1.15.092 Böblingen

Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Böblingen" vom 02.09.1999 (Mitteilungsbl. Böblingen v. 10.09.1999).

Auf Grund von §§ 22, 58 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 29.03.1995 (GBl. S. 385) wird verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Böblingen mit den Gemarkungen Böblingen und Dagersheim werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Landschaftsschutzgebiet Böblingen".

§ 2 Schutzgegenstand

 (1) Das Landschaftsschutzgebiet hat eine Größe von rd. 241 ha.

 (2) Das Schutzgebiet besteht aus 6 Teilgebieten (I - VI). Es umfasst nach dem Stand vom 17.05.1999 folgende Landschaftsteile:

1.            Im Teilgebiet 1:
Freizugängliches Schwippetal nördlich der K 1073 zwischen Böblingen und Dagersheim mit bachbegleitenden Gehölzen sowie hohem Grünlandanteil in den Gewannen "Butzengraben", "Seele", "Oberes Tal", "Mittleres Tal", Altes Tal" und "Heuweg".

2.            Im Teilgebiet II:
Offene freie Landschaft mit hohem Grünlandanteil sowie Streuobstbeständen im Süden und Südwesten von Dagersheim in den Gewannen "Hodlenburg", "Döffinger Pfad", "Hochberg", "Steigle", "Wäldle", "Rote Länder", "Ober Heide", "Harlanden", "Gründle", "Zwischen Hölzern", "Hagenweg", "Weiden", »Jenseits Lauch", "Holderle", "Diezenbrunnen", "Krumme Landen", "Auchtweide" und "Furt".

3.            Im Teilgebiet III:
Offene Talsenke mit Grünland und Äckern sowie Hangwiese nordwestlich des Waldfriedhofs von Böblingen in den Gewannen "Beim Ehninger Törle" und "Maurener Täle".

4.            Im Teilgebiet IV:
Flache offene Senke mit Seggenried und vorwiegend feuchten Wiesen südlich der Diezenhalde westlich an der B 464 (alt) in den Gewannen "Gutwiesen" und "Reutenen".

5.            Im Teilgebiet V:
Vier kleinere offene Talzüge im Einzugsbereich des Langgrabens; teilweise mit Feuchtwiesen, naturnahem Bachlauf inklusive bachbegleitenden Gehölzen und allgemein hohem Grünlandanteil. Im Bereich des Gewanns "Thomaried" drei größere zusammenhängende Flächen mit Seggenrieden. Taleinhänge der nördlichen Hälfte des Teilgebiets größtenteils mit Streuobstwiesen bestanden bzw. mit kleinem Waldstück. Lage zwischen dem Wasserberg im Norden, dem Zimmerschlag im Osten, dem Waldgebiet im Süden und der B 464 (alt) im Westen in den Gewannen "Thomaried", "Reuental", "Obere Tiergarten", "Wasserberg", "Baumgarten", "Marktbrunnen" und "lm Zelgle".

6.            Im Teilgebiet VI:
Offene freie Landschaft mit feuchtem Grünland südwestlich des Autobahnkreuzes Hulb westlich an der A 81 im Gewann "Schafweide"

 (3) Die Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in zwei Flurkartenmontagen im Maßstab 1 : 5 000 des Landratsamtes Böblingen vom 02.09.1999 grün umrandet eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Landratsamt Böblingen als untere Naturschutzbehörde in 71034 Böblingen, Parkstr. 16, und bei der Stadtverwaltung Böblingen, Marktplatz 16 in 71032 Böblingen, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Sprechzeiten niedergelegt.

 (4) Unberührt bleiben die Bestimmungen der Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde zum Schutz von Naturdenkmalen auf dem Gebiet der Stadt Böblingen mit den Gemarkungen Böblingen und Dagersheim vom 10.11.1992.

§ 3 Schutzzweck

 (1) Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes ist die Erhaltung, Sicherung und Wiederherstellung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Kulturlandschaft in ihrer Funktion für den Naturhaushalt, als Lebensraum der heimischen Tier- und Pflanzenwelt und als Erholungsraum. Das Landschaftsschutzgebiet soll vor störenden und beeinträchtigenden Veränderungen bewahrt werden und ökologische Entwicklungsmöglichkeiten zulassen.

 (2) In den Teilgebieten gilt insbesondere

7.            Teilgebiet I:
Offenhaltung der Bachaue mit bachbegleitenden Gehölzen und hohem Grünlandanteil. Verhinderung einer Zersiedelung.

8.            Teilgebiet II:
Erhaltung der reizvollen offenen Landschaft mit ökologisch wertvollen Streuobstbeständen und ausgedehnten Grünlandflächen. Schutz vor weiterer Zersiedelung, ausgenommen davon sind Gerätehütten die ausschließlich zur Aufbewahrung von Geräten zur extensiven Bewirtschaftung und damit zur Erhaltung der Streuobstwiesen erforderlich sind.

9.            Teilgebiet III:
Freihaltung der offenen Talsenke. Schutz vor Zersiedelung.

10.        Teilgebiet IV:
Offenhaltung und Erhaltung der landschaftlich ansprechenden und ökologisch sehr wertvollen Feuchtwiesen- und Seggenriedflächen. Schutz vor Zersiedelung.

11.        Teilgebiet V:
Sicherung der reizvollen und vielgestaltigen offenen Landschaft mit naturnahem Bachlauf, Feuchtwiesen sowie ökologisch sehr wertvollen Streuobstwiesen und Seggenrieden bei allgemein hohem Gründlandanteil. Schutz vor Zersiedelung.

12.        Teilgebiet VI:
Offenhaltung und Erhaltung der landschaftlich ansprechenden und ökologisch wertvollen Feuchtwiesen. Schutz vor Zersiedelung.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder die dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

13.        der Naturhaushalt geschädigt,

14.        die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

15.        eine im Sinne des § 3 geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

16.        das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

17.        der Naturgenuss oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

 (1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

 (2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

18.        Errichtung oder Änderung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen, auch wenn sie einer baurechtlichen Genehmigung oder Anzeige nicht bedürfen:

19.        Errichtung oder Änderung von Mauern, Zäunen oder anderen Einfriedigungen;

20.        Verlegen oder Verändern von ober- und unterirdischen Leitungen aller Art sowie Aufstellen von Masten und Unterstützungen;

21.        Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise, insbesondere durch Abgrabung, Auffüllung und Aufschüttung;

22.        Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

23.        Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrswegen;

24.        Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen,

25.        Anlage oder Veränderung von Flugplätzen und Modellfluggeländen sowie Starten und Landen von Luftfahrzeugen, insbesondere Luftsportgeräte und Flugmodelle;

26.        Betrieb von Motorsport, von motorgetriebenen Schlitten sowie Betrieb von Maschinen, Geräten und Einrichtungen aller Art, soweit sie lästigen Lärm verursachen;

27.        Aufstellen von Wohnwagen und Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

28.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

29.        die Errichtung oder Veränderung von Stegen oder sonstiger wasserbaulicher Einrichtungen;

30.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

31.        Kahlschlag von Wald auf einer Fläche von mehr als 4 ha, soweit diese Fläche nicht als wesentlicher Landschaftsbestandteil unter den Ziffern 16 und 18 aufgeführt ist;

32.        Neuaufforstungen, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten, Anpflanzungen und standortfremder Gehölze oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

33.        Beseitigung oder Änderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie Hecken, Steinriegel, Feldgehölze, markante Einzelbäume, Gehölz und Gebüschgruppen, Felsen, Heideflächen und Magerrasen, Ufergehölze, Schilf- und Röhrichtbestände sowie von Naturerscheinungen, die zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen;

34.        Beseitigung von Streuobstbeständen, ausgenommen die Beseitigung von Einzelbäumen, wenn innerhalb eines Jahres ein hochstämmiger Obstbaum nachgepflanzt wird;

35.        die Umwandlung von Grünland in Acker.

 (3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, dass die Wirkungen der Handlungen dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

 (4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

 (5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung

bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

 (6) Eine nach Abs. 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von 3 Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als 3 Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

36.        für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsgemäßen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 14, 15, 16, 17 und 18;

37.        für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd und Fischerei;

38.        für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Bahnanlagen, Wege, Plätze, Gewässer und öffentlichen Ver- und Entsorgungseinrichtungen, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 16 und 17;

39.        für Schutzzäune an Verkehrswegen und kommunale Loipenspurgeräte;

40.        für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Schutz- und Pflegernaßnahmen

Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für das Landschaftsschutzgebiet werden erforderlichenfalls durch Einzelanordnungen festgelegt.

§ 8 Befreiungen

Von den Vorschriften dieser Verordnung kann nach § 63 des Naturschutzgesetzes (NatschG) Befreiung erteilt werden.

§ 9 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des NatschG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

41.        entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes i. V. m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

42.        entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 10 Inkrafttreten

 (1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft.

 (2) Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung tritt die Verordnung des Landratsamtes Böblingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Ratberg und Umgebung" vom 10. 10. 1974 für das Gebiet der Stadt Böblingen mit den Gemarkungen Böblingen und Dagersheim außer Kraft.

Böblingen, den 02.09.1999

Dr. Heeb, Landrat.