1.15.090 Renningen

Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Renningen" vom 05.02.1996 (Mitteilungsblatt Renningen vom 22.02.1996).

Aufgrund von §§ 22 und 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) in der Fassung vom 29. März 1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Renningen mit den Gemarkungen Renningen und Malmsheim werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Landschaftsschutzgebiet Renningen".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rd. 561 ha.

(2) Das Schutzgebiet besteht aus 8 Teilgebieten (I - VIII). Es umfaßt nach dem Stand vom 05.02.1996 folgende Landschaftsteile:

1.           Im Teilgebiet I:
Offene Tallage mit hohem Grünlandanteil, Streuobstwiesen und einigen Äckern in den Gewannen "Tiefental", "Däppler", "Reute", "Tal", "Fuchsloch" und "Wächtele" auf der Gemarkung Malmsheim nördlich der Ortsbebauung Malmsheim entlang der Straße nach Heimsheim.

2.           Im Teilgebiet II:
Reich strukturierte Heckengäulandschaft mit Hecken, Gebüschen, Steinriegeln, Streuobstwiesen, Grünland und einigen Äckern in den Gewannen "Weilersried", "Vor dem Schönloh", "Kugelbeer", "Gründle", "Schildäcker", "Eichenäcker", "Viehweg", "Mergel", "Beim Merklinger Wald", "Mulde", "Loser", "Mergeläcker", "Nergeläcker", "Schnitzental", "Zeilwasen", "Schelmenäcker", "Heimsheimer Weg" und "Wächtele" auf der Gemarkung Malmsheim nordwestlich der Ortsbebauung Malmsheim.

3.           Im Teilgebiet III:
Offener Talzug des Ränkbaches mit hohem Grünlandanteil und teilweise naturnahem Bachlauf mit bachbegleitenden Gehölzen. Talhänge mit hangparallelen Heckenzügen, Magerrasenflächen, Streuobstwiesen, Grünland, Äckern und kleinflächigen Waldstücken. Lage westlich und südwestlich der Ortsbebauung Malmsheim auf der Gemarkung Malmsheim mit den Gewannen "Ablaß", "Rot", "Zeilwasen", "Blannental", "Weißleder", "Hölderling”, "Allmendstücklen", "Mühlwiesen", "Rankmühle", "Am Mühlgraben", "Himmelreich", "Hinteres Westerfeld", "Am Mühlgrabenweg", "Finsterrain", "Fautsäcker", "Hinter dem Berg", "Lange Hecke" und "Klepperhalde”.

4.           Im Teilgebiet IV:
Typische Heckengäulandschaft mit Magerrasen, Hecken, Steinriegeln, Feldgehölzen, Streuobstwiesen, Grünland wenigen Ackerflächen in den Gewannen "Berg", "Geiß", "Röte", "Steinerne Staffeln", "Galgenberg", "Immenbangert", "Mühlberg" und "Hühneräcker" auf der Gemarkung Malmsheim und im Gewann "Mühlberg" auf der Gemarkung Renningen südlich der Ortsbebauung Malmsheim.

5.           Im Teilgebiet V:
Hochflächen und Hangbereiche mit hohem Streuobst- und Grünlandanteil, vereinzelt eingestreute kleine Waldflächen in den Gewannen "Wollensack", "Halden", "Altheimer Tal", "Mönchslah", "Afhalde", "Uhlich", "Krumme Landerich", "Kindelberg", "Bolzegerten", "Steige", "Berg", "Salhäule", "Mittelwäldle", "Tal" und "Schemeläcker" auf der Gemarkung Renningen, südwestlich und südlich der Ortsbebauung Renningen.

6.           Im Teilgebiet VI:
Feuchte Talsenke des Rankbaches mit Feuchtwiesen, Röhrichtbeständen sowie Äckern in den Gewannen "Nohl" und "Ablass" auf der Gemarkung Renningen süd-südöstlich der Ortsbebauung Renningen östlich an der Straße nach Magstadt.

7.           Im Teilgebiet VII:
Schmales, langgestrecktes Waldtal mit Bachlauf, 2 Teichen und vorwiegend feuchtem Grünland in den Gewannen "Hartwiesen" und "Silbertor" auf der Gemarkung Renningen nördlich der Ortsbebauung Renningen.

8.           Im Teilgebiet VIII:
Verebnungsfläche mit hohem Grünlandanteil, Streuobstwiesen, Gehölzen und einigen Äckern in den Gewannen "Hinteres Zelgle", "Kühtriebäcker", "Spitzäcker" und "Vor der Hart" auf der Gemarkung Renningen nördlich der Ortsbebauung Renningen und nordwestlich an der Eisenbahnlinie nach Leonberg.

 (3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in zwei Flurkartenmontagen im Maßstab 1 : 5 000 des Landratsamtes Böblingen vom 05.02.1996 grün umrandet eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Böblingen als untere Naturschutzbehörde in 71034 Böblingen, Parkstraße 16, und bei der Stadtverwaltung Renningen, Hauptstraße 1, in 71272 Renningen zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

 (4) Unberührt bleiben die Bestimmungen der Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutz von Naturdenkmalen auf dem Gebiet der Stadt Renningen mit den Gemarkungen Renningen und Malmsheim vom 07.10.1992.

§ 3 Schutzzweck

 (1) Schutzzweck ist die Erhaltung, Sicherung und Widerherstellung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Kulturlandschaft in ihrer Funktion für den Naturhaushalt, als Lebensraum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und als Erholungsraum. Das Landschaftsschutzgebiet soll vor störenden und beeinträchtigenden Veränderungen bewahrt werden.

(2) In den Teilgebieten gilt insbesondere:

1.    Im Teilgebiet I:
       Erhaltung der landschaftlich reizvollen offenen Tallage mit hohem Grünlandanteil sowie des schönen Landschaftsbildes der ökologisch wertvollen Streuobstbestände          im Süden des Teilgebietes. Schutz vor Zersiedelung.

2.    Im Teilgebiet II:
       Sicherung des reizvollen und vielfältigen Landschaftsbildes mit ökologisch wertvollen Hecken, Gebüschen, Steinriegeln, Streuobstwiesen und mageren      Grünlandstandorten. Verhinderung einer weiteren Zersiedelung.

3.    Im Teilgebiet III:
       Offenhaltung und Erhaltung der schönen und größtenteils naturnahen Bachaue mit bachbegleitendem Gehölzsaum und hohem Grünlandanteil. Sicherung der         landschaftlich reizvollen Hangbereiche mit ihren ökologisch wertvollen Magerrasenflächen, Heckenzügen, Streuobstwiesen und kleinen Waldbereichen. Schutz vor      Zersiedelung.

4.    Im Teilgebiet IV:
       Erhaltung der landschaftlich reizvollen typischen Heckengäulandschaft mit ökologisch wertvollen Hecken, Steinriegeln, Feldgehölzen, Streuobstwiesen und sehr         wertvollen Magerrasenflächen. Verhinderung einer weiteren Zersiedelung..

5.    Im Teilgebiet V:
       Sicherung der durch Streuobstwiesen und hohem Grünlandanteil geprägten reizvollen Landschaft. Schutz vor weiterer Zersiedelung.

6.    Im Teilgebiet VI:
       Erhalt der landschaftlich ansprechenden offenen Talsenke mit ihren ökologisch wertvollen Feuchtwiesen- und Röhrichtbeständen. Verhinderung einer Zersiedelung.

7.    Im Teilgebiet VII:
       Freihaltung des landschaftlich sehr reizvollen Talzuges mit Bachlauf und größtenteils feuchten Wiesen. Sicherung vor Zersiedelung.

8.    Im Teilgebiet VIII:
       Erhalt der vielgestaltigen schönen Landschaft mit hohem Grünlandanteil, Streuobstwiesen und Gehölzen. Schutz vor weiterer Zersiedelung.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder die dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.    der Naturhaushalt geschädigt,

2.    die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.    eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.    das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

5.    der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.           Errichtung oder Änderung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen,        auch wenn sie einer baurechtlichen Genehmigung oder Anzeige nicht bedürfen;

2.           Errichtung oder Änderung von Mauern, Zäunen oder anderen Einfriedigungen;

3.           Verlegen oder Verändern von ober- und unterirdischen Leitungen aller Art sowie Aufstellen von Masten und Unterstützungen;

4.           Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise, insbesondere durch Abgrabung, Auffüllung und Aufschüttung;

5.           Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;

6.           Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

7.           Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen;

8.           Anlage oder Veränderung von Flugplätzen und Modellfluggeländen, sowie Starten und Landen von Luftfahrzeugen, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle;

9.           Betrieb von Motorsport, von motorgetriebenen Schlitten, sowie Betrieb von Maschinen, Geräten und Einrichtungen aller Art, soweit sie lästigen Lärm verursachen;

10.      Aufstellen von Wohnwagen und Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

11.      Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.      die Errichtung oder Veränderung von Stegen oder Sonstiger wasserbaulicher Einrichtungen;

13.      Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

14.      Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha, soweit diese Fläche nicht als wesentlicher Landschaftsbestandteil unter den Ziffern 16 und 18 aufgeführt      ist;

15.      Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten, Anpflanzungen standortfremder Gehölze oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf         andere Weise;

16.      Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Hecken, Steinriegel, Feldgehölze, markante Einzelbäume, Gehölz- und Gebüschgruppen,         Felsen, Heideflächen und Magerrasen, Ufergehölze, Schilf- und Röhrichtbestände sowie von Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes   beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen;

17.      Beseitigung von Streuobstbeständen, ausgenommen die Beseitigung von Einzelbäumen, wenn innerhalb eines Jahres ein hochstämmiger Obstbaum nachgepflanzt         wird;

18.      die Umwandlung von Grünland in Acker.

 

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der  Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 (6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 3 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 3 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.'

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht

1.     für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nrn. 14, 15, 16, 17 und 18;

2.     für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.     für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Bahnanlagen, Wege, Plätze, Gewässer und öffentlichen Ver- und Entsorgungseinrichtungen, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nrn. 16 und 17;

4.     für Schutzzäune an Verkehrswegen und kommunale Loipenspurgeräte;

5.     für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Schutz- und Pflegemaßnahmen

Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für das Landschaftsschutzgebiet werden erforderlichenfalls durch Einzelanordnungen festgelegt.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes (NatschG) Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des NatschG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.     entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes i. V. m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.     entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung treten die Verordnungen des ehemaligen Landkreises Leonberg über die Landschaftsschutzgebiete "Tiefental" vom 31.10.1964, "Bei der Rankmühle" vom 26.09.1967 und "Nördlich Merklingen" vom 14.11.1968 für das Gebiet der Stadt Renningen mit den Gemarkungen Renningen und Malmsheim außer Kraft.

Böblingen, den 05.02.1996

Dr. Heeb

Landrat