1.16.046 Landschaftsteile entlang der Autobahn: Neckaraue

Sammelverordnung für die LSG Nr. 1.16.046 und Nr. 1.17.040

Verordnung zum Schutze von Landschaftsbestandteilen und Landschaftsteilen entlang der Reichsautobahn Stuttgart-München in den Landkreisen Esslingen, Nürtingen, Göppingen und Ulm (Reg. Anz. f. Württ. v. 06.09.1940, Amtsbl. f. Stadt und Landkreis Ulm v. 19.08.1940).

Auf Grund der §§ 5 und 19 des Reichsnaturschutzgesetzes vom 26. Juni 1935 (RGBl. I S. 821) in der Fassung des Zweiten Ergänzungsgesetzes vom 1. Dezember 1936 (RGBl. I S. 1001) sowie des § 13 der Durchführungsverordnung vom 31. Oktober 1935 (RGBl. I S. 1275) wird von der höheren Naturschutzbehörde in Stuttgart für den Bereich der Kreise Esslingen, Nürtingen, Göppingen und Ulm folgendes verordnet:

§ 1

Die in den Landschaftsschutzkarten bei den unteren Naturschutzbehörden in Esslingen, Nürtingen, Göppingen und Ulm (Landrat) eingetragenen mit roter Farbe bezeichneten Landschaftsbestandteile und durch rote Umrahmung kenntlich gemachten Landschaftsteile (ohne die geschlossenen Ortsgebiete) entlang der Reichsautobahn Stuttgart-München werden in dem Umfange, der sich aus der Eintragung in die Landschaftsschutzkarten ergibt, mit dem Tage der Bekanntgabe dieser Verordnung dem Schutz des Reichsnaturschutzgesetzes unterstellt.

§ 2

(1) Es ist verboten, die in den Landschaftsschutzkarten mit roter Farbe eingetragenen Landschaftsbestandteile zu verändern, zu beschädigen oder zu beseitigen. Ferner ist verboten, innerhalb der in den Landschaftsschutzkarten durch besondere rote Umrahmung kenntlich gemachten Landschaftsteile Veränderungen vorzunehmen, die geeignet sind, die Natur zu schädigen, den Naturgenuß zu beeinträchtigen oder das Landschaftsbild zu verunstalten.

(2) Im besonderen ist untersagt:

·               a) die Anlage von Steinbrüchen, Sand- und Kiesgruben;

·               b) die Erstellung von Bauwerken jeglicher Art, von Verkaufsbuden, Wochenendhäusern sowie von Drahtleitungen;

·               c) die Anlage von Müll- und Schuttplätzen;

·               d) das Zelten auf anderen als hierfür ausdrücklich bezeichneten Plätzen;

·               e) das Anbringen von Inschriften, Plakaten und Schildern, soweit sie nicht auf den Landschaftsschutz hinweisen oder der Verkehrsbezeichnung dienen;

·               f) die Rodung und der Kahlschlag von Gehölzen, Bäumen und Hecken innerhalb der offenen Landschaft;

·               g)  das Landschaftsbild störende Aufforstungen von Äckern, Wiesen und Weiden, sowie Kahlschläge mit geraden Grenzlinien und sonstige das Landschaftsbild beeinträchtigende forstliche Maßnahmen.

(3) Verunstaltungen sind zu beseitigen, wenn dies den Betroffenen zuzumuten und ohne größere Aufwendungen möglich ist.

§ 3

Unberührt bleiben:

(1) die wirtschaftliche Nutzung der Gärten, Äcker, Wiesen, Weiden und Wälder sowie die Ausübung der Jagd und Fischerei, sofern sie dem Zweck dieser Verordnung nicht widersprechen;

(2) die Veränderungen auf den innerhalb der geschützten Landschaftsteile liegenden Flächen, für die ein genehmigter Ortsbauplan vorliegt oder die von geschlossenen Siedlungen eingenommen werden;

(3) der Schutz der nach dem 2. Gesetz zur Änderung des Gesetzes über die Errichtung eines Unternehmens "Reichsautobahnen" vom 14. Mai 1936 (RGBl. I S. 440) als Schutzwaldungen geltenden 40 m breiten Waldstreifen entlang der Kraftfahrbahnen, für deren Bewirtschaftung die Forstaufsichtsbehörde im Einverständnis mit der Gesellschaft Reichsautobahnen besondere Weisungen gibt.

§ 4

Ausnahmen von den Vorschriften im § 2 können von mir in besonderen Fällen zugelassen werden.

§ 5

Wer den Bestimmungen des § 2 zuwiderhandelt, wird nach den §§ 21 und 22 des Reichsnaturschutzgesetzes und dem § 16 der Durchführungsverordnung bestraft.

§ 6

Diese Verordnung tritt mit ihrer Bekanntgabe im Regierungsanzeiger für Württemberg in Kraft. Sie wird auch in den Amtsblättern der Kreise Esslingen, Nürtingen, Göppingen und Ulm bekanntgegeben.

Stuttgart, den 12. August 1940

Der Kultminister

als höhere Naturschutzbehörde:

(gez.) Mergenthaler

Änderungen:

VO vom 16.08.1972 - siehe unter Nr. 1.8.42.

VO vom 07.05.1982 - siehe unter Nr. 1.8.30.