1.16.071 Köngen

Verordnung des Landratsamtes Esslingen als untere Naturschutzbehörde über das Landschaftsschutzgebiet "Köngen" vom 26. März 1987 (Esslinger Zeitung vom 12.04.1987).

Aufgrund von §§ 22, 58 Abs. 3 und 4 und 64 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes zum Schutze der Natur, zur Pflege der Landschaft und über die Erholungsvorsorge in der freien Landschaft (Naturschutzgesetz - NatSchG -) vom 21.10.1975 (GBl. S. 654), wird mit Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde verordnet:

§ 1 Erklärung zum Schutzgebiet

Die in § 2 näher bezeichneten Flächen auf dem Gebiet der Gemeinde Köngen werden zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.

Das Landschaftsschutzgebiet führt die Bezeichnung "Köngen".

§ 2 Schutzgegenstand

I. Das Landschaftsschutzgebiet besteht aus 4 Teilen (I-IV) und hat insgesamt eine Größe von rund 132 ha.

·               Es umfaßt nach dem Stand vom September 1986 im wesentlichen noch vorhandene Streuobstwiesen und Wiesen, aber auch - insbesondere im Teil IV - verschiedene Waldformen, Hecken und Feuchtgebiete.

II. Teil I

·               (1)Teil I des Landschaftsschutzgebietes "Köngen" hat eine Größe von rund 15 ha und liegt im Nordwesten von Köngen am Rand des Riedwaldes.

·               (2)Im Teil I befinden sich zum Teil oder ganz die Gewanne: Vor dem Ried, Steinriegel und Lailenberg.

·               (3)Im einzelnen ergibt sich die Abgrenzung des Teiles I durch folgende innerhalb des Landschaftsschutzgebietes liegende Flurstücke, die Gemarkungsgrenze gegen Denkendorf und teilweise innerhalb bzw. außerhalb liegende Feldwege (FW).
Beginnend am westlichsten Grenzpunkt bei Flst. Nr. 7448 durch die Gemarkungsgrenze gegen Denkendorf in nordöstlicher Richtung, die FW Nrn. 7600, 7787, 8834 (jeweils innenliegend) , den außerhalb liegenden FW Nr. 7629, das Flst. Nr. 7780, die FW Nrn. 7787, 7619 (beide innenliegend) , den FW Nr. 7629 (außenliegend) , das Flst. Nr. 7480, die außerhalb liegenden FW Nrn. 7466 und 6582 sowie den FW Nr. 6583 (außenliegend) , der entlang der Denkendorfer Straße (L 1200) verläuft.

III. Teil II

·               (1)Teil II des Landschaftsschutzgebietes "Köngen" liegt westlich von Köngen und grenzt im Nordosten an die BAB A 8 (E 11) an. Teil II hat eine Größe von rund 32 ha.

·               (2)Im Teil II befinden sich zum Teil oder ganz die Gewanne: Lerchenberg, Birkach, Vor der Bühlhecke, Am Marktweg, Häslach und Steinacker.

·               (3)Teil II wird durch folgende in ihm liegende Flurstücke, innerhalb bzw. außerhalb liegende Wege und Feldwege (FW) sowie durch die Gemarkungsgrenze gegen Denkendorf, ausgehend von der Kreuzung der FW Nr. 5841 und 5782 im Gewann "Birkach" bei Flst. Nr. 5860, zunächst in östlicher Richtung verlaufend umgrenzt:
Die außerhalb liegenden FW Nr. 5841, 5822 - dieser Feldweg verläuft von Flst. Nr. 5825 bis Flst. Nr. 5801 parallel zur BAB A 8 -, 5909, 3782, 5932, 5925, den innerhalb liegenden FW Nr. 4351, wobei der Bereich der Hofstelle des Lerchenhofes - die Flst. Nrn. 5691, 5692, 5688, 5689, 5690 (teilweise)  und der FW Nr. 5698 - außerhalb liegend, den innerhalb liegenden FW Nr. 5580, die Flst. Nrn. 5583, 5585 und die Gemarkungsgrenze Denkendorf.

IV. Teil III

·               (1)Teil III des Landschaftsschutzgebietes "Köngen" umschließt teilweise den südlichen Ortsbereich von Köngen und grenzt im Südwesten direkt an die BAB A 8 an. Teil III hat eine Größe von rund 20 ha.

·               (2)Im Teil III befinden sich zum Teil oder ganz die Gewanne: Beim See, Am Seeweg, Seebuckel, Gänswasen, Burgwiesen, Krumme Burgäcker, Buben, Bubenbach und Altenberg.

·               (3)Teil III wird durch folgende in ihm liegende Flurstücke, durch außerhalb liegende Wege und Feldwege (FW) und durch die BAB A 8 entgegen dem Uhrzeigersinn umgrenzt:
Ausgehend vom westlichsten Punkt bei Flst. Nr. 4238, die BAB A 8, die FW Nrn. 3719, 3741, 3710, 3630/1, die Flst. Nrn. 3214, 3216, den FW Nrn. 3537 mit Ausnahme des bebauten Flst. Nr.3141, das Flst. Nr. 3584, den FW Nr. 3628/3, das Flst. Nr. 3604, den FW Nr. 3629/1, die Flst. Nrn. 3684 (teilweise) , 3685 (teilweise, 3686 (teilweise) , 3688, 3689, den FW Nr. 3630/1, das Flst. Nr. 3846, die FW Nrn. 3902, 3785, 3773, 4065, 4064, 4070 und 4049.

V. Teil IV

·               (1)Teil IV hat eine Größe von rund 65 ha und umfaßt im wesentlichen den nordöstlich von Köngen gelegenen Streuobstwiesenhang (Prallhang des Neckars) und einen Teil der angrenzenden Hochfläche.

·               (2)Im einzelnen handelt es sich zum Teil oder ganz um die Gewanne
Halden, Ob den Halden, Ob den Nonnenhäusern, Laylen, Ottenstein, Reutewiesen, Reutewald, Elternstein, Hintere Ebene und Vordere Ebene.

·               (3)Teil IV wird umgrenzt:

·               Im Norden: Vom Haldenweg, wobei die Grundstücke Flst. Nrn. 12547 - 12566, 11755, 11756, Teil von 11760 (Obstbaumwiese), 11752, 11751, Teil von 11750 (Obstbaumwiese), Teile von 11744 - 11730 und 11729 einbezogen werden. Ausgenommen sind das Gebiet der Kleingartenanlage im Gewann "Äpfelegert", die Flst. Nrn. 12667, 12668/1, 12668/2, 12669, 12670 sowie die FW Nr. 12675 und 12673.

·               Im Osten: Von der Gemarkungsgrenze zu Wernau.

·               Im Süden: Von der Gemarkungsgrenze zu Wernau bis zum südlichen Grenzpunkt von Flst. Nr. 587/2 (Gemarkung Wernau), entlang dem Weg Nr. 2311 - Weg Nr. 2311 verläuft parallel zur K 1266 (Plochinger Straße) - mit Ausnahme der Grundstücke des Gewerbebetriebes Flst. Nrn. 1553 - 1556, 1582, 1547, 1595, 1596 und 1240, ab dem Flst. Nr. 1478 verläuft die Landschaftsschutzgebietsgrenze direkt entlang der K 1266.

·               Im Westen: Durch das Grundstück Flst. Nr. 686 (Steiggasse).

VI. Die genauen Grenzen des Landschaftsschutzgebietes sind in einer Übersichtskarte im Maßstab 1 : 25.000 und in Flurkarten im Maßstab 1 : 2.500 schwarz umgrenzt und grün angeschummert eingetragen. Die Karten sind Bestandteil der Verordnung. Die Verordnung mit Karten wird beim Bürgermeisteramt Köngen, 7316 Köngen, Oberdorfstraße 2, zur kostenlosen Einsicht durch jedermann während der Dienststunden niedergelegt.

§ 3 Schutzzweck

Mit diesem Landschaftsschutzgebiet werden im wesentlichen

·               die Erhaltung der Wiesen und Streuobstwiesen in ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit,

·               die Erhaltung der Streuobstwiesengebiete in ihrer großen ökologischen Bedeutung als natürlicher Lebensraum für Pflanzen und Tiere und damit die Erhaltung eines ausgewogenen Naturhaushaltes und

·               die Erhaltung von Erholungsraum für die Allgemeinheit bezweckt.

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§ 4 Verbote

In dem Landschaftsschutzgebiet sind alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen, insbesondere wenn dadurch

1.            der Naturhaushalt geschädigt,

2.            die Nutzungsfähigkeit der Naturgüter nachhaltig gestört,

3.            eine geschützte Flächennutzung auf Dauer geändert,

4.            das Landschaftsbild nachteilig verändert oder die natürliche Eigenart der Landschaft auf andere Weise beeinträchtig oder

5.            der Naturgenuß oder der besondere Erholungswert der Landschaft beeinträchtigt wird.

§ 5 Erlaubnisvorbehalt

(1) Handlungen, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können, bedürfen der schriftlichen Erlaubnis der unteren Naturschutzbehörde.

(2) Der Erlaubnis bedürfen insbesondere folgende Handlungen:

1.            Errichtung von baulichen Anlagen im Sinne der Landesbauordnung in der jeweils geltenden Fassung oder Maßnahmen, die der Errichtung gleichgestellt sind;

2.            Errichtung von Einfriedigungen;

3.            Verlegen oder Ändern von ober- oder unterirdischen Leitungen aller Art;

4.            Abbau, Entnahme oder Einbringen von Steinen, Kies, Sand, Lehm oder anderen Bodenbestandteilen, Vornahme von Bohrungen oder Veränderung der Bodengestalt auf andere Weise;

5.            Lagern von Gegenständen, soweit sie nicht zur zulässigen Nutzung des Grundstückes erforderlich sind;

6.            Lagern von Abfällen;

7.            Anlage oder Veränderung von Straßen, Wegen, Plätzen oder anderen Verkehrsanlagen;

8.            Anlage oder Veränderung von Stätten für Sport und Spiel, einschließlich Motorsportanlagen sowie Betrieb von Motorsport und von motorgetriebenen Schlitten;

9.            Aufstellen von Wohnwagen oder Verkaufsständen außerhalb der zugelassenen Plätze, Zelten oder mehrtägiges Abstellen von Kraftfahrzeugen;

10.        Anlage, Beseitigung oder Änderung von fließenden oder stehenden Gewässern;

11.        Aufstellen oder Anbringen von Plakaten, Bild- oder Schrifttafeln;

12.        Neuaufforstung, Umwandlung von Wald, Anlage von Kleingärten, Anpflanzung standortfremder Gehölze oder wesentliche Änderung der Bodennutzung auf andere Weise;

13.        Beseitigung oder Veränderung von wesentlichen Landschaftsbestandteilen wie z.B. Bäumen, Hecken, Gebüschen, Feld- und Ufergehölzen, Schilf- und Rohrbeständen, Felsen und Natursteinmauern;

14.        Beseitigung von Obstbäumen und Umbruch von Wiesen zu Äckern;

15.        Errichtung von intensiv bewirtschafteten Obstanlagen (z.B. Nieder-, Halbstammanlagen, Obsthecken);

16.        Reiten, mit Ausnahme auf Wegen, auf denen das Reiten nicht durch Dritte ausgeschlossen ist.

(3) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn die Handlung Wirkungen der in § 4 genannten Art nicht zur Folge hat oder solche Wirkungen durch Auflagen oder Bedingungen abgewendet werden können. Sie kann mit Auflagen, unter Bedingungen, befristet oder widerruflich erteilt werden, wenn dadurch erreicht werden kann, daß die Wirkungen der Handlung dem Schutzzweck nur unwesentlich zuwiderlaufen.

(4) Die Erlaubnis wird durch eine nach anderen Vorschriften notwendige Gestattung ersetzt, wenn diese mit Zustimmung der Naturschutzbehörde ergangen ist.

(5) Bei Handlungen des Bundes und des Landes, die nach anderen Vorschriften keiner Gestattung bedürfen, wird die Erlaubnis durch das Einvernehmen der Naturschutzbehörde ersetzt. Das gleiche gilt für Handlungen, die unter Leitung oder Betreuung staatlicher Behörden durchgeführt werden.

(6) Eine nach Absatz 3 erteilte Erlaubnis erlischt, wenn nicht innerhalb von zwei Jahren nach Bekanntgabe ihrer Erteilung mit dem Vorhaben begonnen oder die Durchführung länger als zwei Jahre unterbrochen wird. Die Frist kann auf Antrag verlängert werden.

§ 6 Zulässige Handlungen

Die §§ 4 und 5 gelten nicht:

1.            für die Nutzung im Rahmen einer ordnungsmäßigen Bewirtschaftung land- und forstwirtschaftlicher Grundstücke mit Ausnahme der Handlungen nach § 5 Abs. 2 Nrn. 6, 13, 14 und 15;

2.            für die Beseitigung von einzelnen absterbenden Obstbäumen, wenn anstelle des alten Baumes auf dem Grundstück ein junger Obstbaum (Hochstamm) gepflanzt wird;

3.            für die ordnungsmäßige Ausübung der Jagd und Fischerei;

4.            für die ordnungsmäßige Unterhaltung der Straßen, Wege, Plätze und Gewässer, ausgenommen Maßnahmen nach § 5 Abs. 2 Nr. 13;

5.            für die behördlich angeordneten oder zugelassenen Beschilderungen.

§ 7 Befreiungen

(1) Liegen die Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis nicht vor, so kann die untere Naturschutzbehörde von den Vorschriften dieser Verordnung nach § 63 NatSchG Befreiung erteilen.

(2) Die Befreiung bedarf bei folgenden Handlungen der Zustimmung des Regierungspräsidiums Stuttgart als höhere Naturschutzbehörde:

1.            Genehmigung von Flächennutzungs- oder Bebauungsplänen, die dem Schutzzweck zuwiderlaufen;

2.            Anlage oder Veränderung von Vorhaben im Sinne von § 63 Abs. 2 Nr. 2 NatSchG, die zu Eingriffen von besonderer Tragweite oder zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung überörtlicher Interessen der erholungssuchenden Bevölkerung führen können;

3.            Errichtung von Freizeitanlagen, die in besonders gelagerten Einzelfällen die landschaftliche Eigenart beeinträchtigen können, so z.B. Skilifte oder der Errichtung gleichgestellte Maßnahmen.

§ 8 Ordnungswidrigkeiten

Ordnungswidrig im Sinne des § 64 Abs. 1 Nr. 2 NatSchG handelt, wer in dem Landschaftsschutzgebiet vorsätzlich oder fahrlässig

1.            entgegen § 22 Abs. 3 NatSchG i.V.m. § 4 dieser Verordnung Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen,

2.            entgegen § 5 dieser Verordnung ohne vorherige schriftliche Erlaubnis Handlungen vornimmt, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen können.

§ 9 Inkrafttreten

Diese Verordnung tritt am Tag nach ihrer Verkündung in Kraft.

Esslingen am Neckar, den 26.03.1987

Landratsamt

Dr. Braun, Landrat