1.16.006 Weilheim an der Teck auf Gemarkungen Weilheim und Hepsisau

Verordnung des Landratsamtes Esslingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Weilheim an der Teck auf Gemarkungen Weilheim und Hepsisau" vom 23. Januar 1979 (GBl. 1979, S. 113).

Auf Grund der §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes (NatSchG) vom 21. Oktober 1975 (GBl. S. 654), geändert durch das Landeswaldgesetz vom 10. Februar 1976 (GBl. S. 99), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Stadt Weilheim an der Teck werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Weilheim an der Teck auf Gemarkungen Weilheim und Hepsisau".

§ 2 Schutzgegenstand

(1) Das Landschaftsschutzgebiet besteht aus drei Teilen und hat eine Größe von zusammen ca. 1620 ha (Teil I ca. 73 ha; Teil II ca. 501 ha; Teil III ca. 1046 ha).

(2) Es umfaßt nach dem Stand vom Januar 1979 im wesentlichen die Braunjura-Vorbergzone und den Weißjurasteilabfall beiderseits des Lindachtals auf den Gemarkungen Weilheim an der Teck und Hepsisau. Ausgenommen sind die Talaue der Lindach und des Zipfelbaches, die Flächen nördlich und westlich der Limburg, nordwestlich der Straße Weilheim-Aichelberg (L 1215) und der Reutenberg.

Im einzelnen handelt es sich um folgende Landschaftsteile:

·               Teil I (73 ha)
der Egelsberg mit seiner unmittelbaren Umgebung. Der Bereich wird im Westen durch die Gemarkung Nabern der Stadt Kirchheim unter Teck begrenzt.

·               Teil II (501 ha)
der Bergkegel der Limburg sowie die sich nach Süden anschließende Hügelzone einschließlich des Steilanstiegs bis zur Oberkante des Albtraufs auf Gemarkung Hepsisau. Es handelt sich um den westlichen Gemarkungsteil von Weilheim und den nördlichen, westlichen und südlichen Gemarkungsteil von Hepsisau, teilweise begrenzt durch die Markungsgrenzen zu Bissingen, Ochsenwang und Neidlingen.

·               Teil III (1046 ha)
die Hänge östlich der Lindachaue einschließlich des Steilanstiegs bis zur Oberkante des Albtraufs mit Ausnahme der Siedlungsbereiche der Teilorte Herzogenau, Häringen und Pfundhardt. Dieser Bereich wird im Norden und Osten durch die Grenze zum Landkreis Göppingen und im Süden durch die Markungsgrenze zu Neidlingen begrenzt.

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 (3) Die genauen Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25 000 und in 24 Flurkarten im Maßstab 1 : 2 500 schwarz eingetragen. Die Verordnung mit Karten wird bei der unteren Naturschutzbehörde verwahrt und kann während der üblichen Sprechzeiten eingesehen werden.

§ 3 Schutzzweck

Wesentlicher Schutzzweck ist die Erhaltung der Vielfalt, Eigenart und Schönheit der teils bewaldeten und landschaftlich reich gegliederten Hügelzone im Vorland und im Bereich des Steilanstiegs der Schwäbischen Alb. Die Limburg und der Egelsberg, die vulkanischen Ursprungs sind, bedürfen auch im Hinblick auf den ornithologisch (vogelkundlich) wertvollen Bestand des besonderen Schutzes. Darüber hinaus ist die Erhaltung als ökologisches Ausgleichs- und als Erholungsgebiet in der Nähe des Verdichtungsraumes Stuttgart von Bedeutung.

§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

1.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

2.            das Landschaftsbild nachteilig geändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtigt oder

3.            der Naturgenuß oder der Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen, Vornahme von Bohrungen oder die Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstücks erforderlich sind;

6.            Anlagen oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrsanlagen;

7.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen, sowie der Betrieb von Motorsport und von motorgetriebenen Schlitten;

8.            Anlage oder Veränderung von Flugplätzen;

9.            Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze und das mehrtägige Zelten oder Abstellen von Kraftfahrzeugen;

10.        Die Errichtung von Stegen;

11.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

12.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

13.        Kahlschlag von Wald auf einer Forstung, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

14.        Neuaufforstung, Umwandlungen von Wald, Anlage von Kleingärten oder die wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

15.        Beseitigung oder Veränderung von Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen, Felsen und ähnlichen Naturerscheinungen soweit diese zur Zierde und Belebung des Landschaftsbildes beitragen oder im Interesse der Tierwelt Erhaltung verdienen und daher wesentliche Bestandteile der Landschaft darstellen.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet und widerruflich erteilt werden, wenn dadurch die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen. Zur Sicherstellung der Erfüllung der Auflagen kann Sicherheitsleistung verlangt werden.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen mit der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

(6) Eine nach Absatz 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von zwei Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als zwei Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke;

2.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

3.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 15;

4.            für behördlich angeordnete oder zugelassene Beschilderungen.

§ 7 Befreiungen

(1) Liegen die Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis nicht vor, so kann die untere Naturschutzbehörde von den Vorschriften dieser Verordnung nach § 63 Naturschutzgesetz Befreiung erteilen.

(2) Die Befreiung bedarf bei folgenden Handlungen der Zustimmung der höheren Naturschutzbehörde:

1.            Abbau von Bodenbestandteilen;

2.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung, von Anlagen, die als solche gelten oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen;

3.            Verlegung oder wesentliche Änderung der  Fläche von mehr als 4 ha;

4.            Anlage oder wesentliche Änderung von Verkehrsanlagen;

5.            Veränderungen in oder an einem Gewässer;

6.            Beseitigung oder Veränderung von Hecken, Gebüschen und Feldgehölzen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 des Naturschutzgesetzes handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 des Naturschutzgesetzes in Verbindung mit § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

(1) Diese Verordnung tritt am Tage nach ihrer Verkündung in Kraft. Alle in früheren Landschaftsschutzverordnungen enthaltenen Regelungen treten außer Kraft, soweit der Geltungsbereich dieses Schutzgebietes betroffen wird und sie im Widerspruch zu dieser Schutzverordnung stehen.

(2) Insbesondere treten außer Kraft:

·               a) die Verordnung des Landratsamtes Nürtingen zum Schutze der Sommerschafweiden als Landschaftsteile im Kreis Nürtingen vom 24. April 1939, soweit sie das in § 2 näher beschriebene Gebiet umfaßt;

·               b) die Verordnung des Kultusministers zum Schutze von Landschaftsbestandteilen und Landschaftsteilen entlang der Reichsautobahn Stuttgart-München in den Landkreisen Esslingen, Nürtingen, Göppingen und Ulm vom 12. August 1940 (Teckbote vom 21. August 1940 Nr. 195), soweit sie das in § 2 näher beschriebene Gebiet umfaßt;

·               c) die Verordnung des Landratsamtes Nürtingen zum Schutze der Landschaftsbestandteile und Landschaftsteile im Landkreis Nürtingen vom 22. Oktober 1942 (Nürtinger Tagblatt Nr. 251 vom 26. Oktober 1942), soweit sie das in § 2 näher beschriebene Gebiet umfaßt;

·               d) die Verordnung des Landratsamtes Nürtingen über den Schutz des Landschaftsteils "Egelsberg" vom 29. Juni 1970 (Amtsblatt für den Landkreis Nürtingen vom 1. Juli 1970) in der Fassung vom 30. November 1970 (Amtsblatt für den Landkreis Nürtingen vom 23. Dezember 1971).

Esslingen am Neckar, den 23. Januar 1979

Dr. Braun

Änderungen:

Durch VO vom 10.08.1982 (NSG 1.29 "Randecker Maar mit Zipfelbachschlucht") Fläche um 22 ha verringert.

Durch VO vom 21.12.1990 (NSG 1.177 "Limburg") Fläche um 162 ha verringert.

Durch VO vom 08.05.1998 (NSG 1.230 "Kurzer Wasen - Roter Wasen ") Fläche um 29 ha verringert.