicher Landschaftsbestandteil unter den Ziffern 16 und 18 aufgeführt ist;

15.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten, Anpflanzung standortfremder Gehölze oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise.

16.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Hecken, Steinriegel, Feldgehölze, markante Einzelbäume, Gehölz- und Gebüschgruppen, Felsen, Heideflächen und Magerrasen, Ufergehölze, Schilf- und Röhrichtbestände sowie von Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen;

17.        Beseitigung von Streuobstbeständen. ausgenommen die Beseitigung von Einzelbäumen, wenn innerhalb eines Jahres ein hochstämmiger Obstbaum nachgepflanzt wird;

18.        Umwandlung von Grünland in Acker.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 (6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 3 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 3 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 14, 15, 16, 17 und 18;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Bahnanlagen, Wege, Plätze, Gewässer und öffentlichen Ver- und Entsorgungseinrichtungen, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nrn. 16 und 17;

4.            für Schutzzäune an Verkehrswegen und kommunale Loipenspurgeräte;

5.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für das Landschaftsschutzgebiet werden erforderlichenfalls durch Einzelanordnungen festgelegt.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes (NatschG) Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des NatschG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

6.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes i. V. m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

7.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

(2) Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde über Landschaftsschutzgebiete vom 10.10.1974 (Ratberg und Umgebung) für die Gemarkungen Dätzingen und Döffingen außer Kraft.

Böblingen, den 18.10.1995

Dr. Heeb

Landrat